Modellvorhaben "Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere"
Fallstudie "Stadtteil der Begegnung"
Wilhelmshaven-Siebethsburg (Niedersachsen)
| Stadt | 85.000 EW |
| Stadtquartier | 4.300 EW |
| Quartierstyp | Gartenstadt |
| Kreistyp | verdichteter Kreis |
| Lage | Innenstadt |
| präg. Baualter | 1904-1939 |
| Sozialdaten | >65-Jährige: 33% <18-Jährige: 10% Zuwanderer: 4% Arbeitslose: 14% |
| Träger/Eigentümer | Genossenschaft Verein |
| Förderung | Stadtumbau West |
1. Kontext
Die Stadt Wilhelmshaven gehört zu den am stärksten schrumpfenden Städten Niedersachsens. Überalterung und Abwanderung sind zentrale Themen. Trotz hoher Potentiale als innerstädtische denkmalgeschützte Gartenstadt-Siedlung mit grüner und ruhiger Wohnumfeldqualität ist davon auch der Stadtteil Siebethsburg betroffen. Wohnungsleerstände, steigende Fluktuation und soziale Erosion zeichnen sich ab. Die Eigentümerin der Siedlung, der Bauverein Rüstringen eG (circa 2.850 Wohneinheiten im Quartier), bemüht sich seit vielen Jahren, die Attraktivität der Siedlung durch hohe Investitionsleistungen zu halten und auszubauen. Aufgrund des hohen Anteils an älteren Menschen (39,5% der Bewohner sind über 60 Jahre alt), lag der Schwerpunkt der Arbeit mit der Einstellung einer Seniorenberaterin Mitte der 1990er Jahre zunächst hier. Dieser Focus wurde in der Zwischenzeit auf alle Generationen erweitert.
2. Konzept (Generationen, Quartier)
Ziel der Eigentümerin ist es, den einst für Familien erbauten und heute überalterten Stadtteil zu einem generationsübergreifenden Standort zu entwickeln. Dabei greifen bauliche und soziale Maßnahmen ineinander. Baulich werden zum Beispiel Wohnraumanpassungen für Ältere und Grundrissveränderungen für Familien, aber auch Umbaumaßnahmen für junge Haushaltsgründer umgesetzt. Zur Vernetzung der verschiedenen Generationen wurde 1997 Jahre eine Kindertagesstätte als ein Aktionskern neben einem Gebäude mit rollstuhl-, behinderten- und seniorengerecht umgebauten Wohnungen realisiert. Integriert in dieses Haus sind eine Tagespflege sowie eine Sozial- und Servicestation. Kooperationspartner sind im Bereich des Service-Wohnens der Arbeiter-Samariter-Bund, im Bereich der KiTa die Arbeiterwohlfahrt.
Der zweite Kern beinhaltet den Ausbau einer von der Genossenschaft errichteten Begegnungsstätte zunächst mit Angeboten für Ältere und die anschließende Erweiterung um Angebote für Familien, Kinder und Jugendliche (in Anlehnung an Mehrgenerationenhäuser). Hier finden verschiedene Kurse, Gruppen, Veranstaltungen, Aufführungen und Aktivitäten statt. Das Angebot reicht dabei von der chinesischen Heilgymnastik Tai-Chi-Chuan, über Spielegruppen, Erzählcafe, Markttreff, einen gemeinsamen Mittagstisch, Basteln und Handarbeiten bis hin zu Bingonachmittagen und regelmäßigen Ausflügen. Derzeit ist geplant, in einem an die Begegnungsstätte angrenzenden Gebäuderiegel seniorengerechtes Wohnen in Form von Wohn- oder Hausgemeinschaften aufzubauen.
3. Innovationen
Der Stadtteil Siebethsburg wird im Rahmen einer Gesamtkonzeption gestaltet, die sich am Anforderungsprofil der Bewohner orientiert und zukünftige Entwicklungsperspektiven eröffnet:
- Generationsübergreifende Entwicklung adäquater Wohnungsangebote als Voraussetzung für Wohnmöglichkeiten verschiedener Generationen- nicht nur ein vereinzeltes Wohnprojekt.
- Keine gezielte Mischung von Jung und Alt in einem Gebäudekomplex, sondern in direkter Nachbarschaft – Minimierung von Konfliktpotenzial im Wohnalltag.
- Ganzheitlicher Ansatz – nicht nur Wohnen, sondern auch soziale Infrastruktur (bis hin zur Tagespflege) und Freiflächengestaltung.
- Erschwinglicher Wohnraum im baulich attraktiven innenstadtnahen Umfeld.
4. Ziele
- Aufwertung des Wohnstandortes Wilhelmshaven durch Erhalt eines für unterschiedliche Zielgruppen attraktiven Stadtteils; Gewinnung von Neubürger/innen, Verhinderung von Abwanderung.
- Attraktivitätssteigerung des Stadtteils durch Durchmischung der Nutzergruppen.
- Qualifizierung des Stadtteils durch Weiterentwicklung der bestehenden Wohn- und Infrastrukturangebote.
- Entwicklung von neuen Wohnangeboten, in deren Mittelpunkt die spezifischen Bedarfe der Zielgruppen stehen.
- Schaffung einer attraktiven Möglichkeit der Geldanlage in Genossenschaftsanteilen und Erreichung von materieller Absicherung des Wohnens im Alter.
- Erhalt preisgünstigen Wohnraums.
5. Maßnahmen/Verfahren
- 1994 Aufbau einer hauseigenen Seniorenberatung, Service- Wohnen in Kooperation mit dem ASB
- 1995 Errichtung des Mietertreffs-"Auf Siebethsburg"
- 1997 Bau der Kindertagesstätte KIDS 24
- 2002 Umbau eines Gebäudes zu rollstuhl-, behinderten- und seniorengerechtem Wohnen mit integrierter Tagespflegeeinrichtung und Sozialstation
- 2004 Gründung eines Interessentenkreises "Lebenswohngemeinschaften im Alter"
- 2005 Umbau und Erweiterung des Mietertreffs
- 2006 Umsetzung der Produktlinie "easy-living" für Schüler, Auszubildende, Studenten und Berufsanfänger
6. Finanzierung/Förderung/Kosten
Die bestehenden Wohnangebote sind weit überwiegend durch Eigenmittel der Wohnungsbaugenossenschaft entstanden. Seit 2003 konnten nachhaltige Impulsprojekte (zum Beispiel Service im Alter, Stadtteil der Begegnung, kinder- und familienfreundliches Wohnen, Junge Siebethsburg) durch öffentliche Fördermittel (Stadtumbau West) sowie Eigenmitteln der Wohnungsbaugenossenschaft umgesetzt werden. Für das in der Planungsphase befindliche Vorhaben (altengerechte Wohn- oder Hausgemeinschaft) steht keine externe Förderung zur Verfügung. Die Kindertagesstätte sowie
die Begegnungsstätte werden finanziell durch die Genossenschaft unterstützt.
7. Projektstand
Wesentliche Meilensteine für die Entwicklung eines generationsübergreifenden Stadtteils in Wilhelmshaven-Siebethsburg sind gelegt und werden gut angenommen.
- Abgeschlossen: Kindertagesstätte, rollstuhl-, behinderten- und seniorengerechtes Wohnen mit Tagespflege und Sozialstation, Ausbau Begegnungsstätte. Zwischen KiTa und Treff besteht aufgrund der räumlichen Nähe reger Kontakt (zum Beispiel gemeinsame Ausflüge, Weihnachtsfeier etc.)
- Umbaumaßnahmen in Wohnungen für Senioren
- Zusammenlegungen von Wohnungen für familiengerechtes Wohnen (circa 170 Wohneinheiten in den letzten Jahren)
- Aufbau von Pflege- und Serviceangeboten im Quartier
- Vermarktung: Junge Haushalte (Produktlinie "Easy living").
- Planung: für das altengerechte Wohnen (Wohn-/Hausgemeinschaft) laufen aktuell die Umbauplanungen an.
Die Genossenschaft ist weiterhin bemüht, neue, ergänzende Angebote zu entwickeln und umzusetzen.
8. Akteure/Beteiligte
Hauptakteurin ist die Wohnungsbaugenossenschaft Bauverein Rüstringen eG. Aktive Kooperationen werden als Grundsatz der Arbeit gesehen, unter anderem mit Trägern sozialer Einrichtungen (Zum Beispiel AWO, ASB), Sportvereinen, Volkshochschule, Kirchen, Niedersächsische Landesbühne, Allgemeiner Wirtschaftsverband. Wichtig ist auch die enge Kooperation und gute Zusammenarbeit mit
der Stadt (Verwaltung und Politik), die die Entwicklung des Stadtteils grundsätzlich unterstützt.
Ansprechpartner:
Lutz Weber
Bauverein Rüstringen eG
Störtebekerstraße 1
26386 Wilhelmshaven
Telefon 04421/ 3692-15
e-mail: l.weber@bauverein-ruestringen.de
9. Gender-Relevanz
Es findet eine frühzeitige und kontinuierliche Berücksichtigung der unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern statt, so dass ein sehr ausdifferenziertes Anforderungsprofil bedient werden kann (zum Beipiel Wohnen für Alleinerziehende)
10. Wechselbeziehungen Wohnen : Freiflächen : Gemeinschaftseinrichtungen
Das Projekt weist aufgrund des integrierten Ansatzes eine Vernetzung in erster Linie mit dem Teilprojekt soziale Infrastruktur aber auch dem Komplex öffentliche beziehungsweise halböffentliche Freiflächen auf.
11. Besonderheiten /Anmerkungen
In Kooperation mit der Stadt Wilhelmshaven wurde die Siedlung 2002 als Pilotgebiet im Bundesmodellvorhaben "Stadtumbau West" platziert.
12. Weiterführende Informationen
keine

