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Mehr Rentner beziehen Wohngeld

Jeder Zwanzigste im Rentenalter erhält staatliche Unterstützung, um die Miete zahlen zu können und die Wohnkostenbelastung zu senken. Das geht aus einer Auswertung des BBSR hervor.

Für einkommensschwächere Senioren sind insbesondere zwei zentrale soziale Instrumente relevant: die Grundsicherung im Alter (SGB XII) und das Wohngeld (Wohngeldgesetz, WoGG). Rund 823.000 Rentner beanspruchten 2016 eines der beiden Instrumente. Das sind knapp fünf Prozent aller über 65-Jährigen. 519.000 Rentner ließen ihre Unterkunftskosten bei der Grundsicherung im Alter berücksichtigen, immerhin 304.000 Personen in Rentnerhaushalten bezogen Wohngeld. Das zeigt, dass auch dem Wohngeld eine hohe Bedeutung zukommt: Viele ältere Menschen mit geringem Einkommen können nur so weiter ihre Miete zahlen.

13 Prozent der Empfänger von Grundsicherung im Alter mit Wohnkostenunterstützung und 26 Prozent der älteren Rentner, die 2016 Wohngeld bezogen, lebten in stationären Einrichtungen. Dazu gehören zum Beispiel Pflege- oder Seniorenheime. Für den Wohnungsmarkt sind allerdings insbesondere diejenigen Senioren relevant, die selbstständig in Privathaushalten leben und wohnungsbezogene staatliche Leistungen erhalten.

Dargestellt ist die Anzahl der Empfänger von Wohngeld in Haushalten älterer Rentner und Empfänger von Grundsicherung im Alter im Zeitraum von 2007 bis 2016. Wohnkostenunterstützung für ältere Menschen 2007 bis 2016Quelle: BBSR-Wohnungsmarktbeobachtung; Statistisches Bundesamt: Wohngeldstatistik, Statistik der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung/Sozialhilfestatistik

Die Zahl der Personen in Haushalten älterer Wohngeldempfänger stieg im Jahr 2016 deutlich um 60 Prozent an. 2015 hatten noch rund 190.000 Personen in Rentnerhaushalten Wohngeld erhalten. Das liegt an der zum 1. Januar 2016 in Kraft getretenen Wohngeldreform, die viele Leistungen verbessert. Die Zahl der Grundsicherungsempfänger über der Altersgrenze sank hingegen im Vergleich zum Vorjahr leicht. Das dürfte ebenfalls auf die Wohngeldreform zurückzuführen sein: Durch die reformbedingten Verbesserungen wechselten viele Empfänger von SGB XII zum Wohngeld. Gleiches war auch schon nach der Wohngeldreform 2009 zu beobachten.

Im Westen mehr Grundsicherung, im Osten mehr Wohngeld

Grundsicherung im Alter beziehen in Ostdeutschland vergleichsweise weniger Rentner als in Westdeutschland. Ostdeutsche Senioren sind verhältnismäßig seltener auf Grundsicherung im Alter angewiesen, weil die Erwerbsbeteiligung in der früheren DDR – insbesondere von Frauen – hoch war und die Beschäftigungsjahre großzügig auf die gesamtdeutschen Rentenansprüche angerechnet wurden. Viele ostdeutsche Senioren verfügen deshalb über ein ausreichendes Einkommen. Beim Wohngeld zeigt sich im Ost-West-Vergleich ein umgekehrtes Bild: Der Staat unterstützt mit dem Wohngeld deutlich mehr Senioren in Ost- als in Westdeutschland.

Abgebildet sind zwei Deutschlandkarten, auf denen die regionale Ausprägung der Inanspruchnahme von Wohngeld und die Kosten der Unterkunft bei Grundsicherung im Alter für das Berichtsjahr 2016 gegenübergestellt werden. Wohnkostenunterstützung für ältere Menschen 2016Quelle: BBSR-Wohnungsmarktbeobachtung; Statistisches Bundesamt: Wohngeldstatistik 2016, Statistik der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung/Sozialhilfestatistik 2016

Auch auf den Wohnungsmärkten werden sinkende Alterseinkünfte spürbar

Altersarmut ist in Deutschland (noch) kein Massenphänomen. Derzeit nimmt nur ein vergleichsweise geringer Teil der älteren Bevölkerung staatliche Sozialleistungen in Anspruch. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass Altersarmut zukünftig immer mehr Senioren betrifft. Das wird sich auch auf die Wohnungsmärkte und die Wohnsituation älterer Menschen auswirken. Die Mieten von neu geschaffenem altersgerechten, barrierearmen Wohnraum können einkommensschwache Seniorenhaushalte künftig kaum mehr tragen. Für Empfänger von Grundsicherung im Alter oder Wohngeld braucht es preisgünstige Wohnungen, deren Unterkunftskosten die öffentliche Hand mitträgt. Wenn selbstnutzende Immobilieneigentümer ihr Wohneigentum als Kapitalanlage im Alter betrachten, die Alterseinkünfte aber sinken, stehen Haushalte insbesondere in schrumpfenden Immobilienmärkten vor zwei Problemen: einer sinkenden Werthaltigkeit ihrer Immobilien und gleichzeitig eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten für Bestandserhalt und -sanierung.

>> Weitere Informationen zum Thema bietet ein Fachbeitrag.

Kontakt

Referat II 12 - Wohnen und Gesellschaft
Nina Oettgen
nina.oettgen@bbr.bund.de

Ernst Degener
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