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Soziale Vielfalt in der Stadt – Stadtquartiere unter Nachfragedruck

Nahezu alle Metropolen und Großstädte in wirtschaftsstarken Regionen, aber auch kleinere Universitätsstädte, erfahren seit mehreren Jahren ein starkes Bevölkerungswachstum. Die Zunahme der Bevölkerung führt in diesen Städten zu neuen Problemen, wie angespannte Wohnungsmärkte, Verknappung von preiswertem Wohnraum, steigende Mieten und Phänomene der Verdrängung. Im Rahmen von zwölf Fallstudien (Februar 2015 – Mai 2017) sollen Instrumente entwickelt werden, um soziale Vielfalt und Homogenisierungsprozesse in attraktiven Stadtteilen fundiert zu erfassen, das Phänomen differenziert zu beschreiben und Hinweise für einen Steuerungsbedarf zu identifizieren.

Projektstart: Februar 2015

Typische Baulücke in innerstädtischer Lage Soziale Vielfalt in der Stadt – Stadtquartiere unter NachfragedruckBaulücke Quelle: plan zwei Stadtplanung und Architektur

Ausgangslage

Eine Reihe deutscher Großstädte verzeichnet seit einigen Jahren wieder Bevölkerungsgewinne, die vornehmlich in den innerstädtischen Stadtbereichen zu einer erheblichen Wohnungsnachfrage führen. Die Konzentration auf die innere Stadt entspricht vom planerischen Grundverständnis dem Idealbild einer nachhaltigen Stadtentwicklung hin zu kompakten Strukturen und zur Stärkung innerstädtischer Lagen. Diese Entwicklung ist aber kein problemloser Selbstläufer. Im wissenschaftlichen Diskurs und in den Medien werden unter dem Begriff Gentrifizierung Quartiersentwicklungen dokumentiert und kritisiert, welche im Zusammenhang mit Aufwertungsprozessen und Mietpreissteigerungen zum Zuzug statushöherer und zur Abwanderung einkommensschwächerer Bevölkerungsgruppen führen.

In diesem Kontext kristallisieren sich Stadtquartiere mit unterschiedlichen Dynamiken heraus. Vielfach handelt es sich um innenstadtnahe, gemischte Altbauquartiere, die bei Bevölkerungsgruppen mit mittleren und höheren Haushaltseinkommen als Wohnstandorte sehr gefragt sind. Auf diese Weise können innerhalb weniger Jahre Quartiere entstehen, in denen es zu einer Umwandlung und der einseitigen Anpassung an die Bedürfnisse einer neuen, zahlungskräftigen und auf eine spezielle Art von Urbanität eingestellte Wohnbevölkerung kommt.

Ziel

Die Studie soll innerstädtische Quartiere, die eine hohe Attraktivität ausstrahlen, differenziert unter die Lupe nehmen. Anhand von Fallstudien sollen praxisnahe Erkenntnisse über den zeitlichen Verlauf, das Ausmaß und die Konsequenzen einer beobachtbaren Homogenisierung der Bevölkerungsstruktur von solchen Quartieren gewonnen werden. Dazu zählt auch die Analyse sozialräumlicher Veränderungen in ihren unterschiedlichen Facetten (Bewohnergruppen, Wohnungsangebote, Funktionsvielfalt).

Mit Hilfe einer vergleichenden Quartiersanalyse sollen zunächst Unsicherheiten, Klischees und festgefahrene Begriffsdeutungen (z.B. Gentrifizierung) differenziert und versachlicht werden. Für eine Bewertung und anschließende Strategiebildung kommt es darauf an herauszufinden, ob Homogenisierung, dort wo sie stattfindet, zu Problemen führt – Verdrängung, Ausgrenzung, unfreiwillige Segregation bis hin zu einer Spaltung der Stadtgesellschaft, die den Zusammenhalt gefährdet.

Herauszuarbeiten ist, wo Entwicklungen aufzuhalten und wo Veränderungen gezielt unterstützt werden sollten. Steuerungserfordernisse sollen identifiziert und Strategien zur Umsetzung übergeordneter stadtpolitischer Ziele gebildet werden. Durch Beschreibung und Bewertung der Phänomene soll eine fundierte Grundlage erarbeitet werden, durch die der Einsatz planerischer, städtebaulicher, rechtlicher wie finanzieller Instrumente zu beurteilen und Strategien abzuleiten sind.

Zusatzinformationen

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Kontakt

Dr. Brigitte Adam
Referat I 6 - Stadt-, Umwelt- und Raumbeobachtung
Tel.: +49 228 99401-2325