Gender Mainstreaming im Städtebau
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Indikatorenkonzept
Die Erarbeitung und Erprobung eines übertragbaren Ziel- und Indikatorengerüsts zum Thema "GMGender Mainstreaming im Städtebau" dient der Verbindung der unterschiedlichen Bausteine des Vorhabens. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass über die einzelnen lokalen Modellstadt- und Projekterfahrungen hinaus eine praktikable Arbeitsgrundlage für alle Kommunen geschaffen wird. Das Ziel- und Indikatorengerüst wird für verschiedene städtebauliche Handlungsfelder erarbeitet, um den notwendigen Vermittlungsprozess zu systematisieren und transparenter zu gestalten, um Unterschiede in den Lebensrealitäten der Geschlechter sichtbar zu machen und um nötige Handlungsbedarfe, aber auch Erfolge aufzuzeigen.
Die systematische Umsetzung von GMGender Mainstreaming wird bislang unter anderem dadurch erschwert, dass das Thema zu wenig "griffig" ist. Die verschiedenen Lebensrealitäten der Geschlechter und die daraus resultierenden unterschiedlichen Konsequenzen für die räumliche Planung sind immer noch zu wenig bekannt und müssen immer wieder neu vermittelt werden. Sind beispielsweise Forderungen wie die vermehrte Besetzung von Führungspositionen durch Frauen oder die Angleichung der Einkommenssituation noch nachvollziehbar, so tauchen beim Thema "GMGender Mainstreaming im Städtebau" meist mehr Fragen als Antworten auf: Was bedeutet z. B. GMGender Mainstreaming konkret für die rechtsverbindliche Bebauungsplanung, für die Erarbeitung eines kommunalen Verkehrsentwicklungsplanes oder die Gestaltung des Stadtumbauprozesses?
Das Ziel- und Indikatorengerüst soll neben der vermittelnden Funktion auch als Bestandteil eines Gender-Controllings und einer regelmäßigen kommunalen Berichterstattung über die Fortschritte in der Umsetzung von GMGender Mainstreaming zu nutzen sein. Geschlechtsspezifische Indikatoren sind dabei in die Analyse und Entwicklung des jeweiligen Vorhabens einzubeziehen, so dass sie im Sinne von Monitoring und Controlling auch in der Auswertung stringent beachtet werden können.
Indikatoren sind darüber hinaus in steigendem Maße sachliche Grundlagen für Fördermittelentscheidungen (z. B. bei EU-Programmen, Soziale Stadt, Stadtumbau Ost). Kommunen, die eine überprüfbare Erfolgskontrolle praktizieren, die Ressourcen für das Datenmanagement und die Datenpflege nachweisen, können daraus nicht nur einen Imagegewinn ziehen, sondern auch bei der Fördermittelakquisition ihre "Marktposition" stärken.
Indikatoren dienen keinem Selbstzweck und die Datensammlung darf nicht zur "Erbsenzählerei" werden. Sie unterstützen im oben genannten Sinn die Umsetzung konsensfähiger Ziele, dürfen aber qualitative Bewertungsmaßstäbe nicht ersetzen. Nicht alle Themenfelder lassen sich quantitativ mit Prozentpunkten und Kommastellen abbilden.
Die defizitäre Datenlage im Bereich vieler genderbezogener Themen erschwert die Anwendung der Indikatoren. Dieses Defizit an geschlechterdifferenzierten Datenerhebungen und -aufbereitungen darf andererseits auch kein Argument sein, sich von der Entwicklung quantitativer Kriterien grundsätzlich zu verabschieden. Das Sichtbarmachen von Unterschieden in den Lebensbedingungen von Frauen und Männern ist eine wichtige Voraussetzung, um Disparitäten überhaupt abbauen zu können. Die Ableitung von Zielen, Strategien und den entsprechenden Messgrößen ist ein wichtiges Argument für die Beseitigung vorhandener Defizite in Datenerfassung und Datenauswertung.
In einem ersten Arbeitsschritt wurde über eine Internetrecherche bundesweit (Bund, Länder, Gemeinden) sowie im europäischen Ausland nach vorhandenen Gender-Indikatoren "gefahndet". Dabei wurde sowohl nach solchen Indikatoren gesucht, die im Zusammenhang mit Gender-Strategien angewendet werden, wie auch die zahlreich vorhandenen Indikatorensysteme zur Nachhaltigkeit hinsichtlich des Bausteins "soziale Gerechtigkeit" und "Geschlechtergerechtigkeit" analysiert.
Aus der Recherche vorhandener Kriterien- und Indikatorenkataloge und der Erfahrungen im EU-Programm URBAN II wird eine erste Arbeitsfassung "Ziel- und Indikatorenset zu GMGender Mainstreaming im Städtebau" abgeleitet, welche im weiteren Projektverlauf in den Modellstädten hinsichtlich ihrer Praxistauglichkeit überprüft und überarbeitet wird.

