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Urbane Strategien zum Klimawandel: Immobilien- und wohnungswirtschaftliche Strategien und Potenziale zum Klimawandel

Konzept (II)

Ausgangssituation

Der Klimawandel ist eine zentrale und gesamtgesellschaftliche Herausforderung unserer Zeit. Als sicher gilt, dass sich der Klimawandel sowohl auf die Natur als auch auf Wirtschaft und Gesellschaft in erheblichem Maße auswirken wird.
Im Bereich Anpassung an den Klimawandel müssen daher jetzt die Weichen für die künftige Entwicklung gestellt werden.
Um die Verwundbarkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels zu mindern bzw. die Anpassungsfähigkeit natürlicher, gesellschaftlicher und ökonomischer Systeme zu erhalten oder zu steigern und mögliche Chancen zu nutzen, hat die Bundesregierung im Dezember 2008 die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) beschlossen. Im Dialog mit den Ländern und den relevanten Akteuren sollen die Risiken und Handlungserfordernisse identifiziert, entsprechende Ziele definiert sowie mögliche Anpassungsmaßnahmen entwickelt und umgesetzt werden. Erkenntnisse aus diesem Prozess sollen in einen Aktionsplan Anpassung münden, der für 2011 erwartet wird.
Das Bundeskabinett hat mit dem Integrierten Energie- und Klimaprogramm (IEKP) im August 2007 konkrete Maßnahmen zur Erfüllung der Energieeinsparziele bis 2020 festgelegt. Deutschland will die Treibhausgase bis 2020 um bis zu 40 % senken. Dem Gebäudebereich kommt dabei eine zentrale Rolle zu, denn dieser verursacht in Deutschland 20 % der C02-Emissionen und verbraucht ca. 40 % der Endenergie für Raumwärme, Warmwasser und Beleuchtung. Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung die Novellierung der Energieeinsparverordnung 2009, das Energieeinspargesetz, das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz und die Heizkostenverordnung sowie die Verstetigung der Förderprogramme zum energieeffizienten Bauen und Sanieren bis zum Jahr 2011 mit rd. 1,5 Mrd. € jährlich beschlossen.
Zur Erreichung der Klimaziele werden daher insbesondere die Potenziale der Immobilien- und Wohnungswirtschaft bei der Entwicklung und Bewirtschaftung von Wohnimmobilien, gewerblich und mischgenutzten Immobilien als relevant angesehen. Gleichzeitig besteht ein Anpassungsbedarf der Immobilien- und Wohnungswirtschaft an die bereits jetzt schon eintretenden Auswirkungen des Klimawandels, die sich in den nächsten Jahren verstärken werden. Um einerseits Nutzungs- und Zielkonflikten vorzubeugen und andererseits Synergien zu fördern, sollten fach- und branchenübergreifende integrale Ansätze auf unterschiedlichen räumlichen Ebenen initiiert und ermöglicht werden.
Indem die beteiligten Akteure ihr Fach- und Branchenwissen (Energieversorger, Anlagenspezialisten, Facility Manager, Projektentwickler, Planer unterschiedlicher Disziplinen, etc.) bei der Entwicklung von praxisorientierten Maßnahmen einbringen und diese Maßnahmen auch im Hinblick auf mögliche Zielkonflikte (z. B. verstärkte Innenentwicklung durch Verdichtung der Baustruktur - unverbaute Kaltluftschneisen zur Nachtabkühlung der Stadt) miteinander abwägen sowie nach Erfordernis gemeinsam weiterentwickeln, kann eine breitere Akzeptanz für Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen erreicht werden. Neben den regionalen und kommunalen Anstrengungen sind in der Entwicklung und Umsetzung von tragfähigen, praxisorientierten Konzepten daher insbesondere die Wirtschaftsakteure mit ihrem spezifischen Branchenwissen und ihren Umsetzungskompetenzen und -möglichkeiten unverzichtbar.

Forschungsansatz

In dem Forschungsvorhaben sollen daher die Synergien durch integrative Ansätze bei der Zusammenarbeit von privatwirtschaftlichen und kommunalen unternehmerisch tätigen Akteuren der Immobilien- und Wohnungswirtschaft mit deren Kooperations- oder Netzwerkpartnern aus unterschiedlichen Branchen und Bereichen wie beispielsweise Energieversorger, Akteure der Bauwirtschaft, aktive Quartiersbewohner, verschiedene Akteure der Kommunalverwaltung oder der Regionalplanung im Fokus stehen. Dabei sollen anhand von Pilotprojekten zukunftsweisende, praxisorientierte und integrierte Strategien für Wohnimmobilien sowie gewerblich- und mischgenutzte Immobilien untersucht werden. Diese Strategien sollen bereits vorgegebene bzw. in Planung befindliche Rahmensetzungen der Kommunen und Regionen (Integrierte Klimakonzepte auf Quartiers-, Stadt-und Regionsebene bzw. integrierte nachhaltige Stadtentwicklungskonzepte) in innovativer Weise integrieren, in vorbildlicher Weise umsetzen bzw. mitgestalten. Dabei sollen auch effektive Strategien und Konzepte der Kooperationen bzw. Netzwerke als Beiträge zur Unterstützung und Beratung von kommunalen und regionalen Rahmenplanungen im Hinblick auf klimarelevante Problemstellungen und Abwägung von Zielkonflikten betrachtet werden.
In diesem Forschungsschwerpunkt soll aus der Perspektive der Projektentwicklung und der Bewirtschaftung im Lebenszyklus von Immobilien (Bestand und Neubau) betrachtet werden. Die Immobilien sollen dabei Ausgangpunkt für die jeweiligen integrativen Betrachtungen auf weiteren räumlichen Ebenen (Umfeld, Quartier, Stadt, Region) sein.
Es sollen bis zu 8 Pilotprojekte der Immobilien- und Wohnungswirtschaft mit ihren Partnern zu unterschiedlichen integrierten Klimastrategien wissenschaftlich begleitet und analysiert werden.
Erwartet werden Erkenntnisse über zweckmäßige und Erfolg versprechende Netzwerke oder Bündnispartner, deren Strukturen und Akteurslogiken sowie über praxisorientierte Strategien und Konzepte in den Bereichen Projektentwicklung und Bewirtschaftung von Immobilien sowie Erkenntnisse darüber, welche Strategien geeignet sind, die Potenziale aller beteiligten Akteure optimal auszuschöpfen. Ebenso werden Erkenntnisse über die Rahmenbedingungen erwartet, die die Strategien, Strukturen, Prozesse sowie Kooperationen bzw. Netzwerke befördern oder ermöglichen. Aus den Erkenntnissen soll der weitere Handlungsbedarf u. a. für die Gesetzgebung, die Entwicklung der Förderpolitik sowie für beteiligte Akteure abgeleitet werden können.

Forschungsleitfragen

Die Forschungsleitfragen finden Sie hier.