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Orte der Integration im Quartier

Ergebnisse

Integration stellt viele Kommunen vor eine große Herausforderung. Die Mehrzahl der Bürgerinnen und Bürger mit Migrationshintergrund lebt in strukturschwachen Quartieren, in denen besondere Integrationsleistungen erbracht werden müssen. Eine der wichtigsten Aufgaben liegt in der Verbesserung der Bildungschancen der Bewohnerinnen und Bewohner. Bildung ist der Schlüssel für eine gelungene Integration. Aus diesem Grund hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) in Kooperation mit dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) das ExWoSt-Forschungsfeld "Orte der Integration im Quartier" initiiert.

Ziel des Forschungsfeldes war es, in sozial benachteiligten und strukturschwachen Quartieren die unzureichenden Bildungschancen, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, zu verbessern. In acht Modellvorhaben wurde durch Qualifizierung und Einbindung vorhandener Bildungs- und Gemeinschaftseinrichtungen in sozialräumliche Kooperations- und Entwicklungsansätze "Orte der Integration" geschaffen. Kommunen, Schulen, Vereine, Wohlfahrtsverbände, Stiftungen und viele engagierte Akteure haben neue Ansätze, Strukturen und Ideen entwickelt und im Rahmen einer zweijährigen Laufzeit des Forschungsfeldes umgesetzt.

Integration verfolgt das Ziel, neben der Steigerung der Bildungschancen und damit einer umfassenden Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, die Verbesserung des Zusammenhalts aller Generationen sowie zwischen Quartiersbewohnern unterschiedlicher ethnischer und kultureller Herkunft. Mit dem Forschungsfeld wird eine der zentralen Maßnahmen des Nationalen Aktionsplans umgesetzt.

Mit dem Modellvorhaben wurden innovative Wege beschritten, um die Infrastruktureinrichtungen vor Ort so zu stärken, dass die Bewohnerinnen und Bewohner vielfältige Weiterbildungs- und Unterstützungsangebote erhalten. Die Erfolge betreffen bauliche Anpassungen (Schaffen von Räumen), Erreichung der Zielgruppen sowie strukturelle Veränderungen der Infrastrukturangebote.

Bauliche Aspekte: Offen und eigenständig

Bei den Modellvorhaben hat sich gezeigt, dass die inhaltliche Qualifizierung von Infrastruktureinrichtungen i.d.R. mit einer baulichen Erweiterung oder Umgestaltung der Orte einhergeht. Durch investive Maßnahmen werden diese zu Orten gestaltet, die Anlässe zur Teilnahme und Teilhabe bieten. Obwohl die Ausgangssituation bei den Modellvorhaben unterschiedlich ist (z.B. ehemalige Geschäftsräume oder Hausmeisterwohnungen auf dem Schulgelände sowie Jugendclubs), gibt es gemeinsame Voraussetzungen. Ein barrierefreier Zugang sowie große Fensterfronten und ein freundliches Foyer sind ein wichtiges "Aushängeschild" für einen, dem Quartier zugewandten "offenen" Ort der Integration.

Von besonderer Bedeutung ist auch die Möglichkeit, Orte der Integration auf einem "neutralen Weg" erreichen zu können. Insbesondere bei Orten, die in Anbindung an Schulen initiiert werden, spielt dieser Aspekt eine wichtige Rolle. Neben versicherungsrechtlichen Argumenten wird durch einen eigenständigen Eingang vor allem die Ausrichtung ins Quartier dokumentiert und eine unabhängige zeitliche Öffnung garantiert.

Die bauliche Anpassung der Räume bezieht sich vor allem auf Grundrissanpassungen sowie Ausstattungsdetails. Von Bedeutung ist in fast allen Modellvorhaben die Nachrüstung einer gut ausgestatteten Küche für Mittagstischangebote oder für Kochkurse bis hin zu Familienfesten und Kulturveranstaltungen. Ebenfalls wichtig sind technische Voraussetzungen, um Kurse oder auch kulturelle Angebote, wie Lesungen, Theater und Musikvorführungen durchführen zu können (z.B. Beleuchtung, Beamer, Akustik, Bestuhlung).

Die Modellvorhaben haben auf flexible Raumnutzungen geachtet und neutrale, schlichte Ausgestaltungen der Einrichtungen gewählt, damit sich die Möglichkeit der individuellen Aneignung durch unterschiedliche Nutzergruppen bietet.

Ansprache und Erreichen von Zielgruppen: Zugehend und persönlich

Um die gewünschten Zielgruppen zu erreichen, haben sich in den Modellvorhaben drei wesentliche Aspekte herauskristallisiert, die Beachtung finden sollten. Erstens ist eine zugehende Arbeit (im Sinne des Streetworks) unerlässlich. Viele Bewohnerinnen und Bewohner in benachteiligten Quartieren leben zurückgezogen. Eine erfolgreiche zugehende Arbeit findet auf Spielplätzen, beim Einkaufen und auf der Straße statt. Zweitens ist es wichtig, dass die Zielgruppen persönlich durch "Projektmacher", Schlüsselpersonen und Multiplikatoren angesprochen werden. Bei vielen Modellvorhaben hat die persönliche Ansprache durch Stadtteilmütter zum Erfolg geführt. Drittens wurde deutlich, dass insbesondere bei dem Thema "Bildung" Kinder und Jugendliche eine wichtige Personengruppe ist, über die die Ansprache der Eltern gelingen kann.

Arbeit in Netzwerken: Kooperation mit Verantwortung

In Bezug auf Kooperationen und Netzwerke ist eine Bestandsaufnahme der Angebote im Quartier zu Beginn eines Projektes unerlässlich. Bestehende Netzwerkstrukturen sollten aufgegriffen und genutzt werden. Sie sind aufeinander abzustimmen und weitere Kooperationen sind bedarfsabhängig aufzubauen. Ebenfalls von Bedeutung ist eine frühzeitige, gemeinsame Zielformulierung für das Quartier. Die gemeinsame Zielformulierung ist Voraussetzung für Verbindlichkeiten in der Zusammenarbeit (z.B. durch Kooperationsverträge, Rahmenvereinbarungen zwischen Schule und Jugendhilfe). Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Festlegung eines Hauptverantwortlichen im Netzwerk, der den Prozess steuert und das Netzwerk zusammenhält. Diese Aufgabe kann auch an eine externe Moderation als Begleitung der Akteure (z.B. Einladung, Protokolle, Hausaufgaben) abgegeben werden.

Orte der Integration – die Finanzierung muss stehen

Es ist sinnvoll bestimmte Voraussetzungen beim Projektstart zu klären. Dazu zählen Beschlüsse mit einem verbindlichen Finanzierungsplan (z.B. Bereitstellung und Anpassung von Räumen, Bewirtschaftungskosten, Personal, Grundangebot) seitens der Kommune sowie eine klare Budgetverantwortung. Die Steuerung der Finanzen sollte in der Hauptverantwortung bei der Verwaltung/Politik (Steuerungsgruppe) liegen, während die Verantwortung von Teilbudgets auch bei den Teams vor Ort angesiedelt sein kann.

Gesamtsteuerung – ein "MUSS"!

Die Erfahrungen bei den Modellvorhaben zeigen, dass es für den Erfolg wichtig ist, dass die Gesamtsteuerung der Projekte und die damit ausgelösten Prozesse bei der Kommunalverwaltung liegen. Unabhängig davon, ob eine Bildungseinrichtung oder eine Gemeinschaftseinrichtung qualifiziert wird, sollten die Steuerung (von der Auswahl der Sozialräume über die Zusammenarbeit unterschiedlicher Ressorts bis zur Erstellung des Finanzierungsplans und zur Einbindung der Politik) und damit auch die Hauptverantwortung bei der Kommune liegen. Nur dann sind Orte der Integration im Sozialraum erfolgreich umsetzbar. Die Einbindung in die Politik ist dabei eine wesentliche Voraussetzung für die längerfristige – über den Zeitrahmen der Modellphasen hinausreichende – Etablierung der Orte der Integration.

Orte der Integration im Quartier: Bildungs- und Gemeinschaftseinrichtungen

Sowohl Gemeinschaftseinrichtungen als auch Bildungseinrichtungen können als Orte der Integration qualifiziert werden. Allerdings sind die Anforderungen, die an den jeweiligen Einrichtungstyp gestellt werden, andere. So hat sich gezeigt, dass Gemeinschaftseinrichtungen ihr Angebot nach Benennung der (neuen) Zielgruppen und deren Bedarfen relativ zügig auf die neuen Schwerpunkte ausrichten können. Die Kooperationen mit Trägern, die Zusammenarbeit in Netzwerken sowie die Ansprache von Zielgruppen gehören in der Regel zum alltäglichen Geschäft. Aber auch Schulen bieten gute Voraussetzungen für Orte der Integration. Durch die Ergänzung vorhandener schulischer Angebote durch außerschulische Bildungsangebote (Schule plus) – in Verbindung mit weiteren Akteuren – lassen sich Eltern stärker einbinden. Bei der Qualifizierung von Schulen ist es notwendig, Eltern von Beginn an in die Entwicklungen einzubinden und den Mehrwert zu verdeutlichen. Erfolgreich ist die Öffnung der Schule, wenn die Angebote (z.B. Mittagstisch, Quartiersschulgarten, Bibliothek) über die Schule hinaus ins Quartier wirken bzw. die vorhandenen Angebote durch die Schule gebündelt werden.

Die bisherigen Ergebnisse der Modellvorhaben zeigen sowohl aus der Innensicht als auch aus der begleitenden Perspektive beachtliche Erfolge bei der Qualifizierung der Orte der Integration. Die einzelnen Projekte haben eine hohe Akzeptanz bei den lokalen Verwaltungen und der lokalen Politik. Dies zeigt sich u.a. an den bestehenden Zusagen zur Verstetigung. Patentrezepte gibt es nicht. Es sind integrierte, im lokalen Kontext entwickelte Strategien und Konzepte erforderlich. Diese müssen auf den städtebaulichen Qualitäten und Stärken der Einrichtungen vor Ort sowie den sozialen und gesellschaftlichen Kompetenzen der Akteure und Bewohner im jeweiligen Quartier aufbauen und diese einbeziehen.

Zusatzinformationen

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Kontakt

Juliane Wagner
Referat I 4 - Städtebauförderung, Soziale Stadtentwicklung
Tel.: +49 228 99401-2335