Navigation und Service

Fachverstaltung "Innovationsorientierte Wirtschaftsförderung und Regionalentwicklung - Wie Kommunen und Regionen INTERREG IV B nutzen können"

15. Dezember 2009 in Berlin

Teilnehmer des Forums 2 "Transnationale Innovationsförderung für kleine und mittlere Unternehmen"

Innovationsorientierte Wirtschaftsförderung haben viele Kommunen und Regionen bereits auf ihrer Agenda: sie unterstützen die Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft in Clusterinitiativen, engagieren sich beim Aufbau von Technologie- und Gründerzentren oder fördern in Pilotprojekten die Anwendung innovativer Technologien. Seit 2007 bietet das INTERREG IV B-Programm mit einer eigenen Förderpriorität "Innovation" verbesserte Möglichkeiten, solche Ansätze der innovationsorientierten Wirtschaftsförderung zu bearbeiten. Ziel der Fachveranstaltung war es daher, die Möglichkeiten und Chancen der Innovationsförderung innerhalb transnationaler Projekte anhand von Beiträgen von Praktikern und Programmverantwortlichen vorzustellen und zu diskutieren. In einer kleinen begleitenden Ausstellung präsentierten sich die Nationalen Kontaktstellen der Programmräume Alpen-, Nordsee-, Ostseeraum, Nordwesteuropa und Mitteleuropa sowie einzelne INTERREG-Projekte.

In seinem Grußwort vor den über 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmern vor allem aus den Bereichen Wirtschaftsförderung, Stadt- und Regionalentwicklung, Innovationsförderung und Technologietransfer unterstrich Matthias Petschke, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Berlin, die Bedeutung, die der regionalen Ebene für eine nachhaltige Raumentwicklung und eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit zukommt.

Kerstin Greiling und Jens Kurnol vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) gaben in ihrem Beitrag einen Überblick zu den Fördermöglichkeiten in INTERREG IV B und skizzierten die "spezifische Nische" der Innovationsförderung im Rahmen dieser transnationalen Programme. Im Gegensatz zu den verschiedenen Fachprogrammen - wie etwa dem 7. Forschungsrahmenprogramm - liege der Fokus hier auf der integrierten räumlichen Entwicklung. So seien die räumlichen Bedingungen und Wirkungen bei der Konzipierung von Projektideen zu berücksichtigen. Darüber hinaus gelte es, den Nutzen für die jeweiligen Kooperationsräume insgesamt herauszuarbeiten (Alpen-, Nordsee-, Ostseeraum, Mittel- und Nordwesteuropa). Beispielhaft benannten sie als Handlungsfelder die Förderung von Clustern, die Unterstützung des Wissenstransfers in die wirtschaftliche Praxis sowie Projekte, die zu einem innovationsfördernden Umfeld beitragen.

Daniel Zwicker-Schwarm von Deutschen Institut für Urbanistik berichtete von den Ergebnissen einer laufenden MORO-Studie, in der eine Analyse "gute Beispiele" innovationsorientierter INTERREG B-Projekte erarbeitet wurde. Kommunale und regionale Akteure könnten in mehrfacher Hinsicht von solchen Projekten profitieren. So zeigten die Fallbeispiele, wie mithilfe ausländischer Erfahrungen die Programme und Instrumente der Innovationsförderung vor Ort verbessert werden. Oft ermögliche die Zusammenarbeit innerhalb der Kooperationsräume. in einzelnen Technologiefeldern eine kritische Masse für neue Angebote der Innovationsförderung zu erreichen, inhaltliche Synergien zu nutzen und gemeinsame Marketingeffekte zu erzielen.

Unter dem Titel "Innovationsförderung in Stadt und Land" berichteten Ralf Meyer von der Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (AGIT) sowie Tim Brauckmüller vom Berliner Büro ATENE kom von INTERREG-Projekterfahrungen in unterschiedlichen räumlichen Kontexten. Im Rahmen des Projekts Eindhoven Leuven Aachen Triangle (ELAt) konnten in den letzten Jahren mit der Erarbeitung einer transnationalen Innovationsstrategie wichtige konzeptionelle Schritte in Richtung einer wissensökonomischen Großregion gegangen werden, die nun in Form einer dauerhaften Organisation und konkreten Folgeprojekten für Unternehmen und Forschungseinrichtungen weitergeführt werden soll. Ein konkreter Ausgangspunkt für die zahlreichen INTERREG-Projektaktivitäten des Landkreises Osterholz sowie der Stadt Osterholz-Scharmbeck im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien war die ungenügende Breitbandanbindung dieser ländlichen Region. Dabei hätten die Projekterfahrungen bestätigt, dass die Lösungen oft schon im Ausland vorliegen. Über die Zusammenarbeit mit Partnern im Nord- und Ostseeraum habe man zudem passende technische Lösungen, Betreibermodelle und Dienstleistungen kennen gelernt oder gemeinsam neu entwickelt. In der nachfolgenden Diskussion wurde deutlich, dass sich die Innovationspriorität sowohl Ansatzpunkte für Regionen mit starkem FuE-Besatz als auch für eher strukturschwache Räume eignet und es erfolgreiche Beispiele von in dieser Hinsicht "gemischten" Projektkonsortien gibt.

In zwei parallelen Themenforen wurden am Nachmittag die Handlungsfelder "Transnationales Clustermanagement und Vernetzung von Technologieparks und Gründerzentren" sowie "Transnationale Innovationsförderung für Kleine und Mittlere Unternehmen" vertieft. Vor dem Hintergrund des Projekts "Baltfood" schilderte Björn P. Jacobsen von der Wirtschaftsförderung Lübeck die Motivation, dreizehn regionale Clusteransätze im Bereich der Ernährungswirtschaft im Ostseeraum zu vernetzen. Während etwa Lübeck über einen ausgeprägten Unternehmensbesatz in diesem Wirtschaftszweig verfüge, fehlten in diesem Bereich bislang passende Forschungs- und Bildungsangebote vor Ort. Diese könnten nun in der Zusammenarbeit von den anderen Netzwerkpartnern in die gemeinsamen Produkte und Angebote eingebracht werden. Im Projekt Baltic Sea InnoNet Centres (BaSIC) steht die Unterstützung der internationalen Wachstumsaktivitäten innovativer KMU (sogenannter "Gazellen") im Mittelpunkt, wie Dr. Helge Neumann von der Berliner WISTA Management GmbH berichtete. Die Wissenschaftsstadt Adlershof arbeitet dabei mit Technologieparks und Gründerzentren aus dem Städtenetzwerk Baltic Metropoles zusammen.

Dr. Max Hogeforster stellte die Aktivitäten des Hanse-Parlaments e.V., einem Zusammenschluss von über 40 Handwerkskammern des Ostseeraums, zur Unterstützung der Internationalisierung und Innovationsfähigkeit von KMU vor. Er betonte die Rolle intermediärer Einrichtungen: im extrem kleinbetrieblich strukturierten Handwerksbereich sei die Bündelung von Unternehmen mit ähnlichen Innovations- und Beratungsbedarfen wichtig. Sylvia Hustedt, Leiterin des GründerZentrum Kulturwirtschaft e.V. in Aachen berichtete von der transnationalen Kooperation zur Unterstützung der Kulturwirtschaft in Nordwesteuropa im Rahmen des Projekts ECCE. Sie stellte die Bedeutung von INTERREG-Projekten für den Erfahrungsaustausch heraus: während die Arbeit des Aachener Zentrums beispielsweise von den britischen Finanzierungsansätzen inspiriert wurde, wurde dessen Coaching-Modell von französischen und niederländischen Partnern übernommen.

In einem abschließenden "Round Table" diskutierten Claudia Eggert, Nationale Kontaktstelle Nordseeprogramm, Sylvia Schreiber, Leiterin des Europabüros der Region Stuttgart sowie Dr. Helge Neumann von der WISTA Management GmbH und Daniel Zwicker-Schwarm vom Deutschen Institut für Urbanistik mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern über die Erfolgsfaktoren bei der Entwicklung und Bearbeitung transnationaler Projekte im Bereich der Innovationsförderung. Frau Eggert stellte dabei heraus, dass innerhalb des Rahmens der Operationellen Programme grundsätzlich die Themenfindung und Ideenentwicklung "bottom up" erfolge, wobei die Nationalen Kontaktstellen informieren und unterstützen könnten. Frau Schreiber berichtete vor dem Hintergrund der Erfahrungen der Region Stuttgart, dass die Zusammenarbeit in Innovationsfragen aufgrund unterschiedlicher räumlicher Stärken und Bedarfe grundsätzlich eine "variable Geometrie" aufweise, die tendenziell in einem Spannungsfeld zu den relativ starren Kooperationsräumen des INTERREG-Programms stünde. Dennoch gebe es verschiedene Themen, bei denen regionale Akteure von transnationalen Projekten profitiert hätten. Herr Dr. Neumann unterstrich die vergleichsweise große thematische Offenheit der Priorität Innovationsförderung als Vorteil. Wichtig sei für die Antragsstellung und die Verankerung von Projekten in Politik und Region eine schlüssige und überzeugende Außendarstellung. Seitens mehrerer Teilnehmer wurde die politische Aufmerksamkeit auch seitens der europäischen Ebene hervorgehoben, die mit einer Projektbeteiligung verbunden sei. Als Wunsch wurde unter anderem der stärkere Austausch zwischen Projekten ähnlicher Themenstellungen innerhalb und zwischen den einzelnen Programmräumen angeregt. Herr Kurnol verwies in diesem Zusammenhang auf die Aktivitäten des BBSR, mit neuen Ansätzen der Öffentlichkeitsarbeit hierzu einen Beitrag zu leisten.

Veröffentlichung zum Thema:
Transnationale Perspektiven für eine innovationsorientierte Wirtschaftsförderung
Hrsg.: BBSR, Bonn 2009
>> weitere Informationen

Weitere Informationen zum Programm INTERREG: INTERREG B

Ansprechpartner im BBSR:
Jens Kurnol, Referat I 3, jens.kurnol@bbr.bund.de