Eigentümerstandortgemeinschaften im Stadtumbau
Veranstaltungen
Erste Regionalkonferenz "Werterhalt von Wohnimmobilien und Quartieren durch gemeinschaftliches Handeln von Eigentümern"
Anlass der Konferenz am 11. November 2010 in Kassel war, dass für die Bewältigung zukünftiger Herausforderungen im Stadtumbau (z.B. Einwohner- und Wohnungsnachfragerückgang, Leerstände, sukzessiver Verfall von Wohnquartieren) die Aktivierung und Zusammenarbeit von Eigentümern immer wichtiger wird. Durch die Bildung von Eigentümerstandortgemeinschaften können Eigentümer mit kooperativen Lösungsansätzen diese oftmals komplexen Problemlagen gemeinsam angehen – unterstützt z.B. durch Kommunen und Haus & Grund.
Eigentümerstandortgemeinschaften (ESG) verstehen sich als Zusammenschluss von Eigentümern benachbarter Immobilien. Ihr Ziel ist es, durch gemeinsame Aktivitäten oder Maßnahmen die Verwertungschancen ihrer Objekte zu verbessern. Denn der Werterhalt oder eine Wertsteigerung von Immobilien führen häufig auch zu einer Aufwertung des gesamten Quartiers. Ziel der Konferenz war es somit, interessierte Kommunen und Eigentümerverbünde über diesen kooperativen Ansatz der Quartiersaufwertung zu informieren.
Für einen solchen Ansatz bieten sich eine Reihe von Maßnahmen an, sie können z.B. baulich, sozial, marketing- und imagebezogen sein. Einige solcher Beispiele wurden während der Konferenz vorgestellt. Sie umfassten die Neugestaltung von Blockinnenbereichen, ein gemeinsames Immobilienbewirtschaftungs- und Vermarktungskonzept sowie die Neugestaltung von kleineren Grünflächen und Spielplätzen. Die am Forschungsfeld beteiligten Kommunen präsentierten ihre Handlungsansätze genauso wie Akteure aus weiteren Quartieren, in denen sich unabhängig vom Experimentellen Wohnungs- und Städtebau kooperative Strukturen herausgebildet haben.
Die Zusammenschlüsse von Eigentümern benötigen zur Etablierung arbeitsfähiger Strukturen und zur Umsetzung von Zielen, Aufgaben und Aktivitäten mit konkreten Arbeitsplänen eine externe Steuerung. Im ExWSt-Forschungsfeld ESG werden die Modellvorhaben außerdem finanziell durch den Bund unterstützt. Es zeigte sich, dass es für eine solche Steuerung keine Patentrezepte gibt: für eine nachhaltige Konfliktlösung muss häufig professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Demgemäß berichteten am Nachmittag der Veranstaltung zwei Moderatoren über ihre Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit Eigentümerstandortgemeinschaften. Sie gingen konkret auf verschiedene Eigentümertypen ein und stellten fest, dass insbesondere ältere Eigentümer und Eigentümer mit Migrationshintergrund noch besser in bestehende kooperative Strukturen mit einbezogen werden könnten.
Die Moderatoren gaben darüber hinaus Empfehlungen für das Management zukünftiger Kooperationsprozesse in der Stadtentwicklung, insbesondere an den Schnittstellen zwischen öffentlicher Verwaltung und bürgerschaftlichem Engagement. Wichtig ist demnach, dass Kommunen einen stabilen Rahmen für Kooperationen setzen und diese auch fördern. Im Laufe der Prozesse sollte das Management allerdings weitgehend an die Eigentümer und ihre Verbände abgegeben werden. So wird die Ortskenntnis und der Wissensvorsprung von lokalen Akteuren im Quartier effizient genutzt. Die Forschungsassistenz gab einenÜberblick über alle deutschlandweiten Modellvorhaben, ihre Vorgehensweisen und die bevorzugten Organisationsformen von Eigentümerstandortgemeinschaften.
Anschließend beschäftigte sich eine Podiumsdiskussion mit der Frage, wie sich neue Eigentümergruppen zur kooperativen Stadtentwicklung formieren können. Es wurde diskutiert, wie der vom Forschungsfeld "Eigentümerstandortgemeinschaften" angestoßene Ansatz des kooperativen Handelns an Breite gewinnen kann – sowohl mit als auch ohne Förderkulisse. Das Engagement von Eigentümerverbänden als Mittler zwischen den Kommunen und den Akteuren vor Ort wurde dabei als höchst wichtig eingeschätzt: Die Verbände können aufgrund ihrer Basis auf lokale Besonderheiten eingehen, aber auch die jeweils erforderlichen Handlungsansätze auf überregionaler Ebene kommunizieren.
Das Ergebnis der Podiumsdiskussion, dass kooperatives Handeln von Eigentümern auch weiterhin ein Hauptanliegen der deutschen Stadtentwicklungspolitik ist, wurde zum Abschluss der Veranstaltung noch einmal unterstrichen: BBSR und BMVBS erläuterten gemeinsam mit Haus & Grund Deutschland e.V. die Eckpunkte eines neuen Forschungsfeldes unter dem Arbeitstitel "Kooperative Quartiersentwicklung", das nächstes Jahr als ""Schwester" des bestehenden Forschungsansatzes anlaufen wird. Es sieht eine verstärkte Einbeziehung von Eigentümerverbänden in die Kooperationsstrukturen der Quartiersentwicklung vor.
Aufgrund des regen Interesses bei der Veranstaltung in Kassel sind zwei weitere Regionalkonferenzen in Norddeutschland und Süddeutschland geplant.
Die Veranstaltung erfolgte im ExWost-Forschungsfeld "Eigentümerstandortgemeinschaften im Stadtumbau"
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