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Gartenstadt 21 – ein neues Leitbild für die Stadtentwicklung in verdichteten Ballungsräumen – Vision oder Utopie?

Zukunftslabor

Im Gespräch mit Fachexperten sind zehn Thesen zu einer Neuinterpretation des Gartenstadtgedankens entwickelt worden, die prozesshafte und funktionale Qualitäten einer nachhaltigen Stadtentwicklung im Sinne einer "Gartenstadt21 urban-grün-vernetzt" beschreiben.

Um diese Thesen in konkrete Visionen für die Stadt von morgen zu überführen, hat das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) nach einem bundesweiten Auswahlverfahren drei interdisziplinäre Teams zur Teilnahme an einem Zukunftslabor eingeladen.

Aufgabe war es, gut kommunizierbare, kraftvolle Bilder und Konzepte zu erarbeiten, die die Grundlage für einen breiten Diskurs über neue gesellschaftliche und baulich-räumliche Entwicklungsansätze für verdichtete Ballungsräume bilden können.

Das ZUKUNFTSLABOR fand vom 6. bis 8. September 2016 in der Bremer Überseestadt statt.

Gruppenfoto vom ZUKUNFTSLABOR in der Bremer Überseestadt Gartenstadt 21 – ein neues Leitbild für die Stadtentwicklung in verdichteten Ballungsräumen – Vision oder Utopie?Das ZUKUNFTSLABOR in der Bremer Überseestadt Quelle: BPW baumgart+partner

Ausgewählte Teams

Am 19. Juli 2016 wurden durch ein Auswahlgremium des Bundesinstituts für Stadt-, Bau und Raumforschung (BBSR) und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) drei Teams ausgewählt, die sich unter den dreizehn qualifizierten Bewerbungen besonders hervorgehoben haben. Relevante Auswahlkriterien waren die breite interdisziplinäre Zusammensetzung der Teams, die Referenzen der Teammitglieder in Form von Erfahrungen im städtebaulichen und landschaftsplanerischen Entwurf, vorhandene Erfahrungen in anderen Disziplinen sowie insbesondere die visuelle Ausdrucksfähigkeit und Kompetenzen in der Gestaltung. Die Darstellung der Motivation und eine eigene Interpretation der zehn Thesen zur Gartenstadt21 bildeten darüber hinaus eine weitere Auswahlgrundlage.

Im Ergebnis wurden die folgenden drei Teams ausgewählt:

  1. Team yellowz, urbanista, ARGUS, lad+ mit Vertretern aus der Immobilienwirtschaft

    Das Team zeichnet sich durch eine besonders umfangreiche Interdisziplinarität und umfassende Erfahrungen in verschiedenen Bereichen und Themenfeldern der Stadt- und Regionalentwicklung aus. Die grafische Darstellung überzeugt durch die konzeptionell gut nachvollziehbare Beschreibung verschiedener räumlicher Ebenen und Aspekte der Gartenstadt21, hierunter insbesondere die Themen Gemeinschaftlichkeit, Subsistenz und Ökologie. Die zehn Thesen zur Gartenstadt21 werden umfänglich aufgegriffen und interpretiert.

  2. Team cityförster, freiwurf, landinsicht

    Das interdisziplinäre Team zeichnet sich durch seine systematische Herangehensweise aus, die auf dem Plakat übersichtlich dargestellt wird. Die beabsichtigte Herangehensweise wird anschaulich erläutert und eigene Fragestellungen entwickelt. Räume, Strategien und Akteure werden zusammen gedacht. Die zehn Thesen zur Gartenstadt21 werden in diesem Zusammenhang fast vollständig aufgegriffen und mittels eigener Fragestellungen und Bilder vertieft interpretiert.

  3. Team TOPOTEK 1, HHF Architekten, Transsolar, Hoffmann-Leichter

    Die Qualität des Teams liegt in der interdisziplinären Ausrichtung seiner Mitglieder, die durch ihre Fachkompetenz das Labor bereichern. Mittels einer auf dem Howardschen Modell beruhenden komplexen anschaulichen Infografik werden verschiedene Stadträume hinsichtlich ihrer Funktionsweise analysiert. Die Thesen wurden bezogen auf ihre städtebaulichen und funktionalen Aspekte umfassend interpretiert und durch eigene Aspekte ergänzt.

Unterschiedliche Fachexperten vertieften in Impulsvorträgen aktuelle Herausforderungen der Stadtentwicklung in Ballungsräumen und zeigten konkrete prozessuale und innovative Lösungsansätze auf. Im Vordergrund standen folgende Themen: Entwicklung der grünen Infrastruktur, Einflussnahme auf den Bodenmarkt, Kooperation zwischen Akteuren des Wohnungsmarktes, Teilhabe sowie Entwicklungstendenzen und aktuelle Ansätze des Arbeitens in der Stadt.

Klaus Hoppe, Leiter der Abteilung für Landschaftsplanung und Stadtgrün der BSW Hamburg, berichtete an verschiedenen Beispielen aus Köln, Hannover, Leipzig, Frankfurt und Hamburg über die Konzeptionen und Umsetzungsansätze grüner Infrastrukturen in Ballungsräumen.

Klaus Hoppe, Leiter der Abteilung für Landschaftsplanung und Stadtgrün der BSW Hamburg Gartenstadt 21 – ein neues Leitbild für die Stadtentwicklung in verdichteten Ballungsräumen – Vision oder Utopie?Klaus Hoppe, Leiter der Abteilung für Landschaftsplanung und Stadtgrün der BSW Hamburg Quelle: BPW baumgart+partner

Susanne Ritter, Leiterin der Hauptabteilung Stadtplanung in München, stellte die Ansätze der Stadt München vor, unter den Bedingungen des dynamischen Wachstums und steigender Immobilienpreise bezahlbaren Wohnraum zu sichern und dauerhaft zu entwickeln. Dabei spielt die Konzeptvergabe städtischer Grundstücke an ausgewählte Bauträger eine große Rolle.

Susanne Ritter, Leiterin der Hauptabteilung Stadtplanung in München Gartenstadt 21 – ein neues Leitbild für die Stadtentwicklung in verdichteten Ballungsräumen – Vision oder Utopie?Susanne Ritter, Leiterin der Hauptabteilung Stadtplanung in München Quelle: BPW baumgart+partner

Christian Stupka, Vorstand der Genossenschaftlichen Immobilienagentur München eG (GIMA), erläuterte das Zusammenspiel von verschiedenen Bauträgern bei der Entwicklung neuer Stadtquartiere. Diese schließen sich in einem Konsortium zusammen, um soziale und gemeinschaftliche Einrichtungen im Quartier zu entwickeln.

Christian Stupka, Vorstand der GIMA, während seines Vortrags Gartenstadt 21 – ein neues Leitbild für die Stadtentwicklung in verdichteten Ballungsräumen – Vision oder Utopie?Christian Stupka, Vorstand der Genossenschaftlichen Immobilienagentur München eG (GIMA) Quelle: BPW baumgart+partner

Claudia Dappen vom projektbegleitenden Planungsbüro BPW baumgart+partner stellte auf der Grundlage einer Präsentation von Dieter Läpple aktuelle Entwicklungstendenzen des Arbeitens in der Stadt vor. Neue Produktionsformen ermöglichen zunehmend eine Rückkehr der Arbeit in die Stadt. Neben dem Wohnen muss daher die Arbeit als Motor von Stadtregionen immer mitgedacht werden.

Claudia Dappen, Planungsbüro BPW baumgart+partner Gartenstadt 21 – ein neues Leitbild für die Stadtentwicklung in verdichteten Ballungsräumen – Vision oder Utopie?Claudia Dappen, Planungsbüro BPW baumgart+partner Quelle: BPW baumgart+partner

Frauke Burgdorff aus dem Vorstand der Montag Stiftung erläuterte am Beispiel der Projekte KALKschmiede in Köln und Samtweberei in Krefeld verschiedene Möglichkeiten sozialer Teilhabe in der Stadtentwicklung. Sie verdeutlichte, dass Teilhabe nicht nur soziales Kapital benötigt, sondern auch einer ökonomischen Grundlage bedarf.

Frauke Burgdorff, Vorstand der Montag Stiftung Gartenstadt 21 – ein neues Leitbild für die Stadtentwicklung in verdichteten Ballungsräumen – Vision oder Utopie?Frauke Burgdorff, Vorstand der Montag Stiftung Quelle: BPW baumgart+partner

Lars-Christian Uhlig, Projektleiter im Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), stellte den Szenarioprozess vor, der im Projekt "Baukulturatlas Deutschland 2030/2050" durchgeführt wurde, um mögliche Zukünfte der Stadtentwicklung diskutierbar zu machen.

Lars-Christian Uhlig, Projektleiter im Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung Gartenstadt 21 – ein neues Leitbild für die Stadtentwicklung in verdichteten Ballungsräumen – Vision oder Utopie?Lars-Christian Uhlig, Projektleiter im Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung Quelle: BPW baumgart+partner

Die vollständigen Vorträge finden sich in der Abschlussveröffentlichung zur Gartenstadt21.

Zusatzinformationen

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Kontakt

Bastian Wahler-Żak
Projektgruppe ZIP: Zukunftsinvestitionsprogramm
Tel.: +49 228 99401-1326