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Erfurt: Bürgercafé Roter Berg

Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere - Modellvorhaben

Angaben zum Projekt
Kontakt

Landeshaupstadt Erfurt
Amt für Stadtentwicklung und Stadtplanung
Fischmarkt 11
99084 Erfurt
Tel.: +49 36) 655-2322

Mail: organisation@erfurt.de
www.erfurt.de

ProjekttypUmnutzung Schule
Nutzflächeca. 700 m²
TrägerKommune
AkteureStadt Erfurt, TIBP, Institut für Stadtforschung, Planung und Kommunikation - ISP der FH Erfurt, Stadtteilkonferenz
ZielgruppenQuartiersbewohner, Familien
AngebotsprofilBürgercafe als Treffpunkt für den Stadtteil


Kontext

Der Stadtteil Roter Berg liegt im Norden der Stadt Erfurt und entstand Ende der 1970er Jahre als letztes Großwohngebiet. Der Stadtteil ist ein in sich geschlossenes Wohngebiet mit heute 2.900 Wohnungen, einem Einkaufszentrum, einem Ärzte- und Sanitätshaus und verschiedenen Schulen in der Mitte des Quartiers. Heute hat der "Rote Berg" 6.345inwohner. Seit 1990 nahm die Einwohnerzahl des Stadtteils um fast 40 % ab. Dieser anhaltende Trend ist auf Wanderung und Geburtenrückgang zurückzuführen und hat direkte Auswirkungen auf die Altersstruktur des Stadtteils. Der Anteil älterer Menschen ist mit 24 % weitaus höher als der von Kindern bis 15 Jahren mit 9 %. In Folge des Rückgangs der Bevölkerung weist der Stadtteil nur eine marginale soziale Infrastruktur auf. Identifikationspunkte bilden lediglich das in dem Gebiet befindliche Einkaufszentrum (in Insolvenz), ein Seniorenclub, ein Jugendhaus, einige Grünflächen, die Schulen und der an das Quartier angrenzende Zoopark. Das Fehlen eines Quartierstreffpunktes für die Bewohner ist Defizit und Hemmnis für die Entwicklung des sozialen Lebens zu benennen. Der Stadtteil wird im Rahmen des "Stadtumbau Ost" teilweise zurück gebaut und aufgewertet. Hinzu kommen Ansätze
der Stadt Erfurt im Rahmen des Integrierten Sozialraummanagements die Bevölkerungsstruktur zu stabilisieren.

Angaben zum Quartier
Einwohnerca. 6.300
Lage im StadtgebietNördlicher Stadtrand
QuartierstypGroßsiedlung in Plattenbauweise
1970er Jahre
SozialstrukturKinder und Jugendliche 9 %
Menschen über 65 Jahre 24 %
Einwohner mit Migrationshintergrund 3 %
Transfereinkommen 19 %
NutzungenWohnen, soziale Infrastruktur, Einkaufen


Konzept

Im Zuge der angestrebten Entwicklung kommt der Einrichtung eines neuen Stadtteilzentrums in Form eines Bürgercafés große Bedeutung zu. Zunächst sollte eine Räumlichkeit im Einkaufszentrum Roter Berg zum Aufbau neuer Netzwerkstrukturen genutzt werden. Diese Option lies sich aufgrund der Insolvenz des Zentrums nicht umsetzen. Aus diesem Grunde erfolgt nunmehr der Umbau nicht mehr genutzter Räume in der zentral gelegenen Regelschule 25 zu einem Bürgercafé. Für das Quartier wird das Bürgercafé als Keimzelle eines "wachsenden Konzeptes" für ein zukünftiges Stadtteilzentrum verstanden. In der untergenutzten Regelschule 25 sind neben dem Bürgercafé z. B. die Integration von städtischen Aufgaben (Büro Ortsteilbürgermeister, Ortschaftsrat) und von anderen sozialen Angeboten (Vereine, Initiativen, soziale Träger) in einem erweiterten Stadtteilzentrum denkbar. Die perspektivische Erweiterung des Bürgercafés zu einem Stadtteilzentrum ist jedoch abhängig von den finanziellen Rahmenbedingungen sowie der weiteren Entwicklung des Bürgercafés bzw. der Funktionen des Stadtteilzentrums.

Im Rahmen der Entwicklung des Bürgercafés werden die Bürger für die Teilhabe am öffentlichen Leben aktiviert. Im Ergebnis sollen tragfähige Netzwerke zur Bürgeraktivierung und -beteiligung entwickelt werden. Ziel dieser Netzwerkarbeit ist die Förderung ehrenamtlichen Engagements der Bewohner und anderer lokaler Akteure, die Stärkung nachbarschaftlicher Unterstützungsstrukturen, die Verbesserung des Stadtteilimages und der Aufbau einer Stadtteilidentität. Die Aktivitäten sollen zur Stabilisierung des Stadtteils und einem Miteinander der verschiedenen Generationen beitragen.

Finanzierung

Die Umsetzung der minimalen Ausbauvariante zum Bürgercafé, Bürgeraktivierung und Netzwerkarbeit vor Ort werden durch das Modellvorhaben des ExWoSt- Forschungsfeldes unterstützt. Um eine Kontinuität in dem Betrieb der Gemeinschaftseinrichtung zu gewährleisten, müssen noch geeignete Finanzierungsmodelle und -strategien entwickelt werden. Der weitere Ausbau des Bürgercafés zu einem integrativen Stadtteilzentrum durch die Stadtverwaltung kann nur durch die Erschließung weiterer Finanzierungsquellen (z. B. Städtebaufördermittel) erfolgen. Die dafür benötigten Kosten müssen noch festgestellt und in den Haushalt der Stadtverwaltung eingestellt werden. Durch das geplante Büro für einen Ortsteilbürgermeister und einen Versammlungsraum für einen Ortschaftsrat können Synergieeffekte entstehen. Dieser Ausbau wird mit städtischen Mitteln ausgestattet und unterhalten
werden.

Aspekte der generationen- und zielgruppenübergreifenden Nutzung

Das geplante Bürgercafé soll allen Quartiersbewohnern im Stadtteil zur Verfügung stehen. Flexible Nutzungsmöglichkeiten werden durch die Konzeption neutraler Innen- und Außenräume bei der baulichen Umgestaltung berücksichtigt. Im Quartier ist ein mobilisierbares Potenzial von Bewohnerengagement vorhanden, das sich auf verschiedene Generationen bezieht.

Wechselbeziehungen Wohnen: Freiflächen: Gemeinschaftseinrichtungen

Bei der derzeitigen Gestaltung des Außenraumes des Bürgercafés und durch die Begrenzung durch eine Mauer wirkt der Vorplatz der Einrichtung im Stadtbild wenig repräsentativ. Um einen Übergang vom Stadtteil zum Bürgercafé herzustellen, wird ein Teil des Außenbereiches (und jetzigen Schulhofes) abgetragen. Der Zugang zum Bürgercafé erfolgt über eine breite Treppe, die gleichzeitig als Sitzgelegenheit bei Veranstaltungen im Freien genutzt werden kann. Diese Außenfläche soll multifunktionalen Ansprüchen gerecht werden.

Fokus Prozess - Aktivierung der Bewohner für ihr Quartier

Nachbarschaftliche Netzwerke und Kooperationsstrukturen in einem Quartier entwickeln sich nur langsam und insbesondere dann nachhaltig, wenn sie von den jeweiligen Zielgruppen selbst initiiert werden ("Bottom-Up"-Ansatz). Dennoch kann die externe Initiierung und Moderation der Netzwerkbildung, gerade in einem Stadtteil mit einer Sozialstruktur wie am "Roten Berg", in der Anlaufphase unterstützend wirken. Ein erster Schritt besteht darin, die aktiven Bewohnerinnen und Bewohner und vorhandene Initiativen aufzugreifen und Hilfe bei der Festigung und der Weiterentwicklung der Aktivitäten anzubieten. Um alle Zielgruppen und Akteure in dem Quartier zu erreichen, müssen die jeweils geeigneten Verfahren zum Einsatz kommen.

Die Aktivitäten zur Information, Beteiligung und Netzwerkarbeit (Stadtteilkonferenzen, Arbeitsgruppen, Workshops, Mikroprojekte etc.) werden im Stadtteil in einem intensiven Ansatz betrieben. Die vierteljährlichen Stadtteilkonferenzen mit gemeinsamen Vorbereitungstreffen und externer Moderation, die fast monatlichen Sitzungen der Arbeitsgruppen, die Durchführung von thematischen Workshops, Wettbewerben und Aktionen (Logogestaltung, Fotowettbewerb, Mikroprojekte, Herbstputz etc.) schaffen vielfältige Ansatzpunkte für unterschiedliche Akteure und die Bewohnerschaft, sich in die Gestaltung des Bürgercafés und seiner Angebote einzubringen.

Die vorhandene Akteurskonstellation hat sich während der Entwicklungsphase als günstig für die Projektentwicklung erwiesen. Die Zusammenarbeit besteht zwischen den verschiedenen Ämtern der Stadtverwaltung (Projektsteuerung), dem sozialen Träger (Umsetzung der Planung und Bewohneraktivierung vor Ort) und einer wissenschaftlichen Einrichtung (Forschungsbegleitung).

Ebenso ist zu überdenken, ob nicht auch die Aktivitäten der Wohnungswirtschaft (kommunales Wohnungsunternehmen, Wohnungsbaugenossenschaften) stärker in die Projektentwicklung einbezogen werden können. Synergieeffekte könnten sich durch die Bündelung von sozialen und städtischen Angeboten und den Gemeinschaftsräumen der Wohnungsanbieter ergeben. Von einer Stabilisierung des sozialen Lebens profitieren auch die Wohnungsanbieter mit ihren Beständen in dem Quartier.

Fokus bauliche Aspekte: Umnutzung von Teilen der Regelschule in einem wachsenden Konzept

Das Bürgercafé wird sich im Untergeschoss der Regelschule befinden. Erweiterungsmöglichkeiten für ein eventuelles Stadtteilzentrum bestehen in den darüber liegenden Geschossen (Erd- und Obergeschosse) der Schule. Aufgrund der zentralen Lage der Regelschule 25 ist eine gute Erreichbarkeit und städtebauliche Einbettung des Bürgercafés innerhalb des Quartiers gewährleistet. Die von der Schulleitung gewünschte räumliche Trennung des Bürgercafés und Stadtteilzentrums von den Räumen des Schulbetriebes wird umgesetzt. Ein Zugang ist demnach nur über die Rückseite aus der Richtung des Einkaufszentrums und Wochenmarktes, nicht über den Haupteingang und Schulhof der Regelschule möglich.

Die Entwurfs- und Gestaltungsidee des Bürgercafés und der Raumkonzeption zielt auf eine Multifunktionalität, Flexibilität und Neutralität, die den Ansprüchen aller Zielgruppen gerecht werden soll. Zentraler Kern der Gemeinschaftseinrichtung wird ein größerer, zusammenhängender Raum als Bürgercafé sein, der durch Funktionsräume im Innenbereich ergänzt wird. Durch die mögliche Öffnung der Fensterfront des Bürgercafés kann ein direkter Übergang zum Außenraum hergestellt werden. Die Raumgröße soll durch variable Stellwände und eine flexible Möblierung auf Gruppengrößen angepasst werden können.

Auf eine multifunktionale und barrierefreie Nutzbarkeit der Räume, die allen Zielgruppen gerecht wird, wurde bei der Planung und Konzeption Wert gelegt. Eine darüber hinaus gehende strukturierte Auseinandersetzung mit den generationenspezifischen Ansprüchen und potenziellen Nutzungskonflikten hat sich während der intensiven partizipatorischen Planung nicht ergeben.

Erfahrungen und Übertragbarkeit

Der Ansatz, progressiv die Entwicklung einer Gemeinschaftseinrichtung und die Aktivierung der Bevölkerung für Ihren Stadtteil unter den Rahmenbedingungen der Schrumpfung und des Stadtumbaus voranzutreiben, trägt zur Stabilisierung des Stadtteils Roter Berg bei. Die Platzierung der neuen Gemeinschaftseinrichtung durch Umbau eines Schulteils ist auch auf andere Gebiete mit unterausgelasteter sozialer Infrastruktur übertragbar. Die Kombination der verschiedenen Funktionen (Schulbetrieb, Bürgertreff etc.) bietet neue Chancen, gleichzeitig entstehen durch die Regularien des Schulbetriebes auch Grenzen einer möglichen Verknüpfung. Problematisch in der Projektentwicklung ist die fehlende frühzeitige Entwicklung des Nutzungskonzeptes und der Trägerschaft für den langfristigen Betrieb der Einrichtung. Die Einbeziehung weiterer Akteure, wie z.B. der Wohnungswirtschaft könnte neue Handlungsoptionen in der Entwicklung des Quartiers eröffnen.

Weiterführende Informationen

Die Projektbeschreibung können Sie sich hier auch als barrierefreie PDF herunterladen.
Download (pdf/493-KB)



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