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Modellvorhaben zum ExWoSt-Forschungsfeld "Green Urban Labs" (Projektaufruf)

Im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) beabsichtigt das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in dem neuen ExWoSt-Forschungsfeld "Green Urban Labs" Modellvorhaben durchzuführen, die neue Ansätze einer urbanen Grünentwicklung erproben. Die Laufzeit der Modellvorhaben beträgt drei Jahre; voraussichtlicher Start ist Anfang 2017.


1. Hintergrund und Zielsetzung

Urbanes Grün leistet einen wesentlichen Beitrag für die Lebensqualität in unseren Städten. Unabhängig davon, in welcher Situation sich eine Stadt befindet, geht es vor allem darum, wie Grün- und Freiflächen entwickelt, gesichert und unterhalten werden können. Neue Anforderungen an das Leben und Arbeiten in unseren Städten erfordern die Entwicklung von robusten und zugleich flexiblen Grünräumen. Die hierfür nötigen Bedingungen sind dabei immer wieder neu zu verhandeln. In verdichteten städtischen Lagen sind Grün- und Freiflächen einer sich verschärfenden Konkurrenzsituation ausgesetzt. Sie rücken immer öfter als Potenzialflächen für Neubau in den Fokus. In sozial benachteiligten Lagen wird eine ausgewogene Grünraumversorgung oft angesichts von Belangen mit höherer Dringlichkeit hinten angestellt. Ihr Fehlen kann dabei nicht etwa durch private Grünflächen ausgeglichen werden. Bei Neuplanungen für Freiflächen, die durch Rückbau oder Konversion entstehenden, können wiederum neue Grün- und Freiflächenstrukturen entsprechend geänderter Nutzungsanforderungen entwickelt werden.

Im Rahmen des ExWoSt-Forschungsfeldes werden deshalb Kommunen gesucht, die für drei Jahre in einem "Green Urban Lab" neue Ansätze, innovative Ideen und kreative Konzepte der Grünentwicklung in urbanen Räumen erproben.

"Green Urban Labs" können neue Formen der Platz-, Grünflächen- und Parkgestaltung beinhalten. Dabei können ebenso Ansätze für Mehrfachnutzung, neue Partnerschaften oder übergeordnete Verfahren der Planung, Finanzierung oder Pflege entwickelt beziehungsweise erprobt werden. Auch die Kombination solcher Aspekte ist möglich.

Die Modellvorhaben sollen Aspekte der Umweltgerechtigkeit aufgreifen, also räumlich konzentrierte, gesundheitsrelevante Umweltbelastungen vermeiden bzw. reduzieren und einen gerechteren Zugang zu Umweltressourcen ermöglichen. Ebenso denkbar sind Aspekte der "Multicodierung". Unter Multicodierung soll die Mehrfachnutzung eines bestimmten Ortes verstanden werden, z.B. Skaterpark und Regenwasserrückhaltebecken auf einem Platz. Das Forschungsfeld soll auch untersuchen, wie der Begriff "Grüne Infrastruktur" im urbanen Kontext weiterentwickelt werden kann. In urbanen Räumen wird unter Grüner Infrastruktur die Gesamtheit städtischen Grüns verstanden. Sie beinhaltet ganz unterschiedliche Grünstrukturen mit all den vielfältigen Leistungen und Funktionen für das Gemeinwohl unter den sich wandelnden Herausforderungen und Bedürfnissen der Lebens- und Arbeitswelten in unseren Städten.

Die Themen Umweltgerechtigkeit, Multicodierung und urbane Grüne Infrastruktur sollen einzeln oder im Zusammenhang in den "Green Urban Labs" betrachtet und mit assoziierten Themen wie Integration, Gesundheit, Bildung oder Klima verknüpft werden.

2. Welche Vorhaben sind von Interesse?

Mit dem ExWoSt-Forschungsfeld sollen Kommunen darin unterstützt werden, neue Perspektiven und Handlungsformen für Grün- und Freiflächen in urbanen Räumen zu entwickeln. Der räumliche Kontext für die "Green Urban Labs" ist innerhalb urbaner Räume frei. Er kann sich auf die Region, die Gesamtstadt, ein Quartier, einen konkreten Grün- und Freiraum oder eine Kombination dieser räumlichen Ebenen beziehen. Gleichermaßen denkbar sind gesamtstädtische Konzepte, lokale, quartiersbezogene Projekte, die zum Beispiel neue Konstellationen von Akteuren in den Fokus rücken. "Green Urban Labs" können somit grüne (Um-)Nutzungen in einer netzartigen Struktur einer ganzen Stadt oder Region, aber auch kleinteilige grüne Interventionen im Wohnumfeld oder Quartier sein. Auch hoch spezifische Räume können bei innovativer Zielsetzung (zum Beispiel Um- und Mehrfachnutzung) Modellvorhaben sein. Gleiches gilt für städtebauliche Projekte, die innovative, an grün orientierte Leitbilder oder Leitideen umsetzen. Von besonderem Interesse sind Vorschläge für Räume, in denen Bewohner erhöhten Umweltbelastungen ausgesetzt sind und der Zugang zu Umweltressourcen eingeschränkt ist.

Die Modellvorhaben sollen dazu beitragen, folgende Leitfragen zu beantworten:

  1. Welchen Stellenwert hat urbanes Grün im Kontext von integrierter Stadtentwicklung? Welche Funktion übernimmt es?
  2. Wie kann die Wahrnehmung urbanen Grüns in städtischen Abwägungs- und Aushandlungsprozessen verbessert werden? Welche Argumente lassen sich innerhalb dieser Prozesse für beziehungsweise gegen eine Intensivierung von Grün- und Freiflächenstrukturen finden?
  3. Wie kann die Umweltgerechtigkeit in benachteiligten Stadträumen verbessert werden?
  4. Wie wirken sich finanzielle Rahmenbedingungen der Kommune auf urbanes Grün aus? Welche alternativen Konzepte sind bei knappen finanziellen und personellen Ressourcen erfolgreich?
  5. Welche Rolle spielen zivilgesellschaftliches Engagement und das Wechselspiel privater und öffentlicher Verantwortung bei der Entwicklung von Grün- und Freiräumen, z.B. bei der Instandhaltung von Grünflächen?
  6. Wie können Grün- und Freiräume multicodiert gestaltet werden und was bedeutet das aus Sicht der kommunalen Verwaltung?

3. Voraussetzungen zur Teilnahme

Ein "Green Urban Lab" kann eine Weiterentwicklung von Teilen oder der Gesamtheit eines bestehenden Grünraums sein; denkbar sind jedoch auch komplette Neuplanungen oder strategische Konzepte auf gesamtstädtischer Ebene. Voraussetzungen zur Sicherstellung signifikanter Umsetzungsschritte während der Laufzeit (Verfügbarkeit von Flächen, Finanzierung) sind nachzuweisen. Das Vorhaben kann von regionaler, gesamtstädtischer oder teilstädtischer Bedeutung sein. Inhaltlich sollte es sich an den genannten Themen orientieren. Die Übertragbarkeit der neuen Ansätze auf andere Kommunen sollte möglich sein.

Der Auftraggeber strebt eine breit gefächerte Auswahl an innovativen Modellvorhaben an, um sowohl die städtischen Handlungsebenen als auch die verschiedenen Themenbereiche abzudecken, von denen urbane Grün- und Freiräume herausgefordert werden.

Bewerbungen können ausschließlich von Kommunen eingereicht werden. Kooperationen mit privaten Einrichtungen und zivilgesellschaftlichen oder anderen Organisationen sind ausdrücklich erwünscht.

Des Weiteren spielen folgende Kriterien für die Auswahl der Modellvorhaben eine wesentliche Rolle:

  • Die Modellvorhaben sollen innovative gesamtstädtische und/oder quartiersbezogene Ansätze beinhalten, die derzeit konzipiert werden beziehungsweise sich in der Anfangsphase der Umsetzung befinden.
  • Gestalterische Ansätze zu den Themen Umweltgerechtigkeit und Multicodierung sind von besonderer Relevanz.
  • In den Modellvorhaben sollen Kommunalverwaltung, Planungsbüros, private und zivilgesellschaftliche Akteure kooperieren. Verschiedene Zuständigkeiten sollen erfolgreich vernetzt, Maßnahmen gebündelt und räumlich als "Green Urban Labs" verankert werden.
  • Eine ressortübergreifende Zusammenarbeit in der Verwaltung ist in den Modellvorhaben zu berücksichtigen (z.B. Stadtplanungsamt, Grünflächenamt, Ordnungsamt, Jugend und Soziales, Bildung und Kultur, Wirtschaftsförderung u.a.) und sollte sich in den Handlungsbausteinen der Modellvorhaben wiederfinden.

4. Finanzielle/ fachliche Unterstützung und Aufgaben der Modellvorhaben

Für jedes ausgewählte Modellvorhaben stehen rund 150.000 € (brutto) für Personal- und Sachmittel zur Verfügung. Dabei kann ein Personaleinsatz seitens der Kommune nur angerechnet werden, wenn dafür eine neue Stelle geschaffen, eine bestehende Teilstelle erweitert wird oder dafür Dritte beauftragt werden.

  • Förderfähig sind grundsätzlich alle Kosten im Zusammenhang mit im Rahmen des Modellvorhabens umzusetzenden Handlungsansätzen (z.B. Konzeptentwicklung, Aufbau von Kooperationen, Moderations- und Beratungsangebote, Aktivierungsmaßnahmen, Verknüpfung von lokalen und gesamtstädtischen Netzwerken, operative Durchführung der Modellvorhaben).
  • Zusätzlich können kleinere bauliche Maßnahmen, die eine forschungsbedingte Relevanz haben, finanziert werden. Von der Zuwendung je Modellvorhaben können hierfür maximal 10 Prozent verwendet werden.

Eine finanzielle Eigenleistung der Kommune im Rahmen des geplanten Modellvorhabens wird in Höhe von mindestens 50 Prozent der Fördersumme erwartet. In begründeten Fällen kann eine Ausnahmeregelung vereinbart werden. Die Kommunen können ihren Eigenanteil auch über den Einsatz von Sachmitteln und Personal als geldwerte Eigenleistungen darstellen. Eigenleistungen können erbracht werden durch Stammpersonal; ebenso können Investitionen für bauliche oder weitere investive Maßnahmen angerechnet werden. Die kommunale Eigenbeteiligung kann auch über Dritte erfolgen.

Die Modellvorhaben werden sowohl im Rahmen der Erstellung des Zuwendungsbescheides sowie während der Laufzeit durch eine Forschungsassistenz fachlich-inhaltlich begleitet. Mit der wissenschaftlichen Begleitung, der Unterstützung des Erfahrungsaustauschs sowie der Auswertung und Dokumentation der Modellvorhaben wurde das Büro Urbanizers – in Kooperation mit gruppe F – als Forschungsassistenz durch das BBSR beauftragt. Von den Modellvorhaben wird eine aktive Beteiligung am ExWoSt-Forschungsfeld "Green Urban Labs" erwartet, z.B. durch Öffentlichkeitsarbeit, Berichte und Teilnahme an Erfahrungswerkstätten und Fachveranstaltungen. Das konkrete Aufgaben- und Leistungsprofil wird nach Auswahl der Modellvorhaben erstellt.

Zudem ist für jedes Modellvorhaben eine begleitende Evaluation im laufenden Prozess als verbindlicher Baustein geplant. Damit soll die Zielsetzung jedes einzelnen Modellvorhabens erfasst und im laufenden Prozess überprüft werden. Die Evaluation wird durch die Modellvorhaben organisiert und kann entweder durch das Team des Modellvorhabens selbst oder Externe durchgeführt werden.

5. Bewerbung

Interessenten senden bitte den Erhebungsbogen, der auch eine kurze Projektskizze enthält, bis zum 7. Oktober 2016 per E-Mail an das BBSR an Ref-1-4@bbr.bund.de mit dem Betreff "Green Urban Labs". Die Dateigröße der E-Mail (inkl. Anlagen) darf 5 MB nicht überschreiten.

Download der Bewerbungsunterlagen (Erhebungsbogen/Projektskizze)


Die Bewerbung sollte maximal fünf DIN A4 Seiten umfassen und Angaben zu folgenden Aspekten enthalten:

  • Analytische Darstellung der städtischen Grün- und Freiraumstruktur und der Sozialstruktur, mit Nennung eventueller Förderprogramme im Gebiet
  • Handlungsbedarf und Ziele des Modellvorhabens, Handlungsbausteine, geplante Maßnahmen und Möglichkeiten der Verstetigung
  • Formen der Kooperation (Nennung der Akteure, ggf. bisherige Aktivitäten)
  • Finanzübersicht (Aufteilung der Fördermittel, Eigen- und ggf. Drittmittel), ggf. Umfang der baulichen Investitionen

Die Bereisung potenzieller Modellvorhaben ist im Vorfeld der Auswahl geplant. Die finale Auswahl orientiert sich an den unter Punkt 3 genannten Kriterien. Sie erfolgt Ende Oktober/Anfang November. Bei erfolgreicher Auswahl Ihres Modellvorhabens ist ein förmlicher Zuwendungsantrag zu stellen. Die Modellvorhaben sollen Anfang 2017 ihre Arbeit vor Ort aufnehmen.


Ansprechpartner/innen

Urbanizers (Forschungsassistenz):

Corinna Kennel, Tel.: 030/8892229-24, E-Mail: kennel@urbanizers.de
Florian Tienes, Tel.: 030/8892229-16, E-Mail: tienes@urbanizers.de

BBSR:

Juliane Wagner, Tel.: 0228/99401-2335, E-Mail: juliane.wagner@bbr.bund.de