Erneuerbare Energien in Europa: Strom aus Photovoltaik
03.01.2012
- In den letzten Jahren massiver Ausbau von Photovoltaik(PV)-Anlagen
- 2010 ungefähr 0,7% der EU-Bruttostromerzeugung aus PV-Anlagen
- Anlagenbau abhängig von Förderpraxis
Europa setzt auf den Ausbau erneuerbarer Energien. Auch Photovoltaik soll -im Bereich Strom - zur Energiewende beitragen und wird daher seit einigen Jahren in Europa massiv ausgebaut. Welchen Anteil leistet die Photovoltaik? Wie ist die installierte Leistung regional verteilt? Diese und weitere Fragen beantwortet die folgende Kurzanalyse.
Im Jahr 2010 stammte nur ein Bruchteil der Bruttostromerzeugung in Europa aus Solarenergie, obwohl in den letzten zehn Jahren ein enormer Zubau erfolgte: Mithilfe von Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) wurden 2010 in der EU 22.451,6 GWh Strom produziert; 2009 noch 14.376,6 GWh. Betrug der Anteil 2009 0,45% der Bruttostromerzeugung, stieg er 2010 bei einer angenommen gleichbleibenden Gesamtproduktion auf knapp 0,7%.1

Deutschland und Spanien sind mit weitem Abstand Spitzenreiter in der Stromerzeugung aus PV-Anlagen, wobei in Spanien für 2009 ein – vermutlich auf die Finanzkrise zurückzuführender – deutlicher Einbruch der zusätzlich installierten Leistung zu verzeichnen ist.
Wirft man einen Blick auf die räumliche Verteilung der Solarenergie, mag eines auf den ersten Blick verblüffen: nämlich dass ausgerechnet in Deutschland und Tschechien so viele Anlagen existieren, obwohl diese Regionen eher im unteren Ende der Skala der Globalstrahlung angesiedelt sind. Die hohe Zahl der Anlagen in Spanien oder Südfrankreich hingegen erscheint plausibel, handelt es sich doch um "sonnenverwöhnte" Gebiete. In Italien ergibt sich ein differenziertes Muster, während in den übrigen Mitgliedstaaten so gut wie keine PV-Freianlagen zu verzeichnen sind.
Woran liegt nun diese sehr ungleich verteilte Anlagendichte? Zum einen handelt es sich bei den in der Karte dargestellten Anlagen ausschließlich um Freianlagen; Module auf Hausdächern sind nicht berücksichtigt (gerade in Deutschland ergäbe sich dann ein Bild mit deutlich mehr Punkten). Zum anderen hat die unterschiedliche Förderpraxis in den EU-Staaten erheblichen Einfluss auf die Anlagendichte: Deutschland, Spanien und Tschechien wählen eine Einspeisevergütung (sog. Feed-in-tariff). Dieser garantiert dem Stromproduzenten einen bestimmten Betrag pro eingespeister kWh über einen bestimmten Zeitraum (zwischen 20 und 30 Jahren). Das schafft Anreize für den Ausbau von Solarenergie auch in strahlungsärmeren Gebieten.
In Deutschland liegt die Vergütung je nach Größe und Standort zwischen 31 und 43 Cent pro kWh, in Spanien für Anlagen, die vor dem 29.09.2008 installiert worden sind, bei 24-27 Cent pro kWh und danach bei 13-28 Cent. In Tschechien wurden für PV-Freianlagen je nach Größe zwischen 22-63 Cent pro kWh gezahlt. Allerdings wurde diese großzügige Vergütung zum 01.03.2011 abgeschafft, sodass danach nur noch für neu installierte Anlagen auf Hausdächern eine Einspeisevergütung gewährt wird. Die bereits gewährte Förderung für vor dem 01.03.2011 in Betrieb gegangene Anlagen ist aufgrund der garantierten Vergütung für den festgelegten Zeitraum von 20 Jahren zu zahlen. Die Kosten trägt – wie in den anderen Mitgliedstaaten auch – der Endverbraucher. Um diese Kosten allerdings im Rahmen zu halten, wird in Tschechien mittlerweile eine Steuer auf die Produktion von Solarstrom erhoben. Ausgenommen sind kleine Anlagen (mit einer Spitzenleistung < 30 kWp), die auf Hausdächern installiert worden sind.2 In Frankreich hängt die Vergütung zusätzlich von der Höhe der Sonneneinstrahlung ab, was die dortige Verteilung erklären könnte. In Italien gibt es für einzelne Regionen die Möglichkeit, zusätzlich eigene Programme ins Leben zu rufen, was hier als Erklärung dienen mag.
Die räumliche Verteilung der PV-Freianlagen legt also den Schluss nahe, dass ihre Errichtung in erster Linie auf die Gewährung finanzieller Anreize zurückzuführen ist. Den Zusammenhang zwischen der Installierung erneuerbare Energien und der Förderpraxis hat auch das Energiewirtschaftliche Institut (EWI) in einer Studie aus dem Jahr 2010 belegt: Demnach werden die erneuerbaren Energien nicht unbedingt dort installiert, wo sie den höchsten Stromertrag erbringen, sondern dort, wo sie am höchsten subventioniert werden. Weiterhin besagt die Studie, dass bei einer europaweit harmonisierten, technologieunabhängigen Förderung je nach Szenario Kosten von bis zu 118 Mrd. Euro (für den Zeitraum von 2008-2020) eingespart werden könnten.3 Diese Kostenersparnis basiert auf der Wahl der effizientesten Technologien sowie der kosteneffektivsten Standorte (d.h. für die jeweilig kostengünstigste Technologie an am besten geeigneten Standorten). Bislang wird also eher ineffizient gefördert: in diesem Fall z.B. hohe Investitionen in teure Solartechnik an Standorten, an denen die Technologie nicht den höchsten Ertrag erbringen kann.
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1 EurObserv’ER 2011: Baromètre photovoltaïque. – SYSTÈMES SOLAIRES le journal du photovoltaïque N° 5 – 2011
2 Details zur Förderpraxis in Europa unter Rechtsquellen Erneuerbare Energien
3 EWI 2010: EUROPEAN RES-E POLICY ANALYSIS. Eine modellbasierte Studie über die Entwicklung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen in Europa und die Auswirkungen auf den konventionellen Strommarkt. Zusammenfassung, 2010


