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Modellvorhaben "Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere"

Fallstudie "Sicherheit im Quartier - Kriminalprävention im öffentlichen Raum"
Lingen (Niedersachsen)

Eckdaten
Stadt56.000 EW
Stadtquartierk. A.
Neubaugebiet/Innenstadt
KreistypMittelzentrum
LageStadtrand/Innenstadt
präg. BaualterNeubau/gemischt
Sozialdaten>65-Jährige: k. A.
<18-Jährige: k. A.
Zuwanderer: k. A.
Arbeitslose: k. A.
Träger/EigentümerStadt Lingen
Förderungk. A.

1. Kontext

Die Sicherheit im öffentlichen Raum und im Wohnumfeld ist ein wichtiger Aspekt, der das Wohlbefinden der Bewohner und Bewohnerinnen maßgeblich beeinflusst. Vor dem Hintergrund, dass viele Gemeinden und Städte als Wohnorte an Attraktivität einbüßen und manche Wohnorte sich zu sozialen Brennpunkten entwickeln, hat das Niedersächsische Innenministerium eine Handreichung erstellt, die aufzeigt, wie Wohnungen, Gebäude, Wohnumfeld und Wohnsiedlungen sicherer gemacht werden und welche Gestaltungsvarianten kriminalpräventive Wirkungen entfalten können. Dabei geht es nicht allein um baulich-technische und städtebauliche Maßnahmen, sondern auch um die Förderung von Bürgerverantwortung und Nachbarschaftsbildung zur Stärkung von Verantwortungsbereitschaft und sozialer Kontrolle.

2. Konzept (Generationen, Quartier)

In einer interministeriellen Kooperation wurde das Modellprojekt "Kriminalprävention im Städtebau" (KIS) ins Leben gerufen und von 2003 bis 2005 unter der Federführung des Landeskriminalamtes Niedersachsen durchgeführt. Mit KIS sollten Standards und Vorgaben für die kriminalpräventive Arbeit entwickelt werden, um Gemeindeverwaltungen, Bauträger, Wohnungsunternehmen und Eigentümer umfassend zu Fragen der Sicherheit und der Kriminalitätsverhütung beraten zu können. Die praktische Erprobung erfolgte an den Modellstädten Hannover, Göttingen und Lingen (Ems).

Am Beispiel des Neubaugebiets "Am Ludgeriweg" in Lingen sollte ein standardisiertes Verfahren zur Integration kriminalpräventiver Belange in den städtebaulichen Entwurf entwickelt werden. Ein Präventionsteam nahm anhand der im städtebaulichen Leitfaden zur Kriminalprävention entwickelten Prinzipien und Maßnahmen umfassend Stellung zu den Entwurfsdetails.

Der städtebauliche Leitfaden zur Kriminalprävention wird in Lingen nun auch bei der Umgestaltung der Innenstadt und der besseren Verflechtung mit den angrenzenden Wohngebieten eingesetzt. Im Bereich des Postgeländes besteht die Chance, durch die Auslagerung der Postnutzung, notwendige Einzelhandelsflächen in einer zentralen und voll integrierten Innenstadtlage zur Verfügung zu stellen. Das einwohnerstärkste östliche Stadtgebiet erfährt durch die Bahnlinie bis heute eine deutliche Trennung von der Innenstadt – die Bahnlinie wirft eine Lücke innerhalb des innerstädtischen Fuß- und Radwegenetzes auf. Ausgehend vom laufenden Neubau des Einkaufscenters ist eine umfassende Aufwertung des öffentlichen Raums im Umfeld vorgesehen.

3. Innovationen

Regelwerk und Strategie für die Entwicklung urbaner Stadtquartiere - Präventive Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit im öffentlichen Raum

  • Beispielgebendes Projekt für die Neu- / Umgestaltung öffentlicher Räume im Hinblick auf eine Verbesserung der Lebensqualität und der Sicherheit im öffentlichen Raum. Hiervon profitieren insbesondere die "schwächeren" Nutzergruppen, die ansonsten "Angsträume" meiden.

4. Ziele

Die Verbesserung der Lebensqualität und der Sicherheit im öffentlichen Raum und im Wohnumfeld wird unter anderm auf folgenden Handlungsebenen angestrebt

  • Baulich-räumliche Maßnahmen
  • Nutzungsmischung
  • Nutzersicherheit des Verkehrsraums
  • Intensive Beteiligung der Bürger an den Planungsprozessen zur Stärkung der sozialen Verantwortung und Kontrolle
  • Kooperation und Informationsaustausch
  • Aufbau eines Netzwerkes von Multiplikatoren und Ansprechpartnern und Stärkung der Öffentlichkeitsarbeit

5. Maßnahmen/Verfahren

  • Erarbeitung einer beispielorientierten Handreichung zur Kriminalprävention im Städtebau durch das Land Niedersachsen 2005
  • Abschluss einer Sicherheitspartnerschaft auf Landesebene (siehe auch Punkte 8 Besonderheiten/Anmerkungen)
  • Durchführung des Modellprojekts KIS in drei Städten am Beispiel unterschiedlicher Wohngebietstypen und städtebaulichen Verfahren (Abschlussbericht Ende 2006)
  • Etablierung der entwickelten Gestaltungsansätze und Standards in städtebaulichen Verfahren (zum Beispiel in der Bauleitplanung)
  • Masterplan Innenstadt Lingen mit einem integrierten städtebaulichen Ansatz

6. Finanzierung/Förderung/Kosten

Im Verfahren zu ergänzen.

7. Projektstand

Das Modellprojekt KIS findet seinen Abschluss in einer zweitägigen Fachtagung im Dezember in Lingen und der Vorlage des Abschlussberichts Ende 2006.

Die Planungsgrundlagen für den Umbau der Lingener Innenstadt liegen bereits vor und der Umbau läuft.

8. Akteure/Beteiligte

  • Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit
  • Niedersächsisches Innenministerium
  • Landeskriminalamt Niedersachsen
  • Landespräventionsrat Niedersachsen
  • Forschungsgruppe "Sozial – Raum – Management"
  • Stadtverwaltung Lingen und verschiedene Partner

Ansprechpartner:

Monika Brinkmann
Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit
Tel. 0511 - 120-2935
E-Mail: Monika.Brinkmann@ms.niedersachsen.de

Peter Krämer
Stadt Lingen (Ems)
Stadtplanung und Hochbau
Tel.: 05 91 - 91 44 - 620
E-Mail: p.kraemer@lingen.de

9. Gender-Relevanz

Im Projekt KIS wird das genderrelevante Thema "Sicherheit im öffentlichen Raum" unter dem Aspekt der Kriminalprävention aufgearbeitet. Unter diesem Aspekt finden Forderungen zur Berücksichtigung geschlechterdifferenzierter Wahrnehmungen und unterschiedlichen Erlebens Eingang in die Planung.

10. Wechselbeziehungen Wohnen : Freiflächen : Gemeinschaftseinrichtungen

Die Prüfung städtebaulicher Entwürfe erfolgt anhand der unter 4. genannten Handlungsfelder. Insgesamt sollen hierdurch Nachbarschaften und die Wechselbezüge zwischen dem Wohnen, Gemeinbedarfseinrichtungen und Freiräumen gestärkt und eine durchgängige Gestaltung des öffentlichen Raums erreicht werden.

11. Besonderheiten/Anmerkungen

Um die Aspekte der städtebaulichen Kriminalprävention stärker in die verschiedenen Fachpolitiken zu verankern, hat das Land Niedersachsen mit zahlreichen Partnern aus der Verwaltung, Wohnungswirtschaft und Planung eine Sicherheitspartnerschaft ins Leben gerufen. Eine Elf-Punkte-Erklärung, die von allen Sicherheitspartnern unterzeichnet wurde, enthält die wesentlichen Prinzipien, Ziele und Maßnahmen, die zur Verbesserung der Sicherheit durch Planung und Entwicklung städtebaulicher Vorhaben im Bestand und im Neubau verstärkt beachtet werden sollen.

12. Weiterführende Informationen

Sicheres Wohnquartier. Gute Nachbarschaft. Handreichung zur Förderung der Kriminalprävention im Städtebau und in der Wohnungswirtschaft. Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit. Informationen unter: www.ms.niedersachsen.de > Themen > Bauen & Wohnen > Kriminalprävention in Städtebau und Wohnungswirtschaft

Sicherheit planen und gestalten - Dokumentation eines Werkstattgesprächs am 11. Februar 2004. Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Frauen und Gesundheit.

Polizei Niedersachsen



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