Logo: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung



Flächenrecycling in suburbanen Räumen: Gute Beispiele des Flächenrecycling in suburbanen Räumen (Best-Practice-Studie)

Ergebnisse

Zusammenfassung der Ergebnisse

1. Das unterschätzte Renaturierungspotenzial

Flächenrecycling in suburbanen Räumen ist erforderlich, weil Renaturierung und Aufwertung den Umbauprozess beschleunigen kann. Flächenrecycling in suburbanen Räumen ist ein komplexer Arbeits- und Kooperationsprozess, der starkes Engagement Einzelner, Förderleistungen und politische Unterstützung bedarf.
Es gibt Leuchtturmprojekte: Aus 102 eingegangen Projektbeiträgen einer Umfrage wurden 13 thematisch unterschiedliche Good-Practice-Fallstudien und 5 besonders interessante Projektsteckbriefe ermittelt und illustriert dargelegt. In 30% aller Beispiele wurde mindestens zum Teil rückgebaut. Hoher Problemdruck herrscht in ländlichen Räumen.

2. Kombinationsmaßnahmen und Freiraumentwicklung

Ergänzt um Experteninterviews und Vor-Ort Analysen lassen sich Flächenrecyclingprojekte im suburbanen Raum systematisch einordnen und nach dem Handlungsbedarf typisieren:

  • Entwicklungmaßnahmen; meist als freiräumliche Entwicklungsmaßnahmen: 5 Beispiele
  • Kombinationsmaßnahmen, baulich und renaturierend: 3 Beispiele
  • Konservierungsmaßnahmen, erfolgt überwiegend als visuelle Aufbereitung und umwelttechnische Sicherung: 2 Projekte und
  • Ordnungs- und Regelungsmaßnahmen: 3 Projekte.

Eine daran orientierte Darstellung der 18 Beispiele geht insbesondere auf die Akteure, Finanzierungs- und Förderaspekte und den Umsetzungsgrad der Maßnahme(n) ein.

3. Rückbau und Renaturierung als Aufgabe der öffentlichen Hand

42 handlungsleitende Thesen für die 7 Maßnahmenbereiche Standortentwicklung, das Flächenmanagement und Monitoring, Aktivierung und Verfahrensprozesse, Förderung und Finanzierung, Gestaltungsaspekte und Innovationen, Forschung und Entwicklung, sowie Planung und Politik werden formuliert.
Renaturierungsmaßnahmen sind meist Subventionsprojekte, ihre Entwicklung ist eine Aufgabe der öffentlichen Hand. Im Ergebnis wird für die ostdeutschen Regionen vorgeschlagen, Konservierungs- und Renaturierungsmaßnahmen in eine struktur- und sozialräumliche Stabilisierungspolitik einzubinden.

Aufbereitung der Ergebnisse nach den Forschungsleitfragen

Die im Projekt gestellten Forschungsfragen können wie folgt beantwortet werden:

Zum Erkenntnisstand: Welchen Wissens- und Erfahrungsstand gibt es sachlich und räumlich differenziert zum Flächenrecycling am Stadtrand und in Streulagen? Wie sind die Probleme im Zusammenhang mit dem Stadtumbauprozess einzustufen?

Abbildung: BrachflächeBrachfläche

Das Beispiel Brachflächenkartierung in Thüringen belegt die Bedeutung des Flächenrecycling in suburbanen Räumen. So liegen 90 % aller Brachflächen am Stadtrand und in Streulagen. Was aber geschieht mit diesen Flächen?

Die Ergebnisse einer Umfrage unter 500 Kommunen in Ostdeutschland und von Experteninterviews sind zunächst ernüchternd: Datengrundlagen zum Brachflächenbestand in suburbanenRäumen sind meist mangelhaft, bei der Anwendung des Planungsinstrumentariums besteht ein Vollzugsdefizit, gängigste Handlungsstrategie beim Flächenrecycling ist die des Wartens auf den Investor, die Aufgabe wird planungspolitisch meist verdrängt.

Dies gilt nicht überall: Von den 102 eingegangen Projektbeiträgen - Thüringen ist überproportional vertreten - wurden 21 Projekte detaillierter Vor-Ort untersucht mit den beteiligten Akteuren diskutiert. In einem weiteren Arbeitsschritt wurden aus den 21 Projektbeispielen 13 Good-Practice-Fallstudien und 5 besonders interessante Projektsteckbriefe illustriert dargelegt. Der hohe Rücklauf aus den ländlichen Räumen zeigt, das dort offensichtlich ein hoher Problemdruck herrscht. Planungsbrachen wurden nicht ermittelt, weil sie möglicherweise von den Kommunen nicht als solche wahrgenommen werden. In 30% aller Beispiele wurde mindestens zum Teil rückgebaut.

Die Recherche zeigt, dass "Flächenrecycling in suburbanen Räumen" unter dem Aspekt der Renaturierungspotenziale in der Raumentwicklung und nachhaltigen Flächenhaushaltspolitik die Handlungsfelder des kommunalen und regionalen Flächenmanagements mit den Umbau- und Rückbauprozesse verbindet. Flächenrecycling in suburbanen Räumen bietet darüber hinaus eine langfristig angelegte Chance zur Gestaltung der Kulturlandschaft.

Welche gängigen Handlungspraktiken sind im Umgang mit Brachflächen in suburbanen Räumen zu ermitteln? Welchen Stellenwert hat das Flächenrecycling in suburbanen Räumen derzeit und künftig?

Insgesamt weisen die ausgesuchten Projektbeiträge untereinander eine Bandbreite verschiedenster Entwicklungsarten und übergeordneter Entwicklungsziele im Rahmen der Stadt- und Landentwicklung auf. Allen Projekten gemeinsam ist jedoch ein komplexer und zeitaufwendiger Arbeits- und Kooperationsprozess, der auf einem starken Engagement Einzelner, finanzieller Förderung sowie solider politischer Akzeptanz und Unterstützung basiert.

Die Good-Practice-Recherche zeigt, dass Brachflächen am Rand und im Außenbereich der Siedlungen ein räumliches und funktionales Renaturierungspotenzial besitzen. Die Fallstudien dokumentieren nicht nur gelungene einzelstandörtliche Entwicklungsmaßnahmen, sondern entsprechend der Dimension und Bedeutung der Aufgabe, praxisbewährte Werkzeuge im Rahmen des kommunalen und regionalen Flächenmanagements.

Im Ergebnis lässt sich feststellen, dass Flächenrecycling in suburbanen Räumen, insbesondere als Rückbau- und Renaturierungsmaßnahme, einen Beitrag im Rahmen der ostdeutschen Umbau- und Regenerationsprozesse in Stadt und Region leisten kann. Das Renaturierungspotenzial wird bisher jedoch unzureichend als Wertschöpfungspotenzial erkannt und eingesetzt.

Abbildung: RenaturierungspotenzialRenaturierungspotenzial

Welche Rolle spielen Daten und Informationen, planerische Instrumente, Akteure und Finanzierungsinstrumente?

Die Datengrundlagen sind unzureichend und heterogen, selbst wenn Brachflächenkataster vorliegen. Zwar gibt es Gewerbeflächenkataster bei der Wirtschaftsförderung oder gelegentlich im Bereich der Ausgleichs-/Ersatzflächenkataster bei Naturschutzbehörden. Eine landesweite Erhebung erfolgt bisher nur in Thüringen und mit ihr die zahlenmäßige Erfassung der Datengrundlagen.

Im ländlichen Raum handelt es sich primär um landwirtschaftliche Betriebsflächen, Schulen, Kitas, etc. In den verdichteten Regionen werden vor allem brachliegende Industrie- und Gewerbeflächen, aber auch militärische Flächen angenommen. Brachflächen im Randbereich der verstädterten Räume können, nach Meinung der Befragten, aufgrund der dort bestehenden Nachfrage ohne Probleme einer Nachnutzung zugeführt werden.

Abbildung: PanoramaPanorama

Das Planungsinstrumentarium wird als ausreichend und prinzipiell geeignet eingestuft, es besteht aber ein Vollzugsdefizit. Planungsbrachen werden um- oder rückgewidmet.

Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels wird Flächenrecycling in Suburbia wichtiger. Die Politikebene hat dieses aber noch nicht ausreichend aufgegriffen.

Wie können Good-Practice-Beispiele anschaulich dokumentiert werden (Projektsteckbriefe)?

Eine am Handlungsbedarf strukturierte und detaillierte Darstellung der 18 Beispiele geht auf Standortentwicklung, Monitoring, Verfahrens- und Gestaltungsprozesse ein. Sie beschreibt dabei auch die Akteure, Finanzierungs- und Förderaspekte und schildert den konkreten Umsetzungsgrad der Maßnahme(n). Dabei wird auch die politische Ebene eingeschlossen.

Wie lassen sich Flächenrecyclingprojekte in suburbanen Räumen handlungsleitend typisieren?

Eine systematische Einordnung und ableitende Typisierung bisheriger Flächenrecyclingprojekte im suburbanen Raum erfolgt nach

  1. der Vornutzung (Gewerbe, Industrie-, Konversion etc.)
  2. dem Handlungsbedarfs. Unterschieden werden Flächenrecycling als

    • Entwicklungmaßnahme (eher selten)
    • Kombinationsmaßnahme (baulich und renaturierend)
    • Konservierungsmaßnahme (erfolgt überwiegend als visuelle Aufbereitung und umwelttechnische Sicherung) und
    • Ordnungs- und Regelungsmaßnahme
  3. dem Nutzungs-/Renaturierungspotenzial. Dabei wurden Projekte untersucht, bei denen brachliegenden Flächen im Rahmen von Entwicklungsmaßnahmen, Konservierungsmaßnahmen, Kombinationsmaßnahmen (bauliche Nachnutzung und Renaturierung) oder Ordnungs- oder Regelungsmaßnahmen einer Neunutzung zugeführt wurden.
  4. dem räumlichen Inwertsetzungspotenzial, insbesondere kulturlandschaftlicher Aspekte (integrierender/ neu schaffender / konservierender Beitrag).

Abbildung: RenaturierungspotenzialRenaturierungspotenzial

Welche Maßnahmen werden vorgeschlagen?

Die Untersuchungen münden in handlungsleitende Thesen für die 7 Maßnahmenbereiche Standortentwicklung, das Flächenmanagement und Monitoring, Aktivierung und Verfahrensprozesse, Förderung und Finanzierung, Gestaltungsaspekte und Innovationen, Forschung und Entwicklung, sowie Planung und Politik. Hierzu werden 42 Thesen formuliert.

Renaturierungsmaßnahmen sind meist Subventionsprojekte, ihre Entwicklung ist eine Aufgabe der öffentlichen Hand. Im Ergebnis wird für die ostdeutschen Regionen vorgeschlagen, Konservierungs- und Renaturierungsmaßnahmen in eine struktur- und sozialräumliche Stabilisierungspolitik einzubinden.

Vorgeschlagen wird etwa die Einrichtung von Flächenagenturen wie die Möglichkeiten arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen (ABM/SAM) zum Flächenrecycling. Weiterhin wird auf die Möglichkeiten von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen hingewiesen, in deren Rahmen künftig die gesamte Rückbaumaßnahme und nicht wie bisher nur die Entsiegelung bilanziert werden. Beispielhaft genannt sei weiterhin der Vorschlag eines Kulturlandschaftsfonds. Dabei bietet die Aufgabe auch eine langfristig angelegte Chance zur Weiterentwicklung der Kulturlandschaft.

Freilich bleiben die Vorschläge der Expertise im Allgemeinen: Neben dem politischen Willen, einen wesentlichen Beitrag zur Regenerierung/-Stabilisierung der ostdeutschen Städte und Regionen leisten zu wollen, hängt der Erfolg des Flächenrecyclings im Rahmen der Umbauprozesse zukünftig wesentlich von einer Neuausrichtung der Förderpolitik, der flankierenden Einführung raumanaloger Instrumente und den Möglichkeiten eines Interessenausgleichs ab. Ohne eine Veränderung der heute wirksamen Anreizstrukturen auf Raum- und Standortentwicklungsebene wird auf absehbare Zeit kein grundlegender Wandel und eine Regenerierung und Stabilisierung in den neuen Ländern zu erreichen sein.
Die Thematik "Flächenrecycling im suburbanen Raum" gehört im Rahmen der Raumentwicklung zur Aufgabe des kommunalen und regionalen Flächenmanagements und unterstützt die Ziele der nachhaltigen Flächenhaushaltspolitik speziell in den Stadtumbaugebieten Ostdeutschlands.

Abbildung: GestaltungsplanGestaltungsplan

Übersicht der Modellvorhaben

Good-Practice-Fallstudien

Abbildung: Karte Good PracticeKarte Good Practice

Good-Practice-Fallstudie - thematische Übersicht

Abbildung: Übersichtstabelle Good PracticeÜbersichtstabelle Good Practice

Zusatzinformationen

Logo Aufbau Ost

Kontakt

Dr. Fabian Dosch
Referat I 5 - Verkehr und Umwelt

Tel.: +49 228 99401-2307
fabian.dosch@bbr.bund.de

Zum Projekt

Weitere Infos



Diese Seite:

© Copyright by BBR. Alle Rechte vorbehalten.