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Mikrosimulation des Wohngelds und strukturelle Verbesserung der Anreize des Wohngelds

In Deutschland erfolgt die soziale Absicherung des Wohnens bei der Subjektförderung neben der Grundsicherung über das Wohngeld. Das Forschungsprojekt analysiert Verbesserungsmöglichkeiten für die strukturellen Anreize des Wohngeldes und prüft eine Dynamisierung der Wohngeldleistungen. Zudem wird untersucht, wie mehr Haushalte mit Wohngeld unterstützt werden können, die über ein Einkommen verfügen, welches den Grundsicherungsbedarf ohne Wohnkosten abdeckt.

Projektstart: September 2016

Ausgangslage

Das Wohngeld unterstützt einkommensschwächere Haushalte bei der Finanzierung ihrer angemessenen und familiengerechten Wohnkosten und wird als steuerfreier Zuschuss zur Miete oder zu den Lasten für selbst genutzten Wohnraum geleistet. Das Wohngeld wird von Bund und Ländern paritätisch getragen und ist ein wichtiger Bestandteil der deutschen Wohnungs- und Sozialpolitik. Das Wohngeld setzt voraus, dass der für die Deckung des allgemeinen Lebensunterhaltes erforderliche Regelbedarf bereits durch eigene Einkünfte erreicht wird. Liegen ausreichende eigene Einkünfte nicht vor, dann muss das Existenzminimum durch die Grundsicherung gewährleistet werden, die dann auch die Kosten der Unterkunft und Heizung (KdU) mit abdeckt. Wohngeld wendet sich damit insbesondere an Bezieher kleiner Erwerbseinkommen, Altersrenten oder von Arbeitslosengeld (ALG I). Das Wohngeld ist so konzipiert, dass die Mietbelastung der berechtigten Haushalte zumutbar bleibt. Die Höhe des Wohngeldes ist abhängig von der Haushaltsgröße, dem Einkommen und der zu berücksichtigenden Miete oder Belastung. Regionale Mietunterschiede werden durch Miethöchstbeträge abgedeckt, die nach sechs Mietenstufen gestaffelt sind.

In Bezug auf die wohnungspolitische Zielsetzung ist das Wohngeld im Vergleich zu den Leistungen der Grundsicherung und der sozialen Wohnraumförderung sehr treffsicher und zudem effizient. Da beim Wohngeld nur ein Zuschuss zur Miete (oder Belastung) gewährt wird, sind insgesamt nur sehr geringe Auswirkungen auf den Wohnkonsum der Empfänger oder die Preisentwicklung des einfachen Wohnungsmarktsegmentes zu erwarten. Damit hat das Wohngeld insbesondere einen Vorteil gegenüber den KdU-Leistungen, welche im Rahmen der Grundsicherung für Arbeitsuchende und der Sozialhilfe gewährt werden. Dies gilt auch für die Anreize der Empfänger, Arbeit aufzunehmen oder auszuweiten. Denn vom zusätzlichen Einkommen verbleibt den Wohngeldempfängern deutlich mehr als den Grundsicherungsempfängern – trotz des gewährten Erwerbstätigenfreibetrags im SGB II. Es sollte daher geprüft werden, ob es möglich ist, all diejenigen Haushalte mit Wohngeld zu unterstützen, die über ein Einkommen verfügen, welches den Grundsicherungsbedarf ohne Wohnkosten abdeckt. Bei Haushalten mit Kindern besteht darüber hinaus die Möglichkeit, die Bedarfe der Kinder mit Hilfe des Kinderzuschlags (KiZ) stärker zu berücksichtigen.

Die Mietenstufen, die Miethöchstbeträge und die Tabellenwerte zur Berechnung des Wohngeldes wurden in großen zeitlichen Abständen angepasst (2009, 2016). Mit steigendem zeitlichen Abstand zur letzten Reform verringert sich jedoch die Leistungsfähigkeit des Wohngelds. Dadurch kommt es zu Effekten wie dem "Herauswachsen" aus dem Wohngeld oder dem Wechsel in die Grundsicherungsleistungen des SGB II und XII. Wünschenswert sind daher Mechanismen, die die Wohngeldleistung kontinuierlich an die aktuellen Entwicklungen anpassen und die genannten Effekte dämpfen.

Ziel

In dem Forschungsprojekt wird aus ökonomischer Sicht untersucht, wie die bestehenden strukturellen Anreize des Wohngeldes weiter verbessert werden können, um mehr Haushalte ins Wohngeldsystem zu integrieren, die ihren Lebensunterhalt selbst erwirtschaften und alleine aufgrund ihrer Wohnkosten auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen sind ("Aufstocker"). Zudem wird analysiert, mit welchen Mechanismen es gelingen kann, das Wohngeldsystem durch regelmäßige Anpassungen der Tabellenwerte und Höchstbeträge sowie der Neufestlegung der Mietenstufen dauerhaft vor den Folgen der bundesweiten und regionalen Preis- und Mietveränderungen sowie Anpassungen in anderen Transferleistungssystemen zu schützen, so dass es über die Zeit nicht an Zielgenauigkeit und Reichweite verliert. Hierfür werden Mikrosimulationen durchgeführt und konkrete Politikempfehlungen zur konzeptionellen Weiterentwicklung des Wohngelds im Rahmen der verfügbaren Mittel aufgezeigt.

Zusatzinformationen

Kontakt

Nina Oettgen
Referat II 12 - Wohnen und Gesellschaft
Tel.: +49 228 99401-1220