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Baukultur und Tourismus – Kooperation in der Region

Baukultur und Tourismus werden bisher viel zu selten gemeinsam und vernetzt bearbeitet. Vor allem in ländlichen Regionen Deutschlands wird qualitätsvolles Planen und Bauen als touristisches Potenzial häufig nicht wahrgenommen. Das ExWoSt-Forschungsfeld "Baukultur und Tourismus – Kooperation in der Region" erprobt mit acht Modellvorhaben, wie sich die Kooperation von Baukultur und Tourismus im ländlichen Raum stärken lässt und welche Werkzeuge dafür gewinnbringend sind.

Projektstart: Juli 2016

Ausgangslage



Baukultur und Tourismus zeichnen sich grundsätzlich durch ihre Kontextbezogenheit aus. Sie können sich, wie die BBSR-Studie "Regionale Baukultur und Tourismus" gezeigt hat, gegenseitig positiv befruchten. Aber obwohl Destinationsmanagement und Baufachleute das gleiche Ziel verfolgen, nämlich den Ort bzw. die Region voranbringen zu wollen, hemmen die spezifische Sprache wie die unterschiedlichen Ziele die Zusammenarbeit. Vielfältige Synergien, die sich aus einer Zusammenarbeit für die Stadt- und Regionalentwicklung wie für den Tourismus ergeben könnten, kommen, bleiben ungenutzt.

Besonders im ländlichen Raum beeinflussen sich die zwei Disziplinen Baukultur und Tourismus gegenseitig positiv und verfolgen sehr oft die gleichen Ziele:

  • Regionale Baukultur macht Orte und Kulturlandschaften attraktiver und bildet damit das Fundament für einen florierenden Tourismus.

  • Tourismus wiederum kann einen wichtigen Beitrag zur Wertschöpfung in ländlichen Regionen leisten und erhöht damit den Spielraum für gutes Planen und Bauen. Zudem sorgen Besucher dafür, das Bewusstsein für die eigene Baukultur zu stärken.

Gutes Planen und Bauen im regionalen Kontext ist dabei nicht nur eine Aufgabe für Architekten und Planer, sondern für alle Menschen, denen die Bewahrung und Entwicklung der natürlichen und gebauten Umwelt am Herzen liegt. Regionale Baukultur geht über Architektur und Gestaltung eines Gebäudes hinaus und umfasst auch die Stadt- und Ortsplanung, die Errichtung von Infrastrukturbauwerken und die Gestaltung von öffentlichen Räumen und Landschaftsräumen.

Regionale Baukultur ist ein wirksames Konzept gegen die Beliebigkeit, Austauschbarkeit und Banalisierung in Architektur und Städtebau. Sie ist Teil einer immer lauter werdenden Debatte über die Qualität unserer Städte, Dörfer und Kulturlandschaften.

Tourismus wiederum erzeugt Umsätze bei privaten Unternehmen und in den kommunalen Haushalten. Ein regionaltypisches Hotel mit baukulturellem Anspruch – ob hochwertig saniert oder innovativ neu gebaut – ist zumeist ein touristischer und wirtschaftlicher Erfolg. Das Interesse der Touristen an den besuchten Regionen schärft den Sinn für die Kulturlandschaft und sorgt damit für ein höheres regionales Bewusstsein und eine erhöhte Wertschätzung der Region sowie deren Bauten.

Optimistisch stimmen deswegen zum einen das erhebliche baukulturelle Potenzial in vielen deutschen Regionen, zum anderen die regionalökonomischen Effekte des Tourismus sowie die erkennbaren Veränderungen im Freizeit- und Urlaubsverhalten. Die Synergieeffekte, die sich aus einer Zusammenarbeit von Destinationsmanagern und Baukulturakteuren für die Tourismus- und Regionalentwicklung ergeben können, sind dabei vielfältig. Das Potenzial, das sich aus der Einbindung regionaler Baukultur in die strategische Entwicklung von Destinationen ergibt, wird allerdings bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Gerade hier gibt es noch sehr viel Forschungs- und Erprobungsbedarf.

Die 2014/15 im Auftrag des BBSR erstellte Studie "Regionale Baukultur und Tourismus" spricht unter anderem folgende Potenziale an und wirft weitere Fragen auf:

  • Den vermehrten Wunsch nach Naturerlebnissen kombinieren Touristen häufig mit kulturellen Highlights, die ein Hauptmerkmal deutscher Destinationen bilden. Wie können die verantwortlichen Akteure diese Ansprüche zusammen führen, ohne dass daraus ein Widerspruch entsteht?

  • Die Sehnsucht nach "Heimat" und "Nähe" begünstigt bei der Urlaubsplanung die Suche nach authentischen und regionalen, gleichzeitig aber auch innovativen Angeboten.

  • Die Suche nach regionaler Identität und einer Marke, die sich auch über lokaltypische Produkte und einer Qualität von Stadtplanung und Architektur definiert, wird zunehmend zu einem Entscheidungsfaktor für die Gäste. Was prägt die bauliche Identität der Region wesentlich? Wie lässt sich diese angemessen pflegen und bewahren, ohne dass dies zu einer Banalisierung (z.B. architektonischer Kitsch) führt?

  • Sowohl auf Seiten der touristischen Anbieter als auch bei den Kunden findet ein Generationenwechsel statt, der häufig zu Gestaltungs- und Angebotsinnovationen führt. Wie kann auf neue Ansprüche eingegangen werden?

  • Auch das zum Teil sehr beachtliche bauliche Erbe jenseits der großen Monumente, exzellente moderne Architektur und außergewöhnliche Ingenieurbauwerke finden zunehmend Beachtung als touristisches Ziel im ländlichen Raum. Welche Vermarktungsstrategien können hier zum Erfolg führen?

  • Gibt es für wachsende und schrumpfende Regionen unterschiedliche Möglichkeiten der Entwicklung in den oben aufgezeigten Bereichen?

Um alle diese Themenbereiche anzugehen, wurde das Forschungsfeld "Baukultur und Tourismus – Kooperation in der Region" genau zum richtigen Zeitpunkt initiiert.

Ziel 

In der Zusammenarbeit mit ausgewählten Modellvorhaben geht es darum, die bisher zusammengetragenen Erkenntnisse und Ansätze der Vorgängerstudie "Regionale Baukultur und Tourismus" zur Realisierung der Zusammenarbeit und Kooperation zwischen Baukultur und Tourismus in die Praxis zu überführen und an einer Umsetzung vor Ort zu arbeiten.

Die Ziele und Aufgaben in der Zusammenarbeit mit den Modellvorhaben liegen vor allem in drei übergeordneten Bereichen:

  1. Wissensbasis erweitern und verbreitern
  2. Zusammenarbeit und Dialog fördern
  3. Baukulturelle Kompetenzen auf regionaler Ebene weiter stärken

Die Akteure in den Modellvorhaben sollen in die Lage versetzt werden, baukulturelle und touristische Potenziale der eigenen Region zu erkennen, zu schärfen und weiterzuentwickeln. Wissen und Bewusstsein für die Chancen einer gewinnbringenden Zusammenarbeit von Baukultur und Tourismus sollen vor Ort gestärkt werden. Hierbei kann und soll über Best Practices und den Erfahrungsaustausch untereinander von anderen gelernt werden. Dadurch werden gleichzeitig die fachübergreifende Zusammenarbeit gefördert und Netzwerke aufgebaut, Synergieeffekte verdeutlicht und arbeitsfähige Strukturen geschaffen. Instrumente zur Verbesserung der Baukultur in den Regionen – nicht nur im touristischen Bereich – sollen bekanntgemacht und erprobt werden.

Zusatzinformationen

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Kontakt

Lars Porsche
Referat I 7 - Baukultur und Städtebaulicher Denkmalschutz
Tel.: +49 228 99401-2351