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Modellvorhaben "Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere"

Fallstudie "Stadtteilzentrum Vauban 037"
Freiburg - Vauban (Baden-Württemberg)

Eckdaten
Stadt180.000 EW
Stadtquartier4.400 EW
QuartierstypKonversion
KreistypKernstadt
LageInnenstadtrand
präg. Baualterneu und alt
Sozialdatenk. A.
Träger/EigentümerTrägerverein
FörderungPrivat und öffentlich

1. Kontext

Das Quartier Vauban befindet sich ca. 2,5 km vom Stadtzentrum Freiburgs entfernt am südlichen Stadtrand. Militärische Nutzung hat das Gelände fast 60 Jahre lang, bis zur Räumung im August 1992, der Stadtentwicklung entzogen. 1993 beschloss der Gemeinderat, hier im Wege einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme einen neuen Stadtteil zu schaffen. Im folgenden städtebaulichen Ideenwettbewerb für das Quartier Vauban war die Idee entwickelt worden, im Bereich des Hauses 037 ein Stadtteilzentrum einzurichten. Aus finanziellen Erwägungen heraus wurde dieser Vorschlag aber zunächst von der Stadt Freiburg verworfen. Das Forum Vauban e.V. als Träger der Bürgerbeteiligung im Planungsprozess hat zusammen mit weiteren Initiativen danach immer wieder auf den Bedarf für ein Stadtteilzentrum und die Bedeutung für die gesunde soziale Entwicklung des Stadtteils hingewiesen. 1997 beschloss der Gemeinderat die Einrichtung eines "Bürgerhauses" als Entwicklungsziel für den Stadtteil. Ende 1999 wurde der Stadt Freiburg vom Forum Vauban e.V. das Konzept für ein von den StadtteilbewohnerInnen getragenes und verwaltetes Zentrum für das soziale und kulturelle Leben des Quartiers in Haus 037 vorgestellt, das dem inzwischen realisierten Projekt zugrunde liegt.

2. Konzept

Für das Stadtteilzentrum wurde ein 1937 erbautes Wirtschaftsgebäude der Kaserne umgenutzt. Entstanden sind Büroräume für Initiativen und Vereine, ein offenes Atelier, ein Mütterzentrum, Büro und Besprechungsraum der evangelischen Kirche, ein Meditationsraum, Jugendräume, ein Stadtteilsaal für bis zu 100 Personen, ein Konferenzraum für bis zu 80 Personen, das Stadtteilbüro, ein Café mit Mittagstisch und Kulturangeboten, eine Kindertagesstätte, Musikproberäume sowie Nebenräume. Vauban ist ein junger Stadtteil, weshalb derzeit Kindertagesstätte und Jugendarbeit viel Raum im Haus einnehmen. In der Zukunft werden auch SeniorInnen hier Räume suchen und finden. Um eine generationenübergreifende bedarfsgerechte Entwicklung sicherzustellen, steht Haus 037 in Trägerschaft des Stadtteilzentrum Vauban 037 e.V., der von Menschen aus dem Stadtteil gegründet wurde und in dem sich StadtteilbewohnerInnen einbringen können. Der Träger hat im November 2001 mit der Stadt Freiburg einen Erbpachtvertrag mit einer Laufzeit von 50 Jahren geschlossen. Der Verein verwaltet das Haus und steht gegenüber der Stadt dafür ein, dass es als sozio-kulturelles Zentrum genutzt wird.

3. Innovationen

Besonders hervorzuheben ist der durch konsequente Bürgerbeteiligung bei Planungsprozess und Umbau geschaffene Bezug der BewohnerInnen zur Einrichtung. Durch die vielen offenen Angebote im Haus und die von hier organisierten Veranstaltungen ist das Haus 037 für fast alle BewohnerInnen des Quartiers zum Treffpunkt geworden. Das Besondere des Trägermodells ist die Selbstverwaltung und finanzielle Selbstverantwortung durch das Quartier beziehungsweise den aus dem Quartier gegründeten Trägerverein. Die Stadt Freiburg hat dieses Modell durch den Abschluss eines Erbbauvertrags unterstützt, der zwar einige inhaltliche Bindungen beinhaltet, aber die Entscheidungshoheit und das Eigentum am Haus dem Träger überlässt.

4. Ziele

• Verbesserung der lokalen Infrastruktur und Dienstleistungen und Schaffung eines Mittelpunktes für das Quartier
• gestalterische Aufwertung des Zentrums
• Umbau vorhandener Infrastruktur statt Neubau

5. Maßnahmen/Verfahren

Die Bürgerbeteiligung war Teil des Entwicklungskonzepts für den Stadtteil und wurde von städtischer Seite finanziell gefördert. Gleichwohl wurde überwiegend ehrenamtlich von den BewohnerInnen des Stadtteils die Planung zur Umnutzung des Gebäudes erstellt. Begleitet von der Quartiersarbeit wurde im Wege des "planning for real" das Raumprogramm mit Beteiligung von Architekten aus dem Stadtteil entworfen. Die Koordination der einfließenden Eigenleistungen wurde an einen bauerfahrenen Stadtteilbewohner vergeben. Während des "sanften" Umbaus konnte das Gebäude bereits als Stadtteilzentrum genutzt werden.

6. Finanzierung/Förderung/Kosten

Das Gebäude wurde dem Träger für 1 DM von der Stadt Freiburg überlassen. Von den Umbaukosten in Höhe von 1,35 Millionen € wurden rund 900.000 € aus dem Haushalt der Entwicklungsmaßnahme Vauban zugeschossen. In diesen Haushalt fließen auch Sanierungsmittel des Landes, weshalb indirekt eine anteilige Förderung durch das Land gegeben ist. 450.000 € werden vom Träger über Darlehen finanziert. Diese Darlehen sind zu einem Drittel Direktkredite aus dem Stadtteil, zum anderen Teil Bankdarlehen. Die laufenden Kosten des Betriebs von rund 105.000 €/Jahr werden zu ca. 85 % aus den Mieten gedeckt. Die Stadt Freiburg fördert das Stadtteilzentrum zudem mit einem jährlichen Betriebskostenzuschuss von 17.000 € und durch den Verzicht auf einen Erbbauzins.

7. Neue Technologien

Beim Umbau des Hauses wurden durch den Bestandserhalt zehnmal weniger stoffliche Ressourcen verbraucht als bei einem Passivhaus-Neubau in entsprechender Größe. Auf der nach Süden ausgerichteten Dachfläche wurde eine Gemeinschafts-Photovoltaikanlage mit einem Ertrag von ca. 13.600 kWh/Jahr installiert.

8. Projektstand

Der Umbau wird im Herbst 2006 abgeschlossen. Das Gebäude ist komplett genutzt. Ein Erschließungsanbau mit Aufzug wird im Laufe des Sommers 2006 erstellt. Der Marktplatz vor dem Haus wurde im Laufe des Frühjahrs 2006 gestaltet und steht voraussichtlich ab Juli 2006 zur Nutzung zur Verfügung.

9. Akteure/Beteiligte

Aufgebaut und geleitet wird das Projekt durch den Trägerverein; weiter wirkten die Stadt Freiburg mit Mitarbeitern aus dem Sozial- und Jugendamt und aus dem Baudezernat mit, die Kommunalentwicklung/ Landesentwicklungsgesellschaft als Treuhänderin der Stadt Freiburg für die Entwicklungsmaßnahme Vauban, zahlreiche Initiativen und nicht zuletzt viele engagierte Bürgerinnen und Bürger.

Ansprechpartner:

Fabian Sprenger - Geschäftsführer
Stadtteilzentrum Vauban 037 e.V.
Alfred-Döblin-Platz 1
79100 Freiburg
Tel.: 0761 / 45687136
E-Mail: sprenger@haus037.de

10. Gender-Relevanz

Bei dem Projekt gibt es keine besonders hervorzuhebenden Gender-Aspekte.

11. Wechselbeziehungen Wohnen : Freiflächen : Gemeinschaftseinrichtungen

Das Haus liegt am zentralen Platz des Stadtteils, der nach langem bürgerschaftlichen Engagement nun von weiterer Bebauung freigehalten wird. Der Stadtteil wird bereits als sehr verdichtet empfunden; der Bedarf nach Freiflächen und dem Stadtteilzentrum wächst stetig weiter. Auf zentralen Platz finden der wöchentliche Markt, Feste und andere Veranstaltungen wie Flohmärkte und Freiluftkino statt.

12. Besonderheiten/Anmerkungen

Fallstudie.
Projekttyp Neuentwicklung.

13. weiterführende Informationen

Stadtteilzentrum Haus 037
Stadtteil Vauban in Freiburg
Quartier Vauban - Ein grünes Viertel in Freiburg
Verein Forum Vauban in Freiburg



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