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Smart CitiesWebbasierte Medien in der Stadtentwicklung: Bürgerbeteiligung und Bürgerengagement in der digitalen Gesellschaft

Zwischenergebnisse

Baustein I: Stand der Forschung

Sowohl öffentliche als auch zivilgesellschaftliche Akteure setzen zunehmend webbasierte Medien für Partizipation und Teilhabe in der Stadtentwicklung ein. Eine genaue Quantifizierung zum Einsatz webbasierter Medien für Teilhabeprozesse gibt es in der Forschung derzeit aber ebenso wenig wie eine vergleichende empirische Betrachtung von Top-Down- und Bottom-Up-Projekten. Auch eine systematische Analyse zu der Frage, wie sich die Nutzung webbasierter Medien bei Teilhabeprozessen in der Stadtentwicklung auf Governance-Strukturen auswirkt, ist in der Literatur nicht zu finden.

Einen Zusatznutzen des Einsatzes webbasierter Medien in Partizipationsprozessen sehen mehrere Autoren kaum, vor allem bezogen auf:

  • das generelle Ausmaß der Beteiligung
  • die soziodemografische Zusammensetzung der sich Beteiligenden
  • etwaige erhoffte Demokratisierungseffekte
  • oder Effekte der politischen Aktivierung

Für die weitere Untersuchung stellt sich daher besonders die Frage, welche Motive und Ziele die Akteure mit der Nutzung webbasierter Medien verfolgen und wie sie selbst den Nutzen dieser Medien bewerten.

Baustein II: Referenzbeispiele

Inzwischen liegen 40 Referenzbeispiele aus deutschen Stadtregionen, Städten und Gemeinden vor, die ein breites Spektrum aktueller Nutzungen und Anwendungsformen von webbasierten Medien in der Stadtentwicklung aufzeigen. Für die Auswahl waren folgende Kriterien leitend:

  • die Initiatoren des Partizipationsprozesses
  • die räumliche und sektorale Ausrichtung der Planung
  • die eingesetzten webbasierten Formate und Methoden

Referenzbeispiele

Wie die Referenzbeispiele verdeutlichen, setzen sehr unterschiedliche Gruppen webbasierte Formate ein, um Stadtentwicklung zu gestalten. Zum einen nutzen "Top-Down"-Akteure – zu deren Aufgaben Planung und Beteiligung gehört – die digitalen Medien, um mit Bürgern, aber auch mit Trägern öffentlicher Belange ins Gespräch zu kommen. Zum anderen sind "Bottom-Up"-Akteure oft noch stärker als die institutionalisierten "Top-Down"-Vertreter darauf angewiesen, die verhältnismäßig kostengünstigen und reichweitenstarken digitalen Medien für sich einzusetzen.

"Top-Down"-Akteure sind überwiegend Stadtverwaltungen, vereinzelt sind auch Stadtregionen aktiv. In der Regel stellen die Verwaltungen Informationen zur Stadtentwicklung auf Webseiten dar (textlich, bildlich und kartenbasiert) und bieten Bürgern die Möglichkeit der Kommentierung. Darüber hinaus gibt es explizite Online-Dialoge, die zur Sammlung und Diskussion von Ideen zur Stadtentwicklung genutzt werden (z. B. für Leitbilder, Masterpläne, bauliche Einzelprojekte oder Infrastrukturentwicklung) oder für einen Dialog über den Haushalt der Stadt. Einige Verwaltungen setzen zusätzlich zu Webseiten auch Apps ein, die für die Nutzung mit mobilen Endgeräten programmiert wurden.

Zu den "Bottom-Up"-Akteuren gehören sowohl nicht formalisierte Gruppen von Einzelpersonen als auch Bürgerinitiativen und eingetragene Vereine oder andere gemeinnützige Organisationsformen. An der einen oder anderen Stelle findet die Organisation der Interessen auch im Rahmen von (gemeinnützigen) Unternehmen statt. "Bottom-Up"-Akteure nutzen webbasierte Medien in der Stadtentwicklung für vielfältige Zwecke, z. B. um eigene Projekte und Aktionen zu initiieren, sich zu Vorhaben anderer zu positionieren oder um auf (stadt-)gesellschaftliche Probleme aufmerksam zu machen.

Wenngleich "Top-Down"-Akteure ihre Vorhaben über webbasierte Medien zur öffentlichen Diskussion stellen, könnten diese aufgrund der feststehenden Verfahren und vorhandenen Institutionen auch ohne die Beteiligung von Bürgern realisiert werden. Dagegen sind "Bottom-Up"-Akteure auf eine Mobilisierung von Mitstreiterinnen und Mitstreitern angewiesen, um ihre Ideen umzusetzen.

Dies mag ein Grund dafür sein, dass bis auf wenige Ausnahmen die "Top-Down"-Akteure soziale Medien zurückhaltender nutzen als die "Bottom-Up"-Akteure. Es gibt anscheinend kaum eine Stadtverwaltung, die eine umfangreiche Social-Media-Strategie entwickelt hat und diese für die Stadtentwicklung nutzt. Fast alle "Bottom-Up"-Akteure hingegen nutzen Facebook, Twitter und YouTube, einige zudem Instagram, XING, Snapchat oder Wikis.

Die Nutzung von Karten im Web hat sich offenbar zu einem Standard entwickelt. Während Verwaltungen tendenziell eher Informationen mit Karten vermitteln wollen, die häufig auch kommentiert werden können, verlagern "Bottom-Up"-Akteure die Kartenerstellung oft in die Crowd. Daten wie Leerstände oder gefährliche Verkehrssituationen können von den Nutzern über eine einfache Schnittstelle direkt in die Karte geschrieben werden. Die Crowd auch für die Finanzierung von Stadtentwicklungsvorhaben zu nutzen, steckt noch in den Anfängen. Die zu findenden Beispiele sind entweder sehr kleinteilig oder bleiben im Ideenstadium.

Baustein III und IV: Fallstudien und Workshop

In acht Fallstudien wurde unter Governance-Gesichtspunkten die Nutzung webbasierter Medien in der Stadtentwicklung durch öffentliche und zivilgesellschaftliche Akteure vertiefend untersucht. Folgende Projekte aus den ausgewählten Referenzbeispielen standen hierbei im Fokus:

Die Fallstudien zeichnen sich durch den Einsatz unterschiedlicher webbasierter Instrumente (Homepage, Social Media, eigene Plattformen, Petitionen u.a.) sowie durch unterschiedliche Akteurskonstellationen aus (Kommunen, Land, Gewerbetreibende und Freiberufler, Bürgerinnen und Bürger u.a.). Zu den einzelnen Projekten wurden jeweils vier bis fünf Expertengespräche aus unterschiedlichen Akteursperspektiven geführt sowie die jeweilige Webanwendung dokumentiert und analysiert. Neben Fragen zu Zielen, Funktion, Nutzen und Akzeptanz der jeweiligen Web-Anwendungen standen bei den Interviews vor allem Fragen nach den Auswirkungen auf das Zusammenspiel der Akteure in Stadtentwicklungsprozessen im Vordergrund.

In einem Workshop mit externen Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis wurden sowohl eine Typisierung der Referenzbeispiele als auch erste Ergebnisse aus den Fallstudien zur Diskussion gestellt. Debattiert wurde über aktuelle Anwendungsformen webbasierter Medien in der Stadtentwicklung, über Vor- und Nachteile onlinegestützter Beteiligungsformen sowie über ihre Auswirkungen auf das Beziehungsverhältnis zwischen Bürgerschaft, Verwaltung und Politik. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops regten verschiedene Weiterentwicklungen an, die in den Bericht zur Studie einfließen werden.

Zusatzinformationen

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Kontakt

Dr. Lars Wiesemann
Referat I 2 - Stadtentwicklung
Tel.: +49 228 99401-1323

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