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Vorsorgendes Risikomanagement in der Regionalplanung – Verstetigung

In diesem Projekt wird der zuvor mit der Region Köln erarbeitete Risikomanagementansatz weiterentwickelt und konsolidiert, um eine Übertragbarkeit auf andere Regionstypen zu gewährleisten. In zwei Modellregionen werden zusätzliche Gefahren und Risiken thematisiert und zudem ein breiteres Spektrum regionalplanerischer Organisations- und Rechtsformen einbezogen. Im Ergebnis soll ein Leitfaden zum Risikomanagementansatz in der Regionalplanung entstehen.

Projektstart: Juli 2016

Ausgangslage

Raumbedeutsame Risiken betreffen fast alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Sie nehmen in Zeiten des Klimawandels gerade in Ballungsräumen mit hohen Bevölkerungsdichten zu. Insbesondere der Schutz kritischer Infrastrukturen gewinnt in Gesellschaft und Raumwissenschaften an Bedeutung.

Da Raumordnung sowie Landes- und Regionalplanung in diesem Bereich einen wichtigen Beitrag leisten können, initiierte das BMVI ein MORO-Projekt, um den Aspekt des vorsorgenden Risikomanagements in der Regionalplanung vertiefend zu behandeln und die Möglichkeiten der Umsetzung in der Praxis aufzuzeigen.

Ein vorsorgendes Risikomanagement dient dazu, Gefahren und Vulnerabilitäten zu identifizieren sowie raumbedeutsame Risiken und die Betroffenheit durch raumbedeutsame Bedrohungen einzuschätzen. Dabei geht es im Sinne des § 1 Abs. 1 bzw. § 8 Abs. 6 ROG um Risiken bzw. Gefährdungen, die aufgrund ihrer räumlichen Auswirkungen eine überörtliche und überfachliche Betrachtung erfordern.

Der Beitrag der Raumplanung kann darin bestehen, unterschiedliche Risikoquellen und Risikogebiete einerseits, und die vorhandenen kritischen Infrastrukturen andererseits räumlich zu überlagern. So können Wechselwirkungen bzw. kumulative Gefahrenlagen erkannt und planerisch berücksichtigt werden.

Handlungsoptionen ergeben sich für die Regionalplanung immer dann, wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit (Gefährdung infolge Frequenz und Magnitude) oder die Konsequenz eines Ereignisses (Schadensausmaß, abhängig von der Verwundbarkeit) mithilfe raumplanerischer Instrumente beeinflussbar sind.

Bisher dominiert in Deutschland in der Risikowahrnehmung und -bewältigung eine sektorale Perspektive, die primär darauf abzielt, einzelne Gefahren abzuwehren. Die Verwundbarkeit als wesentliche Komponente wird zudem erst in Ansätzen mitbetrachtet, eine raumbezogene Multirisikobetrachtung ausgeblendet. Diese wäre angesichts der vielfältigen Wechselwirkungen und kumulativen Effekte jedoch geboten.

Ein vorsorgendes Risikomanagement sollte daher sektoren- und ebenenübergreifend entwickelt und in einen strategischen wie dynamischen Ansatz integrierter Raumentwicklung eingebettet werden. Ein Risiko-Governance-Konzept kann dabei helfen, Handlungsoptionen im Kontext komplexer Konstellationen (vielfältige Ursache-Wirkungsbeziehungen, Mehrebenensystem fachlicher und politischer Kompetenzen) zu erkunden und die konkrete Planung mithilfe mehrerer Akteure zu strukturieren und umzusetzen.

Ziel

Im Fokus des Modellvorhabens "Vorsorgendes Risikomanagement in der Regionalplanung" steht die Operationalisierung des Risikomanagementansatzes. Dieser wurde als konzeptionell-methodischer Ansatz zum Umgang mit raumbedeutsamen Risiken in der regionalplanerischen Praxis mit der Planungsregion Köln im Rahmen der Vorstudie erarbeitet und erprobt.

Hierbei wurden die Grundlagen zu Risikovorsorge im Kontext der räumlichen Planung aufbereitet und eine Übersicht über die aktuell vorhandenen Ansätze und Möglichkeiten zur Operationalisierung des Risikomanagementansatzes dargelegt.

Allerdings kann die Regionalplanung keine gesamtkoordinierende Rolle im integrierten Risikomanagement spielen, wenn man Risikomanagement im Sinne des sog. "Risikokreislaufs" aus Vorbereitung, Reaktion, Wiederaufbau und Vorsorge versteht.

Die Rolle der Regionalplanung bezieht sich vielmehr primär auf die (planerische) räumliche Risikovorsorge, während in den anderen Phasen der Katastrophenschutz dominiert. Zu diesem Zweck sind Risiken zu analysieren und entsprechend ihrem Gewicht in die planerische Abwägung einzustellen.

Der "Fahrplan" für ein integriertes Risikomanagement in der Regionalplanung als ein wesentliches Ergebnis des abgeschlossenen MORO zeigt idealtypisch die zentralen Aspekte der räumlichen Risikovorsorge und deren Interdependenzen auf.

Schematische Darstellung des Konzeptes für ein integriertes Risikomanagement im Sinne der räumlichen Risikovorsorge in der Regionalplanung in Form eines Ablaufplans Fahrplan RisikomanagementFahrplan für ein integriertes Risikomanagement Quelle: agl

>> ausführliche Informationen zum abgeschlossenen MORO

Mit Blick auf die Übertragbarkeit zielt das aktuelle MORO darauf, den Ansatz auf zwei weitere Modellregionen auszuweiten. Dies dient der Integration eines breiteren Spektrums an regionalplanerischen Organisations- und Rechtsformen sowie an räumlichen, risikobezogenen Problemkonstellationen. Hochwasserschutz, Küstenschutz, alpine Gefahren oder Gefahren des Untergrundes etc. sind nicht in allen Regionen gleichermaßen relevant, genauso wie das Potenzial der jeweils vorhandenen kritischen Infrastrukturen.

Auch angesichts der föderalen Struktur Deutschlands und der Vielfalt der Organisations- und Steuerungsformen in den Flächenländern sind gerade im Bereich der Methodik Unterschiede zu erwarten, so dass mit dem aktuellen Modellvorhaben weitere übertragbare Elemente für die Integration eines vorsorgenden Risikomanagements in die räumliche Planung entwickelt werden sollen.

Zusatzinformationen

Logo Modellvorhaben der Raumordnung

Kontakt

Thomas Pütz
Referat I 5 - Digitale Stadt, Risikovorsorge und Verkehr
Tel.: +49 228 99401-2300
Fax: +49 228 99401-2356