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Hamburg, Hamm-Süd: Elbschloss an der Bille

Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere - Modellvorhaben

Angaben zum Projekt
KontaktBaugenossenschaft freier Gewerkschafter eG (BGFG)
Süderstraße 324
20537 Hamburg
Tel.: +49 40 211100-0

Mail: infol@bgfg.de
www.bgfg.de
ProjekttypUmnutzung Verwaltungsgebäude
Nutzflächeca. 700 m²
TrägerAlida-Schmidt-Stiftung
AkteureBGFG, Elisabeth-Kleber-Stiftung, Alida-Schmidt-Stiftung, Bezirksamt Hamburg-Mitte, raum + prozess, Kirche, Schule
ZielgruppenQuartiersbevölkerung, Jugendliche, Senioren
AngebotsprofilStadtteilcafé, Beratungs- und Betreuungsangebote

Kontext

Der Stadtteil Hamm-Süd liegt östlich der Hamburger Innenstadt am Flussufer der Bille. Der größte Teil der Wohnungen in Hamm-Süd konzentriert sich in dem Wohnquartier Osterbrookviertel. Die Lage an der Bille macht den besonderen Reiz des Quartiers aus. Die Bausubstanz stammt zum großen Teil aus den 50er bis 70er Jahren. Trotz der Nähe zur City liegt das Quartier stadträumlich abgekoppelt. Das Angebot an Nahversorgung, sozialer und kultureller Infrastruktur im Quartier ist insgesamt unzureichend.

Die Baugenossenschaft freier Gewerkschafter eG (BGFG) ist Eigentümerin von etwa 800 Wohnungen im Osterbrookviertel. Als größter Wohnungseigentümer engagiert sie sich stark für das Quartier – aufgrund des eigenen Interesses an seiner Stabilisierung, aber nicht nur für den eigenen Wohnungsbestand. Mit der von ihr gegründeten Elisabeth-Kleber-Stiftung unterstützt die BGFG eine Vielzahl an sozialen Angeboten sowie die Aufwertung des Freiraums im Osterbrookviertel.

2008 wurde das an der Schwelle zur Benachteiligung stehende Quartier auf Antrag der BGFG als "Themengebiet" im Programm der Aktiven Stadtteilentwicklung der Stadt Hamburg aufgenommen. Mit diesem Programm werden solche Stadtgebiete unterstützt, die auf Grund "ihres baulichen Zustandes, ihrer defizitären Infrastruktur sowie wegen sozialer Problemlagen von breiten Bevölkerungskreisen immer weniger als Wohn- und Lebensstandort"1 gefragt sind.

Angaben zum Quartier
Einwohnerca. 3.860
Lage im Stadtgebietöstlich angrenzend an die Innenstadt,
4 km Entfernung zum Stadtzentrum
Quartierstyp1950er bis 1970er Jahre
SozialstrukturKinder und Jugendliche 19 %
Menschen über 65 Jahre 18 %
Einwohner mit Migrationshintergrund 20 %
Transfereinkommen k.A. %
NutzungenMischung aus gewerblicher und Wohnnutzung


Konzept

Das Nachbarschaftszentrum "Elbschloss an der Bille" wird von der BGFG in den umgenutzten Räumen ihres ehemaligen Verwaltungsgebäudes im Osterbrookviertel eingerichtet. Im Zentrum des unterversorgten Quartiers entsteht damit ein Ort für generationenübergreifende Begegnung, Kommunikation, Beratung und Bildung. Bausteine des Konzeptes für das Nachbarschaftszentrum sind:

  • Stadtteilcafé als generationenübergreifender Ort der Begegnung, u.a. mit Mittagstisch für Senioren, Eltern und Kinder
  • Bündelung von Betreuungs- und Beratungsangeboten für verschiedene Zielgruppen
  • Integration von Angeboten der Altenhilfe, der Jugendhilfe und des Familien-Netzwerkes der Alida-Schmidt-Stiftung
  • Kombination der generationenübergreifenden Nachbarschaftsangebote mit betreuten Wohnformen für "Teenager-Mütter" und psychisch kranke Mütter

Finanzierung

Die BGFG stellt die Grundfinanzierung für den Umbau sicher und will den Betrieb des Nachbarschaftszentrums langfristig durch eine unterhalb der marktüblichen Preise liegende Miete ermöglichen. Vor diesem Hindergrund wurde ein komplexes Finanzierungsmodell aus unterschiedlichen Finanzierungs- und Förderbausteine für den Bau und den Betrieb des Nachbarschaftszentrums entwickelt.

Die Projektentwicklungskosten werden zum großen Teil von der BGFG (Personalkosten) und darüber hinaus mit Mitteln aus dem ExWoSt-Forschungsfeld finanziert. Die Unterstützung aus dem ExWoSt-Forschungsfeld ist von großer Bedeutung, da das komplexe Projekt nicht allein mit den verfügbaren personellen Ressourcen der Genossenschaft hätte entwickelt werden können. Darüber hinaus hat die externe Begleitung viele Abstimmungsprozesse befördert.

Der Umbau des Gebäudes wird ca. 1,265 Mio. Euro (ohne Außenanlagen) kosten. Neben einem Zuschuss von 430.000 Euro aus dem ExWoSt-Forschungsfeld (Erdgeschoss/ Fassade/Haupteingang) sollen investive Mittel der zuständigen Fachbehörde für den Umbau der für die Wohngruppe vorgesehenen Gebäudebereiche eingesetzt werden. Ein weiterer Teil des Gebäudeumbaus soll über Mittel aus dem Programm der Aktiven Stadtteilentwicklung finanziert werden.

Der Betrieb des Nachbarschaftszentrums wird zum Teil über die jeweiligen Träger finanziert, die mit festen Angeboten als Mieter in das Zentrum einziehen. Die Gemeinschaftsflächen und der Betrieb des offenen Treffs sollen über die Förderung aus dem Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert werden, in das das Projekt 2008 aufgenommen wurde.

Aspekte der generationen- und zielgruppenübergreifenden Nutzung

Das Konzept der Bündelung und Vernetzung von Angeboten unterschiedlicher Träger für unterschiedliche Zielgruppen an einem Ort ist eine wichtige Basis für gemeinschaftliche und zielgruppenübergreifende Angebote und Nachfrage. Der generationenübergreifende Ansatz wurde von Beginn an und in allen Phasen des Projektes kommuniziert.Allerdings sind die sozialen und kulturellen Träger in ihren Angeboten in der Regel auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet. Es fehlen zum Teil Erfahrungen und Vorstellungskraft für neue zielgruppenübergreifende Angebote. Die Erfolgsaussichten generationenübergreifender Angebote wurden von vielen Akteuren spontan eher als gering beurteilt. Schon in der Projektentwicklung wurde deshalb gezielt der Aufbau intergenerativer
Angebote gefördert.

Wechselbeziehungen Wohnen – Freiflächen – Gemeinschaftseinrichtungen

Im Zusammenhang mit dem Bau des Nachbarschaftszentrums soll direkt vor dem Gebäude auf der Fläche eines nicht mehr benötigten Wendehammers ein neuer Quartiersplatz entstehen. Mit dem geplanten öffentlichen Platz entsteht eine neue Mitte für das Osterbrookviertel, die einlädt zu Aufenthalt und Begegnung. Haupteingang und offener Treff des Elbschloss an der Bille orientieren sich zu dem neuen Quartiersplatz. Dieser verbindet das Gebäude direkt mit dem gegenüberliegenden neuen Spielplatz am Ufer der Bille.

Fokus Kooperationen: Projektsteuerung unter Einbindung eines breiten Akteursspektrums

Basis des Projektes ist die Entwicklung eines innovativen Träger- und Nutzungskonzeptes, das bestehende und neue, geschlossene und offene Angebote unterschiedlicher Träger miteinander verknüpft. Das Gesamtkonzept des Elbschlosses führt unterschiedliche soziale Funktionen und Angebote innovativ zusammen. Stationäre und ambulante Betreuung sowie Beratung werden mit offenen sozialen Angeboten für alle Generationen verknüpft. Dieses Konzept macht die Besonderheit des Projektes aus und soll die wirtschaftliche Tragfähigkeit sicherstellen.

Die Federführung der Konzeptentwicklung liegt beim Sozialmanagement der BGFG. Das Sozialmanagement hat die Unterstützung der Nachbarschaften in den Quartieren der BGFG zur Aufgabe und leistet Beiträge für eine zukunftsorientierte Entwicklung des Wohnungsbestandes. Darüber hinaus fördert die BGFG mit der Elisabeth-Kleber Stiftung seit einigen Jahren direkt soziale Projekte z. B. der Jugend- und Altenhilfe.

Wichtigster Partner bei der Entwicklung des Träger- und Nutzungskonzeptes ist die Alida-Schmidt-Stiftung. Die Stiftung ist über das Familiennetzwerk Hamm bereits engagiert im Quartier tätig und steht in Kontakt mit vielen anderen Trägern. Sie richtet zum einen in dem Gebäude, das für ein Nachbarschaftszentrum allein zu groß wäre, im 1.und 2. OG Wohnungen für betreutes Wohnen junger Mütter mit Kindern und psychisch kranker Frauen ein. Zum anderen übernimmt sie z. T. Trägerfunktionen für den Erdgeschossbereich.

Der Runde Tisch der Schlüsselakteure ist ein zentrales Instrument der Kooperation im Rahmen der Entwicklung und Umsetzung des Nachbarschaftszentrums. Es gibt drei Arbeitsebenen:

  • Die Steuerungsgruppe des Projektträgers mit der Alida-Schmidt-Stiftung/Familiennetzwerk Hamm und dem Projektpartner raum + prozess übernimmt wesentliche Aufgaben des Projektmanagements. Sie ist auch Schnittstelle zur Projektleitung und technischen Planung.
  • Die Trägerrunde bindet die künftigen festen Mieter in die Planung ein.
  • Die Kooperationsrunde ist das kreative Beteiligungsgremium der aktiven und interessierten Träger, die bereits im Quartier aktiv sind und gemeinsam mit festen Mietern im Elbschloss kooperativ An-gebote für das Quartier entwickeln.

Die Steuerungsgruppe nimmt an allen Runden teil, so dass ein Informationsaustausch jederzeit gegeben ist. Die "Dramaturgie" des Bewohnerbeteiligungsprozesses wird mit den Kooperationspartnern abgestimmt. Die Ergebnisse des Abstimmungsprozesses werden fortlaufend in die Umbauplanung eingespeist, um Fehlplanungen zu vermeiden.

Der kooperative Arbeitsprozess macht es erforderlich, stets flexibel auf aktuelle Entwicklungen und Erwartungen der Akteure zu reagieren. Für die Projektsteuerung ist es eine große Herausforderung, einerseits auf dem Weg der kleinen Schritte möglichst große Transparenz herzustellen und auf der anderen Seite die Entscheidungsträger mit knappem Zeitbudget so viel wie möglich und nicht mehr als nötig einzubinden.

Aus einem komplizierten, dynamischen Geflecht von Trägern, Ämtern, Konzepten, Programmen und Projekten mit vielfältigen Zuständigkeiten müssen die richtigen Personen für die Unterstützung auf der politischen Ebene angesprochen und die geeigneten Partner als Träger für einzelne inhaltliche Bausteine gefunden werden.

Auf der Basis der Abstimmungen in der Kooperationsrunde wurden wesentliche Bausteine bereits in die Umsetzung gebracht:

  • Das Eltern-Kind-Zentrum kann bis zur Fertigstellung des Nachbarschaftszentrums in den Räumen der Dankeskirche angeboten werden.
  • Der Schülerbetrieb für das geplante Café startete im September 2007 mit einem Probebetrieb. Einmal wöchentlich wird ein Schülerkurs den Seniorentreff in der Dankeskirche bewirten.

Die Kirche ist ein engagierter Partner im Arbeitsprozess. Vor dem Hintergrund der mit dem Nachbarschaftszentrum bestehenden neuen Entwicklungschancen für das Quartier hat die Pastorin eine halbe Stelle zur Unterstützung bekommen. Mit dieser Unterstützung soll sich die Kirche im Quartier und im Entwicklungsprozess für das Nachbarschaftszentrum positionieren und diesen unterstützen.

Fokus Prozess: Aktivierung der Nutzer schon in der Planungsphase

Um den Rahmen für Aneigung und bürgerschaftliches Engagement bedarfsgerecht entwickeln zu können, sollten die Menschen im Quartier so früh wie möglich in die Planung und die Umsetzung so-wie den Betrieb eingebunden werden. Der Beteiligungsprozess sollte offen für die Ideen der Beteilig-ten sein. Auf der anderen Seite war es wichtig, die grundsätzliche Tragfähigkeit des Projektes vorab über die Einbindung von Trägern weitgehend zu sichern, damit ein konkreter und gesicherter finanziel-ler und inhaltlicher Spielraum für den Beteiligungsprozess angeboten werden konnte.

Das Beteiligungs- und Aktivierungskonzept wurde ausgehend von der Erfahrung entwickelt, dass die Menschen im Osterbrookviertel sich Räume kaum selbstverständlich aneignen und vielfach Schwel-lenängste zu überwinden sind. Es setzt deswegen auf die direkte Ansprache und die Gewinnung von Multiplikatoren, die die Brücke zu Bewohnern bilden, die nur schwer zu erreichen sind. Eigeninitiative und bürgerschaftliches Engagement sollen so angestoßen und unterstützt werden.

Milieustudie als Basis

Im Rahmen einer Milieustudie wurden zu Beginn des Prozesses soziale Bedürfnisse im Quartier erfasst und Möglichkeiten für die Motivation der Bewohner zur Mitwirkung an der Projektentwicklung und für die Aneignung der Räume im Nachbarschaftszentrum untersucht. In Gesprächen mit Schlüsselak-teuren wurden Anknüpfungspunkte ermittelt, über die Bewohnerinnen und Bewohner umfassend ein-bezogen und beteiligt werden können.

Ziel einer anschließenden schriftlichen Befragung von ca. 1900 Haushalten im Osterbrookviertel war es, die Sicht der Bewohnerinnen und Bewohner auf ihr Quartier, ihre Wünsche und Bedarfe sowie ihre Bereitschaft zur Mitarbeit kennenzulernen. Der Rücklauf betrug ca. 10%. Da Menschen mit Migrati-onshintergrund sowie Kinder und Jugendliche mit der Befragung nicht erreicht wurden, wurden für diese Zielgruppen besondere, niedrigschwellige Beteiligungsangebote entwickelt.

Offene Beteiligungsformate mit Festcharakter, die es ermöglichen sich zu begegnen, zu infor-mieren und einzubringen, haben sich im Osterbrookviertel als gut geeignet erwiesen, um unterschied-liche Bewohnergruppen anzusprechen und das öffentliche Stadtteilleben als wichtige Basis für die Aneignung des Nachbarschaftszentrums anzuregen. Die Milieustudie und die Gespräche mit den lo-kalen Akteuren haben dafür wichtige Anknüpfungspunkte geliefert.

Insgesamt waren im Laufe der Aktivierenden Beteiligung ein wachsendes Interesse sowie die Bereitschaft zur Mitwirkung zu beobachten - sowohl in Bezug auf nachbarschaftliche Aktivitäten als auch im Hinblick auf weitergehende Fragen der Stadtteilentwicklung.

Erfahrungen und Übertragbarkeit

Die Wohnungsgenossenschaft übernimmt mit ihrer Initiative für den Aufbau eines Nachbarschaftszentrums eine hohe Verantwortung für die Entwicklung des Osterbrookviertels. Der auf einer breiten Kooperationsbasis im Stadtteil fußende Ansatz der Projektentwicklung erweist sich als gewinnbringend für die Realisierung des generationenübergreifenden Ansatzes. Die frühzeitige und umfassende Beteiligung der Stadtteilakteure und Bewohnerinnen sorgt für ein vielfältiges von Beginn an mit Leben gefülltes Angebot, das den Bedürfnissen der Menschen im Stadtteil entspricht.

Weiterführende Informationen

Die Projektbeschreibung können Sie sich hier auch als barrierefreie PDF herunterladen.
Download (pdf/527-KB)

Zusätzliche Informationen erhalten Sie auch auf folgenden Internetseiten:



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