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Expertise zur Systematisierung der Grundlagen regionalplanerischer Klimafolgenbewertung – Leitfaden regionale Klimafolgenbewertung

Die Expertise zur "Systematisierung der Grundlagen regionalplanerischer Klimafolgenbewertung – Leitfaden regionale Klimafolgenbewertung" war eingebettet in die Phase II und damit die Weiterentwicklung des Forschungsfeldes "Raumentwicklungsstrategien zum Klimawandel" (KlimaMORO – Phase II). In der Expertise ging es darum, Grundlagen für ein gemeinsames Verständnis von Klimafolgenbetroffenheit in der räumlichen Planung und darauf aufbauend einen konsistenten methodischen Grundansatz zur Klimafolgenbewertung zu entwickeln.
Projektlaufzeit: November 2011 – September 2013

Anlass und Ausgangslage

Die Anpassung von Städten und Regionen an die unvermeidbaren Folgen des Klimawandels ist seit einigen Jahren ein wichtiges Forschungs- und Arbeitsfeld der räumlichen Planung. Extremereignisse, die weltweit für Schlagzeilen in den Medien sorgen, und die Warnungen der Versicherungswirtschaft vor steigenden Schadenspotenzialen insbesondere in dicht besiedelten Bereichen verdeutlichen die Brisanz des Themas. Der Handlungsdruck zur Vorsorge wächst, auch wenn erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts die Wirkfolgen des Klimawandels zu grundlegenden und nachhaltigen Veränderungen unserer Lebenswelten führen werden. Mit Blick auf die Persistenz städtebaulicher Strukturen wie auch auf die Langlebigkeit der oftmals kostenintensiven Infrastrukturen müssen bereits heute die Weichen für eine resiliente Entwicklung unserer Städte und Regionen gestellt werden.

Der Klimawandel wirkt sich räumlich sehr unterschiedlich aus. Gründe hierfür liegen in den groß- wie kleinräumig differenzierten klimatischen Veränderungen, den räumlich wie sektoral variierenden Sensitivitäten von Raum und Gesellschaft sowie den Unterschieden bezüglich der Anpassungskapazität, d.h. den Möglichkeiten, auf klimatische Veränderungen (vorsorgend) zu reagieren. Städte und Regionen müssen sich dementsprechend mit ihrer individuellen Betroffenheit in Bezug auf die zu erwartenden Klimawandelfolgen auseinandersetzen.

Um diesen raumspezifischen Herausforderungen gerecht zu werden, bedarf es belastbarer Grundlagen, die es ermöglichen, politisch-planerisches Handeln im Bereich der Klimaanpassung auf die erforderlichen Strategien und Maßnahmen zu konzentrieren. Die räumlichen Auswirkungen des Klimawandels sind zudem mit erheblichen Unsicherheiten behaftet. Der Umgang mit diesen Unsicherheiten wirft viele Fragen auf, nicht zuletzt nach abwägungsfesten Methoden zur Ermittlung der Klima(wandel)betroffenheit als Grundlage für verbindliche Planungsaussagen zur Klimaanpassung. Hiermit verbindet sich auch die durchaus kontrovers geführte Diskussion um die Verwendbarkeit von Projektionen zum Klimawandel als Grundlage rechtsverbindlicher Aussagen in der Regionalplanung.

Die zahlreichen Veröffentlichungen zu Klimafolgen und Klimaanpassung lassen erkennen, dass es bislang weder ein einheitliches Konzept, noch einen einheitlichen Begriffskanon zur Klimafolgenbewertung in der räumlichen Planung gibt. Deshalb bietet die Bundesraumordnung mit diesem Methodenhandbuch ein anwenderbezogenes, fachliches Unterstützungsangebot zur Ermittlung der regionalen Klima(wandel)betroffenheit für die Planungspraxis an, das auch den unterschiedlichen regionalen Voraussetzungen Rechnung trägt.

Das Methodenhandbuch beruht auf Erkenntnissen, die auf Bundes-, Länder- und regionaler Ebene im Rahmen zahlreicher Forschungsaktivitäten und Modellvorhaben gewonnen wurden. So starteten 2009 die Modellvorhaben der Raumordnung (MORO) "Raumentwicklungsstrategien zum Klimawandel", kurz KlimaMORO, mit der Entwicklung regionaler Klimaanpassungsstrategien und mit Pilotprojekten. Erste Auswertungen zeigt die im Oktober 2011 erschienene BMVBS Online-Publikation 21 "Vulnerabilitätsanalyse in der Praxis. Inhaltliche und methodische Ansatzpunkte für die Ermittlung regionaler Betroffenheiten". Die vorliegende Broschüre zur Klimafolgenbewertung ist die übergreifende Expertise des KlimaMORO – Phase II, in der sieben Modellvorhaben spezifische Fragestellungen vertiefen.

Gegenstand und Ziele

Aktuelle Ereignisse wie die Hochwasserkatastrophen im Frühsommer 2013 zeigen die Notwendigkeit, in angemessener Art und Weise Vorsorge zu treffen. Der Auftrag, Vorsorge zu betreiben, gilt selbstverständlich nicht nur für aktuell betroffene Handlungsfelder, sondern auch für diejenigen, in denen herausragende Ereignisse schon länger zurück liegen (Jahrhundertsommer 2003) sowie in denen es zukünftig potenziell zu erheblichen Veränderungen kommen kann. Der Auftrag zur Vorsorge betrifft viele Sektoren, so auch die räumliche Planung. Mit dem Klimawandel und seinen projizierten Auswirkungen auf die Städte und Regionen in Deutschland wird sich das Erfordernis vorsorgenden Handelns noch verstärken.

Die Bundesraumordnung hat mit den Modellvorhaben der Raumordnung (MORO) "Raumentwicklungsstrategien zum Klimawandel", kurz KlimaMORO, Strategien und Pilotprojekte zur Anpassung auf den Weg gebracht. Im Herbst 2013 wird die Phase II des KlimaMORO abgeschlossen. Die beteiligten Regionen und viele andere Forschungsaktivitäten und -projekte auf Bundes-, Länder- und regionaler Ebene leisten entscheidende Beiträge zum Aufbau von Grundlagendaten, methodischen Erkenntnissen wie auch von strategischen Ansätzen und Umsetzungsmaßnahmen.

Dieses Wissen wurde für das Methodenhandbuch ausgewertet. Allerdings sind Forschung und Erprobung im Bereich der Klimaanpassung äußerst dynamisch: Vieles ist hier noch in Bewegung, vieles wird kontrovers diskutiert. Deshalb kann das Methodenhandbuch zur regionalen Klimafolgenbewertung kaum konsolidierte Verfahren anbieten.

Gleichwohl fasst das Methodenhandbuch aktuelle Erkenntnisse zur Klimafolgenbewertung zusammen, macht Vorschläge zu einem gemeinsamen Grundverständnis von Klimafolgenbewertung in der räumlichen Planung und zu einer Harmonisierung zentraler Fachbegriffe. Es bietet einen konsistenten methodischen Grundansatz über zentrale Handlungsfelder der Raumordnung hinweg an und integriert aktuelle Forschungsstände vor dem Hintergrund des raumordnerischen Handlungsrahmens.

Die Bundesraumordnung möchte damit die integrierende Rolle der räumlichen Planung im Bereich der Vorsorge und Klimaanpassung stärken, weiterentwickeln und die Akteure in den Regionen und Städten in ihrer Planungspraxis unterstützen. Das Methodenhandbuch soll weitere Impulse für den anhaltenden Diskurs zu Klimawandel und Anpassungsstrategien in Deutschland geben. Deshalb sind Kommentare aus Praxis und Wissenschaft ausdrücklich erwünscht, nicht zuletzt, um dieses erste Produkt einer Gesamtbetrachtung der regionalen Klimafolgenbewertung in der Regionalplanung gemeinsam mit den Ländern, Regionen und Städten weiterzuentwickeln.

Dies gilt über die tradierten Handlungsfelder der Raumplanung hinaus auch für mögliche weitere Handlungsfelder wie "Kritische Infrastrukturen". Zudem sollten querschnittsorientierte Betrachtungen unter Berücksichtigung der Wechselwirkungen in den einzelnen Sektoren, die Wechselbeziehungen zwischen unterschiedlichen Wandlungsprozessen, insbesondere den demographischen Wandel und die Bevölkerungsentwicklung, sowie informelle Planungen in Verbindung mit Governance-Prozessen zum Klimawandel thematisiert werden.

Das Projekt wurde bearbeitet durch Frau Andrea Hartz und Herrn Sascha Saad von der agl (angewandte geographie, landschafts-, stadt- und raumplanung) in Saarbrücken.

Zusatzinformationen

Kontakt

Dr. Fabian Dosch
Referat I 6 - Stadt-, Umwelt- und Raumbeobachtung
Tel.: +49 228 99401-2160