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MORO-Fachtagung "Raumentwicklungsstrategien zum Klimawandel"

30. Oktober 2007, Umweltforum Berlin

Welchen Beitrag kann die Raumordnung bzw. Raumentwicklung für den Klimaschutz und für Anpassungsstrategien an den Klimawandel leisten? Das diskutierten Klimafachleute und Raumplanerinnen und Raumplaner auf einer Fachveranstaltung in Berlin.
Projektlaufzeit: I. Quartal 2007 - I. Quartal 2008

Der Klimawandel, mögliche Klimafolgen und Strategien zum Klimaschutz stehen seit langem auf der politischen Agenda. Relativ neu ist die Auseinandersetzung mit Strategien zur Anpassung. Zentrale Infrastrukturen und Nutzungen sind gefährdet, wie schon die Hochwasser, Stürme und Hitzeperioden der letzten zehn Jahre gezeigt haben. Die Folgen des Klimawandels werden viele Raumnutzungen und -strukturen betreffen. Raumplanung kann sowohl zum Klimaschutz (Mitigation) beitragen, beispielsweise über die Förderung CO2-mindernder Raumstrukturen, als auch die Folgen des Klimawandels durch Klimaanpassung (Adaption) mindern. Anpassung steht im Wesentlichen für das Management der Klimafolgen für Mensch und Umwelt, etwa durch mehr Retentionsräume für den Hochwasserschutz.

Ende 2008 soll eine ressortübergreifende Strategie zur Anpassung an den Klimawandel verabschiedet werden, um Risiken für die Bevölkerung, volkswirtschaftlichen Schäden und sozialen Auswirkungen vorzubeugen. Dem Handlungsauftrag zu Vorsorge und Folgenbewältigung stehen jedoch Unsicherheiten hinsichtlich belastbarer und regionalisierter Datengrundlagen zum Klimawandel und der Bewertung seiner Folgen gegenüber. Deshalb ist ein intensiver Dialog zwischen Klimaforschung, Raumwissenschaften und Raumplanung dringend erforderlich.

Dialog zwischen Klimaforschern und Raumplanern

Ziel der MORO-Fachtagung vom 30.10.2007 war es, Aufgaben und mögliche Beiträge der Raumordnung bzw. Raumentwicklung zu Klimaschutz und Anpassungsstrategien zwischen Klimafachleuten und Raumplanern frühzeitig zu erörtern. Dabei lag der Fokus auf Minderungs- und Anpassungsstrategien an den Klimawandel im regionalen Kontext.

Über 90 Klimafachleute und Raumplaner diskutierten im Umweltforum Berlin. Die Veranstaltung wurde von einer Arbeitsgemeinschaft vorbereitet und moderiert, zu der die planungsgruppe angewandte geographie, landschafts-, stadt- und raumplanung (agl), das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) sowie das Büro für Angewandte Geografie (BFAG) gehörten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer äußerten sich positiv über den einbezogenen Expertenkreis und die offene und frühzeitige Debatte im Vorfeld geplanter Modellvorhaben ab 2009 auf Bundesebene.


Fachtagung „Raumentwicklungsstrategien zum Klimawandel“  Bild: AuditoriumAuditorium


In den einführenden Beiträgen wurde betont, dass die Aushandlung des notwendigen Maßes an Sicherheit und Vorsorge nicht allein Aufgabe der Fachpolitiken sei. Vielmehr ist die Raumplanung mit integrativen Strategien und spezifischen Beiträgen zum Klimaschutz gefordert, etwa bei der Standortsuche und Bewältigung von Nutzungskonkurrenzen im Kontext von Windenergie oder dem Anbau nachwachsender Rohstoffe. Die erforderlichen Anpassungen an die Klimaveränderungen finden jedoch nur dann die notwendige Akzeptanz in der Gesellschaft, wenn sie durch transparente und belastbare Informationen zum Klimawandel und seinen regionalen Folgen untermauert werden können.

Dazu wurden die Zusammenhänge zwischen globalen Klima- und Emissionsszenarien sowie regionalen Klima- und Wirkmodellen für Europa vorgestellt. Im Ergebnis sind dabei die verwendeten Szenarien, Wirkmodelle und Unsicherheiten offen zu legen. Unter Vulnerabilität wird der Grad der Verwundbarkeit eines Raumes hinsichtlich nachteiliger Effekte des Klimawandels verstanden. Mit dem Konzept der Vulnerabilität können sektorale oder regionale "Hot Spots" von Risiken identifiziert und auch Kosten und Nutzen von Anpassung und Schäden offen gelegt werden. Voraussetzung ist ein Einvernehmen um Gefährdung und Wertigkeit von Schutzgütern.

Die Rolle der Raumentwicklung beim Klimawandel

Räumliche Fachpolitiken betroffen

In der Podiumsdiskussion am Vormittag wurden die potenziellen Auswirkungen des Klimawandels auf räumliche Fachpolitiken näher beleuchtet:

  • Stadtklima: zunehmender Hitzestress und die Erhöhung der Sterblichkeit, besonders in den großen Städten. Ist die "kompakte" oder "perforierte" Stadt resilienter (anpassungsfähiger, belastbarer) gegenüber dem Klimawandel? Lässt sich die Bedeutung von Freiräumen für den Klimawandel beziffern?
  • Küstenschutz: Ist über technische Sicherungsmaßnahmen hinaus eine Integration und Koordination von Nutzungsansprüchen erforderlich, die die Raumplanung leisten müsste?
  • Katastrophenschutz: Müssen vorhandene Schutzstrukturen nachgerüstet werden? Oder sollte eher die Vulnerabilität von Raum- und Infrastrukturen vermindert werden? Was bedeutet dies für so genannte "kritische Infrastrukturen"?
  • Landwirtschaft: Wie lässt sich die Produktion von Biomasse mit einer multifunktionalen Raumnutzung vereinbaren? Wie können die Förderpolitiken integrative und nachhaltige Raumentwicklungen (Stichwort "Gesamt-Energiebilanz") unterstützen? Wie lassen sich Nutzungskonkurrenzen auf der Fläche lösen?
  • Anpassungsfähige Raumstrukturen: Welche Rolle kann die Raumplanung bei der Definition adaptiver oder resilienter Raumstruktur übernehmen? Wie lässt sich ein Diskurs über Risiken, auch im Bestand, initiieren?


Fachtagung „Raumentwicklungsstrategien zum Klimawandel“  Bild: PodiumsdiskussionPodiumsdiskussion


Zur Rolle der Raumplanung

Die Aufgaben der Raum- und Regionalplanung wurden in drei parallelen Workshops zu Flussraummanagement und Küstenschutz, Anpassungsstrategien für Freiraumnutzungen sowie integrierte Anpassungsstrategien für Stadt und Region vertieft diskutiert.
Im Ergebnis wurde angeregt:

  • eine bundesweite Koordinierung der Datengrundlagen, z. B. regionalisierte Klimamodelle oder eine bundesweite Plattform für Good-Practice-Lösungen,
  • die Identifikation von Gefahrenzonen und von "Hot Spots" der raumrelevanten Klimafolgen und Nutzungskonkurrenzen,
  • die Bündelung integrierter Anpassungsstrategien, eines flexiblen Maßnahmen-Portfolios, "No Regret"-Strategien und umfassender Kosten-Nutzungen-Analysen anstatt einer alleinigen Fokussierung auf technische Sicherungsmaßnahmen,
  • die Kopplung von Anpassungsstrategien mit Modellen ökonomischer Steuerung (Kompensationsmaßnahmen, Lastenausgleich) und mit sektoralen Förderpolitiken,
  • die Diskussion neuer Planungsinstrumente wie "climate proofing", "change proofed" oder "Vorranggebiete für den Klimaschutz" und Innovationen,
  • die Notwendigkeit einer Flexibilisierung von Raumplanung zum Umgang mit Unsicherheiten, beispielsweise durch den Einsatz von Szenariotechniken oder die Ausweisung flexibler Risikozonen,
  • die Rückkopplung des Klimawandels und seiner Folgen mit anderen Prozessen des gesellschaftlichen Wandels,
  • eine gesellschaftliche Debatte um den Wert von Schutzgütern, individuelle Risiken und Eigenverantwortung sowie den möglicherweise erforderlichen Rückzug aus Risikogebieten,
  • Risikokommunikation und -wahrnehmung, Risk Governance und Risk Management, strategische Partnerschaften und Verantwortungsgemeinschaften als wesentliche Handlungsansätze zur Bewältigung der komplexen Herausforderung des Klimawandels.


Die zehn wichtigsten Ergebnisse der Diskussion sind in der Tagungsbroschüre auf Seite 41 dargestellt.

Auf der Fachtagung konnten viele Aspekte und offene Fragen zur Entwicklung adäquater Raumentwicklungsstrategien zum Klimawandel fokussiert werden. Die Raumplanung kann, trotz ihrer begrenzten Rolle, mit der Entwicklung von Leitbildern für resiliente Raumstrukturen eine Vorreiterrolle übernehmen.


Fachtagung „Raumentwicklungsstrategien zum Klimawandel“  Bild: Dskussion


Den Dialog festigen

Die Veranstaltung zeigte, dass der sektorübergreifende Dialog und der Austausch zwischen Raumplanung und Klimaforschung wertvoll sind. Dieser Dialog sollte zum festen Bestandteil des Forschungsprozesses gemacht werden, um die begonnene, sehr viel versprechende Diskussion weiterzuführen. Viele Aspekte und offene Fragen zur Entwicklung adäquater Raumentwicklungsstrategien zum Klimawandel wurden angesprochen; die Ergebnisse werden in den weiteren Forschungsprozess einfließen.

Tagungsdokumentation

Einzelvorträge

Die Vorträge werden ausführlich in der Tagungsdokumentation beschrieben und illustriert (s.u.).

Manfred Sinz (Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung)
Einführung

Dr. Paul Becker (Deutscher Wetterdienst)
Klimaszenarien und Klimafolgen

Dr. Jürgen Kropp (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung)
Vulnerabilität, Coping, Anpassung

Johann Weber (Bayrisches Landesamt für Umwelt)
Fallbeispiel: Klimawandel und Flussgebietsplanung (Fränkische Saale)

Margit Hiller (Bayrisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie)
Fallbeispiel: Auswirkungen des Klimawandels auf Raumentwicklung und Wirtschaft (Interreg III B-Projekt ClimChAlp)

Andreas Drack (Klimabeauftragter, Land Oberösterreich)
Klimaanpassung - Aktivitäten in Oberösterreich und Österreich

Einzelne Vorträge können bei Bedarf per E-mail angefordert werden: info@agl-online.de

Download der Tagungsdokumentation

Dokumentationsbroschüre

Tagungsflyer mit Programm zum 30. Oktober 2007 im Umweltforum Berlin
Download (pdf/1513-KB)

Dokumentation der Fachtagung am 30. Oktober 2007 im Umweltforum Berlin
Download (pdf/7800-KB)

Die Papierversion der Broschüre ist leider vergriffen. Das PDF steht zum Herunterladen zur Verfügung.
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MORO-Studie

Mit dem Thema befasst sich ebenfalls das Forschungsvorhaben "Raumentwicklungsstrategien zum Klimawandel".
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Zusatzinformationen

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Kontakt

Dr. Fabian Dosch
Referat I 5 - Verkehr und Umwelt

Tel.: +49 228 99401-2307
fabian.dosch@bbr.bund.de


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