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Baukultur in ländlichen Räumen

Perspektive statt Abgesang: Der ländliche Raum ist längst nicht mehr nur ein Raumtypus der Landwirtschaft, des Tourismus oder der Naherholung; ihm werden wichtige Funktionen wie die Bereitstellung von Ressourcen zugeordnet und er befindet sich in ständiger Dynamik. Er hat ein multifunktionales Potenzial und die Identifikation spezifischer Raumpotenziale und Entwicklungsoptionen ländlicher Räume, die für die Gesellschaft wichtig sind, stellt sich als eine wichtige Aufgabe dar. Und genau an diese gesamtgesellschaftliche Relevanz ländlicher Regionen versucht unser Verständnis von Baukultur anzuknüpfen. Denn in den zahlreichen Auseinandersetzungen zum ländlichen Raum spielt Baukultur als Qualitätskriterium, welches sich wiederum positiv auf das Leben auf dem Land auswirken kann, kaum eine Rolle.
Projektlaufzeit: November 2011 - November 2013

Ausgangslage

Der ländliche Raum gehört auch im 21. Jahrhundert zu den wichtigsten Raumkategorien in Deutschland. Mit rund 70% der Flächen prägen die ländlichen Regionen das Landschaftsbild maßgeblich. Hier leben oder arbeiten heute rund 35% der deutschen Bevölkerung, zudem haben ländliche Räume für die Allgemeinheit eine enorme Bedeutung als Versorgungs- und Erholungsraum.

In Bezug auf Baukultur spielte der ländliche Raum in den letzten Jahrzehnten jedoch eher eine untergeordnete Rolle. Es gibt zwar zahlreiche Aktivitäten und Studien zum ländlichen Raum; Baukultur als Qualitätskriterium kommt darin aber nur selten vor. Inwieweit Entscheidungsträger in der kommunalen Verwaltung bzw. Akteure aus Architektur, Planung oder auch aus der Bürgerschaft in ländlichen Gemeinden die Gestaltung der gebauten Umwelt als Aufgabe wahrnehmen, wurde bislang nur wenig erforscht. Denn, auch wenn der ländliche Raum ein genauso komplexes Arbeitsfeld ist, widmen sich die Planungsdisziplinen vor allem den Städten und Ballungsräumen. Ungewöhnliche und vorbildhafte Entwicklungsprozesse in ländlichen Gemeinden werden hingegen nur selten publiziert und analysiert. Die Auseinandersetzung erschöpft sich oft darin, die Erhaltung der historischen Bausubstanz zu fordern, regionalistische Gestaltungsprogramme durchzusetzen oder die Banalität der aktuellen Bauproduktion zu kritisieren, ohne nach deren Hintergründen zu fragen.

Ziel

Das Ziel war, das baukulturelle Potenzial in Deutschlands ländlichen Räumen zu erforschen. Konkret bestand das Vorhaben darin, beispielhaft Baukulturgemeinden im gesamten Bundesgebiet zu identifizieren (die eine ganzheitliche Sicht von Baukultur teilen) und ihre konkreten Strategien aufzuzeigen. Gemeinden, in denen also nicht nur der Hauptplatz neu gepflastert und mit Blumenschmuck ausgestattet wurde, sondern die sich auch dafür interessieren, was an ihren Rändern passiert, wie mit ihren Baulandressourcen umgegangen wird, und die mit der erforderlichen Professionalität an Planungsprozesse und deren Beauftragung herangehen. Im Vordergrund der Analyse stand dabei nicht das einzelne Bauprojekt, sondern die Gesamtheit der Entwicklung der jeweiligen Dörfer und Kleinstädte und die Vermittlung des jeweiligen Kontexts, in dem sie operieren.

Eine zentrale These war dabei, dass Baukultur einen wichtigen Baustein in der Entwicklung offener zukunftsfähiger Konzepte im Umgang mit den ländlichen Räumen darstellen kann, die auch den sozialen Zusammenhalt der Bevölkerung fördert.

Fragestellung

Die zentralen Fragen waren dabei:

  • Kontext und Themen
    In welchen Kontext lässt sich die Gemeinde einordnen und was sind die zentralen Herausforderungen? Es wurden jene Orte ausgewählt, die repräsentativ für die baukulturellen Aufgaben in ländlichen Räumen sind; extreme Situationen wurden nicht weiterverfolgt.
  • Akteure
    Von wem geht das Engagement für Baukultur aus? Aus welchen Bereichen kommen die Akteure, was ist ihr fachlicher Hintergrund? Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Expertinnen und Experten, Engagierten aus der Bürgerschaft und Beteiligten aus Politik und Verwaltung aus?
  • Programme, Strategien, Förderungen
    Welche übergeordneten Strategien wurden in den Entwicklungsprozessen verfolgt? Was waren die Vorbilder? Wie wurden die Projekte finanziert? Welche Fördermittel wurden beantragt bzw. in Anspruch genommen?
  • Bauprojekte
    Was wurde konkret gebaut bzw. in der Dorf- und Stadtentwicklung realisiert? Wie ist die Qualität sowohl kommunaler als auch privater Bauprojekte? Gibt es seitens der Gemeinde Angebote der Bauberatung, Gestaltungsbeiräte oder kommunale Förderprogramme für private Bauvorhaben?

Zusatzinformationen

Kontakt

Anca-Maria Carstean
Projektgruppe ZIP: Zukunftsinvestitionsprogramm
Tel.: +49 228 99401-1653