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Wechselbeziehungen zwischen vorbeugendem Hochwasserschutz und regionaler Kulturlandschaftsgestaltung in Flusslandschaften – Analyse unter Einbeziehung der Auswirkungen von Extremniedrigwasser durch den Klimawandel

Ergebnisse

Die Flusslandschaft als strategischer Begriff

Die Abbildung veranschaulicht die im Forschungsprojekt aufgezeigte Annäherung beider Handlungsfelder "regionale Kulturlandschaftsgestaltung" und "Hochwasserschutz". Als wesentliche Aspekte konnten hierbei Raumbezug, Komplexität und Identität herausgestellt werden, die die Flusslandschaft als Brückenkonzept für die Verknüpfung beider Handlungsfelder in den Mittelpunkt rückt.

Abbildung zur Annäherung der Handlungsfelder Kulturlandschaft und Hochwasser

Die Verwendung des strategischen Begriffes der "Flusslandschaft" bietet integrative Potenziale, um der Raumbedeutsamkeit von Flussgebieten gerecht zu werden, die Handlungsfelder "vorbeugender Hochwasserschutz", "Niedrigwasservorsorge" und "regionale Kulturlandschaftsgestaltung" zu verzahnen und verschiedene Handlungsräume, wie nach hydrogeographischen Kriterien abgegrenzte Flusseinzugsbiete (wie z.B. dem Elbe-Teileinzugsgebiet Havel) und sozial konstituierte Kulturlandschaften (wie z.B. dem Biosphärenreservat Spreewald oder der BUGA 2015 Havelregion) zu verknüpfen.

Auswahl regionaler Fallstudien

Auf der Basis einer bundesweiten Recherche wurden 100 flussbezogene regionale Projekte mit Kulturlandschaftsbezug identifiziert.
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Nach definierten Auswahlkriterien wurden vier Projektregionen ausgewählt. Die folgende Matrix verdeutlicht die für die Hoch- und Niedrigwasservorsorge grundlegenden Raumkriterien, die bei der Projektauswahl berücksichtigt wurden:

Regionale Fallstudien
städtische bzw. suburbane Kulturlandschaftländliche Kulturlandschaft
Lage am Oberlauf bzw. im Hoch-/ NiedrigwasserentstehungsgebietEmscherregionFränkisches Seenland
Lage am Unterlauf bzw. im vom Hoch-/Niedrigwasser betroffenen GebietRegionale 2010Havelregion

Die ausgewählten Fallregionen standen in Bezug auf den Untersuchungsrahmen für folgende Charakteristika in der Projektstruktur bzw. -genese:

  • Emscherregion: Parallelität von langfristigen Visionen zum wasserwirtschaftlichen Umbau der Flusslandschaft und zur integrierten Entwicklung der Kulturlandschaft
  • Fränkisches Seenland: Langfristige Projektentwicklung von einer wasserwirtschaftlichen Planung hin zu einem integrierten regionalen Entwicklungsansatz
  • Regionale 2010: Integrativer und kommunikativer Ansatz einer kulturlandschaftsbezogenen Entwicklung der Flusslandschaft als Landesmodell zur Bündelung von Förderprogrammen
  • Havelregion: Arena heterogener Projekte in der Start- und Konzeptionsphase

Institutionenanalyse zur Verknüpfung von Kulturlandschaftsgestaltung mit Hoch- und Niedrigwasservorsorge

Hochwasservorsorge und Kulturlandschaftsgestaltung

Integrative, Verwaltungsgrenzen überschreitende Handlungsansätze werden sowohl in Dokumenten der Kulturlandschaftsgestaltung (z.B. Leitbilder der Raumentwicklung) wie auch im Rahmen der Hochwasservorsorge (z.B. Leitlinien der LAWA) gefordert. Synergien zwischen Handlungsfeldern auf Ziel- und Maßnahmenebene bestehen beispielsweise bezüglich der Nutzung von Überschwemmungsgebieten (MKRO-Handlungsempfehlungen zum vorbeugenden Hochwasserschutz) oder der Auenrenaturierung. Zielkonflikte zwischen den Handlungsfeldern treten auf Dokumentenebene nicht offen zu Tage. Es besteht ein Ungleichgewicht zwischen den informellen Vorgaben der regionalen Kulturlandschaftsgestaltung und den formellen Regelungen des vorbeugenden Hochwasserschutzes. Dieses muss im Rahmen einer verschränkten Betrachtung berücksichtigt werden. Aufgrund der in der Dokumentenanalyse identifizierten Bezüge eröffnen sich folgende Synergiepotenziale zwischen den beiden Handlungsfeldern:

  • In beiden Handlungsfeldern werden kooperative sektorübergreifende Handlungsansätze gefordert.
  • Gleiches gilt für die Forderung nach Verwaltungsgrenzen überschreitendem Handeln.
  • Projekte der Flusslandschaftsgestaltung können sowohl zur Hochwasservorsorge als auch zur nachhaltigen Entwicklung der Kulturlandschaft beitragen.

Niedrigwasservorsorge und Kulturlandschaftsgestaltung

Niedrigwasservorsorge gewinnt als institutionell kaum geregeltes Handlungsfeld nur langsam an Bedeutung. Im Entwurf zum WHG wurde auf Bundesebene eine formelle Regelung entworfen. Auf informeller Ebene bieten die LAWA-"Leitlinien für ein nachhaltiges Niedrigwassermanagement" seit 2007 einen Orientierungsrahmen und verdeutlichen den bestehenden Handlungsbedarf. Konkrete Zielkonflikte zwischen Niedrigwasservorsorge und Kulturlandschaftsgestaltung können aus den untersuchten Dokumenten nicht abgeleitet werden. Dies liegt in der geringen Regelungsdichte der Niedrigwasservorsorge und dem informellen Charakter von regionaler Kulturlandschaftsgestaltung begründet. Allerdings können zwischen Hoch- und Niedrigwasservorsorge Konflikte auftreten. Beispielsweise kann das Stauvolumen von Talsperren für Zwecke des Hochwasserrückhalts geleert oder im Sinne der Niedrigwasservorsorge gefüllt werden. Zwischen den untersuchten Handlungsfeldern eröffnen sich Synergiepotenziale, welche bei einer verknüpften Betrachtung berücksichtigt werden sollten:

  • Die zwischen Hochwasservorsorge und Kulturlandschaftsgestaltung bestehenden Synergiepotenziale können auf eine Verknüpfung mit Niedrigwasservorsorge übertragen werden.
  • Viele der im Rahmen des vorsorgenden Hochwasserschutzes verfolgten Ziele dienen auch der Niedrigwasservorsorge (z.B. Wasserrückhalt in der Fläche).

Ausgewählte Handlungsempfehlungen

Die Entwicklung von Flusslandschaften ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die verschiedene fachplanerische Handlungslogiken mit gestalterischen und identitätsbasierten Projekten verknüpft. Flusslandschaftsgestaltung hat nicht in Konkurrenz zur Bewirtschaftung in Flussgebietseinheiten zu treten, sondern diese zu ergänzen und so dem vorbeugendem Hochwasserschutz bzw. der Niedrigwasservorsorge zu mehr Durchsetzungskraft zu verhelfen.

Flusslandschaften sind als Schwerpunkträume regionaler Klimaanpassungsstrategien aufzufassen und zu entwickeln. Aufgrund der Prognoseunsicherheiten müssen planerische Festlegungen sowie entsprechende Maßnahmen des vorbeugenden Hochwasserschutzes und der Niedrigwasservorsorge Anpassungsmöglichkeiten beinhalten. Informelle Ansätze regionaler Kulturlandschaftsgestaltung können ein Ansatz für die Erprobung flexibler Maßnahmen sein.

Im Rahmen der Studie wurden strategische Empfehlungen an die Wasserwirtschaft und Raumordnung sowie an regionale Akteure der Flusslandschaftsentwicklung entwickelt. Beispielhaft sind für die Raumordnung folgende Punkte herauszustellen:

Integration von Kulturlandschaftsgestaltung und vorbeugendem Hochwasserschutz

  • Es sind Modellprojekte zu initiieren, die eine integrierte Flusslandschaftsgestaltung (entsprechend dem Leitbild 3 "Ressourcen bewahren, Kulturlandschaften gestalten") erproben.
  • In Landesentwicklungsplänen und -programmen ist neben der Hochwasservorsorge auch die Kulturlandschaftsgestaltung zu thematisieren. Querbezüge zwischen den beiden Handlungsfeldern sind herauszustellen.
  • Die Regionalplanung hat ihre übergeordnete Steuerungsfunktion auszuschöpfen und für die Hoch- und Niedrigwasservorsorge erforderliche Flächennutzungen vorzubereiten.
  • Über die gesetzlich definierte Aufgabe der Regionalplanung zur Flächensicherung für die Hochwasservorsorge hinaus hat die Regionalplanung ihre Rolle als Moderator und Initiator von Entwicklungsprozessen verstärkt auszufüllen.
  • Die Bewusstseinsbildung hinsichtlich der Bedeutung von Flusslandschaften für Regionalentwicklung und Klimaanpassungsstrategien sowie die Kommunikation der Gefahren von Hoch- und Niedrigwasser sind zu verfolgen.

Berücksichtigung der Niedrigwasservorsorge und Umgang mit dem Klimawandel

  • Es ist zu prüfen, inwieweit die Niedrigwasservorsorge in die Grundsätze der Raumordnung (§ 2 ROG), die Landesplanungsgesetze sowie in die textlichen und zeichnerischen Darstellungen der Landesplanung aufgenommen werden kann.
  • Die Regionalplanung sollte die Möglichkeiten zur Ausweisung von Vorbehaltsgebieten für die Niedrigwasservorsorge erhalten. Gegebenenfalls hat die Flächensicherung kombiniert mit Bereichen für die Hochwasservorsorge bzw. die Sicherung von Natur und Landschaft zu erfolgen.
  • Es sind Extremereignisse zu berücksichtigen, die zukünftig potenziell häufiger auftreten werden. Die Funktion des Regionalplans als Signalplan, der Flächennutzer auf potenzielle Niedrigwassergefahren aufmerksam macht, ist damit zu stärken.
  • Die unterschiedlichen Vulnerabilitäten verschiedener Flächennutzungen sind von der Regionalplanung zu berücksichtigen und somit neue räumliche Ansprüche abzusichern.

Zusatzinformationen

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Kontakt

Lars Porsche
Referat I 5 - Verkehr und Umwelt

Tel.: +49 228 99401-2351
lars.porsche@bbr.bund.de

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