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Baukultur in der Praxis

Modellvorhaben

Detmerode. Städtebauliche Qualitäten gemeinsam sichern

ALLGEMEINE DATEN
ProjektträgerStadt Wolfsburg
Einwohner (2013)124.000
BundeslandNiedersachsen
KreistypKreisfreie Großstadt
GegenstandBestand
BetrachtungsraumQuartier/Stadtteil, Trabantenstadt der 1960er Jahre


Anlass und Ziele

Typische Ansicht einer Wohnstraße in Wolfsburg Detmerode Projektablauf: Wolfsburg - Detmerode. Städtebauliche Qualitäten gemeinsam sichernTypische Straßenansicht in Wolfsburg Detmerode Quelle: Lars Landmann

Die Architektur der 1960er und 1970er Jahre gelangt zunehmend in den Fokus der Fachwelt, da das typische Erscheinungsbild von Stadträumen und Siedlungen aus dieser Bauepoche vielerorts vor Veränderungen steht. Für die junge Stadt Wolfsburg (gegründet am 1. Juli 1938) stellt diese Epoche einen elementaren Teil der Entwicklungsgeschichte und ihrer Identität dar, den es zu erhalten und behutsam weiterzuentwickeln gilt. Wichtige Akteure, die in diesem Erneuerungsprozess mitgenommen werden müssen, sind die Einzeleigentümer der Wohnhäuser (vor allem eingeschossige Reihen- und Kettenhäuser).

Mit dem Modellvorhaben beabsichtigte die Stadt Wolfsburg, die städtebaulichen, architektonischen und stadtbildprägenden Qualitäten des typischen 1960er Jahre Wohnquartiers Detmerode zu erhalten. So sollen sich Eigentümer und Bewohner weiterhin eng mit dem Quartier verbunden fühlen und auch Neubürger gewonnen werden. Für den Erhalt des Erscheinungsbildes von Detmerode sollten bewusst informelle Instrumente erprobt werden. Es ging bei diesem Ansatz um die Frage, ob bzw. inwieweit solche Mittel eine Alternative zu rechtsverbindlichen Instrumenten wie Bebauungsplänen oder Gestaltungssatzungen darstellen können.

Maßnahmen

In einem umfangreichen Dialogprozess mit den betroffenen Hauseigentümern, Verwaltungsmitarbeitern und Experten wurden Möglichkeiten aufgezeigt, wie heutige Ansprüche an die bestehenden Gebäude in Form von baulichen Erweiterungen und energetischen Modernisierungen erfüllt und gleichzeitig deren besondere gestalterische Qualitäten bewahrt werden können. Ein mit den Bewohnern in thematischen Workshops erarbeiteter Handlungsleitfaden diente als Orientierungshilfe für Sanierungs- und Umbauwillige. Dieser Leitfaden wurde durch das Angebot einer unabhängigen Energie- und Bauberatung ergänzt.

Grafische Darstellung zum Projektablauf Projektablauf: Wolfsburg - Detmerode. Städtebauliche Qualitäten gemeinsam sichernProjektablauf Wolfsburg Quelle: SSR - Schulten Stadt- und Raumentwicklung, Dortmund

Ergebnisse

Hauseigentümer diskutieren im Rahmen eines Workshops mit Vertretern der Stadt Wolfsburg und Experten Projektablauf: Wolfsburg - Detmerode. Städtebauliche Qualitäten gemeinsam sichernWorkshop mit Hauseigentümern, Vertretern der Stadt Wolfsburg und Experten Quelle: Stadt Wolfsburg

Auf Grundlage des Leitfadens und der Beratungen wurden bereits erste Sanierungen realisiert, die die architektonisch-städtebaulichen Qualitäten der Gebäude bewahren. Die Akzeptanz der Bewohner konnte durch das Modellvorhaben gesteigert werden. Jedoch lässt sich festhalten, dass eine Bindung an den Handlungsleitfaden durch Selbstverpflichtung und ohne formelle Planungsinstrumente kaum möglich ist. Auf Grundlage des Handlungsleitfadens wird nunmehr qualifiziert – auch innerhalb der Bewohnerschaft – diskutiert, ob die informellen Instrumente und die Freiwilligkeit des Befolgens ausreichend sind oder ob auf formelle Planungsinstrumente wie eine Gestaltungssatzung zurückgegriffen werden sollte, um die Qualitäten langfristig zu sichern.

Um Sanierungsmaßnahmen anzuschieben, die Energieeffizienz von Gebäuden zu steigern und einen Sanierungsmanager für zukünftige Bauberatungsangebote in Detmerode zu etablieren, wird die Stadt Wolfsburg im Rahmen des Förderprogramms "Energetische Stadtsanierung" der KfW-Bank ein Integriertes Energetisches Quartierskonzept vorbereiten. Weitere Fördermöglichkeiten über die vereinfachte KfW-Förderung hinaus bestehen in Detmerode für denkmalgeschützte und besonders erhaltenswerte Bausubstanz "KfW-Effizienzhaus Denkmal". Danach genügt als Anforderung für die Förderung der energetischen Sanierung derartiger Bausubstanz ein Zielerreichungsgrad von 160% dessen, was als Primärenergiebedarf für einen Referenzneubau zulässig wäre. Der niedrigere Wert bei der Energiebilanz gibt z.B. den Spielraum für den Verzicht auf eine das Erscheinungsbild des Gebäudes beeinträchtigende Außendämmung. Zwingend zu beteiligen ist ein Sachverständiger für energetische Maßnahmen im Denkmalschutz, der ggf. auch die formale Anerkennung als besonders erhaltenswerte Bausubstanz klärt. Die gesamte Bebauung Detmerodes ist vom Stadtplanungsamt der Stadt Wolfsburg als "sonstige besonders erhaltenswerte Bausubstanz" eingestuft worden.


Zusatzinformationen

Logo  Experimenteller Wohnungs- und Städtebau

Kontakt

Lars-Christian Uhlig
Projektgruppe ZIP: Zukunftsinvestitionsprogramm
Tel.: +49 228 99401-1614
Anca-Maria Carstean
Projektgruppe ZIP: Zukunftsinvestitionsprogramm
Tel.: +49 228 99401-1653