Modellvorhaben "Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere"
Fallstudie "Wohnungsgenossenschaft Fidicinstraße 18"
Berlin – Kreuzberg (Berlin)
| Stadt | 3.400.000 EW |
| Stadtquartier | 8.700 EW |
| Quartierstyp | Blockrand |
| Kreistyp | Kernstadt |
| Lage | innerstädtisch |
| präg. Baualter | Gründerzeit |
| Sozialdaten | >65-Jährige: 7,5% <18-Jährige: 20% Zuwanderer: 25% Arbeitslose: 11% |
| Träger/Eigentümer | Genossenschaft |
| Förderung | Öffentliche Mittel |
1. Kontext
Die Wohnanlage Fidicinstraße 18 liegt im denkmalgeschützten, gründerzeitlichen Ensemble "Chamissoplatz" im Bezirk Friedrichshain/Kreuzberg. Das Gebiet war 25 Jahre als Sanierungsgebiet ausgewiesen. Etwa 80% des Altbaubestandes im ehemaligen Sanierungsgebiet können als saniert gelten. Die Zusammenlegung von mehr als 200 Wohnungen hat den Wohnungsschlüssel deutlich zugunsten familiengerechte Wohnungsgrößen verbessert. Diese Veränderung hat das Gebiet für junge Familien attraktiver gemacht.
Die eigentumsorientierte "Wohnungsgenossenschaft Fidicinstraße 18 eG" wurde im Jahr 2002 von den Mietern als Reaktion auf den bevorstehenden Verkauf der Landeswohnungen gegründet. 36 Wohneinheiten, 3 Gewerbeeinheiten sowie eine kirchliche KiTa gehörten zu der denkmalgeschützten gründerzeitlichen Wohnanlage. Die Wohnanlage wurde 2003 erworben und mit öffentlichen Mitteln und in Eigenregie modernisiert (Deutscher Bauherrenpreis Modernisierung 2005). Durch das Engagement der Bewohner ist bereits eine Reihe von quartierbezogenen Initiativen entstanden.
2. Konzept (Generationen, Quartier)
Die baulichen Maßnahmen wurden insbesondere unter dem Aspekt der Bindung junger Familien in der Stadt realisiert. Durch die Schaffung familiengerechter und individueller Grundrisse und die Einrichtung von Gemeinschaftsanlagen (zum Beispiel kinderfreundliche Spiel- und Pflanzhöfe, Umbau der Remise zum Kinderhaus) wurden im hochverdichteten Innenstadtbereich neue Wohnqualitäten geschaffen. Trotz Ausrichtung auf Familien mit Kindern sind im Wohnprojekt alle Altersgruppen vertreten.
Neben den baulichen Maßnahmen wurde durch das Projekt eine Reihe von sozialen Maßnahmen angestoßen. Dieser Bereich soll noch weiter ausgebaut werden. Geplant sind derzeit:
- Kiez-Agentur für die Vermittlung von haushaltsnahen Dienstleistungen (Angebote erbracht von SchülerInnen, RentnerInnen, etc. auf Quartiersebene)
- Beratungsangebot "Erfolg ist machbar" für die Entwicklung von selbst organisierten Wohnprojekten
- Stärkung der Initiative "Kinderfreundlicher Kiez" (zum Beispiel Aufbau eines Stadtgartens für Kinder)
3. Innovationen
- Privatisierungsstrategie
- Entwicklung einer stabilen, nachbarschaftlichen Struktur in der Hausgemeinschaft
- Beispielhaftes Finanzierungskonzept durch eigentumsorientiertes Genossenschaftsmodell (Kauf der eigenen Mietgenossenschaftswohnung nach 15 Jahren möglich)
- Bürgerschaftliches Engagement der Bewohner im Quartier
- Einbeziehung der Kinder in die Selbstorganisation (selbstverwaltetes Kinderhaus)
- Generationsübergreifendes Zusammenleben in der Wohnanlage
4. Ziele
Die Ziele im Genossenschaftsprojekt Fidicinstraße sind:
- eine familiengerechte und individuelle Modernisierung, die das Zusammenleben von unterschiedlichen Generationen in einem Haus ermöglicht
- die langfristige Sicherung niedriger Wohnkosten
- die Alterssicherung durch ein innovatives, internes Finanzierungskonzept
- Verbesserung der lokalen Infrastruktur und Dienstleistungen
5. Maßnahmen/Verfahren
2002 Gründung einer Genossenschaft
2003 Erwerb der Wohnungen vom Land Berlin
2003/4 Modernisierung, Umbau und Sanierung der Wohnungen mit hohem Eigenanteil
seit 2004 diverse Projekte und Kooperationen mit Akteuren und Institutionen im Stadtteil
Das Konzept für die weitere Entwicklung des Projektes sieht eine Untersuchung/Evaluation des Wohnprojektes mit folgenden Schwerpunkten vor:
- Interne Evaluation (innere Strukturen des Wohnprojektes, Verlauf Entwicklungsprozess, Finanzierungskonzept und Kosten, Anforderungen an familiengerechtes/generationenübergreifendes Wohnen, etc.)
- Externe Evaluation (Wirkungen des Projektes auf das Quartier aus Sicht unterschiedlicher Akteure, etc.)
- Positive Erfahrungen für andere nutzbar machen, vorhandene Netzwerke stärken
6. Finanzierung/Förderung/Kosten
Gesamtkosten brutto: 4,5 Millionen Euro
Baukosten brutto: 855 Euro/m²
Öffentliche Förderung für Modernisierung erhalten.
7. Projektstand
3.000m² Wohnfläche einschließlich einer Kindertagesstätte wurden mit umfassender Selbsthilfe und nach selbstorganisierter Vorbereitung modernisiert. Der Wohnhof wurde kinderfreundlich gestaltet, die Remise als Kinderhaus hergerichtet. Alle Wohnungen haben Balkone oder Terrassen erhalten. Durch ein adäquates Wohnangebot konnten Familien im Quartier gehalten werden. Diesen wurde die Möglichkeit zur Eigentumsbildung geboten. Darüber hinaus entstanden zahlreiche bürgerschaftliche Aktivitäten (zum Beispiel Projekt "Lücke-Kinder", Initiative "Kinderfreundlicher Kiez", Nachmittagsbetreuung an der Quartierschule).
Weitere Projekte sind geplant.
8. Akteure/Beteiligte
Wohnungsgenossenschaft Fidicinstraße 18 eG
WorkArt – Büro für Kommunikation und Projektentwicklung
Je nach Bedarf werden weitere Akteure im Stadtquartier eingebunden (zum Beispiel Grundschule, Kindergarten, Kinderladen)
Ansprechpartner:
Barbara Rolfes-Poneß
Ann-Christin Bursi
WorkArt – Büro für Kommunikation und Projektentwicklung,
Fidicinstraße 18
10965 Berlin
Telefon 030/698187-20
9. Gender-Relevanz
Durch die Verbesserung der Betreuungssituation für Kinder und qualifizierte Angebote in der Nachmittagsbetreuung, aber auch durch das Projekt "Lückekinder" hat sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf insbesondere für Frauen verbessert. Auch der Ausbau von Netzwerken zur gegenseitigen Hilfe (Kiez-Agentur für haushaltsnahe Dienstleistungen) wird unterstützend wirksam werden.
10. Wechselbeziehungen Wohnen : Freiflächen : Gemeinschaftseinrichtungen
Die Wechselbeziehungen zu den Schwerpunkten "Gemeinschaftseinrichtungen" und "Gestaltung urbaner Räume" sind gegeben, zum Beispiel durch die Mitarbeit in der Elternvertretung der Schule im Kiez und die geplante Realisierung eines Stadtgartens für Kinder (ebenfalls durch die Bewohner initiiert).
11. Besonderheiten /Anmerkungen
Keine
12. Weiterführende Informationen
- Bund Deutscher Architekten (BDA) (Herausgeber): Deutscher Bauherrenpreis 2005

