Navigation und Service

Kreative Nutzung von Freiräumen in der Stadt - Freiraumfibel

Konzept

Zunächst wurden informelle Projekte aus verschiedenen Städten als Fallstudien untersucht, bei denen sich Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner Freiräume in der Stadt angeeignet haben. In Gesprächen mit Akteuren und Vermittlern wurden erfolgreiche Strategien und Hemmnisse bei der Aneignung von öffentlichen Räumen thematisiert. Aus den Erkenntnissen der Analyse entstand schließlich ein leicht zugängliches Handbuch: die Freiraum-Fibel. Diese richtet sich an alle (jungen) Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner, die städtische Freiräume mitgestalten wollen. Auch Schlüsselpersonen in Stadtverwaltungen soll Mut gemacht werden, nutzergetragene Freiraumprojekte zu unterstützen. Die Freiraum-Fibel ist daher keine wissenschaftliche Abhandlung zum Freiraum-Diskurs, sondern ein Praxishandbuch, das Jugendliche motiviert aktiv zu werden und Verwaltungsmitarbeiterinnen und Verwaltungsmitarbeitern hilft, Spielräume der rechtlichen Rahmenbedingungen auszunutzen.

Jugendlicher Beirat

Während der Recherche- und Interviewphase wurde ein jugendlicher Beraterstamm aufgebaut, dem regelmäßig die einzelnen Arbeitsschritte sowie das inhaltliche Konzept und die Gestaltung der Freiraum-Fibel zur Beurteilung vorgelegt wurden. Auf diese Weise wurde ein zielgruppengerechtes Format entwickelt.

Verwendung des Begriffs Freiraum

Als "Freiräume" wurden im Rahmen der Studie all diejenigen Flächen in der Stadt in Betracht gezogen, die nicht mit Gebäuden bebaut sind und Raum für Aneignungen durch die Nutzerinnen und Nutzer bieten. Dazu zählen unter anderem Grünflächen, Parks, Brachen, Baumscheiben und der Straßenraum. Der zeitliche Horizont der betrachteten Projekte geht dabei von kurzzeitigen Aneignungen wie Spontanpartys oder Demonstrationen bis hin zu längerfristigen nutzergetragenen Entwicklungen. Die Entwicklung wurde nicht ausschließlich auf die Entwicklung von Freiräumen bezogen, sondern auch auf die Entwicklung von lokalen Strukturen, Netzwerken, Gemeinschaften, Urban Commons, etc., die durch die Aneignung von Freiräumen mit angestoßen wurden.

Ziel

Schematische Darstellung über den Weg zur Fibel Der Weg zur FibelDer Weg zur Fibel Quelle: Laura Bruns

Die Freiraum-Fibel soll dazu beitragen, Eintrittsbarrieren für Jugendliche und andere Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner bei der Aneignung von Freiräumen in der Stadt zu senken. Die Veröffentlichung informiert deshalb über verschiedene rechtliche Situationen und eine mögliche Unterstützung bei (Um-)Nutzungsprojekten, beleuchtet die Rolle der Stadtverwaltungen als potenzielle Vermittlerinnen und zeigt auf, wie sich dabei langwierige Prozesse vereinfachen oder umschiffen lassen.

Die Freiraum Fibel soll engagierten Stadtnutzerinnen und Stadtnutzern, Jugendlichen, Stadtverwaltungen und Grundstückseigentümerinnen und Grundstückseigentümern Mut machen, nutzergetragene Freiraumprojekte gemeinsam zu entwickeln.

Forschungsfragen

  1. Welche Typen einer informellen Nutzung öffentlicher Stadt- und Freiräume durch junge Menschen gibt es?
  2. Welche Ansätze und Instrumente zur Förderung von Zwischennutzungen und von Projekten junger Menschen bestehen bereits und wie werden diese im Alltag angewendet?
  3. Welche rechtlichen Hürden und Hindernisse bestehen bei der informellen Umnutzung öffentlicher Stadt- und Freiräume? Auf welche Probleme stoßen vor allem Jugendliche und junge Menschen?
  4. Wie können Politik und Verwaltung die Nutzung öffentlicher Räume durch private Akteure unterstützen und fördern? Auf welche bestehenden Regularien und Mechanismen können sie dabei zurückgreifen und wie müssen sie diese anwenden?
  5. Über welche Handlungs- und Ermessensspielräume verfügt die Verwaltung und wie können diese zielführend eingesetzt werden?
  6. Welche generalisierbaren Schlüsse sind für das Instrumentarium (Stadtentwicklungspolitik, Städtebaurecht) des Bundes zu ziehen? Wie kann das bürgerschaftliche Engagement und eine akteursgetragene Stadtentwicklung v.a. auch durch junge Menschen in den Städtebauförderprogrammen und in den bestehenden Gesetzen befördert werden?

Zusatzinformationen

Logo  Experimenteller Wohnungs- und Städtebau

Kontakt

Stephanie Haury
Referat I 4 - Städtebauförderung, Soziale Stadtentwicklung
Tel.: +49 228 99401-2308
Stephan Willinger
Referat I 2 - Stadtentwicklung
Tel.: +49 228 99401-1275