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Kreativ aus der Krise

Wo Bevölkerungsverlust, Arbeitsplatzabbau und soziale Probleme in Städten, Regionen oder auch Stadtquartieren aufeinandertreffen, entstehen vielerorts Abwärtsspiralen, die eine Rückkehr auf den gewohnten Wachstumspfad zunächst unwahrscheinlich machen.

Im Forschungsprojekt wurde untersucht, ob neue, teils auch wachstumskritische, Vorstellungen von Wirtschaft und Gesellschaft Impulse für städtische Transformationen geben können und wie sich Städte neu erfinden können.

Projektlaufzeit: Januar 2015 - April 2017

Ausgangslage

Die unter dem Schlagwort "Schrumpfung" zusammengefassten Aspekte des demografischen Wandels, des Verlustes an Arbeitsplätzen und an Wirtschaftskraft haben oft negative Auswirkungen auf urbane Qualitäten der betroffenen Städte. Wenn Abwärtsspiralen einmal in Gang gesetzt sind, entstehen für Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft große Herausforderungen.

Ansätze und Instrumente zum Umgang mit der Schrumpfung gibt es zahlreich. So wird von staatlicher Seite versucht, mit Hilfe umfangreicher Fördermittelprogramme oder Investitionen in Infrastruktur Wachstum in den Kommunen zu stimulieren.

Trotz zahlreicher Erfolge dieser Strategien stellt sich die Frage, ob diese Maßnahmen über eine Linderung der Symptome hinausgehen, gegebenenfalls zu sehr an traditionellen Vorstellungen wirtschaftlichen Wachstums anknüpfen und ob sie auf Dauer finanzierbar sind.

Zeitgleich werden Stimmen lauter, die eine Abkehr von einem ausschließlich am Bruttoinlandsprodukt gemessenen Wachstumsmodell einfordern.

Schon 2011 veröffentlichte die OECD ihre "Better Life Initiative", der ein Index mit insgesamt elf Teilaspekten des gesellschaftlichen Wohlergehens zugrunde liegt.

Von 2011 bis 2013 setzte sich eine Enquetekommission des Deutschen Bundestages mit "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität – Wege zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft" auseinander.

Auch der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen betont in seinem jüngsten Hauptgutachten die Rolle der Städte bei der Transformation zur Nachhaltigkeit und verweist auf den gesellschaftlichen Lern- und Suchprozess, der dafür nötig ist.

Zunehmend suchen Akteure auch im Kontext der Stadtentwicklung mit ihren Projekten nach Alternativen zum BIP-basierten Wachstumsmodell. Die zahlreichen "Transition Town"-Initiativen sind ein Beispiel dafür.

Transformationswerkzeuge für die Stadtentwicklung, an einer Wand aufgehängt Verschiedene Werkzeuge der TransformationVerschiedene Werkzeuge der Transformation Quelle: Mathias Burke

Ziel

Ziel des Forschungsvorhabens war es, Antworten auf die Frage zu finden, wie Ursache-Wirkungsketten in Schrumpfungsspiralen durchbrochen werden können.

Zu diesem Zweck wurden die in den vergangenen Jahren stark veränderten Rahmenbedingungen z.B. bei Technologien für Kommunikation und Produktion, wirtschaftlichen Organisationsformen oder der Rolle der Zivilgesellschaft daraufhin überprüft, ob und ggf. wie sie die Handlungsfähigkeit und auch die Gestaltungsoptionen von Kommunen mit negativem Wachstum so beeinflussen können, dass Zufriedenheit und Wohlbefinden auch ohne traditionelles Wirtschaftswachstum möglich sind.

Berücksichtigt wurde dabei auch das Aufkommen neuer Leitbilder gesellschaftlicher Entwicklung wie beispielsweise Postmaterialismus oder Regionalismus im Zusammenspiel mit geänderten Lebensstilen und -modellen.

Die Potenziale für (Um-)Steuerung in der Stadtentwicklung und die an diesem Prozess beteiligten Akteure in Räumen mit negativem Wachstum, die geeigneten Stellschrauben für das Bremsen oder Umkehren von Negativspiralen und das notwendige Instrumentarium für gestaltende Interventionen sollten gesammelt, exemplarisch untersucht und bewertet werden.

Auftragnehmer des Forschungsprojekts waren Urbanizers (Berlin), Urban Catalyst Studio (Berlin) Thünen Institut für Regionalentwicklung e.V., Bollewick.

Zusatzinformationen

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Kontakt

Dr. Peter Jakubowski
Referat I 5 - Digitale Stadt, Risikovorsorge und Verkehr
Tel.: +49 228 99401-2150
Stephan Willinger
Referat I 2 - Stadtentwicklung
Tel.: +49 228 99401-1275