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Lage und Zukunft der Kleinstädte in Deutschland – Bestandsaufnahme zur Situation der Kleinstädte in zentralen Lagen

Kleinstädte ebenso wie Mittelstädte sind in der Raumforschung – auch international – eine vernachlässigte Kategorie. Die Rolle von Klein- und Mittelstädten in ländlichen und als peripher eingestuften Regionen als Stabilisatoren und Anker im Raum ist allgemein anerkannt und erfährt jüngst in der Forschung stärkere Beachtung. Vor dem Hintergrund der dynamischen Entwicklung in Teilregionen der letzten Jahre steht der weniger problematisierte Typus von Kleinstädten in zentralen Lagen jedoch bislang nicht im Fokus. Diese Lücke soll das Forschungsprojekt schließen und die aktuelle Situation der Kleinstädte mit besonderem Blick in zentralen Lagen untersuchen.

Projektstart: August 2016

Ausgangslage

In diesem Forschungsprojekt geht es explizit um die Kleinstädte in zentralen Lagen. Das können Kleinstädte im Verflechtungsbereich der Metropolen, aber auch Kleinstädte in Verflechtungsbereichen von Regionen außerhalb der Metropolregionen, den Regiopolen, sein. Damit spricht das Projekt das Thema der Stadtregionen und die Debatte um Reurbanisierung an, die in Deutschland seit nunmehr fast zehn Jahren an Intensität gewonnen hat. Aber auch die Reurbanisierungsforschung hat bislang praktisch ausschließlich Großstädte im Fokus. Bisweilen sind mit "Reurbanisierung" sogar nur die Innenstädte oder bestimmte, vor allem gründerzeitliche Wohnquartiere gemeint.

Vor der Reurbanisierungsdebatte hatte die Zwischenstadtdebatte in ihren facettenreichen Diskursen zwar in Ansätzen dazu geführt, dass der vormals geschmähte suburbane Raum in der Stadtforschung vor allem kulturlandschaftlich neubewertet wurde. Die Forschung zu diesem Thema brachte jedoch relativ wenige fundierte empirische Erkenntnisse über Entwicklungen, Formen und Funktionen von Städten im suburbanen Raum hervor.

Für Kleinstädte in zentralen Lagen lassen sich trotz ihrer insgesamt günstigen Entwicklungsperspektiven einige Probleme benennen, die für sie spezifisch sind. Diese Probleme werden aber vor allem erst im stadtregionalen Kontext deutlich. Ein wesentlicher Problemschwerpunkt ist, dass diese Städte stark mit den dazugehörigen Auswirkungen auf das Verkehrsaufkommen und die Verkehrsträger verflochten sind. Kleinstädte sind in zentralen Lagen deutlich stärker spezialisiert als in ländlichen Regionen, was zumindest bedeutet, dass bestimmte Versorgungleistungen suburbanen Verkehr erzeugen. Haben also die Kleinstädte auch in insgesamt wachsenden Regionen mit spezifischen Problemlagen umzugehen, so gibt es selbstverständlich auch im suburbanen Raum den Typus der stagnierenden oder schrumpfenden Kleinstadt.

Ziel


Das Forschungsprojekt schließt einerseits eine Forschungslücke, soll andererseits jedoch auch Entwicklungsmöglichkeiten von Kleinstädten aufzeigen. Die jeweiligen Erfahrungen der Kleinstädte muss das Projektteam dabei in ihren jeweiligen stadtregionalen Verflechtungen und Zusammenhängen betrachten. Gegebenenfalls lassen sich daraus Erklärungsmuster für bestimmte Ergebnisse und Einschätzungen ziehen. Das vorhandene Defizit strategischer Entwicklungsplanungen für viele Kleinstädte in zentralen Lagen kann damit begründet werden, dass lange Zeit kein Bedarf an entsprechenden Konzepten gesehen wurde. Das Projektteam muss daher auch die Frage beantworten, ob sich schrumpfende Kleinstädte in zentralen Lagen intensiver mit ihren eigenen Entwicklungsmöglichkeiten und damit auch mit der Frage ihrer Rolle in einer Stadtregion beschäftigen als wachsende Kleinstädte in zentralen Lagen.

Im Fokus des Forschungsinteresses stehen folgende Fragen:

  • Wie stellen sich die räumlichen regionalen Verflechtungen der Kleinstädte in zentralen Lagen dar? Welche Beziehungen und Verflechtungen bilden die Aktivitäten der Bevölkerung, der Wirtschaft, der Verwaltung und des Tourismus ab? Wie sind die Kleinstädte in die Informationsflüsse der Wissensökonomie eingebunden?
  • Erfüllen die Kleinstädte die Wohnbedürfnisse ihrer Bürgerinnen und Bürger, insbesondere auch der Neubürgerinnen und -bürger? Welchen Stellenwert hat die Nachhaltigkeit in der Stadtentwicklung? Mit welchen Zielvorstellungen verfolgen die Kleinstädte die Gewerbeentwicklung, wie werden großflächige Gewerbe- und Infrastrukturflächennachfragen gehandelt? Lassen sich daraus Potenziale und Chancen für eine nachhaltige Stadtentwicklung ableiten?
  • Welche Bedeutung kommt harten und weichen Standortfaktoren in den Kleinstädten zu, wie sind sie in Strategieentwicklung und Stadtentwicklung verankert? Schlagen sich spezifische Standortfaktoren wie Kunst, Kultur, besondere naturräumliche Ausstattungen in der Außendarstellung und Innenwahrnehmung ab?
  • Welche Entwicklungsstrategien verfolgen Kleinstädte in zentralen Lagen? Welche Steuerungsinstrumente stehen den Kommunen zur Verfügung? Wie effektiv können diese genutzt werden? Welche Fördermittel – Städtebauförderung, ELER, LEADER, etc. – werden von Kleinstädten genutzt? Reichen die zur Verfügung stehenden Förderinstrumente aus, um die Herausforderungen zu bewältigen?
  • Welche Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten haben die Kleinstädte in zentralen Lagen? Welche Rolle spielen Kleinstädte im bundesweiten Städtesystem zukünftig, wie sind sie darin verankert? Sind die Problemlagen von Kleinstädten in zentralen Lagen identisch mit denen in peripheren Lagen, worin unterscheiden sie sich?

Aus den Antworten auf diese Fragen soll das Projekt schließlich Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen für die nationale Stadtentwicklungspolitik ableiten.

Zusatzinformationen

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Kontakt

Antonia Milbert
Referat I 6 - Stadt-, Umwelt- und Raumbeobachtung
Tel.: +49 228 99401-2256