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Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere

Erfahrungen

Lernen aus den ersten Erfahrungen der Modellvorhaben

Das Thema generationenübergreifender Nachbarschaften von Jung und Alt gewinnt in der stadtentwicklungspolitischen Praxis und im Alltag vieler Menschen zunehmend an Bedeutung; dies gilt für die Entwicklung von bestehenden Quartieren ebenso wie für Neubaugebiete.

Die im Rahmen des ExWoSt-Forschungsfeldes "Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere" gewonnenen Erkenntnisse und gesammelten Erfahrungen sind Richtung weisend in der aktuellen Diskussion. Sie bieten Orientierung und Handlungsempfehlungen für eine erfolgreiche Umsetzung, nicht nur in Modellvorhaben sondern auch im Normalfall.

Eine Vielzahl bundesweiter Veranstaltungen zum Thema Quartiersentwicklung für Jung und Alt belegen, wie aktuell das Thema ist. Hier konnten schon wichtige Impulse geleistet werden für die fachliche Debatte und die alltägliche Praxis Vorort.

Die Modellvorhaben haben erste Erfahrungen gesammelt

Die Fortschrittsuntersuchung beschäftigt sich mit den Modellvorhaben im "Praxistest". Viele Modellvorhaben haben die Bauphase erst in 2010 beendet und erst für kurze Zeit Erfahrungen im Dauertest sammeln können. Die Beobachtung im "Alltag" wird also noch nächstes Jahr fortgesetzt werden müssen; dennoch ergeben sich bereits erste Eindrücke.

Die gesammelten Erfahrungen in der Praxis weisen nicht nur auf Erfolge. Es ist für eine Praxis orientierte Forschung von besonderem Wert, Hemmnisse zu identifizieren. Auch aus gut gemeinten und gut gemachten Fehlern lässt sich vortrefflich lernen, wenn man sie denn rechtzeitig erkennt. Hierzu dienen auch die kritischen Blicke der Begleitforschung.

Bereits bei der ersten Bereisung hat sich gezeigt, dass Brüche entstehen können, in dem die Unterstützung durch ExWoSt wegfällt. Gleichzeitig werden besondere Erfolge, dort wo Projekte selbständig ohne öffentliche Mittel weitergeführt werden, sichtbar. Dieses "alleine Laufen" und erfolgreich Weiterführen gilt es auch in der nachfolgenden abschließenden Bereisungsrunde 2011 weiter herauszuarbeiten. Deshalb können die folgenden Ausführungen nur vorläufig sein.

A. Aus den Erfahrungsberichten zu "Generationen übergreifende Gemeinschaftseinrichtungen" in der Praxis

Die erste Bereisung der Modellprojekte maximal ein Jahr nach Abschluss der Förderung über das ExWoSt-Forschungsfeld "Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere" hat noch einmal gezeigt, wie unterschiedlich die Gemeinschaftseinrichtungen im Forschungsfeld in Bezug auf die baulich-räumliche Ausprägung, die Angebotspalette sowie das Träger- und Betriebskonzept sind.

Schlüssel zum Erfolg: "Nähe durch Distanz"

Es kristallisieren sich jedoch einige zentrale Aspekte heraus, die mehr oder minder alle Projekte beschäftigen und die bei der Entwicklung zukünftiger Projekte frühzeitig berücksichtigt werden sollten. In allen Projekten wird der generationenübergreifende Ansatz durch eine intensive Nutzung von Familien und Senioren erfolgreich umgesetzt. Die Gruppe der Jugendlichen wird allerdings nach wie vor nur in einzelnen Projekten erreicht. Die Einrichtungen haben ausgehend von ihrem spezifischen Träger- bzw. Finanzierungsmodell Angebotsschwerpunkte entwickelt, mit denen einzelne Nutzergruppen vorrangig angesprochen werden, ohne andere auszuschließen.

Die Erfahrung zeigt, dass die Dominanz einer Gruppe im Nutzungsalltag nicht allzu stark werden darf, damit sich alle Nutzergruppen von den Angeboten der Einrichtung angesprochen fühlen. Bislang sind außerordentliche Nutzungskonflikte zwischen den Generationen nicht aufgetreten. Das Bedürfnis der Senioren nach spezifischen Angeboten, bei denen sie "unter sich" sind und "ihre Ruhe" haben, ist allerdings groß.

Bauliche und mentale Hürde behindern Zugang

Die Themen Zugänglichkeit und Erreichbarkeit sind für nahezu alle Modellprojekte bedeutend. Die Einrichtungen an eher peripheren Standorten nehmen dies als Nachteil im Alltag war und entwickeln kreative Strategien, um sich stärker ins Bewusstsein der Quartiersbewohner zu rücken. Bauliche Barrieren, wie Mauern und Zäune, die
z.B. bei Kinderbetreuungsangebote aus rechtlichen Gründen notwendig sind, werden als starkes Zugangshemmnis empfunden. Das Erscheinungsbild der Einrichtung nach außen hat Einfluss darauf, ob sich alle Nutzergruppen eingeladen fühlen. Wenn beispielsweise ein Kinderbetreuungsangebot den Zugangsbereich optisch prägt, vergrößert sich die Zugangshürde für die Älteren.

Ein einladend offener Raum in der Nähe des Eingangs der Einrichtung ist von besonderem Wert. Er fördert Begegnung und spontane Besuche - unabhängig von der Nutzung sonstiger Angebote oder Dienstleistungen. Insbesondere in Kombination mit einem niedrig schwelligen gastronomischen Angebot bekommt ein solcher Raum eine Schlüsselfunktion für dien Erfolg einer Gemeinschaftseinrichtung. Ein einladender Empfang begrüßt und hilft, sich zu orientieren und zu informieren.

Zugänglich sein heißt auch "Willkommen heißen"

In nahezu allen Projekten wird hieran noch gearbeitet. Häufig fehlt ein fester Platz für Aushänge. Transparente Eingangssituationen werden mit Informationsblättern zu den Angeboten der Einrichtung verhängt. Hilfreich ist auch ein "Infoscreen", der auf die aktuell im Haus stattfindenden Angebote hinweist.

Vor allem hat der persönliche Kontakt eine hohe Bedeutung; dies kann z. B. über einen Empfangstresen - wie im Hotel - erfolgen. Da dieser nur in wenigen Einrichtungen personell zu realisieren ist, ist es notwendig, vom Eingangsbereich aus zumindest den Blickkontakt zum Personal der Einrichtung zu ermöglichen. Fenster oder Glasscheibe zwischen Büro und Eingangsbereich erweisen sich als gute Lösung.

Nutzen für alle verlangt nach unkomplizierter Aneignung

Gerade in den stark frequentierten Einrichtungen wird es hoch geschätzt, wenn die Räume multifunktional genutzt werden können. Die Erfahrungen mit flexiblen Wandelementen sind überwiegend positiv. Nicht alle Systeme erweisen sich als robust für den ungeübten Gebrauch. Auch akustische Störungen durch leichte Bauweisen erschweren es, benachbarte Räume zu nutzen. Der hohe Anspruch an ein breites Nutzungsspektrum lässt sich im alltäglichen Betrieb nicht immer umsetzen. Störungen bleiben nicht aus. Der dringende Bedarf nach einem leicht und flexibel handhabbaren Schließsystem zeigt sich in diesem Zusammenhang vor allem dort als erfolgreich, wo sich herkömmliche Systeme nicht bewähren und personeller Dauereinsatz nicht möglich ist. Elektronische Schließsysteme können in diesen Fällen den selbstorganisierten und verantwortungsvollen Betrieb erleichtern.

Konsequente Beteiligung der Nutzer fördert hohe Zufriedenheit bei der Nutzung

Durch eine offene Planungskultur, die Bewohnerinnen und Bewohner frühzeitig einbindet, ergeben sich positive Effekte in Hinblick auf die Verankerung der Einrichtung im Quartier und hohe Nutzungsvielfalt. In vielen Fällen wäre allerdings eine intensivere Beteiligung der späteren Nutzer oder zumindest der "Betreiber" an der Planung wünschenswert gewesen, um Grundrisskonzepte im Detail besser auf die Bedürfnisse des Nutzungsalltags auszurichten. In nicht wenigen Fällen erweisen sich die Vorstellungen der professionellen Planer als untauglich für den Alltag im Betrieb. So führen gestalterische durchaus überzeugenden Vorstellungen von "Transparenz" dazu, dass Räume nicht angenommen werden, weil sie Intimität vermissen lassen.

Gemeinschaftseinrichtungen geben Raum für Gemeinschaftslebens

Es wurden viele kleine baulich-technische Projekte umgesetzt - aber auch weitreichende Prozesse einer positiven Quartiersentwicklung angestoßen. Mit der Realisierung der Gemeinschaftseinrichtungen wurden von Seiten der Kommune oder Wohnungswirtschaft positive Signale gesetzt, die dazu beitragen, auch andere Akteure zu Investitionen zu motivieren.

Einzelne Modellprojekte sind bereits heute zum neuen Netzwerkknoten im Quartier und Kristallisationspunkt für Bürgerengagement geworden, das sich nicht nur auf die Einrichtung sondern auch das Quartier bezieht. Erfolgreich und allseits wertgeschätzt sind solche Einrichtungen, die bestehende Angebote ergänzen, vorhandenen Angeboten sogar neuen Raum bieten, Chancen zur Verknüpfung aufzeigen. Problematisch sind ehrgeizige Anstrengungen, die scheitern, weil sie neue Konkurrenzen erzeugen.

Klärung der laufenden Kosten ist Schlüsselaufgabe für den lebendigen Betrieb

Als Schlüsselaufgabe für einen lebendigen Betrieb in einer generationenübergreifenden Gemeinschaftseinrichtungen erweist sich die Koordination der vielfältigen Angebote und Nutzungen. Zur Grundabsicherung gehören aber auch die Miet- und Betriebskosten.

Folgende Bausteine finden sich in den Projekten:

  • eine kommunale Basisfinanzierung für Personal-, Miet- und Betriebskosten;
  • die Wohnungswirtschaft übernimmt die Verantwortung, indem ihr Sozialmanagement die Koordinationsaufgaben leistet;
  • die Wohnungswirtschaft trägt Miet- und/ oder Betriebskosten als Gegenleistung für öffentliche Förderung des Baus;
  • Für Personal mit anderen Kernaufgaben werden Stunden für Koordinationsaufgaben definiert
  • Anteile der Miet- bzw. Betriebskosten werden über Umlage unter den professionellen Nutzern und durch eigene Einnahmen aus Vermietung finanziert.

Erst aus der Kombination mehrerer Angebote erwächst ein lebendiger Ort

Die Kombination mehrerer Einrichtungen bzw. Integration fester Angebotsbausteine, wie Kinderbetreuung, Pflegedienst, Familienbildung etc. erzeugt Synergien und sorgt für eine Grundfrequenz an Besuchern. Ein weiterer wichtiger Baustein zur Belebung ist ein niedrig schwelliges gastronomisches Angebot, wie z.B. Mittagstisch, Café. Hier hat sich die Zusammenarbeit mit professionellen Beschäftigungsträgern bewährt. Dabei ist zu beachten, dass sich ganz selten solche gastronomischen Angebote selber tragen oder sogar zur Finanzierung der Einrichtungen beitragen. Vielmehr ist auch hier viel Ehrenamt gefordert. Dies setzt Grenzen, gerade deshalb, weil hier zahlreiche Auflagen zu berücksichtigen sind; dies betrifft gewerberechtliche und gesundheitsrechtliche Bestimmungen wie auch die Dimension und Ausstattung z.B. der Küchen.

Vielfältige Angebote erfordern gute Abstimmung aller Akteure

Aufgrund der Vielfalt des Angebotes wird der Betrieb von generationenübergreifenden Gemeinschaftseinrichtungen häufig von einem komplexen Akteursgefüge geprägt. Die stellt besondere Anforderungen an die Kommunikation. Regelmäßige "Hausrunden", Akteurstreffen, Ehrenamtlichentreffen sind wichtig, um eine reibungslose, konfliktfreie Organisation des Mit- und Nebeneinanders zu gewährleisten.

Basis der Zusammenarbeit sind gemeinsame Ziele, die in Zukunftswerkstätten, Profildiskussionen u.ä. aufgestellt und fortgeschrieben werden. Bei Kooperationsprojekten ist es wichtig, die verschiedenen Hierarchieebenen der beteiligten Institutionen einzubinden – die Leitungsebene, die Entscheidungen trifft, aber auch die Mitarbeiter, die Praxiswissen einbringen und Entscheidungen umsetzen müssen.

Ehrenamt gewinnt an Bedeutung, bedarf aber professioneller Betreuung

Bürgerschaftliches Engagement ist eine wichtige Größe in den Projekten, darf aber nicht überfordert werden und bedarf professioneller Unterstützung. Niedrig schwelliges Ehrenamt bis hin zu regelmäßigen von ehrenamtlichen getragenen Angeboten ist in allen Einrichtungen anzutreffen. Hinzu kommen nicht selten Formen der Beschäftigung, die in der Grauzone zwischen tariflich bezahlter Arbeit und Ehrenamt anzusiedeln sind. Nicht immer gibt es klare Grenzen zwischen bezahlter professioneller und ehrenamtlicher Tätigkeit – selbst von den professionell Tätigen wird oft besonderes Engagement verlangt ("Ehrenamt im Hauptamt"). Das Ehrenamt als verlässliches Potenzial erfordert es, dass es stets wach gehalten und durch erlebbare Erfolge und Anerkennung, letztlich durch persönlicher Ansprache gestützt wird. Professionelle Betreuung und deren Fortbildung und eine "Kultur der Anerkennung" ist der Schlüssel zum Erfolg. Dort, wo es Personalkapazitäten für diese Aufgaben gibt, entfaltet das ehrenamtliche Engagement eine hohe Wirkung.

Trägerstrukturen können vielfältig sein, es gibt keine Patentrezepte

wohnungswirtschaftlich initiierte/getragene Projekte

Wohnungsunternehmen sind im Interesse der Förderung von Nachbarschaft und sozialem Zusammenhalt in den Quartieren mit großem eigenem Wohnungsbestand zunehmend bereit, sich auch in Einrichtungen zu engagieren. Größere Unternehmen mit strategisch ausgerichtetem Sozialmanagement können zukünftig eine größere Verantwortung für Gemeinschaftseinrichtungen übernehmen. Eine kommunale Unterstützung durch ergänzende Maßnahmen im Quartier ist unverzichtbar.

kommunal initiierte/getragene Projekte

Kommunen sind angesichts des demografischen Wandels gehalten, ihre soziale Infrastruktur flexibel auszurichten. Regelaufgaben, wie Kinderbetreuung, Schulversorgung u.ä. mit generationenübergreifenden Angeboten zu verknüpfen ist ein übertragbarer Ansatz. Für Kommunen mit geringen finanziellen Handlungsspielräumen wird die alleinige Finanzierung grundsätzlich schwierig. Durch die Kombination von Angeboten für unterschiedliche Bevölkerungsgruppe in einem Gebäude können Kosten eingespart werden. Voraussetzung dabei ist aber eine Abkehr von kammeralistischen Strukturen und verteidigten Zuständigkeiten. Ohne einer personelle Grundbesetzung mit festen Planstellen erscheint eine rein kommunale Trägerschaft allerdings nicht empfehlenswert.

bürgerschaftlich initiierte/ getragene Projekte

Die bürgerschaftliche Trägerschaft erfordert hohe Kompetenzen und außerordentliches Engagement der Akteure sowie eine starke eigene Identifikation mit dem Quartier. Insofern ist dies weniger ein Modell für sozialstrukturell stark belastete Quartiere als für gemischte Quartiere mit Eigentums- und Mietwohnungen. Hier gilt es, das schlummernde Potenzial an Talenten zu erschließen. Eine kommunale Unterstützung und eine ehrliche Kultur der Anerkennung erscheint auch hier für den dauerhaften Erfolg als unverzichtbar.

kooperativ initiierte/ getragene Projekte

Die zwei Modellprojekte dieses Typs sind sehr unterschiedlich. Die Erfahrungen beider im Nutzungsalltag zeigen, dass der gemeinsame Bau und Betrieb hohe Anforderungen an die Zusammenarbeit stellt. Gemeinsame Erfahrungen bei der Organisation von Projekten sollten vorliegen, um sich auf diesen Prozess einzulassen. Zu beachten ist bei solche Kooperationsprojekte auch, dass die einzelnen Akteure in sehr unterschiedliche Strukturen, Zwängen, Regeln, Verfahren und Loyalitäten ihrer Organisationen eingebunden sind; dies gilt für öffentliche und soziale Träger ebenso wie für privatwirtschaftliche Unternehmen. Als Modell der Verstetigung der Stadtteilentwicklungsprozesse, die im Rahmen des Programms Soziale Stadt in Gang gesetzt wurden, wäre eine kooperative Trägerschaft auch andernorts denkbar und sinnvoll. Von großem Wert sind die aufgebauten Netzwerke, die dem Leben im Quartier ein wichtiges Rückrat verleihen.

B. Aus den Erfahrungsberichten zu "Generationen übergreifende Aneignung und Nutzung urbaner Freiräume" in der Praxis

Freiraumangebote für alle erfreuen sich großer Akzeptanz – mit Grenzen

Die bisherigen Rückmeldungen und Nutzungsbeobachtungen weisen darauf hin, dass die Freiraumangebote der Modellvorhaben überwiegend große Akzeptanz in den jeweiligen Stadtquartieren finden. Zerstörungen beschränkten sich v.a. auf das Ausprobieren der Belastbarkeit von neuartigen Geräten und Ausstattungselementen im Freiraum (z.B. Hollywoodschaukel, Bewegungsgeräte) und auf kleine Graffitis bzw. Schriftzüge.

Barrieren in den Köpfen sind durch bauliche Maßnahmen und durch Prozessplanung nur schwer zu überwinden. Es zeigt sich besonders in sozial schwierigen Stadtquartieren, dass Prozesse, bei denen Möglichkeitsräume zur gemeinsamen Aneignung entwickelt wurden, keine Selbstläufer im alltäglichen Betrieb der Freiräume werden. Auch kulturelle Barrieren schränken die gemeinsame Nutzung von öffentlichen Räumen ein. Auch zeigt sich, dass besonders ältere Menschen sehr zurückhaltend in der Aneignung von neuen ungewohnten Angeboten in öffentlichen Freiräumen sind.

IFAS-Projekte schaffen erlebbaren "Mehrwert" für den Standort

Die baulichen Lösungen in den Modellvorhaben für die alltagsgerechte, barrierefreie Benutzbarkeit der Freiräume erweisen sich überwiegend als passgenau. Die Freiräume sind räumlich und funktional in die Stadtquartiere eingebunden und allen Stadtbewohnern zugänglich. Zusätzlich schaffen viele Projekte einen Mehrwert in Bezug auf die Ästhetik und Raumwirkung sowie die Benutzbarkeit durch bequeme Sitzmöglichkeiten und vielfältig nutzbare Beläge.

Freiraumlösungen müssen den Bedürfnissen der Nutzer entsprechen

Da die Freiraumgestaltungen zumeist gemeinsam mit den späteren Nutzern entwickelt worden sind, entsprechen die gefundenen Lösungen zumeist optimal den konkreten Bedarfen. Durch gemeinschaftlich entwickelte Freiraumlösungen kann optimal den Bedürfnissen der Anwohner an einer gemeinsamen gärtnerischen Nutzung und an Sinn stiftender Begegnung in der Nachbarschaft entsprochen werden. Gleichzeitig wird einen Mehrwert für die Allgemeinheit geschaffen.

In größeren Freiräumen konnten problemlos ein Nebeneinander unterschiedlicher Aktivitäten geschaffen und zusätzlich multifunktionale Begegnungsangeboten realisiert werden. In kleinen Räumen bewähren sich möglichst mehrfach nutzbare Angebote. Bauliche Lösungen wie ein Wasserspiel, eine Café-Terrasse, eine Schaukelbank oder der vielseitig nutzbare Belag können Brücken zwischen Nutzergruppen bauen.

Kleine Maßnahmen schaffen einen großen praktischen Mehrwert für den Alltag

Kleine Maßnahmen, wie frei aufstellbare Stühle, ein Bücherschrank als freie Tauschbörse oder Feste und Veranstaltungen, reichern die Nutzungsmöglichkeiten von Freiräumen an. Da diese Maßnahmen nicht zum Standard der Planungen von Grünflächen- und Stadtplanungsämtern gehören, sind sie immer initiiert durch vorlaufende Beteiligungsprozesse.

Selbermachen muss ermöglicht werden

Konzepte, die auf eine aktive Gestaltung und das Selber machen in Freiräumen setzen (Urban Gardening, Grüne Klassenzimmer, Veranstaltungen, Feste, Trendsport) müssen in ihrer praktischen Umsetzung vorgedacht werden. Wenn der Strom- und Wasseranschluss und die Unterstellmöglichkeiten für Geräte und Ausstattung mitgedacht und gut vorbereitet sind, wird der Betrieb vereinfacht.

einige Maßnahmen benötigen allerdings "Kümmerer", damit sie funktionieren

Damit die oben genannten Maßnahmen im öffentlichen Raum nicht nur temporär funktionieren, wurden in vielen Modellvorhaben Kümmererstrukturen aufgebaut. Die Organisation reicht von Anwohnern, die abends Stühle zusammenstellen und abschließen über Gewerbetreibende, die sich um den Bücherschrank kümmern und Bürgervereine, die Feste organisieren bis hin zu Koordinatoren, die Akteure zusammenbringen, um ein breit gestreutes Angebot zu realisieren.

Große Projekte bedürfen informeller Rahmenpläne und Gestaltungsleitlinien

Bei größeren Projekten, die schrittweise und über einen längeren Zeitraum umgesetzt werden, sind Rahmenpläne und Gestaltungsleitlinien wichtige Instrumente, um Einzelprojekte in den Gesamtkontext einfügen zu können. Gestaltungsleitlinien sind vor allem wichtig wenn ein Projekt in mehreren Bauabschnitte umgesetzt wird, um auch bei unterschiedlichen Akteuren und beauftragten Planungsbüros eine ‚Linie’ zu behalten. Sie können einen wesentlichen Beitrag zur Baukultur und zur Identitätsstärkung durch eine einheitliche Parkgestaltung leisten.

Ressortübergreifende Kooperationen sind in größeren Städten nicht selbstverständlich. Durch ExWoSt wurden diese Kooperationen in einem hohem Maß eingefordert. Viele Verwaltungen bewerten die eingegangenen Kooperationen im Nachhinein als positiv und als maßgeblichen Erfolgsfaktor für das Gelingen der Projekte in der Umsetzung und Verstetigung.

Komplexe Akteursstrukturen erfordern klare Aufgabenteilung

In den Modellvorhaben haben sich komplexe Akteurskonstellationen herausgebildet. In den meisten Fällen erhalten die Eigentümer - meist sind es Kommunen, in einigen Fällen aber auch Private - die Flächen in den Grundfunktionen. Sie übernehmen die bauliche Unterhaltung und die regelmäßige Pflege, einschließlich der Müllbeseitigung. Die kontinuierliche Grundpflege und die laufende bauliche Unterhaltung urbaner Freiräume kann im Regelfall durch bürgerschaftliches Engagement nicht geleistet werden.

Patenschaften sichern dauerhafte Qualitäten

In den meisten Projekten übernehmen Bürger, soziale Einrichtungen oder Vereine entsprechend ihrer Interessen Patenschaften für Teilräume oder für spezielle Angebote im Freiraum. Diese Angebote, wie z.B. die Organisation einer Freiluftbibliothek oder beweglicher Möbel können überhaupt nur durch bürgerschaftliches Engagement und Patenschaften möglich gemacht werden. Diese Maßnahmen tragen wesentlich zur Qualitätssteigerung der Freiraumangebote bei. Der Mehrwert für die öffentliche Hand ergibt sich aus einem bedarfsgerechten Angebot, Multiplikationseffekten und einer höherer Akzeptanz von öffentlichen Freiräumen.

Gemeinsame Projekte schaffen Impulse für eine neue Quartierssicht

Ressortübergreifende Konzepte und intensive Beteiligungsverfahren in der Freiraumentwicklung sind in vielen Städten noch kein Selbstverständnis. In den Modellvorhaben wurden bereits durch die Prozesse wichtige Impulse für die Quartiersentwicklung gegeben. Im Betrieb zeigt sich, dass die Prozesse zu einer breiten Vernetzung der Akteure aus den Stadtquartieren und der Verwaltung beigetragen haben. Weitere Effekte sind die Imageverbesserung und optische Aufwertung und Belebung von Stadtquartieren.

Zeichen setzen – ein Schlüssel zum Erfolg

Viele der untersuchten städtischen Freiräume hatten vor der Umgestaltung ein negatives Image. Mit deutlichen Zeichensetzungen und durch die Belebung der Freiräume wurden aus den Negativräumen innerhalb der drei Jahre positiv besetzte Räume. Zum Teil wurden auch Sekundäreffekte ausgelöst (Sanierung von Gebäuden und privaten Freiräumen in der Nachbarschaft). Die Beseitigung von Sichtbarrieren, die überschaubare Gestaltung der Räume und die Beleuchtungskonzepte haben zu einem Imagewandel geführt. Aus unsicheren und übersichtlichen Orten sind urbane Freiräume geworden, die wieder gerne von den Anwohnern genutzt und durchquert werden.

Aufbau und Festigung von Strukturen sichern den dauerhaften Erfolg

Mit "Interessengemeinschaften" und "Nachbarschaftstisch" können Strukturen geschaffen werden, die in vielfältiger Weise in die Quartiere hineinwirken (Abstimmung von Angeboten, Mitwirkung und Mitsprache an der Entwicklung der umliegenden Quartiere, Organisation von Festen). In kleineren Projekten wurden neue Strukturen etabliert (Flächenbeirat) bzw. bestehende gestärkt (Bürgervereine). Da diese Strukturen die Interessen wichtiger Quartiersakteure bündeln, sind sie für die Kommunen und auch für Wohnungsunternehmen zu festen Ansprechpartnern geworden. Sie sind ein Erfolgsschlüssel für einen dauerhaften Bestand neuer Angebote und Quartier bezogener Maßnahmen.

Gemeinschaftsgärten stiften Qualitäten für Kümmerer und Nachbarschaft

Gemeinschaftsgärten funktioniert nur durch die enge Bindung an die Bewohner. Die Lage in direkter Nachbarschaft zum Wohnblock ist wesentlich, damit eine ausreichende Kontrolle gegeben ist und der Raum als erweiterter Wohnraum genutzt wird. Das Wohnungsunternehmen, das sich maßgeblich für das Projekt engagiert hat, kommt zum Ergebnis, dass sich die Wohnzufriedenheit durch das Projekt deutlich erhöht hat. Die ‚verhältnismäßig’ geringen Aufwendungen bringen erhebliche positive Effekte.

Beteiligung erhöht Wertschätzung, aber verringert nicht den kommunalen Pflegeaufwand

Durch die gesamte Projektlaufzeit zog sich die Fragestellung, inwieweit die Akteure der Projekte über die Planungs- und Bauphase hinaus auch den Betrieb der Freiräume von der Programmgestaltung bis zur Pflege und Unterhaltung übernehmen können. Es stand die Hoffnung im Raum, dass durch eine aktive Einbeziehung der Akteure in den Planungsprozess die öffentliche Hand auch bei der späteren Pflege und Unterhaltung entlastet werden könnte. Diese Hoffnung hat sich nur in einem Fall bestätigt. Bei allen anderen Projekten pflegen die Grünflächenämter die Grünflächen in vollem Umfang weiter. Von den klassischen gärtnerischen Aufgaben (Gehölzpflege, Rasenschnitt, Abfallbeseitigung, bauliche Unterhaltung) wurden die Ämter i.d.R. nicht entlastet.

Aufgrund der Belebung, der erhöhten öffentlichen Aufmerksamkeit für die neu gestalteten Grünflächen und einiger ‚experimenteller’ Einbauten, die über dem üblichen Standards liegen (Bewegungsgeräte für Jung und Alt, Brunnenanlage usw.), wird sogar ein höherer Aufwand bei den Grünflächenämtern festgestellt. Im Vergleich zu konventionell gestalteten und geplanten Freiräumen konnte der gärtnerische Aufwand somit nicht gesenkt werden. Es sind dennoch wesentliche Unterschiede zu erkennen:

Umfassende Beteilung verringert Vandalismus

Übereinstimmend wurde in den untersuchten Modellvorhaben festgestellt, dass durch die interdisziplinären Verfahren mit intensiver Beteiligung der lokalen Akteure der Vandalismus zurückgegangen ist. Es findet eine deutlich höhere Wertschätzung der urbanen Freiräume statt. Die Anwohner und Nutzer passen auf. Außerdem findet eine Nutzungsintensivierung und Qualitätssteigerung statt, die wesentlich durch Angebote der lokalen Akteure und durch ehrenamtliches Engagement getragen wird.

Das Modell "Bürgergarten" mit Verfügungsfonds eine Erfolgsgeschichte

Ein Gegenmodell zur Pflege und Unterhaltung urbaner Freiräume durch die öffentliche Hand ist das Modell Bürgergarten. In diesem Fall übernehmen für einen begrenzten Freiraum in unmittelbarer Wohnnachbarschaft engagierte Anwohner komplett die laufende Pflege und die bauliche Unterhaltung für einen Garten, der allen Quartiersbewohnern offen steht. Darüber hinaus entwickelt die Bürgergruppe den Garten laufend bedarfsgerecht weiter. Hierfür erhält die Bürgergruppe jährlich ein festes Budget im Sinne eines Verfügungsfonds vom Wohnungsunternehmen, das Flächeneigentümer ist. Das Unternehmen setzt hierfür die Mittel ein, die ansonsten ohnehin für die Pflege einer Rasenfläche mit einzelnen Bäumen anfallen würden.

Aus der Sicht der Bürgergruppe deckt sich das besondere Engagement mit dem Interesse an der gärtnerischen Betätigung und dem Treffen mit Nachbarn im Freiraum. Der Mehrwert für den privaten Eigentümer ist die bedarfsgerechte Pflege durch Anwohner, die in dieser Qualität nicht vom Eigentümer geleistet werden könnte. Außerdem führen die Identifikation und die persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten zu einer stärkeren Bindung der Anwohner an das Wohnquartier.

Verlässliche Strukturen im Amt für bürgerschaftliches Engagement unverzichtbar

Bei unterschiedlichen Zuständigkeiten in der öffentlichen Verwaltung (z.B. Grünflächenamt und Jugendamt) ist auch im Betrieb ein koordinierender Ansprechpartner innerhalb der Verwaltung notwendig, der z.B. für Kontinuität bei wechselnden Zuständigkeiten oder Mitarbeitern sorgt. Ehrenamtliche Kräfte, die eine Patenschaft in urbanen Freiräumen übernehmen, benötigen im alltäglichen Betrieb einen festen Ansprechpartner in der Verwaltung, Anerkennung und notwendige Unterstützung, z.B. für die Durchführung von Veranstaltungen und flankierende Maßnahmen bei kontinuierlich wiederkehrenden Angeboten

Das Modell "Parkmanager" – ein Kümmerer für Grün und aktive Bürger

Von der Stadtverwaltung beauftragte Parkmanager sind Kümmerer, die die Nutzung der Freiräume verantworten und die Aktivitäten in den Parks koordinieren. Damit erfahren die Parkanlagen eine erhebliche Aufwertung. Der Wert der baulichen Investitionen wird erkannt. Über den Parkmanager wird in erheblichen Umfang bürgerschaftliches Engagement für öffentliche Angebote, wie Feste und Veranstaltungen, aktiviert. Auch bewähren sich
regelmäßige Parkprogramme als Möglichkeit, Alt und Jung und unterschiedliche
Nutzergruppen im Freiraum zusammenkommen zu lassen.

C. Aus den Erfahrungsberichten zu "Generationenübergreifendes Wohnen in der Praxis

Es kommt auf den Nutzwert in allen Lebensphasen an

Erfahrungen mit dem Modellvorhaben zeigen, dass es bei der Präferenz für Individualität weniger um äußerliche Gestaltungselemente, sondern um wirkliche Nutzungsindividualität geht: z.B. individuelle Innengestaltung, so dass Eigenheime entsprechend unterschiedlicher Lebensphasen nutzbar sind, z.B. nach Auszug der Kinder einen Teil des Hauses abtrennen oder einen Aufzug nachrüsten. Beim Geschosswohnungsbau für Ältere als auch für Familien bedarf es einer Bandbreite von Wohnungsgrößen. Erfahrungen mit den Modellvorhaben, bei denen schon in der Planungsphase die Bedarfe der jüngeren und älteren Bewohner Berücksichtigung finden, zeigen, dass für Ältere Zwei- bis Dreizimmerwohnungen typisch sind, vereinzelt auch Vierzimmerwohnungen - bei ausreichendem Einkommen. Wenn finanzierbar, präferieren Familien Vier- bis Sechszimmerwohnungen, wobei die Anzahl der Zimmer eine größere Rolle spielt als die Quadratmeterzahl.

Nachbarschaften im Sinne "Nähe auf Distanz" ist ein wichtiger Erfolgsfaktor

Familien suchen darüber hinaus familienadäquate Qualitäten im Sinne der einfachen Alltagsorganisation, wobei sie Ein-/Zweifamilienhäuser bevorzugen. Die Erfahrungen in den Modellprojekten zeigen, dass Familien auch Geschosswohnungsbau akzeptieren, wenn hier die entsprechenden Qualitäten, wie z.B. im Erdgeschoss private Freifläche, Anzahl der Zimmer, berücksichtigt werden. Erfolgreich sind die Projekte dann, wenn die baulichen Anforderungen der Bewohner frühzeitig im Planungsprozess berücksichtigt werden. Ein Quartier für Jung und Alt stößt am ehesten auf Akzeptanz, wenn das Prinzip "Nähe auf Distanz" eingehalten wird. Diese "Nähe auf Distanz" ermöglicht es, bei Beibehaltung der Privatsphäre, den Familienalltag besser organisieren zu können. Der Umzug im Familienverbund ist gerade für Familien mit kleinen Kindern von besonderem Interesse ist. Hier können Eltern unterstützend mitwirken. Vor diesem Hintergrund sind vor allem Quartiere erfolgreich, in denen familienadäquate Wohnungsangebote, z.B. dichte Einfamilienhäuser an zentralem Standort, und benachbart schwellenfreie Wohnungen im Geschosswohnungsbau mit Aufzug angeboten werden.

Gemeinschaftliche Räume sind Erfolgskriterium

Die Erfahrungen in den Modellvorhaben zeigen, dass eine generationenübergreifende Nutzung von Wohngebäuden i.d.R. nicht explizit Wunsch der Generationen ist, weder der Jüngeren noch der Älteren. Allerdings ist die Integration von Gemeinschaftsräumen, die sich an alle Altersgruppen richten, ein Erfolgskriterium für das gemeinsame Leben Jüngerer und Älterer in einer Nachbarschaft. Dies bedarf in der Regel jedoch einer professionellen Steuerung der Angebote und Räume, die vielfältige Nutzungen ermöglichen und aushalten.

interaktiver Planungs- und Beteiligungsprozess sind unverzichtbar

Wenn für ein Wohnprojekt unterschiedliche Nutzergruppen, insbesondere Jung und Alt, gewonnen werden sollen, so ist ein wichtiges Erfolgskriterium ein bei dem die Interessenten früh einbezogen werden. Dies bedeutet nicht, dass die Interessenten die professionelle Steuerung und Planung ersetzen. Es geht vielmehr um rechtzeitige Informationen und eine frühzeitige Abfrage der Bedarfe, z.B. durch Mieterberatungen. Dieses Vorgehen trägt entscheidend zum Erfolg der Projekte bei und verhindert Fehlplanungen und Unzufriedenheit.

Mehrgenerationenhäuser leben von Wahlnachbarschaften

Bei den Modellprojekten zeigt sich, dass vereinzelt auch Mehrgenerationenhäuser Akzeptanz finden. Eine generationenübergreifende Nutzung eines Wohngebäudes gelingt am besten, wenn die Gruppe selbst die Mitglieder aussuchen kann bzw. die Interessenten in die Planungsphase einbezogen werden. Hier bemühen sich z.B. auch Familien im Familienverbund um den Einzug in ein Haus oder eine Zeile. So können Großeltern in der nähe der jüngeren Familieangehörigen wohnen. Bei generationenübergreifenden Neubau-Mietprojekten ist es wichtig, Wohnungen für Familien vorzuhalten, selbst wenn sie sich im Planungsprozess noch nicht engagieren. Familien haben relativ wenig Zeit, um sich in Planungs- und Realisierungsprozesse einzubinden, insbesondere, wenn es sich um Mietwohnungen handelt. Dennoch zeigen die Projekte, das die Wohnungen für Familien alle bezogen wurden, Familien entscheiden lediglich viel kurzfristiger.

Private Initiativen profitieren von professionellen Anbietern und umgekehrt

Private Initiativen, die stark auf das gemeinschaftliche Zusammenleben orientiert sind, sind dann erfolgreich, wenn sie mit professionellen Akteuren, wie z.B. Wohnungsunternehmen kooperieren. Die Modellvorhaben zeigen, dass die Wohnquartiere von solchen privaten Initiativen profitieren, weil sich die Gruppen stark für das Quartier engagieren.

Bauprojekte bedürfen professioneller Steuerung

Bauprojekte müssen von Profis gesteuert werden. Es hat sich gezeigt, dass das Übernehmen von Managementaufgaben ohne ausreichende Infrastruktur sehr problematisch ist. Dies betrifft insbesondere die Kostenplanungen, z.B. wenn unabwägbare Schwierigkeiten im Bauprozess auftreten, die den Einzug und damit die Einnahmen durch Miete verzögern. Es ist ratsam, dass sozial orientierte Initiatoren mit professionellen Partnern, z.B. Wohnungsgenossenschaft/-gesellschaft, zusammenarbeiten.

Durch Vereine können Engagement und professionelles Know-how gesichert werden

Das Ende der ExWoSt-Zuwendungen kann einen "Bruch" für ein Projekt bedeuten, wenn nicht rechtzeitig eigenständige Strukturen aufgebaut wurden. Ein öfter eingeschlagener Weg ist die Gründung eines Vereins. Ein Verein als nachhaltige Struktur ist dann erfolgreich, wenn professionelle Kooperationspartner und Akteure aus dem Quartier eingebunden werden, z.B. Wohnungsunternehmen, Immobilienmakler, Seniorenbeauftragte, Finanzberater, kommunale Politiker, Vertreter von Institutionen wie Moschee, Kirche, Schule). Er bietet eine rechtliche Form, z.B. bei der Einnahme von Geldern, und gleichzeitig eine Struktur für die ehrenamtlich Aktiven. Es ist wichtig, den richtigen Zeitpunkt für die Gründung eines Vereins zu wählen. Notwendig ist dabei in der Regel ein professioneller Steuerer als neutraler Vermittler. Deutlich wurde bei den Modellvorhaben, dass die Vereinsgründung schwer wird - vielleicht sogar nicht mehr realisiert wird, wenn kein Profi mehr zur Seite steh.

Für Neubauprojekte von Baugruppen, die eine Quartiersentwicklung für Jung und Alt anstreben, können auch Bauträger/private Investoren für den Geschosswohnungsbau, gewonnen werden. Wichtige Voraussetzung ist auch hier eine professionelle Steuerung.

Auch im "Betrieb" bedarf es erfahrener Kooperationspartner und Aufklärung

Im Bereich der hausnahen Dienstleistungen gilt es, Kooperationen mit Anbietern einzugehen, die bereits Erfahrungen in dem Segment erworben haben und ggf. aus ihrer Angebotsstruktur ein Nachfragepotenzial für die neue Wohnform generieren können. In den Modellvorhaben zeigte sich zudem, dass eine intensive Werbung und Aufklärung über die Inhalte der Projekte notwendig ist.

Öffentlichkeitsarbeit setzt wichtige Impulse für die Quartiersentwicklung

Eine breite Öffentlichkeitsarbeit bei Neubau bzw. Umstrukturierungen im Bestand ist ein wichtiger Impuls für die Quartiersentwicklung. Zudem gewinnen innovative Wohnangebote, z.B. Integration von Wohnangeboten für Ältere mit Pflegebedarf oder professionell von der Kommune gesteuerte Baugruppenverfahren eine hohe Aufmerksamkeit und sind somit Impulse für die Quartiersentwicklung. Dies zeigt sich z.B. in Form von Aktivitäten in der Nachbarschaft oder Bereitschaft, sich gegenseitig zu unterstützen. Oft führen die Investitionen in einem Bestandsquartier zu Nachahmer-Effekten. Die Aufwertung eines Quartiers für unterschiedliche Nachfrager, z.B. durch ein entsprechendes Wohnangebot für Familien, kann dazu führen, dass sich aktive Eltern für die Einrichtung einer Kinderkrippe einsetzen und gemeinsam mit der Stadt und dem Wohnungsunternehmen eine Lösung finden. Darüber hinaus können spezifische Wohnangebote oder Prozesse, wie z.B. Gemeinschaftliches Wohnen, Baugruppen, die Nachfrage nach weiteren Angeboten dieser Art wecken und ein Quartier aufwerten.

Gemischte Quartiere erweisen sich als nachhaltig

Im Unterschied zu einseitig ausgerichteten Wohnquartieren, wie z.B. Wohngebiete mit nur Ein- /Zweifamilienhäusern, gewähren die Quartiere für Jung und Alt Nachhaltigkeit, da man auch in späteren Lebensphasen wohnen bleiben kann. So hat sich gezeigt, dass die Eigentümer ihre Häuser so konzipieren, dass sie zu verschiedenen Lebensphasen passen bzw. verändert werden können. Die Erfahrungen der Modellprojekte zeigen, dass ältere Mieter im Quartier wohnen bleiben, wenn es im Quartier selbst attraktive Alternativen gibt, die gleichzeitig Sicherheit für den Fall der Hilfs- und Pflegebedürftigkeit bieten.

Die Nachhaltigkeit von Gemeinschaftsprojekten gelingt am besten, wenn verschiedene Akteure einbezogen werden. Dies betrifft die Öffentlichkeitswirksamkeit durch Multiplikatoren und die positiven Auswirkungen auf die Quartiersentwicklung. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure gelingt allerdings nur, wenn sich zuverlässige Partner engagieren.

"Kümmerer" ist notwendig bis feste Strukturen entstehen

Wenn neue Netzwerke initiiert werden und diese sich auf das Zusammenleben von Jung und Alt ausrichten, so zeigen die Erfahrungen, dass in der Anfangszeit ein "Kümmerer" notwendig ist. Bis zu dem Zeitpunkt, wenn der "Kümmerer" sich zurückzieht, müssen feste Strukturen, wie z.B. ein Verein, aufgebaut werden. Erfolgreich ist das Zusammenleben mehrerer Generationen, wenn während des Einsatzes des Kümmerers Projekte, die nachhaltig wirken, wie z.B. ein Mittagstisch, eine Bücherei mit angegliedertem Angebot oder ein Kindercafé, initiiert werden.