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Vergleichende Stadtbeobachtung

Städte verdienen eine besondere Aufmerksamkeit, weil sich in ihnen gesellschaftliche Entwicklungen früh ankündigen und bündeln. Die Vergleichende Stadtbeobachtung des BBSR konzentriert sich auf die Situation und Entwicklung deutscher Städte sowohl in ihren administrativ festgelegten Grenzen als auch innerhalb von Stadtregionen. Städtische Wirklichkeiten werden somit sowohl hinsichtlich ihrer innerstädtischen Differenzierung als auch hinsichtlich ihrer Wechselbeziehungen zum Umland beschrieben.

Stadtbeobachtung wird derzeit zu einer immer wichtigeren Facette des räumlichen Informationssystems des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR). Damit wird einerseits der weltweit zu beobachtenden Verstädterung Rechnung getragen, andererseits aber auch der zunehmenden Bedeutung des Politikfeldes Stadtentwicklung. In Städten vergegenständlichen sich ökonomische, ökologische, politische, soziale und kulturelle Prozesse. Grundlegende wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen ändern folglich das Bild der Städte wie das Leben in ihnen: Moderne Großstädte haben nur noch wenig gemein mit der traditionellen Europäischen Stadt.

Deutschland ist ein städtereiches Land mit einer ausgesprochen dezentral ausgeprägten Siedlungsstruktur. Um Stadtentwicklung in Deutschland vorzustellen, werden deshalb zwei sich ergänzende Zugänge gewählt:

  • Zum einen wird das Städtesystem der Bundesrepublik, also die Entwicklung von Städten und Stadtregionen, beschrieben und Veränderungen darin analysiert. Dazu dienen hauptsächlich Daten der Laufenden Raumbeobachtung.
  • Zum anderen werden innerstädtische Strukturen und Prozesse in deutschen Großstädten untersucht. Dazu dienen Daten aus dem gemeinsam mit ausgewählten Kommunen durchgeführten Kooperationsprojekt "Innerstädtische Raumbeobachtung - IRB".

Entwicklungen im Städtesystem der Bundesrepublik

Nach Größe und Funktion lassen sich Städte 2013 wie folgt nach Stadt- und Gemeindetyp unterscheiden: 

  • 76 Großstädte, d.h. Gemeinden eines Gemeindeverbandes oder Einheitsgemeinden (kreisfreie Städte und kreisangehörige Oberzentren) mit mehr als 100.000 Einwohnern – davon 15 große Großstädte mit mehr als 480.000 Einwohnern;
  • 603 Mittelstädte, d.h. Gemeinden eines Gemeindeverbandes oder Einheitsgemeinden (Ober- und Mittelzentren) mit 20.000 bis unter 100.000 Einwohnern– davon 106 große Mittelstädte mit mehr als 50.000 Einwohnern;
  • 2.105 Kleinstädte, d.h. Gemeinden eines Gemeindeverbandes oder Einheitsgemeinden mit  5.000 bis unter 20.000 Einwohnern und mindestens grundzentraler Funktion – davon 871 größere Kleinstädte mit mehr als 10.000 Einwohnern.

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Abb. : Bevölkerungsverteilung nach Siedlungsformen 1989 bis 2012

Bevölkerungsentwicklung nach Siedlungsformen 1989 bis 2012 Bevölkerungsentwicklung nach Siedlungsformen 1989 bis 2012

Seit der deutschen Einheit haben sich Städte in Deutschland sehr unterschiedlich entwickelt. Die anhaltende Dynamik zeigt sich unter anderem in Wachstum und Schrumpfung der Städte und Gemeinden. Auf solche Entwicklungen und die daraus resultierenden Strukturen richten sich zahlreiche Analysen – sowohl was das Städtesystem als Ganzes als auch was innerstädtische Disparitäten betrifft.

>> weitere Informationen zum Raumtyp wachsender und schrumpfender Gemeinden

Das städtische Siedlungssystem bildet ein eng vernetztes, polyzentrisches Gefüge von Städten und ihren Einzugsbereichen, den Stadt-Land-Regionen. Stadtentwicklung ist längst nicht mehr nur in den bisherigen administrativen Stadtgrenzen zu verstehen, da die Funktionen von Stadt sich inzwischen auf einen größeren Wirkungskreis verteilen. Die Großstadtregionen des BBSR werden auf der Basis von Dichtemerkmalen und Pendlerverflechtungen abgegrenzt. In diesen Großstadtregionen leben und arbeiten rund drei Viertel der Bevölkerung. Sie umfassen flächenmäßig etwa die Hälfte der Bundesrepublik.

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Innerstädtische Raumbeobachtung

Karte: IRB-Städte in Großstadtregionen

Die Innerstädtische Raumbeobachtung (IRB) ist ein Datenkatalog mit kleinräumigen Daten unterhalb der Gemeindeebene. Auf der Basis freiwilliger Kooperationsvereinbarungen stellen derzeit 51 Städte ihre kommunalen Statistiken in einem gemeinsamen Pool zur Verfügung, den alle Beteiligte für vergleichende Analysen nutzen können. Sowohl dieser Katalog als auch das Städtenetzwerk werden IRB genannt. Seit dem Jahr 2002 wird die Zusammenstellung, Aufbereitung und Plausibilisierung der Daten vom BBSR in Kooperation mit den Städten durchgeführt. Das BBSR nutzt die kleinräumigen Daten zur Analyse von großstädtischen Strukturen und kleinräumigen Stadtentwicklungsprozessen, die für bestimmte Regionen, Stadt- oder Lagetypen verallgemeinerbar sind.

Seitens der IRB-Städte werden ein Merkmalsprogramm abgestimmt, intrakommunale Beobachtungseinheiten (Stadtteile, Ortsteile) festgelegt und für diese eine Lage-Typisierung vorgenommen. Bisherige Analysen unterscheiden

  • Innere Stadt – häufig noch unterteilt in Innenstadt und Innenstadtrand – und
  • Äußere Stadt, auch genannt Stadtrand.

Die durchschnittliche Einwohnerzahl der Raumeinheiten liegt bei rund 8.000 Menschen. Dahinter verbirgt sich allerdings eine Spannbreite von 0 bis nahezu 87.000 Einwohnern pro Raumeinheit. Die rund 21,4 Mio. Einwohner in den rund 3.000 administrativen Einheiten der IRB-Städte repräsentieren gut 85 % der deutschen Großstadtbevölkerung. (Stand 2013)

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>> weitere Informationen zu den IRB-Raumeinheiten

>> weitere Informationen zum IRB-Lagetyp

>> weitere Informationen zum IRB-Merkmalsprogramm

Die IRB-Daten ergänzen sich mit anderen Quellen zur Beobachtung von kleinräumigen Stadtentwicklungsprozessen: Zum einen gibt es die Sammlung kleinräumiger Basisdaten der Arbeitsgemeinschaft Kommunalstatistik KOSTAT, die weniger Merkmale für in der Regel kleinere Raumeinheiten für etwa 100 Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern zur Verfügung stellt. Zum anderen baut Eurostat im Auftrag der Europäischen Kommission das Stadtbeobachtungsprojekt Urban Audit auf, für das in den Zensus-Jahren auch Daten auf der Ebene von SubCityDistricts gesammelt werden.

Zusatzinformationen

Logo Raumbeobachtung.de

Kontakt

Jürgen Göddecke-Stellmann
Referat I 4 - Städtebauförderung, Soziale Stadtentwicklung
Tel.: +49 228 99401-2261
Teresa Lauerbach
Referat I 4 - Städtebauförderung, Soziale Stadtentwicklung
Tel.: +49 228 99401-2337
Dorothee Winkler
Referat I 4 - Städtebauförderung, Soziale Stadtentwicklung
Tel.: +49 228 99401-2285