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Wie können Kommunen für qualifizierte Zuwanderer attraktiv werden?

Eine wichtige Strategie gegen den prognostizierten Fachkräftemangel in Deutschland ist die Förderung der Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland. Dies setzt allerdings voraus, dass die Städte und Gemeinden als Orte des Lebens und Arbeitens für Zuwanderer auch attraktiv sind. In acht Fallstudien wurde konkret untersucht, mit welchen stadtentwicklungspolitischen und städtebaulichen Strategien und Maßnahmen Kommunen ihre Attraktivität für qualifizierte Zuwanderer steigern können.

Projektlaufzeit: September 2012 - Dezember 2014

Ausgangslage

Der Arbeitsmarkt in Deutschland steht vor erheblichen Herausforderungen: Während auf der einen Seite die Zahl der Schulabgänger stetig abnehmen wird, erreichen die geburtenstarken Jahrgänge auf der anderen Seite langsam das Rentenalter. Das Angebot an Arbeitskräften wird sich in den kommenden Jahren entsprechend verringern. Die positive wirtschaftliche Entwicklung in der jüngeren Vergangenheit hat schon heute dazu geführt, dass in bestimmten Berufen, Branchen und Regionen Engpässe zu verzeichnen sind. Hierzu zählen vor allem die gut qualifizierten Fachkräfte wie Hochschulabsolventen, mehr noch allerdings die Vielzahl an Ausbildungsberufen. Auch wenn diese Engpässe noch nicht durch einen Rückgang der Bevölkerung zu erklären sind - tatsächlich standen in Deutschland aufgrund der steigenden Erwerbsquoten von Frauen und älteren Menschen noch nie so viele Arbeitskräfte zur Verfügung -, so wird sich der demografische Wandel zukünftig zunehmend auf dem Arbeitsmarkt durchschlagen. Für die deutschen Unternehmen geht damit ein erhebliches Geschäftsrisiko einher. Nur wenn es gelingt, die Arbeitsplätze auf Dauer adäquat zu besetzen, kann der Wohlstand langfristig gesichert werden.

Seit dem Jahr 2011 verfolgt die Bundesregierung mit ihrem Fachkräftekonzept und den darin festgehalten fünf Sicherungspfaden einen umfassenden Ansatz, um die Fachkräftebasis in Deutschland sicherzustellen: Neben der Aktivierung und Beschäftigungssicherung geht es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, verbesserte Bildungschancen und die Qualifizierung durch Aus- und Weiterbildung. Als fünfter Sicherungspfad steht darüber hinaus auch die Integration und qualifizierte Zuwanderung im Mittelpunkt der Strategien und Maßnahmen. Etwa seit der Jahrtausendwende hat sich so auch auf politischer Seite weitestgehend die Erkenntnis durchgesetzt, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist und Zuwanderung dringend benötigt. In der Folge hat die Bundesregierung die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte in den letzten Jahren verbessert - z.B. durch das im April 2012 in Kraft getretene Anerkennungsgesetz oder die Einführung der Blauen Karte EU. Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, ein attraktives Zielland für qualifizierte Zuwanderer zu werden. Die Schaffung einer gesellschaftlich verankerten Willkommens- und Anerkennungskultur ist hierbei von zentraler Bedeutung.

Städte, Gemeinden und Kreise nehmen bei der Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte eine Schlüsselrolle ein. Die Kommunen sind Orte des alltäglichen Zusammenlebens und spielen für die soziale, wirtschaftliche und kulturelle Integration von Zuwanderern eine große Rolle. Sie können die Lebensbedingungen für Zuwanderer und ihre Angehörigen entscheidend fördern und sind für die Etablierung einer Willkommens- und Anerkennungskultur von großer Bedeutung. Durch die Umsetzung verschiedener Maßnahmen können die Kommunen so einen essentiellen Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in Deutschland leisten. Denn ob sich Zuwanderer in Deutschland zuhause fühlen, entscheidet sich vor allem in den Kommunen. Die Attraktivität von Städten und Gemeinden für qualifizierte Zuwanderer nimmt damit eine Schlüsselrolle für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung ein.

Ziel

Wie können Kommunen für qualifizierte Zuwanderer attraktiv werden? Dieser Leitfrage wurde im Rahmen der vorliegenden ExWoSt-Studie nachgegangen. Anhand acht ausgewählter Fallbeispiele wurden dabei innovative Ansätze kommunaler Zuwanderungs- und Integrationspolitik empirisch untersucht. Übergeordnetes Ziel war es, kommunale Strategien und Maßnahmen herauszuarbeiten, welche die Attraktivität deutscher Städte und Gemeinden für qualifizierte Zuwanderer erhöhen können.

Konkrete Teilziele waren

  • die Bedarfs- und Anforderungsanalyse aus Sicht der Zuwanderer
  • die Ressourcen- und Strategieanalyse im kommunalen Handlungsspielraum
  • die handlungsorientierte und aktivierende Aufbereitung der Fallstudien
  • die Formulierung akteursspezifischer Handlungsempfehlungen für Bund, Länder, Kommunen und Wirtschaftsförderungen.

Auftragnehmer des Forschungsprojektes war inter 3 GmbH Institut für Ressourcenmanagement, Berlin.

Zusatzinformationen

Logo  Experimenteller Wohnungs- und Städtebau

Kontakt

Martina Kocks
Referat I 7 - Baukultur und Städtebaulicher Denkmalschutz
Tel.: +49 228 99401-2321