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Urbane Strategien und Potenziale zum Klimawandel

Auftaktveranstaltung (I+II)

Am 7. und 8. Juni 2010 wurde auf der Auftaktkonferenz das neue ExWoSt-Forschungsfeld "Urbane Strategien und Potenziale zum Klimawandel" einer breiten Fachöffentlichkeit vorgestellt. Die Teilnehmer diskutierten über die beiden Forschungsschwerpunkte mit ihren jeweiligen Forschungsansätzen, den Modellkommunen und Pilotprojekten. Darüber hinaus wurde ein breites Spektrum der Untersuchungs- und Handlungsfelder zum Klimawandel umrissen und gemeinsam mit Wissenschaftlern, Vertretern von Unternehmen und Kommunen, Stadtplanern, Ingenieuren und Architekten, Projektfinanzierern und Stadtklimatologen diskutiert.

Städte müssen sich schon jetzt, auch aufgrund der Langlebigkeit gebauter Infrastruktur, auf den Klimawandel vorbereiten. Sie können dies auch, denn trotz Unsicherheiten bei den Klimaprojektionen, eröffneten die Vorträge ebenso wie die Präsentationen der Modellvorhaben und Pilotprojekte bereits eine Vielzahl konkreter Handlungsmöglichkeiten. Die Modellstädte und Pilotprojekte waren auf dem richtigen Weg, vor dem Hintergrund der spezifischen lokalen Situation konkrete Strategien zum Klimawandel zu entwickeln, wie die vielen Diskussionsbeiträge auf der Konferenz zeigten.

Dennoch stand im Rahmen der Diskussionen immer wieder die Frage im Mittelpunkt, wie die verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse verbreitet in praktisches Handeln münden können. Kommunen wie auch Wohnungs- und Immobilienwirtschaft brauchen hier weitere Unterstützung durch Forschung und Information bis hin zur Rechtssetzung und Förderung. So wurde wiederholt die Verbesserung der Datengrundlagen gefordert. Hierzu dienten zum einen der vertiefte Austausch über Zwischenergebnisse der Forschungsprojekte zur Klimafolgenforschung, zum anderen eigene Analysen und die Unterstützung von Modellvorhaben und Pilotprojekten durch den Deutschen Wetterdienst (DWD).
Entscheidungsunterstützungssysteme halfen bei der Erarbeitung integrierter Maßnahmen. Wichtig war aber auch eine Weiterentwicklung des Förderinstrumentariums wie auch des Städtebaurechts zum Klimawandel.

Präsentation und Diskussion Auftaktveranstaltung "Urbane Strategien zum Klimawandel"Präsentation und Diskussion der Modellkommunen und Pilotprojekte Quelle: Björn Balcke

Auch wenn die Klimaanpassung im Kontext mit dem Klimaschutz gesehen wird, so zeigte sich in der Diskussion, dass hier zusätzliche Akteure, neue Kooperationen und mit Blick auf die Unsicherheiten bei den Klimaprojektionen neue Herangehensweisen erforderlich sind. Notwendig ist eine Integration der absehbaren Trends und Herausforderungen: Klimawandel, demografischer Wandel, technische Entwicklung und ökonomische Veränderungen werden dazu führen, dass sich Wohnungs- und Immobilienunternehmen genauso wie Kommunen auf eine andere Zukunft vorbereiten müssen. In Zeiten knapper Kassen muss es hier vor allem darum gehen, Kooperationen zu initiieren und integrierte Strategien zu entwickeln. Der Information und der Einbeziehung von Zivilgesellschaft und Wirtschaft kommt ein hoher Stellenwert bei. Denn es ist einerseits von einer breiten Betroffenheit durch die Folgen des Klimawandels und andererseits von einer Notwendigkeit zur Intensivierung der Klimaschutzbemühungen mit dem Ziel der Beschränkung der globalen Erderwärmung auf die Obergrenze von 2°C auszugehen. Modellkommunen und Pilotvorhaben zeigten sich sehr interessiert an einem Austausch: Man hat jeweils unterschiedliche Perspektiven und Ansätze, von denen man gegenseitig lernen möchte.

Ergebnisse der Arbeitsgruppen

Die zentralen Themen des Forschungsfeldes wurden dann in Arbeitsgruppen vertieft:

Verletzlichkeit von Städten, Bioklima, Wasserwirtschaft: Die AGs unterstrichen die Notwendigkeit lokalklimatischer und extremwitterungsbezogener Analysen und den Nutzen synthetischer Klimafunktionskarten zur Verbesserung von Lokalklima und Lufthygiene. Um das Bioklima zu verbessern, braucht es viele Freiflächen; Frisch- und Kaltluftschneisen sind auszubauen; klimaverträgliche Pflanzungen vorzunehmen; Grün ist auch vertikal zu verdichten, d.h. auf Dächern und Fassaden.

Kooperationen von Stadtentwicklung mit Wasserwirtschaft sind erforderlich, Synergien zwischen Abwasserentsorgung, Wasser- und Energieversorgung sind auszuloten und zu nutzen. Zur Beherrschung von heftigen Unwettern wird eine vielfältige und durchmischte Flächennutzung mit einer entsprechend angepassten technischen Infrastruktur erforderlich.

Anpassungsplanung, DSS:  Es bestand Konsens, die Klimafolgenabschätzung und -anpassungsplanung ("Climate Proofing") in die Bauleitplanung, Landschaftsplanung und Umweltprüfung einzubinden. Integrierte Konzepte und Entscheidungshilfen wie der Stadtklimalotse können die Akteure wesentlich unterstützen.

Bewertung: Beurteilungsmaßstäbe für Energieeffizienz und die Widerstandsfähigkeit von Immobilien gegenüber Auswirkungen des Klimawandels müssen noch stärker entwickelt werden, so ein Ergebnis der AG Bewertung. Betont wurde der Einfluss des Risikomanagements auf die Bewertung von Immobilien. In der Diskussion wurde auf die Gefahr so genannter "Energiearmut" einkommensschwacher Haushalte hingewiesen.

Immobilien unter Risiko: Die Versicherungswirtschaft widersprach der These, dass die Immobilien- und Wohnungswirtschaft Schäden an ihren Immobilien durch Klimaereignisse lediglich als Versicherungsfall betrachtet. Es seien oft die Eigentümer, die weitreichende Risiken in Kauf nähmen. Durch vorsorgende Bautechnik und Managementinstrumente können gravierende Risiken im Vorfeld erkannt und reduziert werden.

Privatakteure: Eigentümergemeinschaften in Quartieren, die gemeinsame Strategien zum Klimawandel entwickeln und umsetzen ("Climate improvement districts") eignen sich zwar als Instrument für eine Anpassung an den Klimawandel, aber die Umsetzung braucht Zeit, so die Einschätzung der AG "Privatakteure".

Fördern, Fordern, Informieren: Die AG diskutierte Möglichkeiten, das gebäudebezogene Fachrecht mit Blick auf die Förderung von quartiersbezogenen Konzepten zu ergänzen. Im Bereich der Förderung sind Maßnahmenpakete, die Klimaschutz und Klimaanpassung sinnvoll kombinieren, weiterzuentwickeln.

Technik: Klimaschützende und klimaangepasste Gebäudetechnik und damit weitsichtige und optimierte Gebäudekonzepte sind wichtig, stellen aber für die umsetzenden Fachleute aus der Planung und Ausführung auch eine Herausforderung dar. Die eingesetzte Technik sollte daher anpassungsfähig sein und mit Blick auf die zukünftigen Nutzer gewählt werden; zudem ist die Gebäudetechnik stärker als integraler Bestandteil der Gebäudekonzeption zu planen und umzusetzen.

Weitere Informationen

Informationen zum Forschungsfeld finden Sie unter folgendem Link:
Urbane Strategien zum Klimawandel

Die Ergebnisse der Konferenz können Sie in der Dokumentationsbroschüre nachlesen:

Zusatzinformationen

Logo  Experimenteller Wohnungs- und Städtebau

Kontakt

Forschungsschwerpunkt I:
Dr. Fabian Dosch
Referat I 5 - Verkehr und Umwelt
Tel.: +49(0)22899.401-2307
Fax: +49(0)22899.401-2260
Forschungsschwerpunkt II:
Ute Birk
Referat II 13 - Wohnungs- und Immobilienwirtschaft
Tel.: +49(0)22899.401-1242
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