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Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere

Konzept

Profil

Das Profil des neuen Forschungsfeldes ist bestimmt durch drei zentrale Kriterien:

1. Handlungsebene Stadtquartiere;
2. Nachbarschaft stärkender und Generationen zusammenführender Ansatz;
3. Interdisziplinäre, integrierende und Fachpolitiken übergreifende Umsetzung.

Der Titel des Forschungsfeldes verdeutlicht die beiden wesentlichen Komponenten des Projektansatzes: auf der Objektseite wird das "Stadtquartier" als zentrale Handlungsebene hervorgehoben, während auf der Subjektseite sowohl die jungen als auch die älteren Menschen angesprochen sind.

Die Handlungsebene "Stadtquartier" zielt auf das Aufgabenfeld einer integrierten Stadtteilentwicklung. Hier liegt der Ausgangspunkt für den Projektansatz. Er ist verknüpft mit der übergeordneten Ebene der Stadtentwicklung, die ihrerseits wegen der anhaltenden Suburbanisierung auch im stadtregionalen Kontext zu reflektieren ist. Jedes Stadtquartier ist zudem als Teil eines komplexen Stadtgefüges zu sehen. Hier gibt es Konkurrenzen, aber auch wechselseitige Abhängigkeiten und positive Effekte. Die Förderung investiver Maßnahmen findet zudem auf der materiellen Objektebene ihren Niederschlag. Letztlich entscheiden erlebbare Qualitäten bezüglich Wohnen, Freiraum und Infrastruktur über die Attraktivität von Stadtquartieren. So betrifft die Handlungsebene "Stadtquartier" sowohl die konzeptionelle Dimension im stadtentwicklungspolitischen Zusammenhang als auch die baulich-konkrete Umsetzung in Einzelmaßnahmen.

Lebendige Nachbarschaften in lebenswerten Stadtquartieren sind Ausdruck urbaner Attraktivität. Gerade heterogene Raumstrukturen und vielfältige Lebensstile sind charakteristisch für das Leben in der Stadt. Die räumliche Umwelt und die persönlichen Beziehungen im Stadtquartier bilden den Mikrokosmos unserer pluralistischen Gesellschaft. Neben funktionsfähigen Zentren bilden intakte Wohngebiete die Grundlage für ein demokratisch bestimmtes und solidarisches Miteinander auf lokaler Ebene. Angesichts des demographischen Wandels steht gerade der Interessensausgleich zwischen den Generationen vor großen Herausforderungen. Das Stadtquartier erweist sich als Bühne für ein wechselseitiges Verständnis und für ein rücksichtsvolles Zusammenleben aller Altersstufen beiderlei Geschlechts.

In der Vernetzung von Wohnungspolitik und räumlicher Planung, einschließlich Verkehrsplanung und Freiraumplanung, mit den raumrelevanten Fachpolitiken, insbesondere den sozialen Ressorts, liegt der Schlüssel für eine ressourcenbewusste und integrierte Stadtpolitik. Die Beachtung der in § 1 Absatz 6 Nr. 3 BauGB aufgeführten Belange kann wesentlich zur Herausbildung lebenswerter Stadtquartiere beitragen.

Methodisches Vorgehen/Themenschwerpunkte

Zur besseren inhaltlichen Strukturierung und organisatorischen Umsetzung ist das Forschungsfeld in drei Themenschwerpunkte gegliedert. Die Themenschwerpunkte orientieren sich an räumlich-bauliche Kategorien, verstehen sich aber zugleich als konkrete, umsetzungsorientierte Verknüpfungen von Wohnungs- und Städtebau mit raumrelevanten Fachpolitiken:

A Gemeinschaftseinrichtungen im Quartier - Umbau sozialer Infrastruktur
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B Gestaltung urbaner Freiräume - Öffentlicher Raum für alle Generationen
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C attraktives Wohnen von Familien - Nachbarschaften von jung und alt
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In jedem der drei Themenschwerpunkte werden in einer ersten Phase (Vorbereitungsphase) laufende Projekte und Projektansätze untersucht, in Form von "Projektsteckbriefen" dokumentiert und ausgewählte Projektvorschläge zu Modellvorhaben vorbereitet. In einer zweiten Phase (Durchführungsphase) werden Fallstudien vertieft ausgewertet und - im Falle eines Sonderprogramms im Haushalt 2006 - ausgewählte Projekte als Modellvorhaben finanziell gefördert, wissenschaftliche begleitet und ausgewertet.

Innovationen für familien und altengerechte Stadtquartiere: Organisationsschema des ForschungsfeldesInnovationen für familien und altengerechte Stadtquartiere: Organisationsschema des Forschungsfeldes


Kriterien für die Projektrecherche und die Auswahl von Modellvorhaben sind:

1.      Relevanz für den Wohnungs- und Städtebau

2.      Zuordnung zu einem der drei Themenfelder

3.      Bezüge zu mindestens einem der anderen Themenschwerpunkte

4.      Interdisziplinärer, Fachpolitiken übergreifender Ansatz

5.      Vorbildfunktion und Innovationsgehalt der Projekte

6.      Engagement der Projektträger und anderer Akteure

7.      Projektreife bei Projektbeginn

8.      Zu erwartende Projektfortschritte im Förderzeitraum

Die Untersuchungen in den Modellvorhaben werden durch Sondergutachten zu übergreifenden Fragestellungen ergänzt. Dies hat sich in den ExWoSt-Forschungsfeldern bewährt. Insbesondere aus der Untersuchung europäischer Vergleichsprojekte ist ein Gewinn für Praxis bezogene Impulse zu erwarten. Hieraus resultieren eine Erweiterung des innovativen Ansatzes und zugleich ein breitere empirische Basis für die wissenschaftliche Politikberatung.

Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und der damit verbundenen Vielfalt von Haushaltstypen ist von einem differenzierten und sich wandelnden Begriff von "Familie" und von "Generationen" auszugehen. Nur so können die sehr unterschiedlichen Anforderungen an die Infrastruktur, den öffentlichen Raums und an Wohnungen sowie deren Wechselwirkungen angemessen gewürdigt werden. Auf der Grundlage dieser gemeinsamen Ausrichtung können bestimmte Schwerpunkte bei der Auswahl der Modellvorhaben gelegt werden.

Um dem Anspruch der Vernetzung gerecht zu werden, bedarf es auch einer fachübergreifenden Kooperation, insbesondere mit dem Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Auswertung der von ihm in Auftrag gegebenen Untersuchungen hinsichtlich ihrer Raumrelevanz. Der Anspruch der Vernetzung sollte sich auch in gemeinsamen Projekten und Veranstaltungen ausdrücken. Bereits solche vom einschlägig befassten Ministerium geförderten Projekte sind hinsichtlich ihrer Verwendbarkeit als ExWoSt-Modellvorhaben auszuwerten. Hierdurch wird der fortgeschrittene Untersuchungsstand berücksichtigt und vermieden, dass Projekte neu erfunden werden. Ziel solcher Querauswertung ist es, diese und andere Projekte unter Aspekten des Städtebaus und Wohnungsbaus auszuwerten und gegebenenfalls weiter zu entwickeln.

Forschungsleitfragen

Die Forschungsleitfragen bilden den gemeinsamen Untersuchungsrahmen für alle drei Themenschwerpunkte; diese werden durch themenbezogene Untersuchungsfragen ergänzt:

  1. Welche spezifischen Lebensinteressen der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, insbesondere hinsichtlich des Verhältnisses der Generationen und der Geschlechtergerechtigkeit, erweisen sich als besonders relevant bezüglich Wohnung, Stadtquartier und Stadt?
  2. Welche konkreten Anforderungen an die räumliche Umwelt stellen die unterschiedlichen Altersgruppen an das Wohnen, an die Freiräume und an die Infrastruktur?
  3. Welche räumlichen Auswirkungen zeigen ausgewählte Fachplanungen auf den Handlungsebenen des Quartiers, des Wohnumfeldes, der Gebäude und der Wohnung?
  4. Welche raumwirksamen Interessensgegensätze und Nutzungskonflikte ergeben sich zwischen unterschiedlichen Altersgruppen?
  5. Welche innovativen Lösungsansätze erweisen sich als vorbildlich für die Schaffung lebenswerter Stadtquartiere und für das Zusammenleben aller Generationen?
  6. Wie können Stadtquartiere, Infrastruktur, Freiräume, Wohngebäude und Wohnungen dauerhaft lebenswert ausgerichtet werden, so dass den unterschiedlichen Lebensphasen entsprochen werden kann und sie sich wandelnden Anforderungen anpassen können?
  7. Welche Wechselbezüge zwischen Wohnen, Freiraum und Gemeinschaftseinrichtigen sind wesentlich für ein nachbarschaftliches Zusammenleben?
  8. Welche Akteure und Trägerschaften (Wohnungsunternehmen, soziale Träger, Unternehmen, Vereine, Private) erweisen sich als förderlich für die Sicherung und Schaffung lebenswerter Stadtquartiere?
  9. Welche Kooperationsformen und Verfahren begünstigen einen dauerhaften Interessensausgleich von Jung und Alt im Stadtquartier?
  10. Wie kann die Vernetzung von räumlicher Planung und anderen Fachplanungen so erfolgen, dass hieraus nachhaltig lebenswerte Stadtquartiere erwachsen?