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D4C – Vernetzte Städte zum Thema städtische Energien in Deutschland, den USA und den BRICS-Staaten

Ergebnisse

Ansatz und erste Ergebnisse der Kooperation mit den USA

Das erste fachliche Austauschtreffen fand im März 2014 in Bottrop statt. Dort trafen sich die Städte des 2013 aufgebauten deutsch-US-amerikanischen Netzwerks D4C. D4C steht für Dialogues for Change und dient der konkreten Unterstützung fachlich und politisch Verantwortlicher im kommunalen Verwaltungs- und Planungsalltag. Die in 2013 gemeinsam mit den Bürgern entwickelten Strategien der Stadtentwicklung werden nun in konkreten Projekten der Stadtplanung umgesetzt.

Das zweite fachliche Austauschtreffen fand im November 2014 in Baltimore in Zusammenarbeit mit der dort ansässigen Annie E. Casey Foundation statt. Anliegen des Workshops war, den unerwarteten Hindernissen, auf die man in der konkreten Umsetzung von Stadtentwicklungsstrategien oftmals stößt, mithilfe innovativer Managementmethoden zu begegnen (Stichwort: Der Stadtplaner als Lenker und Moderator).

Das dritte fachliche Austauschtreffen fand im März 2015 in Ludwigsburg statt. Dort wurde die Umsetzung der konkreten Projekte vorgestellt, diskutiert und ausgewertet sowie Hinweise für zukünftige Verfahren gegeben. Übertragbare Lernerfahrungen wurden in einem Leitfaden für Stadtplaner dies- und jenseits des Atlantiks als Handreichung in ihrer täglichen Arbeit in Verwaltung und Planung vor Ort zusammengestellt.

Das vierte fachliche Austauschtreffen fand im Juni 2016 in Leipzig unter aktiver Beteiligung von Vertretern des BMUB und HUD in Leipzig statt. Um den Austausch- und Lernprozess zu vertiefen und zugleich auf eine breitere Basis zu stellen, sind von nun an die Städte Bottrop, Karlsruhe und Leipzig diesseits des Atlantiks und Baltimore, Charlotte und Pittsburgh jenseits des Atlantiks an Bord. Zur Verstetigung des Lerneffekts stellte der GMF das "SMART Goal Principle" vor, das unterstützend eingesetzt werden kann, um Entscheidungsprozesse und die damit verbundenen Meilensteine einer integrierten Stadtentwicklung effizienter gestalten und punktgenauer umsetzen zu können. Mit dem Prinzip werden dem jeweiligen Entscheider folgende quantitativ und qualitativ ausgerichteten Fragen gestellt:

S = Specific (Want specifically do you want to do?)
M = Measurable (How will you know when you reached the setting?)
A = Attainable (Is it in your power to accomplish it?)
R = Realistic (Can you realistically achieve it?)
T = Timely (When exactly do you want to accomplish it?)

Innerhalb der 6er-Gruppe wurden Städte-Kohorten gebildet, die in Workshops und Webinaren zusammenarbeiten. Im Detail werden zukünftig Baltimore und Leipzig zu den Themen "Grün in der Stadt" und "Renaissance des Wohnungsbaus" zusammenarbeiten. Bottrop und Charlotte werden in einzelnen Stadtquartieren die Themen "Energieeffizienz" und "Dezentrale klimafreundliche Energieversorgung unter Nutzung intelligenter Betreibermodelle" voranbringen. Karlsruhe und Pittsburgh werden die städtebauliche Erneuerung innerstädtischer Wohnquartiere mit Blick auf eine orts- und bewohnerverträgliche Nachverdichtung umsetzen. Allen Ansätzen ist gemein, dass sie ihren Beitrag für eine nachhaltige Gestaltung kommunaler Finanzen leisten.

Beim fünften fachlichen Austauschtreffen im November 2016 in Baltimore definierten die Teilnehmer ihre nächsten Arbeitsschritte. Grundlage dafür waren die in den Städte-Kohorten begonnene Zusammenarbeit und die fachliche Unterstützungsleistung, die die Teilnehmer im zuvor durchgeführten Webinar vertieften. Dort hatten zwei GMF-Stipendiaten über ihre transatlantischen Erfahrungen in der konkreten Stadtplanungspraxis zum Schwerpunktthema Urban Housing Policy berichtet. Das mit Blick auf die Umsetzung der Kooperationsprojekte in den Städten notwendige Methodenwissen lernten und trainierten die Teilnehmer an den Methoden des Permeable Storytelling und des Adaptive Leadership. Eine Fachexkursion in den Station North Arts District von Baltimore und das dortige Centre Theatre, City Arts 2, Open Works Baltimore sowie das Chesapeake Building diente der praktischen Anschauung: Wie lässt sich mithilfe engagierter Akteure vor Ort ein Stadtviertel, das vom Leerstand geprägt war, in ein attraktives und sozialverträgliches Viertel für die Kreativwirtschaft weiterentwickeln?

Ansatz und erste Ergebnisse der Kooperation mit Südafrika

Städte in Südafrika und Deutschland agieren zwar in unterschiedlichen Kontexten, sehen sich jedoch sehr ähnlichen Herausforderungen gegenüber, beispielsweise der Sicherstellung nachhaltiger Energieversorgung und der Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum, die den speziellen Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung entsprechen. Gleichzeitig gilt es in beiden Ländern, die Potenziale urbaner Räume im Bereich der sozialen Integration und des bürgerschaftlichen Engagements noch besser zu nutzen. Daher gewinnen internationale Peer-to-Peer-Austausche an Bedeutung. Neben der Zusammenarbeit mit den USA und anderen BRICS-Staaten fanden insbesondere zwischen Südafrika und Deutschland in den vergangenen zwei Jahren diverse hochrangige Dialoge in beiden Ländern statt. Dies mündete in der Unterzeichnung einer gemeinsamen Absichtserklärung zur Zusammenarbeit auf dem Gebiet der nachhaltigen Stadtentwicklung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Südafrika am Rande des Bundeskongresses der Nationalen Stadtentwicklungspolitik 2013.

Vor diesem Hintergrund wird im Rahmen des Projektes die Kooperation zwischen Deutschland und Südafrika entlang zweier miteinander verknüpfter Handlungsstränge vertieft. Im ersten Handlungsstrang finden Dialoge, Fachaustausche und gemeinsame Veranstaltungen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen und Förderinstrumente für nachhaltige Stadtentwicklung statt. Inspiriert von den Erfahrungen Deutschlands und anderer BRICS-Staaten hat Südafrika in einer gemeinsamen Initiative verschiedener nationaler Ministerien, dem Gemeindeverband und dem Städtenetzwerk jüngst eine nationale Stadtentwicklungspolitik initiiert. Bis Ende 2014 werden im Rahmen eines ersten Peer Reviews die Inhalte und Instrumente der Stadtentwicklungspolitiken beider Länder, wie beispielsweise die Städtebauförderungsprogramme und die jährlichen Bundeskongresse, einer kritischen Analyse im Hinblick auf ihre Übertragbarkeit unterzogen. Darauf aufbauend schafft dieser Handlungsstrang den Raum, um die Fortentwicklung der nationalen Stadtentwicklungspolitiken gemeinsam zu erörtern.

Im Rahmen des zweiten Handlungsstrangs wird ein an das deutsch-US-amerikanische Netzwerk Dialogue for Change angelehntes Städtenetzwerk aufgebaut. Hierdurch sollen sich städtische Entscheidungsträger zu ausgewählten Themen und konkreten Projekten in ihrem Verwaltungs- und Planungsalltag austauschen und in Gestaltung und Umsetzung gegenseitig beraten. Ergebnisse dieses Austausches werden nach Möglichkeit direkt in die Förderpolitikgestaltung der regionalen und Bundesebene integriert.

Die Bundeskongresse der Stadtentwicklungspolitik in Deutschland, vergleichbare Zusammenkünfte in den USA und Südafrika sowie internationale Foren, etwa der Vereinten Nationen oder der International Organization for Standardization (ISO), dienen als Vernetzungs- und Kristallisationspunkte der städtischen Energien unter den Kooperationspartnern. Darüber hinaus werden die Ergebnisse des Projektes in diesen Foren einem weiteren Publikum zugänglich gemacht.

Erste Ergebnisse der Kooperation mit Südafrika sind die Einrichtung eines Referates für Stadtentwicklung im Department of Cooperative Governance and Traditional Affairs (CoGTA) und die Verabschiedung des Integrated Urban Development Framework (IUDF) (siehe "Veröffentlichungen") durch das südafrikanische Kabinett im September 2014. Das IUDF wurde landesweit unter breiter Beteiligung der Bevölkerung und des South African Cities Network diskutiert.

Während zu Beginn des Projekts der Dialog auf politischer Ebene, Fachinformationsreisen, das IUDF und die Nationale Stadtentwicklungspolitik im Vordergrund standen, rückte der Fokus ab 2016 auf die Gründung eines entsprechenden Städtenetzwerks. Innovative Ansätze zur Umsetzung von Maßnahmen der nachhaltigen Stadtentwicklung im Sinne der LEIPZIG CHARTA sollen nun anhand ausgewählter Projekte der am Netzwerk beteiligten Städte begleitet werden. Die Akteure auf nationaler Ebene wählten dabei das Thema "Integrierte und lebenswerte Nachbarschaften" als Schwerpunkt aus.

Das erste fachliche Austauschtreffen des Städtenetzwerks fand im Juni 2016 in Nelson Mandela Bay unter aktiver Beteiligung von Vertretern des BMUB, des CoGTA, des Deutschen Städtetags (DST), der South African Local Government Association (SALGA), des South African Cities Network (SACN) und des im südafrikanischen Schatzamt angesiedelten City Support Programme (CSP) statt. Im Städtenetzwerk engagieren sich die deutschen Städte Halle (Saale), Ludwigsburg und München sowie die südafrikanischen Städte Ekurhuleni, Msunduzi und Nelson Mandela Bay. Als Themen für das gemeinsame Lernen, auch hier in Workshops und Webinaren, wurden identifiziert:

  • Priorisierung und sukzessive Umsetzung: Welche Quick Wins sollten in der Stadtentwicklung ausgewählt werden, um eine größtmögliche Hebelwirkung zu erzielen?
  • Marketing und Branding: Wie kann die Kommunikation innerhalb von Kommunalverwaltungen sowie mit Entscheidungsträgern und Bürgern optimiert werden?
  • Bürgerschaftliches Engagement: Welche innovativen Formen der Teilhabe lassen sich vor Ort realisieren?
  • Interdisziplinäres Management: Wie kann die Arbeit unterschiedlicher Verwaltungseinheiten sowie von Akteuren der Zivilgesellschaft und der Privatwirtschaft koordiniert werden und welche institutionellen Regelungen sind dazu erforderlich?

Zwei Exkursionen in Nelson Mandela Bay - eine zum historischen Signal Hill, die zweite in das neue Township Zamenvula - und eine nach Ekurhuleni führten den Teilnehmern vor Augen, welche Herausforderungen es beim Bau neuer Siedlungen am Stadtrand mit Blick auf Mobilität, öffentliche Räume, Einrichtungen für den Einkommenserwerb, Bildung und Freizeitgestaltung gibt.

Das zweite fachliche Austauschtreffen wird im Februar 2017 in Ekurhuleni stattfinden.

Ansatz und erste Ergebnisse der multilateralen Kooperation

Im September 2015 wurde mit kommunalen und nationalen Vertretern aus Deutschland, Brasilien, Indien, Südafrika und den USA eine mehrtätige Fachinformationsreise durchgeführt. Sie hatte zum Ziel, das im deutsch-US-amerikanischen Kontext entstandene D4C-Prinzip mit seinen Grundzügen nun im multilateralen Verbund bekanntzumachen und anzuwenden. Dabei steht das Prinzip lediglich Pate, die Konzeptionierung und Detaillierung des jeweiligen nationalen Städtenetzwerkes bildet vornehmlich die nationalen Rahmenbedingungen ab.

Konkrete Projekte vor Ort in Leipzig, Nürnberg und München dienten dem fachlichen Austausch über innovative und dialogorientierte Ansätze der integrierten Stadtentwicklung und Stadtplanung. Folgende Fragen standen im Mittelpunkt des Austausches:

  • Wie können benachteiligte Stadtquartiere aufgewertet werden, ohne Gentrifizierungseffekte auszulösen und die ortansässige Bevölkerung zu verdrängen?
  • Wie können denkmalgeschützte Gebäude oder Gebäudeensemble in einem Quartier erhalten werden und gleichzeitig attraktive Wohn- und Geschäftslagen im Quartier entstehen?
  • Welche Maßnahmen führen zu umweltfreundlichem öffentlichen Nahverkehr und zur Verbesserung der Luftqualität?
  • Welche innovativen Fördermechanismen können im Stadtquartier wirksam werden?

Der Ansatz der Fachinformationsreise wird aufgrund der positiven Annahme durch die Teilnehmer einen grundlegenden Baustein der weiteren Zusammenarbeit bilden.

Zusatzinformationen

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Kontakt

Dr. André Müller
Referat I 3 - Europäische Raum- und Stadtentwicklung
Tel.: +49 228 99401-2341