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Unternehmen und Stiftungen für die soziale Quartiersentwicklung

Die soziale Quartiersentwicklung zielt darauf, die Lebenschancen von Menschen in benachteiligten Quartieren zu verbessern und die Quartiere als Lebensmittelpunkt attraktiver zu machen. Das Städtebauförderungsprogramm "Soziale Stadt" unterstützt dieses Ziel mit weiteren Akteuren, wie Stiftungen und Unternehmen, die sich in die Quartiersentwicklung einbringen. Ausgangspunkt für das Engagement ist eine beobachtbare stärkere gesellschaftliche Verantwortungsübernahme dieser Akteure, für die sich die englische Bezeichnung Corporate Social Responsibility etabliert hat.
In dem ExWoSt-Forschungsfeld wurde ermittelt, unter welchen Bedingungen und mit welchen Projekten Stiftungen und Unternehmen zu einer sozialen Quartiersentwicklung beitragen können. Sieben Modellvorhaben haben gezeigt, wo ein solches Engagement bereits besteht, wie es gefördert und verlässlich gestaltet werden kann und wie weitere Stiftungen und lokale, nationale und internationale Unternehmen mobilisiert werden können.

Projektlaufzeit: Oktober 2012 – September 2015

Ausgangslage

In den letzten Jahren wird zunehmend über das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen und Stiftungen diskutiert. Empirisch hat sich gezeigt, dass das tendenziell wachsende Engagement in hohem Maße lokal ausgerichtet und stark an sozialen Fragen orientiert ist. Insofern scheinen Anknüpfungspunkte für die soziale Quartiersentwicklung gegeben zu sein. Gleichzeitig wird das dominierende Handlungsschema jedoch als eher reaktiv, kurzfristig und unabhängig von den Stadt(teil)entwicklungsmaßnahmen der Kommunen beschrieben. Die unkomplizierte, kurzfristige und im Rahmen unmittelbarer Kontakte mobilisierte Hilfestellung prägt das Bild dieses Engagements. Dieser Aspekt steht im Widerspruch zu einer Quartiersentwicklung, die erst aus dem Ineinandergreifen unterschiedlicher Maßnahmen und Handlungsansätze sowie in längeren Fristen ihre volle Wirkung entfaltet.
Von daher wurde im Forschungsfeld insbesondere erprobt, wie das arbeitsteilige, aufeinander bezogene Handeln in quartiersorientierten Verbünden oder Partnerschaften als Mehrwert vermittelbar ist und in der Praxis im Sinne einer nachhaltigen Einbindung gestaltet werden kann. Dass dies möglich ist, hat bereits vor Beginn des Projektes nicht nur das Engagement von ausgewählten Stiftungen und Unternehmen gezeigt. Auch die Beispiele aus dem Programm "Unternehmen für die Region" (Bertelsmann Stiftung) haben verdeutlicht, dass es ein erkennbares Interesse von Seiten der Unternehmen gibt, Kräfte zu bündeln und das gesellschaftliche Engagement strategischer auszurichten. Dies zeichnet sich auch in einer Zunahme von Partnerschaften im Verbund mit öffentlichen, privaten und zivilgesellschaftlichen Akteure ab.
In der Stiftungslandschaft gibt es abseits der ohnehin mit Stadtentwicklungsthemen und damit im politischen Bereich agierenden Stiftungen Diskussionsströmungen und Bewegungen, die die Anschlussmöglichkeiten der sozialen Quartiersentwicklung verbessern. Mehr und mehr setzt sich die Stiftungslandschaft mit Fragen nach der Wirksamkeit des eigenen Handelns auseinander. Dies verbindet sich einerseits mit dem Begriff der "strategischen Philanthropie" und konkretisiert sich vielerorts in Forderungen nach verstärkter Transparenz, Evaluationen und höherer Kooperationsbereitschaft, um im gesellschaftlichen und damit auch politischen Kontext effektiver handeln zu können.

Zielsetzung

Die Aufgabenstellungen wurden im Forschungsfeld mit spezifischen empirischen Arbeiten aufgegriffen, von den ExWoSt-Modellvorhaben praktisch erprobt und nicht zuletzt auch Gegenstand des Erfahrungsaustauschs der Projektbeteiligten und der mit dem Ergebnistransfer verbundenen Diskussionen sein. Insofern war es das Ziel des Forschungsfeldes, zu den folgenden Fragestellungen praxisnahe Antworten zu geben:

  • Inwiefern engagieren sich Unternehmen und Stiftungen im Bereich der Stadtentwicklung und welche Strategien verfolgen sie dabei?
  • Wie können – insbesondere leistungsfähigere und überregional agierende – Unternehmen und Stiftungen motiviert werden, nachhaltig einen Beitrag zur Stadt- und Stadtteilentwicklung, insbesondere für benachteiligte Quartiere, zu leisten und so ggf. zu Multiplikatoren oder Pionieren mit Vorbildfunktion werden? Welche Rolle spielt dabei die unmittelbare Einbindung vor Ort?
  • Wie können Unternehmen und Stiftungen bei der Gestaltung eines integrierten Stadt(teil)entwicklungskonzeptes eingebunden und ihr Engagement darin verortet werden?
  • Wie kann es vor Ort gelingen, eher kleinteiliges unternehmerisches und stifterisches Engagement trotz ggf. bestehender Vorbehalte gegenüber komplexen Handlungskonstellationen zeitlich und räumlich im Sinne einer integrierten Quartiersentwicklung zu bündeln? Wie ist der Mehrwert des integrierten Handelns vermittelbar?
  • Wie müssen sozial-integrative Projekte aussehen, damit sie aus Sicht von Stiftungen und Unternehmen förderungswürdig sind? Welche thematischen Elemente einer sozialen Quartiersentwicklung sind für welche Stiftungs- und Unternehmenstypen in besonderem Maße geeignet? Insbesondere die Unternehmen sind dabei nach Branchen und Größenordnungen sowie dem Grad der lokalen Einbindung zu unterscheiden.
  • Welche Kommunikationsformen sind geeignet, um Unternehmen und Stiftungen mit den Akteuren der Stadt(teil)entwicklung zusammenzubringen?
  • Welche Informations- und Kommunikationsbedarfe haben Unternehmen und Stiftungen hinsichtlich sozialen Engagements in benachteiligten Quartieren?
  • Wie müssen die Kooperationsstrukturen zwischen Kommunen, Akteuren im Quartier und Stiftungen bzw. Unternehmen gestaltet werden, um die jeweiligen Interessen und Handlungslogiken aufzunehmen? Gibt es unterschiedliche Bedürfnisse nach Transparenz, Wirkungskontrolle und öffentlicher Darstellung bei den Beteiligten?
  • Benötigen Unternehmen und Stiftungen ein Akteursnetzwerk für ihr soziales Engagement in der Quartiersentwicklung? Welche Bedeutung haben persönliche Kontakte und welche Personen oder kommunale Einrichtungen sind dabei besonders wichtig?
  • Welche Voraussetzungen und Rahmenbedingungen auf Bundes- und Landesebene sowie in der Kommune vor Ort sind erforderlich, um das Engagement von Unternehmen und Stiftungen in die Quartiersentwicklung zu lenken?
  • Welche Hindernisse gibt es beim Engagement von Unternehmen und Stiftungen in der Quartiersentwicklung (z.B. finanziell, strukturell, rechtlich)? Wie können diese abgebaut werden und welchen Beitrag kann dazu eine Kommunikationsplattform leisten?
  • Welche unterstützenden Kommunikationsstrukturen (lokal, regional und überregional) können helfen, das Handlungsfeld der sozialen Quartiersentwicklung in der Wahrnehmung engagierter Unternehmen und Stiftungen zu verankern?
  • Wie kann soziales Engagement von Unternehmen und Stiftungen in der Stadt(teil)entwicklung unterstützt und befördert werden?

Auftragnehmer des Forschungsprojektes war Quaestio Forschung & Beratung, Bonn.

Zusatzinformationen

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Kontakt

Juliane Wagner
Referat I 4 - Städtebauförderung, Soziale Stadtentwicklung
Tel.: +49 228 99401-2335