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Perspektiven der Wohnungsmärkte

IzR 3.2002, Hrsg.: BBR

Die Situation auf den Wohnungsmärkten der Bundesrepublik Deutschland hat sich binnen weniger Jahre drastisch verändert. Angesichts einer zunehmenden Ausdifferenzierung der Märkte verändern sich die Möglichkeiten einer "traditionellen" Wohnungspolitik. Die Wohnungspolitik der Zukunft wird sich weit weniger als bisher nur an Fragen des Wohnungsbaus und der Bestandserhaltung orientieren. Vielmehr drängen stadt- und siedlungsstrukturelle Aspekte des Wohnens in den Vordergrund und legen eine stärkere Vernetzung und Verzahnung mit der Städtebaupolitik nahe. Das Themenheft enthält Beiträge zu ausgewählten aktuellen Aspekten der zukünftigen Wohnungsmarktentwicklung. Hierzu zählen die Frage nach dem Stellenwert von Wohnimmobilien im Kontext der Alterssicherungssysteme, die wohnungspolitischen Implikationen stagnierender oder schrumpfender Märkte, der Zusammenhang von Suburbanisierung und Motiven der Stadt-Umland-Wanderungen sowie die Perspektiven für Wohnungsbauinvestitionen in den neuen Bundesländern.

Ein einführender Beitrag beleuchtet vor dem aktuellen Hintergrund der staatlichen Förderung einer flankierenden, privat finanzierten Altersvorsorge den Beitrag des Wohneigentums zur Altersvorsorge. Im Ergebnis zeigt sich, dass die Wohneigentumsbildung eine gleichgeförderte Sparform zur privaten Altersvorsorge sein sollte. Das etablierte System der Vorsparförderung ist hierfür besonders geeignet.

Aktuell ist die Problematik stagnierender oder schrumpfender Wohnungsmärkte. Anhand ausgewählter Wohnungsmarktregionen werden die Entwicklungen in Sachsen und Nordrhein-Westfalen verglichen. Während viele ostdeutsche Städte bereits heute ein dramatisches Überangebot an Wohnungen aufweisen, halten sich bei den westdeutschen Städten mit Schrumpfungstendenzen die Angebotsüberhänge dagegen in Grenzen. Im Westen ist für die Zukunft eine weniger drastische Verringerung der Anzahl der Haushalte zu erwarten als in den ostdeutschen Städten. Dort ist eine weitere Erhöhung des Überangebots bei gleichzeitiger tendenzieller Verschärfung der Leerstandsunterschiede zwischen den Städten untereinander wie auch im Hinblick auf das jeweilige Umland absehbar.

Die Stadt-Umland-Thematik ist Gegenstand eines weiteren Beitrags. Die Ergebnisse einer Analyse für Nordrhein-Westfalens zeigen, dass Suburbanisierungsprozesse überwiegend preis- und angebotsinduzierte Reaktionen insbesondere jüngerer Familien auf die Bedingungen der Wohnungsmärkte in der Stadt und ihrer Umlandgemeinden sind. Da der Umzug in Umlandgemeinden für viele wandernde Haushalte mangels besserer (innerstädtischer) Alternativen eindeutig nur die zweite Wahl darstellt, sind die Städte aufgefordert, die fehlenden Qualitäten präferenzgerecht möglichst im vorhandenen Wohnungsbestand zu schaffen.

Anhand von kommunalen Wanderungsumfragen aus Nordrhein-Westfalen wird der Frage nach den Motiven der Stadt-Umland-Wanderungen nachgegangen. Vielfach sind die ausschlaggebenden Umzugsmotive nicht genug bekannt. So lässt sich die gängige Vermutung von der Abwanderung hauptsächlich von Paaren oder Familien mit Kindern in das Umland empirisch widerlegen. Auch die These, die abwandernden Haushalte bildeten im Umland mehrheitlich Wohneigentum, findet keine Bestätigung. So liegt der Anteil der Mieter am neuen Wohnort in allen betrachteten NRW-Fällen bei über 50%, im Umland der Städte Dortmund, Düsseldorf und Essen sogar bei mindestens 70%.

Abgeschlossen wird das Heft durch einen Beitrag, der sich auf Ergebnisse eines Ressortforschungsprojektes zur Entwicklung der Wohnungsbauinvestitionen in den neuen Bundesländern stützt (BBR, Reihe Forschungen, Heft 104). Kernergebnis ist, dass trotz eines Überangebots an Wohnungen auch zukünftig Investitionen in den Bestand und deren zielgerichtete Förderung notwendig sein werden, um das Wohnungsangebot attraktiv und marktgerecht zu gestalten. Angesichts einer stagnierenden Nachfrage müssen zur Marktregulierung Bestände aus dem jeweiligen Marktsegment genommen werden. Das Programm "Stadtumbau Ost" setzt hier einen verlässlichen Rahmen für weitere Wohnungsbestandinvestitionen wie auch die notwendige Angebotsreduzierung.

Preis: 2,50 Euro (zzgl. Versand), zu beziehen bei: selbstverlag@bbr.bund.de

Wissenschaftliche Redaktion: Rolf Müller rolf.mueller@bbr.bund.de

Inhalt

Rolf Müller
Einführung



Uwe Wullkopf
Sparen für die Altersvorsorge - Die Rolle der Wohnimmobilien


Jürgen Veser
Stagnierende Wohnungsmärkte in Ost und West


Martin Schauerte, Kerstin Klein
Attraktive kontra soziale Stadt? Der Einfluss fehlender Qualitäten des Wohnungsangebotes auf die soziale Stabilität in den Städten

Thorsten Heitkamp
Motivlagen der Stadt-Umland-Wanderung und Tendenzen der zukünftigen Wohnungsnachfrage



Tobias Jacobs, Matthias Klupp
Entwicklung der Wohnungsbauinvestitionen in den neuen Bundesländern


Bezugsbedingungen für Altbestände der IzR
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