Gewalt- und Kriminalprävention in der sozialen Stadt
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Für viele Menschen ist das Gefühl von Sicherheit im unmittelbaren Lebensumfeld ein elementares Grundbedürfnis. Für die Prävention von Kriminalität und Gewalt und die Förderung von Sicherheit und Toleranz spielt deshalb gerade das Wohnumfeld eine bedeutende Rolle. Im Rahmen der Studie wird eine Bestandsanalyse der Kriminalitätssituation im sozialräumlichen Kontext durchgeführt. Daran anknüpfend werden erfolgreiche Ansätze der Gewaltprävention auf Quartiersebene, die insbesondere für benachteiligte Stadtteile vorliegen, untersucht und Handlungsempfehlungen abgeleitet.
Ausgangslage
Kriminalität und Gewalt gefährden die Stabilität des Zusammenlebens in Städten und Gemeinden. Sie können sowohl Folge als auch Ursache sozialräumlicher Polarisierung sein. Dabei gehört die Sicherheit im unmittelbaren Wohnumfeld zu den grundlegenden Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger. Vor diesem Hintergrund spielt das Wohnquartier auch eine entscheidende Rolle bei der Prävention von Gewalt- und anderen Straftaten. Erfahrungen im Rahmen der Stadtentwicklungspolitik liegen vor allem mit dem Städtebauförderungsprogramm „Soziale Stadt“ vor. Das Programm fördert u.a. auch „Maßnahmen für eine sichere Stadt“ (Verwaltungsvereinbarung Städtebauförderung 2011). Hierbei geht es insbesondere um städtebauliche Maßnahmen der Gewaltprävention, aber auch um die Aktivierung sozialräumlich ausgerichteter Maßnahmen und Projekte.
Über das Ausmaß und die Wirkungen von Kriminalität und Gewalt im sozialräumlichen Kontext bestehen allerdings Unsicherheiten. Die amtliche Statistik gibt gerade auf kleinräumiger Ebene nur wenig Aufschluss. Zudem bleiben viele Tatbestände im Dunkeln, weil keine Anzeige erstattet wird und damit eine realistische Einschätzung vor Ort erschwert wird. Auch die Analyse sozialräumlicher Zusammenhänge und Wirkungen ist schwierig, so dass Entscheidungen über Präventionen oder Interventionen häufig durch Einzelereignisse wie besonders aufsehenerregende Straftaten beeinflusst werden und weniger das Ergebnis systematischer Beobachtung sind.
Zielsetzung
Es gibt viele Anhaltspunkte dafür, dass das Wohnumfeld bei der Prävention von Gewalt- und anderen Straftaten eine bedeutende Rolle spielt und die Fokussierung auf den Sozialraum ein Erfolg versprechender Ansatz ist. Deshalb greift die Studie auf Erfahrungen zurück, die insbesondere in den Fördergebieten der Sozialen Stadt hierzu vorliegen. Untersucht wird, welche Formen der Kriminalität sich in benachteiligten Stadtteilen wie auswirken, welche Maßnahmen im sozialräumlichen Kontext umgesetzt werden und inwieweit sie wirksam sind. Außerdem werden Lösungen gesucht für sinnvolle städtebauliche Verbesserungen der Prävention, die Übertragung der Maßnahmen auf andere Stadtteile und die Beteiligung von Akteuren.
In diesem Zusammenhang werden Fallstudien als gute Beispiele erfolgreicher Praxis vorgestellt. Die Ansätze beziehen sich dabei auf
- bauliche Maßnahmen zur Verbesserung des (subjektiven) Sicherheitsgefühls der Bewohnerinnen und Bewohner und
- Sozialräume, die aktiviert werden, um mehr gesellschaftliche Partizipation zu ermöglichen und sie zu Anerkennungsräumen auch und gerade für sozial schwache Bewohnerinnen und Bewohner zu machen.
Unter diesen Leitgedanken werden in der Studie Lösungsansätze vorgestellt, die im Kontext der städtebaulichen Aufwertung schwieriger Stadtteile und Unterstützung ihrer Wohnbevölkerung zum Ziel haben, das Lebensumfeld zu verbessern sowie die Perspektivlosigkeit benachteiligter Bewohnerinnen und Bewohner und damit auch die Bereitschaft zur Gewalttätigkeit und Kriminalität zu verringern. Im Hinblick auf die Aktivierung des Sozialraums geht es zudem um präventive Ansätze und Maßnahmen, mit denen Selbstverantwortung auch unter schwierigen familiären und sozialräumlichen Bedingungen gestärkt und gewaltbereites Verhalten verhindert wird.
Ein weiteres Anliegen der Studie ist es, die Erkenntnisse einer interessierten Fachöffentlichkeit zugänglich und damit für eine Weiterentwicklung nutzbar zu machen. Erprobte Ansätze sollen von anderen Kommunen und weiteren Akteuren vor Ort übernommen und auf ihre jeweils spezifische Situation übertragen werden. So erfahren erfolgreiche Maßnahmen der Gewalt- und Kriminalprävention in der Stadtentwicklung eine möglichst weite Verbreitung.
Forschungsleitfragen
Für die Bearbeitung der Studie sind folgende Forschungsleitfragen maßgeblich:
- Sind Stadtteile mit einem hohen Anteil benachteiligter Bevölkerungsgruppen, wie die Programmgebiete der Sozialen Stadt, stärker von Kriminalität betroffen als andere städtische Teilräume?
- Inwieweit kann/muss zwischen Bewohner/innen der Quartiere als Täter/innen bzw. Opfern von Gewalt (auch in anderen räumlichen Zusammenhängen) einerseits und als Austragungsort von Kriminalität andererseits (womöglich durch Täter/innen, die von außerhalb der Programmgebiete kommen) unterschieden werden?
- Welche Arten/Formen von Kriminalität können in diesen Stadtteilen unterschieden werden (differenziert nach Wohnorten und Aktionsräumen von kriminell Handelnden sowie nach deren Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit)?
- Welche Informationen liegen darüber in welcher Form vor? (Statistiken, Anzeigen, individuelle Kenntnisse) und von welchen Dunkelziffern wird (von wem) ausgegangen?
- Wer nimmt welche Form der Kriminalität wie wahr – und welche Bewertungen durch welche Akteursgruppen gehen damit einher?
- Welche Bevölkerungsgruppen gehören eher zu den Tätern, welche zu den Opfern?
- Was sind die Motivationen für kriminelle Handlungen von und an Bewohner/innen der Gebiete?
- Was sind die Ursachen für kriminelle Handlungen von und an Bewohner/innen der Gebiete?
- Was sind die Auswirkungen von Kriminalität auf das sozialräumliche Umfeld (Image, Entwicklungsmöglichkeiten etc.)?
- Welche Instrumente der Kriminalitätsprävention stehen generell zur Verfügung? Welche Erfahrungen wurden mit ihnen gemacht?
Welche Rolle können folgende Akteure/Institutionen bei Kriminalitätsprävention spielen?
- Bewohner/innen, Gesellschaft, Eltern
- Wohnungsunternehmen
- Kitas und Schulen
- kommunale Verwaltung, wie z.B. Jugendamt, Stadtentwicklung
- Soziale Dienste
- Polizei
- Welche institutionalisierten Formen der Kriminalitätsprävention gibt es in Programmgebieten der Sozialen Stadt? Welche Erfolge/Misserfolge können konstatiert werden?
- Welche Maßnahmen der Sozialen Stadt haben Prävention bzw. Reduzierung von Gewalt und Kriminalität im Quartier zum Ziel? Welche sind besonders beispielgebend und übertragbar?
- Welche Rolle spielt der Begriff des „subjektiven Unsicherheitsgefühls“ im Zusammenhang mit dem Thema Kriminalität im Wohnquartier?
- Welche Rolle spielen der Begriff bzw. Forderungen nach mehr Zivilcourage und Teilhabe im Zusammenhang mit dem Thema Kriminalität?
- Welche Erfolge bisheriger Projekte und Maßnahmen der Gewalt-/ Kriminalitätsprävention können in Programmgebieten der Sozialen Stadt konstatiert werden? In welchen Bereichen gibt es noch welche Nachholbedarfe? Was sind dabei die größten Schwierigkeiten?

