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Modellstadt Dessau

Gender Mainstreaming im Städtebau - Modellvorhaben

Dessau, eines von drei Oberzentren im Bundesland Sachsen-Anhalt mit derzeit rund 78 000 EinwohnerInnen, muss nach der Wende einen tiefgreifenden ökonomischen Strukturwandel verkraften. Die Stadt verliert seit 1990 rund 20% seiner EinwohnerInnen, die ökonomische Basis kann nicht verbreitert werden, der Wohnungsleerstand wächst. Obwohl sich der Bevölkerungsrückgang verlangsamt hat, kann von einer spürbaren Stabilisierung mit einem Trend zur Umkehr dieser Entwicklung absehbar nicht gerechnet werden. Dessau steht deshalb nicht nur für eine Kommune, die Schrumpfungsprozesse zu steuern hat, sie repräsentiert auch eine ehemalige Industriestadt, in der neben den wohnungswirtschaftlichen und städtebaulichen auch erhebliche soziale Aufgaben im Rahmen des Stadtumbaus zu bewältigen sind.

Chancen für die Stadtentwicklung bieten sich insbesondere in der naturräumlichen Lage unmittelbar an der Grenze zum Biosphärenreservat "Mittlere Elbe" und inmitten des historischen Dessau-Wörlitzer-Gartenreiches sowie in der Tradition als Bauhaus-Stadt. Die für Anfang 2005 geplante Standortverlagerung des Umweltbundesamtes von Berlin nach Dessau verspricht weitere wichtige Impulse für die Stadtentwicklung.


Umsetzung von Gender Mainstreaming in Dessau

Die Umsetzung von GM steht in Dessau wie in vielen anderen deutschen Kommunen noch am Anfang. Dennoch hat Dessau dazu erste Erfahrungen im Rahmen der Durchführung des EU-Förderprogramms URBAN II gesammelt. In diesem Programm ist die Herstellung der Chancengleichheit als Querschnittsziel auf allen Handlungsebenen verankert. Überregionale Anerkennung hat sich Dessau mit dem im Rahmen von URBAN II geförderten und inzwischen eröffneten Frauen-Gründerinnenzentrum (WIP) erworben.

Für das neue Modellvorhaben "Gender Mainstreaming im Städtebau" beabsichtigte Dessau, auf diesen Erfahrungen aufbauend, aktuelle Planungen und Aufgaben des Stadtumbaus unter dem Aspekt der Chancengleichheit zu qualifizieren. Die gestellte Aufgabe war auf zwei Ebenen zu bearbeiten: Einerseits mussten inhaltliche Kriterien und Ziele entwickelt werden, die sicherstellen, dass Chancengleichheit im Stadtumbauprozess berücksichtigt wird. Andererseits waren auch unter den erschwerten Rahmenbedingungen der Personal- und Finanzknappheit der kommunalen Verwaltungen Verfahren zu entwickeln, die eine systematische Integration der Chancengleichheit in städtebauliche Aufgaben ermöglichen.

Ziel in der Modellstadt Dessau war es, sowohl die notwendigen Beteiligungsprozesse als auch konkrete, in der Laufzeit des ExWoSt-Vorhabens anstehende städtebauliche und freiraumplanerische Vorhaben so zu bearbeiten, dass für verschiedene Bevölkerungsgruppen neue und langfristig tragfähige Qualitäten entstehen. Die Ergebnisse des Modellvorhabens sollten in die für 2006 geplante Fortschreibung des Stadtentwicklungskonzeptes einfließen. Folgende Ziele wurden dazu formuliert:

  • Sicherung einer ausgewogenen und stabilen Bevölkerungsstruktur (Alter, Geschlecht, Einkommen).
  • Sozial verträgliche Gestaltung notwendiger Rückbauprozesse, Berücksichtigung der Bedürfnisse derjenigen Bevölkerungsgruppen, die davon maßgeblich betroffen sind (ältere Menschen, Alleinerziehende, sozial Benachteiligte).
  • Eine differenzierte und zielgruppengenaue Partizipation der BürgerInnen bei Planung und Gestaltung von Stadtumbauprozessen.
  • Schaffung differenzierter und nachfragegerechter Wohn(umfeld)angebote in den von Rückbau betroffenen Stadtbereichen sowie in den aufzuwertenden innerstädtischen Wohnbereichen.
  • Sicherung der sozialen und öffentlichen Infrastrukturausstattung sowie der autounabhängigen Mobilität in dem veränderten Stadtkörper.

Die Pilotvorhaben "Flössergasse" und "Heidestraße Nord"

In den ausgewählten Pilotvorhaben "Flössergasse" und "Heidestraße Nord" wurden in der Projektlaufzeit diese Ziele in den konkreten städtebaulichen Planungsverfahren umgesetzt. Dabei handelte es sich bei dem Projekt "Flössergasse" um ein formelles (Bebauungsplan), bei der "Heidestraße Nord" um ein informelles (Rahmenplanung) Planungsverfahren.

Abbildung: Stadtumbaugebiet Innenstadt/FlössergasseStadtumbaugebiet Innenstadt/Flössergasse
Quelle: Büro Bankert + Seelbach

Abbildung: Luftbild FlössergasseLuftbild Flössergasse
Quelle: Stadt Dessau, Vermessungsamt 2000

Das Ziel des Bebauungsplanverfahrens "Flössergasse" war die Aufwertung und Stabilisierung eines unmittelbar an die Innenstadt angrenzenden, von Plattenbauten geprägten Wohngebietes. Die Blockinnenbereiche waren neu zu gestalten, die funktionale Verflechtung zur Innenstadt, aber auch zum nahegelegenen Muldeufer sollte verbessert werden. Mittels Durchbrüchen und Veränderungender Gebäudestruktur sollten bessere Wegebeziehungen sowie neue Wohnqualitäten geschaffen werden. Die frühzeitige Beteiligung der Bewohnerschaft spielte dabei eine wichtige Rolle.

Abbildung: Stadtumbaugebiet Innenstadt Süd/Heidestraße NordStadtumbaugebiet Innenstadt Süd/Heidestraße Nord
Quelle: Büro Stein/Willecke

In der "Heidestraße Nord" ging es um die Begleitung einer Rahmenplanung, die das Umzugsmanagement, den flächenhaften Rückbau zugunsten neuer Freiraumstrukturen sowie die Gestaltung der Stadtränder zur Aufgabe hatte. Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie lassen sich die durch den Rückbau entstandenen Flächen so gestalten, dass sie die Lebensqualität der AnwohnerInnen erhöht wird? Auch hier waren die BewohnerInnnen und die unterschiedlichen AkteurInnen umfassend in den Prozess einzubinden.

Als einen ersten Schritt zur Ermittlung unterschiedlicher Ansprüche und Bedarfe war in beiden Stadtumbaubereichen eine Haushaltsbefragung geplant.

Die Erkenntnisse aus der Bearbeitung der beiden Pilotprojekte fließen in konkrete Organisationsmodelle ein, die die systematische Berücksichtigung von Kriterien der Chancengleichheit in der rechtsverbindliche Bebauungsplanung als auch in der informellen Rahmenplanung einschließen.

Zusatzinformationen

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Dr. Brigitte Adam
Referat I2 - Stadtentwicklung

Tel.: +49 228 99401-2325
brigitte.adam@bbr.bund.de

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