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Unternehmen und Stiftungen für die soziale Quartiersentwicklung

Ergebnisse

Ergebnisse der Unternehmens- und Stiftungsbefragung


Bezug zum Quartier und bestehende Bedarfe als Motive für das Engagement

Im Forschungsfeld traten Unternehmen und Stiftungen sowie Service-Clubs als Kooperationspartner der Modellvorhaben auf. Sie hatten jeweils individuelle Motive, sich in den Quartieren zu engagieren, wie etwa ein persönlicher Bezug der Unternehmerin beziehungsweise des Unternehmers zu dem Quartier. Meist waren zudem die Quartiere innerhalb der Stadt so bekannt, dass den Vertreterinnen und Vertretern der Unternehmen und Stiftungen die Notwendigkeit für ein Handeln unterschiedlicher Akteure, nicht lang erklärt werden musste. Gezeigt hat sich jedoch, dass die Unternehmen und Stiftungen Vorteile in einem (gemeinschaftlichen) Engagement in den Quartieren sahen. Auch wenn das Engagement von Unternehmen und Stiftungen meist auf einzelne Zielgruppen ausgerichtet ist, wirken die benachteiligten Quartiere durch die Konzentration an Problemlagen als "Filter" für das Engagement, um benachteiligte Personen zu erreichen. Um mit Blick auf das Gesamtquartier wirksam zu werden, fehlt es den Unternehmen und Stiftungen jedoch meist an den notwendigen Kenntnissen über die Bedarfe im Quartier, die dort handelnden Akteure und vorhandenen Projekte. Durch die Zusammenarbeit mit der Kommune konnten die Unternehmen und Stiftungen in den Modellvorhaben auf deren Expertenwissen zurückgreifen und so ihr Engagement deutlich besser an den bestehenden Bedarfen ausrichten.


Möglichkeiten der Mitgestaltung und flexible Engagementangebote als Ausgangspunkt für die Kooperation

Die entstandenen Kooperationen in den Modellvorhaben sind sehr unterschiedlich: von einmaligen finanziellen Zuwendungen bis zu langfristig gedachten Unterstützungsnetzwerken. Am erfolgreichsten waren jedoch die Modellvorhaben, die den Unternehmen und Stiftungen partnerschaftlich begegneten und mit ihnen gemeinsam Möglichkeiten eines Engagements erörterten und entwickelten. Durch diese Möglichkeit der Mitgestaltung der Quartiersentwicklung hob sich das Kooperationsangebot deutlich von üblichen Anfragen für Spenden und Sponsorings ab und die Modellvorhaben konnten vor allem solche Unternehmen und Stiftungen erreichen, die einen großen Wert auf die aktive Einbeziehung legen. Dies ist selbstverständlich nicht für alle Unternehmen und Stiftungen gegeben. Sowohl die Arbeit der Modellvorhaben als auch die Befragungen haben gezeigt, dass die Engagementbereitschaft der Unternehmen und Stiftungen in Art und Verbindlichkeit differiert. Entsprechend schafften einige Modellvorhaben unterschiedliche Engagementangebote, um möglichst breite Gruppen von Unternehmen und Stiftungen anzusprechen.
Bei der Kontaktaufnahme zu Unternehmen und Stiftungen haben sich unterschiedliche Wege abgezeichnet, wie etwa ein Anschreiben oder der Besuch von Veranstaltungen. Unabhängig vom jeweiligen Vorgehen sind für die Kooperationsanbahnung in der Regel mehrere Kontaktanlässe notwendig. Es kommt darauf an, einen Raum für ein offenes Gespräch auf Augenhöhe zu schaffen, in dem die Interessen des Unternehmens beziehungsweise der Stiftung erfasst und Möglichkeiten des Engagements diskutiert werden können.


Kommune als wichtiger Vermittler zum Quartier

Die kommunalen Projektverantwortlichen haben in den Modellvorhaben als Initiator und Moderator der Kooperation agiert. Sie haben hierbei eine zentrale Rolle für das Gelingen der Projekte gespielt. Sie wirkten als Brücke zwischen den Unternehmen und Stiftungen und den Quartieren mit ihren Bedarfen, Akteuren und Projekten. Durch ihr Expertenwissen über die Quartiere strukturierten sie das Engagement vor und ermöglichten den beteiligten Unternehmen und Stiftungen den Zugang zu dem, für sie bisher meist unbekannten Feld der Quartiersentwicklung. Für diese Aufgabe waren auf Seiten der Kommune Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter notwendig, die sich nicht nur in den Quartieren und im Kontakt mit den dortigen sozialen Projekten gut auskennen, sondern die auch einen partnerschaftlichen Kontakt mit Unternehmen und Stiftungen aufbauen können und sich insofern auch im zivilgesellschaftlichen und unternehmerischen Sektor zurechtfinden. Neben der Frage der Kompetenzen der Verantwortlichen in der Kommune stellte sich als wichtige Rahmenbedingung heraus, inwieweit die Aktivitäten innerhalb der Kommune in andere Aktivitäten zur Engagementförderung oder sogar eine umfassende Engagementstrategie eingebunden waren. Durch einen solchen Rückhalt konnten die Modellvorhaben zum Teil auf eine bestehende Engagementkultur (bestehende Bereitschaft und Würdigung von Engagement) ebenso wie auf bestehende Kontakte und Strukturen zurückgreifen.


Engagement als freiwillige und zusätzliche Aktivitäten

Trotz des erfolgreichen Aufbaus von Kooperationen in den Modellvorhaben haben sich im Forschungsfeld auch Grenzen des Engagements von Unternehmen und Stiftungen in der Quartiersentwicklung gezeigt. Zum einen sehen die Unternehmen und Stiftungen ihr Engagement klar als zusätzliche Aktivitäten in den Quartieren. Die Hauptverantwortung wird bei der öffentlichen Hand gesehen, so dass eine klare Abgrenzung zu öffentlichen Aufgaben stattfindet. Zum anderen wird das gesellschaftliche Engagement von den Unternehmen und Stiftungen als freiwillige Aufgabe und meist ehrenamtlich übernommen, was die zeitliche Inanspruchnahme durch die Kooperation begrenzt.


Wirkung der Zusammenarbeit

Durch die Zusammenarbeit der Kommunen mit Unternehmen und Stiftungen in den Modellvorhaben sind als Ergebnis nicht nur konkrete Projekte in den Quartieren unterstützt worden. Die Kooperationen haben auch bewirkt, dass es zu einem Einblick in Denk- und Arbeitsweisen zwischen den Akteuren gekommen ist. Dies wurde nicht nur als persönliche Bereicherung von den Beteiligten empfunden, sondern hat auch zu Synergien durch die Verbindung der jeweils individuellen Kompetenzen und Interessen sowie Kenntnisse über die Projekte geführt, die den Quartieren zugutekommen. Die Aufmerksamkeit für die gesamtgesellschaftliche Aufgabe der Quartiersentwicklung wurde durch die Kooperationen erhöht und ist Ausgangspunkt dafür, dass die Quartiersentwicklung stärker als gemeinschaftliche Aufgabe unterschiedlicher Akteure verstanden wird.

Zusatzinformationen

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Kontakt

Juliane Wagner
Referat I 4 - Städtebauförderung, Soziale Stadtentwicklung
Tel.: +49 228 99401-2335