Modellvorhaben "Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere"
Fallstudie "Cohnsches Viertel"
Hennigsdorf (Brandenburg)
| Stadt | 24.000 EW |
| Stadtquartier | 2.300 EW |
| Quartierstyp | Werkssiedlung 40/50er Jahre offene Bauweise |
| Kreistyp | ländlicher Kreis |
| Lage | Innenstadt |
| präg. Baualter | 50er Jahre |
| Sozialdaten | >65-Jährige: 38% Familien: 14% Arbeitslose: 16% |
| Träger/Eigentümer | Städtische WBG (60 %) privater Investor (38%) Genossenschaft (2 %) |
| Förderung | Landesprogramm Modernisierung/Instandstetzung/KfW/Solarprogramm 40 % freifinanziert |
1. Kontext
Hennigsdorf befindet sich im engeren Verflechtungsraum Berlin-Brandenburg. Das "Cohnsche Viertel" liegt zentral inmitten der Innenstadt. Es umfasst einen Bestand von gut 1.300 Wohnungen in einer ehemaligen Werkssiedlung (Fläche 18 ha). Das Quartier war einst das größte nicht sanierte Hennigsdorfer Wohngebiet. Mit massiven baulichen und strukturellen Defiziten hatten sich mit der Zeit auch erhebliche soziale und wohnungswirtschaftliche Schwierigkeiten manifestiert (geringe Akzeptanz, selektive Zu- und Fortzüge, Bevölkerungszusammensetzung, Mietschulden, Brachflächen und ähnlichem). Infolge der einseitigen Grundrisstypen (78% kleine Wohnungen) handelte es sich bei den Bewohnern überwiegend um erwerbslose Jugendliche, Alleinerziehende und Ältere.
2. Konzept (Generationen, Quartier)
Auf Basis eines städtebaulichen Rahmenplans und einer Sozialstrukturanalyse erstellte die HWB mit zahlreichen Partnern ein Entwicklungskonzept zur baulichen und sozialen Revitalisierung des Cohnschen Viertels. Das Konzept basiert auf einem sozialen Entwicklungs-, einem solaren Energie- und einem mulitmedialen Wohnkonzept. Ziel war es, ein Wohnquartier zu schaffen, in dem sowohl junge Familien als auch ältere Menschen miteinander leben können. Das Konzept besteht daher neben der Sanierung auch aus umfassenden Grundrissveränderungen sowie Neubau. Letzterer sollte trotz Leerstand und Überangeboten in bestimmten Segmenten die bestehenden Angebotslücken für eine ausgewogene Bewohnerzusammensetzung (vor allem große Wohnungen für Familien sowie altengerecht ausgestatteter Wohnraum für Ältere) schließen.
3. Innovationen
Das Konzept verfolgt die Strategie einer Mischung verschiedener Bauformen, um eine langfristig stabile und ausgewogene Bewohnerzusammensetzung im Quartier zu erreichen. Durch die marktgerechte Integration von Neubauten (Reihenhäuser, Mehrfamilienhäuser) gelingt es, im Quartier generationenübergreifend Zielgruppen anzusiedeln beziehungsweise zu halten. Die neu gebauten Reihenhäuser an einem derart zentralen Standort bieten zudem Familien eine gute Alternative zu den Neubaugebieten am Stadtrand oder im Umland.
4. Ziele
- Sicherung der sozialen Integration/Stabilisierung der Sozialstrukturen
- Differenzierung des Wohnungsangebotes zur Sicherung der Wohnraumversorgung der Wohnbevölkerung und einer langfristigen Vermietbarkeit des Bestandes
- Bauliche und städtebauliche Qualifizierung eines innerstädtischen Wohnquartiers mit Entwicklungspotentialen
- Schaffung einer modernen technischen Infrastruktur, die auch neue Formen von Wohnen und Arbeiten ermöglichen
5. Maßnahmen/Verfahren
Zu Beginn wurden ein integriertes Handlungskonzept erstellt und die Projektstrukturen konstituiert (Lenkungsgruppe u.ä.). Fester Bestandteil des Verfahrens war eine Sozialstudie über das Quartier sowie eine Erhaltungssatzung. In der anschließenden Realisierungsphase wurden u.a. folgende Maßnahmen umgesetzt:
- Schaffung größerer Wohnungen durch Grundrissveränderungen im Bestand und somit Öffnung des Quartiers für neue Zielgruppen (u.a. Familien)
- Neubau von 86 Wohnungen, darunter 70 Wohnungen für Ältere in zwei Typen (2 Zimmer, 45 bzw. 55 m² Wohnfläche) und 16 Wohnungen für Familien mit bis zu 5 Zimmern; zusätzlich gibt es einen Gemeinschaftsraum im Bereich Wohnen für Ältere
- Neubau von 12 Reihenhäusern in 3 Typen im Blockinneren (Vermietung ausschließlich an Familien)
- Ausstattung eines Teils der Wohnungen mit Balkonen
- Begrünung und Gestaltung des Blockinnenbereichs
- Integration einer Gewerbeeinheit im Quartier mit einem ambulanten Pflegedienst
- Integration eines Jugendzentrums (Konradsberge)
- Technische Besonderheiten wie Anschluss aller Wohnungen an einen High-Speed-Internetzugang, Haustürkameras und Notrufsysteme für Ältere
6. Finanzierung/Förderung/Kosten
Es wurden Mittel der Landesprogramme Mod/Inst/KfW sowie des Solarprogramms eingesetzt.
7. Projektstand
Die Umsetzung hat im Jahr 2000 begonnen und ist nunmehr abgeschlossen.
8. Akteure/Beteiligte
Das gesamte Verfahren wurde unter Einbezug sämtlicher Akteure umgesetzt. Hierzu zählen im Wesentlichen vier Ebenen:
- Kommunale Ebene: u.a. Politik, Verwaltung, städtische Arbeitsförderung-, Beratungs- und Strukturentwicklungsgesellschaft mbH Hennigsdorf, gemeinnützige Projekte, Mietervereinigung und -beratungen
- Gewerbliche Ebene
- Forschung und Konzeptentwicklung
- Überregionale Ebene (u.a. Land, Kreis, Wohnungsverbände)
Ansprechpartner:
Hennigsdorfer Wohnungsbaugesellschaft mbH
Holger Schaffranke, Geschäftsführer
Edisonstraße 1
16761 Hennigsdorf
Telefon: 03302 / 86 85 42
9. Gender-Relevanz
Bei dem Projekt gibt es keine besonders hervorzuhebenden Genderaspekte.
10. Wechselbeziehungen Wohnen : Freiflächen : Gemeinschaftseinrichtungen
Die Gestaltung und Begrünung des Blockinnenbereichs verschafft den Bewohnern eine attraktive Nutzfläche. Die Fläche steht für alle Bewohner offen. Sie liegt geschützt im Blockinnenbereich, so dass sowohl für Ältere als auch für Familien (Kinder) eine hohe Aufenthaltsqualität entsteht.
11. Besonderheiten /Anmerkungen
keine
12. Weiterführende Informationen
- Erneuerung des "Cohnschen Viertels" in Hennigsdorf, Integriertes Gesamtkonzept (HWB)
- Vom Problemquartier zur Modellsiedlung – Cohnsches Viertel. Eine Hennigsdorfer Werkssiedlung auf dem Weg in die Zukunft (HWB)

