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Soziale Vielfalt in der Stadt – Stadtquartiere unter Nachfragedruck

Metropolen und Großstädte in wirtschaftsstarken Regionen, aber auch kleinere Universitätsstädte, erfahren seit mehreren Jahren ein starkes Bevölkerungswachstum. Dies stellt die Städte  vor neue Probleme, wie angespannte Wohnungsmärkte, Verknappung von preiswertem Wohnraum, steigende Mieten und Verdrängung vor allem in innerstädtischen bzw. innenstadtnahen Quartieren. Im Rahmen von zwölf Fallstudien wurden Methoden entwickelt, um Veränderungen der sozialen Vielfalt in Stadtquartieren fundiert zu erfassen, das Phänomen differenziert zu beschreiben, zu bewerten und Hinweise für einen Steuerungsbedarf zu identifizieren.

Projektlaufzeit: Februar 2015 – Januar 2018

Typische Baulücke in innerstädtischer Lage Soziale Vielfalt in der Stadt – Stadtquartiere unter NachfragedruckBaulücke Quelle: plan zwei Stadtplanung und Architektur

Ausgangslage

Eine Reihe deutscher Großstädte verzeichnet seit einigen Jahren wieder Bevölkerungsgewinne, die vornehmlich in den innerstädtischen Stadtbereichen zu einer erheblichen Wohnungsnachfrage führen. Die Konzentration auf die innere Stadt entspricht vom planerischen Grundverständnis dem Idealbild einer nachhaltigen Stadtentwicklung hin zu kompakten Strukturen und zur Stärkung innerstädtischer Lagen. Diese Entwicklung ist aber kein problemloser Selbstläufer. Im wissenschaftlichen Diskurs und in den Medien werden unter dem Begriff Gentrifizierung Quartiersentwicklungen dokumentiert und kritisiert, die im Zusammenhang mit Aufwertungsprozessen und Mietpreissteigerungen zum Zuzug statushöherer und zur Abwanderung einkommensschwächerer Bevölkerungsgruppen führen.

In diesem Kontext kristallisieren sich Stadtquartiere mit unterschiedlichen Dynamiken heraus. Vielfach handelt es sich um innenstadtnahe, gemischte Altbauquartiere, die bei Bevölkerungsgruppen mit mittleren und höheren Haushaltseinkommen als Wohnstandorte sehr gefragt sind. Auf diese Weise können innerhalb weniger Jahre Quartiere entstehen, in denen es zu einer Umwandlung und einer funktional einseitigen Anpassung an die Bedürfnisse einer neuen, zahlungskräftigen und auf eine spezielle Art von Urbanität eingestellten Wohnbevölkerung kommt.

Ziel

Im Rahmen der Studie wurden innerstädtische Quartiere, die eine hohe Attraktivität ausstrahlen, differenziert unter die Lupe genommen werden. Anhand von Fallstudien wurden praxisnahe Erkenntnisse über den zeitlichen Verlauf, das Ausmaß und die Konsequenzen einer beobachtbaren sozialen Entmischung der Bevölkerungsstruktur dieser Quartiere gewonnen. Dazu zählt auch die Analyse sozialräumlicher Veränderungen in ihren unterschiedlichen Facetten (Bewohnergruppen, Wohnungsangebote, Funktionsvielfalt). 

Mit Hilfe einer Betrachtung des Standes der Forschung und einer vergleichenden Quartiersanalyse wurden zunächst Unsicherheiten, Klischees und festgefahrene Begriffsdeutungen (z. B. Gentrifizierung) differenziert und versachlicht. Für eine Bewertung und anschließende Strategiebildung kommt es darauf an herauszufinden, ob eine zu beobachtende soziale Entmischung, dort wo sie stattfindet, zu Problemen führt. Zu untersuchen war, ob Verdrängung, Ausgrenzung, unfreiwillige Segregation bis hin zu einer Spaltung der Stadtgesellschaft führt, die den Zusammenhalt gefährdet. 

Herauszuarbeiten war, wo Entwicklungen aufzuhalten und wo Veränderungen gezielt unterstützt werden sollten. Steuerungserfordernisse wurden identifiziert und Empfehlungen für Strategien zur Umsetzung übergeordneter stadtpolitischer Ziele formuliert. Durch Beschreibung und Bewertung der Phänomene konnte eine fundierte Grundlage erarbeitet werden, nach der der Einsatz planerischer, städtebaulicher, rechtlicher wie finanzieller Instrumente zu beurteilen ist und entsprechende Strategien abzuleiten sind.

Auftragnehmer des Forschungsprojektes war plan zwei Stadtplanung und Architektur, Hannover in Kooperation mit Sozialforschungszentrum agis e.V., Hannover.

Zusatzinformationen

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Kontakt

Dr. Brigitte Adam
Referat I 6 - Stadt-, Umwelt- und Raumbeobachtung
Tel.: +49 228 99401-2325