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"Weiße Stadt" Tel Aviv - begleitendes Ressortforschungsvorhaben Nr. 1

Ergebnisse

Evaluierung des Erhaltungszustands von Bauhausdenkmalen in Tel Aviv und Deutschland

Der Vergleich zwischen Tel Aviv und den deutschen Beispielen zeigt: In der Weißen Stadt wird der Gebäudebestand in der Regel umfassend saniert und in diesem Zuge oft erweitert, um die knappe Ressource Wohnfläche zu vergrößern. Denkmalverträgliche Lösungen haben dabei eine geringere Priorität als in Deutschland.

Denkmalschutz in Israel (Tel Aviv) und Deutschland

Erst 1990 wurde innerhalb der Stadtverwaltung Tel Avivs eine Denkmalpflegeabteilung etabliert (conservation team). Im Vergleich mit Deutschland ist der Denkmalschutz in der städtischen Verwaltung Tel Avivs strukturell schwächer, weil er keine unabhängige Verwaltungseinheit ist.

Energetische Ertüchtigung unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes

Grundsätzlich weist die Architektur der Weißen Stadt Tel Aviv eine günstige Bauweise für das vorherrschende Klima auf. Wo sie durch nachträgliche Eingriffe verändert wurde, wäre deshalb eine Rückführung in den Ursprungszustand sinnvoll. Diese Rückführung kann auf jeden Fall denkmalverträglich gestaltet werden.

Einzelthemen der Denkmalpflege

  • Rekonstruktion von Farben: Aufgrund der Untersuchungen kann nicht von einer im Wortsinne Weißen Stadt ausgegangen werden.
  • Fassadenputze: Die Weiße Stadt verfügt über ein einzigartiges Ensemble von Gestaltungsarten der Fassadenputze.
  • Bau- und Ausstattungsteile: Der Erhaltungszustand vieler Bauteile und Oberflächen an den Häusern in Tel Aviv ist aufgrund mangelnden Bauunterhalts zwar schlecht, doch sind diese Details im Gegensatz zu Deutschland in vielen Fällen überhaupt noch vorhanden.
  • Holz- und Stahlfenster, Terrazzoböden: Diese Bauteile sind aus Sicht der Denkmalpflege äußerst schützenswert, weil sie entscheidend zum Erscheinungsbild der Gebäude beitragen.

Generalsanierung versus Reparatur

Generalsanierung bedeutet in Tel Aviv, dass ein Gebäude nicht nur saniert, sondern oftmals zusätzlich am Fundament und an den Dachaufbauten stark verändert wird, zum Beispiel indem zusätzliche Stockwerke hinzugefügt werden. Dagegen gilt eine Reparatur einzelner Bau- oder Ausstattungsteile in Tel Aviv nach landläufiger Meinung als unvollständig oder sogar verunstaltend. In Deutschland hingegen wird die Reparatur für besonders denkmalverträglich gehalten und entsprechend bei Bauhausgebäuden praktiziert.

Besucher- und Denkmalpflegezentrum Weiße Stadt Tel Aviv

Die Weiße Stadt sollte ein Besucher- und Denkmalpflegezentrum erhalten mit folgenden Abteilungen:

  1. Netzwerkzentrale: Adresse für das deutsch-israelische Netzwerk
  2. Tourismus: Darstellung der historischen und geographischen Parameter und der spezifischen Gründe für die Eintragung in die Welterbeliste im Stil der Empfehlungen der deutschen UNESCO-Kommission
  3. Anlaufstelle für Bewohner mit identitätsstiftenden Angeboten
  4. Einrichtung einer Musterwohnung (im Stil der Musterwohnung in der Dammerstocksiedlung) im Zentrum selbst oder Etablierung einer Außenstelle „Musterwohnung“ bzw. „Musterhaus“
  5. Naturwissenschaftliches Untersuchungslabor mit einem Schwerpunkt für Steinkonservierung
  6. Digitales Datenarchiv
  7. Aktenarchiv und Bibliothek, Fotothek, Plansammlung
  8. Bauteile- und Bauforschungsarchiv speziell für Bauwerke der Bauhauszeit im Stile des Dessauer Bauforschungsarchives, organisatorisch wie das Bayerische Bauarchiv Thierhaupten
  9. Schulungs-und Weiterbildungszentrum

Netzwerk Weiße Stadt Tel Aviv

Die vielfältigen lokalen und internationalen Bemühungen zur Erhaltung der Weißen Stadt von Tel Aviv müssen vernetzt werden. Es gibt sehr viele unterschiedliche Akteure, die angesprochen werden können.

Mit Blick auf die energetische Sanierung in der Weißen Stadt wäre der Austausch zwischen dem Netzwerk Weiße Stadt Tel Aviv und der Koordinierungsstelle „Energieberater für Baudenkmale“ in Deutschland empfehlenswert.

Angesichts der fehlenden Ausbildung von Restauratoren in Israel besteht Handlungsbedarf, damit die Denkmale in der Weißen Stadt Tel Aviv langfristig und nach internationalen Standards erhalten werden können. Deshalb sollte ein Schulungs-und Weiterbildungszentrum eingerichtet werden.

Als Plattform für den Austausch von Technologien und Produkten sollte versucht werden, Israel als Partnerland für die Messe „denkmal Leipzig“ (z.B. für die nächste denkmal 2016) zu etablieren und damit auch für die Weiße Stadt ein Podium zu bereiten. Die Deutsch-Israelische-Wirtschaftsvereinigung e.V. (D-I-W) sollte zum Thema Denkmaltechnologien und "green conservation Tel Aviv" unter dem Aspekt des wirtschaftlichen Austausches beider Länder eine kleine Denkmalmesse für Unternehmen und Einrichtungen anregen. 

Zusatzinformationen

Logo der Forschunsinitiative Zukunft Bau

Kontakt

Miriam Hohfeld
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
Referat B II 3
Robert-Schuman-Platz 1, 53175 Bonn
Tel.: +49 228 99-305-7234

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