Abschätzung und Bewertung der Verkehrs- und Kostenfolgen von Bebauungs- und Flächennutzungsplänen insbesondere für die kommunale Siedlungsplanung unter besonderer Berücksichtigung des ÖPNV
Ergebnisse
Aufbau und Struktur des Abschätzungstools
Zentrale Zielsetzung des Vorhabens war die Entwicklung eines praxistauglichen Instrumentariums zur frühzeitigen Abschätzung der Verkehrs- und Kostenfolgen von Siedlungsprojekten. Gegenstand der Anwendung und der dabei vollzogenen Bewertung werden in der Regel einzelne oder Konglomerate von Bebauungsplänen bzw. die Entwürfe von Bebauungsplänen oder Potenzialflächenbetrachtungen o.ä. sein. Auch Einzelgebietsbetrachtungen für Standortalternativen u.ä. bei der Aufstellung von Flächennutzungsplänen können im Kontext der strategischen Stadtentwicklung (Reihenfolge von Siedlungsprojekten) vorgenommen werden.
Hieraus ergeben sich eine Reihe von Anforderungen, welche in die Erstellung des Rechenmodells eingeflossen sind. Entwickelt wurde ein Schätzinstrument, mit dem die jeweiligen Akteure mit den üblicherweise vorliegenden Daten und mit begrenztem Zeitbudget eine qualifizierte Folgekostenschätzung vornehmen können. Die Wahl fiel auf MS-Excel als meist in den Verwaltungen vorhandenes und bekanntes Rechenwerkzeug. Die Schätzung der Verkehrs- und Kostenfolgen von Siedlungsprojekten umfasst die folgenden Teilaspekte (siehe Abbildung 1):
- Ermittlung der Verkehrsmengen, getrennt nach einzelnen Verkehrsträgern,
- Ermittlung der Effekte der Straßenerschließung (innere und äußere Erschließung): Investitions- , Betriebs- und Instandhaltungskosten,
- Ermittlung für die ÖPNV-Infrastruktur: Betriebskosten nach Art der ÖPNV-Erschließung (z.B. in Bezug auf Angebot, Takt-Familie, Fahrzeuge, Linienführung; bei schienengebundener Anbindung auch Investition, Erhalt, Betrieb).
Bestandteile der Kostenschätzung
Für die einfache Abschätzung wurden zahlreiche Kennwerte für Kosten und Verkehrsverhalten aus gängigen Quellen (Standardisierte Bewertung 2006, Statistisches Bundesamt, MiD 2008, SrV 2008 u.a.) voreingegeben (Vorgabewerte). Der Nutzer muss lediglich spezifische Werte der Gemeinde (z.B. Einwohnerzahl) und des Planungsgebietes (z.B. Flächengröße und geplante Bebauungsdichte) eingeben. Allerdings können alle Vorgabewerte vom Nutzer zur Verbesserung der Abschätzungsgüte angepasst werden. Die Verkehrsabschätzung bezieht sich im Wesentlichen auf Raumparameter. So sind Kennwerte eines stadtlagetypischen Modal Split als grobe Näherungsgröße (u.a. aus Daten der SrV 2008 analysiert) hinterlegt worden. Die Entwicklung der Folgekosten wird für die nächsten 30 Jahre abgeschätzt. Dabei werden Kostensteigerungen, Abschreibungen und die verschiedenen Kostenarten grob berücksichtigt.
Wesentliche Teilergebnisse der Schätzung werden durch das Instrument gesondert ausgewiesen. So kann z. B. das abgeschätzte Verkehrsaufkommen (Aufkommensabschätzung Wegezahl) differenziert nach Verkehrsarten auch für weiterführende Überlegungen verwendet werden.
Für unterschiedliche Flächen- und Planungsvarianten unter Verkehrsfolgen und Folgekosten wurde ein separates Vergleichstool entwickelt, welches dem Nutzer erlaubt, eine vergleichende Auswertung der Kosten für unterschiedliche Gebiete oder Varianten vorzunehmen, wobei die Bezugsebenen Gesamtkosten, Kosten je Hektar (ha) und Kosten je Wohneinheit (WE) herangezogen werden können.
Anwendbarkeit
Die Testanwendungen in den Kommunen sowie die Kommentare externer Experten zeigten, dass das Tool eine nutzerfreundliche Anwendbarkeit für die Siedlungsentwicklungsplanung ermöglicht. Hauptzielgruppe sind eher kleinere und mittlere Kommunen, die über kein eigenes Verkehrsmodell verfügen.
Die erforderlichen Input-Daten sind für die Planer relativ einfach im Vorfeld zu ermitteln bzw. abzuschätzen. Auch ist eine relativ schnelle und intuitive Bearbeitung möglich, sodass das Toolohne große Einarbeitungszeit zumindest erstmalig genutzt werden kann. Eine vertiefte Einarbeitung ist von Seiten der Anwender aber möglich und bietet sich bei mehrfacher Anwendung an. Die Arbeit mit dem Tool ermöglicht dem Anwender, vor allem auch ein Gefühl für die komplexen Zusammenhänge der Verkehrs- und Siedlungsplanung zu entwickeln.
Der Verkehrsfolgekostenschätzer kann zusammen mit dem Nutzerhandbuch auf den Veröffentlichungsseiten des BBSR heruntergeladen werden.
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