Logo: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung



Mehrgenerationenhaus Ingelheim West

Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere - Modellvorhaben

Angaben zum Projekt
Kontakt

Mehrgenerationenhaus Ingelheim
Matthias-Grünewald-Straße 15
55218 Ingelheim
Tel.: +49 613 287831

Mail: mgh@ingelheim.de
www.mehrgenerationenhausingelheim.de

ProjekttypErweiterung Kindertagesstätte
Nutzflächeca. 1.000 m²
TrägerKommune
AkteureKindergemeinschaftshaus Ingelheim, Mehrgenerationenhaus Ingelheim, Stadt Ingelheim
ZielgruppenQuartiersbewohner, Familien
AngebotsprofilUmfassender Mehrgenerationenhausansatz mit Offenem Bereich, Dienstleistungsdrehscheibe, Bürgerterminal etc.

Kontext

Ingelheim am Rhein ist eine Stadt mit 26.500 Einwohnern. Sie ist die größte Stadt im Landkreis Mainz-Bingen und Sitz der Kreisverwaltung. In den 1960er und 70er Jahren bildete sich der Stadtteil Ingelheim-West, der viele junge Familien anzog und heute ca. 5.100 Einwohner hat. Die Bebauung ist geprägt von Einfamilien- oder Reihenhäusern mit sozial stabilen Haushalten und nur vereinzeltem Geschosswohnungsbau, in dem einkommensschwächere Haushalte leben. Die Altersstruktur im Stadtteil entspricht dem Durchschnitt der Stadt Ingelheim und weist lediglich in der Altersgruppe der über 50-jährigen leicht erhöhte Anteile auf. Dies belegt, dass viele der Einwohner, die in den 1960er und 1970er Jahren in den Stadtteil gezogen sind, mit "ihrem Stadtteil älter" geworden sind. Der Anteil von Migranten ist gegenüber der Gesamtstadt leicht überdurchschnittlich (gut 13 %). Ingelheim-West hat bis heute keine gewachsene Ortsstruktur entwickelt. Der Bedarf nach wohnortnahen Dienstleistungen und nach einer verbesserten Infrastruktur bezüglich des Einkaufens und der Freizeitgestaltung ist hoch. Ein bestehendes Kindergemeinschaftshaus zu einem Mehrgenerationenhaus ausgebaut, um den Bedarfen im Stadtteil Rechnung zu tragen.

Angaben zum Quartier
Einwohnerca. 5.140
Lage im StadtgebietNordwestlicher Stadtrand
Quartierstypk.A.
SozialstrukturKinder und Jugendliche 20 %
Menschen über 60 Jahre 23 %
Einwohner mit Migrationshintergrund 15 %
Transfereinkommen k.A. %
NutzungenWohnen, soziale Infrastruktur


Konzept

Mit dem Mehrgenerationenhaus soll ein Ort der Begegnung geschaffen werden, in dem die verschiedenen Generationen und Nutzergruppen nicht nur die ihren Bedürfnissen entsprechenden Angebote vorfinden, sondern gleichzeitig miteinander in Austausch treten und Formen der gegenseitigen Unterstützung aufbauen können. Ein wesentliches Element stellt dabei die Dienstleistungsdrehscheibe dar, die auf drei Ebenen angesiedelt ist: Zum einen werden Dienstleistungen und Angebote im Haus erbracht, wie beispielsweise Hausaufgabenbetreuung oder Computerkurse. Zum anderen werden Dienstleistungen außer Haus bei den Bewohnern vor Ort angeboten, wie Einkaufsdienste oder Haustierbetreuung. Zum dritten sollen Waren und Serviceleistungen im Haus von Nutzern für Nutzer angeboten werden. Dafür werden im Mehrgenerationenhaus Ladenboxen eingerichtet. Das Café als "Herzstück" des Mehrgenerationenhauses bildet die offene Anlaufstelle, in der sich alle Generationen ungezwungen und ohne Erwartungsdruck begegnen können. Daneben wird das Mehrgenerationenhaus aber auch Rückzugsmöglichkeiten für die einzelnen Nutzergruppen bieten. Denn nicht alle Angebote müssen und sollen generationenübergreifend angelegt sein.

Finanzierung

Das Projekt wird neben der Förderung aus dem Modellvorhaben "Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere" vom Land Rheinland-Pfalz und dem Landkreis Mainz-Bingen gefördert. Der größte finanzielle Anteil zum Bau des Mehrgenerationenhauses mit ca. 3 Millionen Euro liegt bei der Stadt Ingelheim, die auch das Grundstück bereitstellt. Bei der finanziellen Absicherung des Betriebes übernimmt die Stadt Ingelheim mit den allgemeinen Betriebskosten und den Personalkosten für das Mehrgenerationenhaus den größten Anteil. Durch die Aufnahme des Projektes in das Aktionsprogramm "Mehrgenerationenhäuser" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) steht hier eine Förderung für die Laufzeit von fünf Jahren in Höhe von jährlich 40.000 Euro für Sach- und Personalkosten zur Verfügung. Hinzu kommt die Finanzierung nach dem Kindertagesstättengesetz Rheinland-Pfalz für die Bereiche Krippe und Hort. Sie werden finanziert durch das Land, den Kreis, Elternbeiträge und Eigenanteile der Stadt.

Aspekte der generationen- und zielgruppenübergreifenden Nutzung

Das Mehrgenerationenhaus richtet sich ganz bewusst an alle Einwohner- und Einwohnerinnen von Ingelheim-West, unabhängig von Alter, Religion, Nationalität und kulturellem Hintergrund. Es spricht Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren, Alleinstehende und solche, die sich einsam fühlen, Menschen in besonderen Lebenslagen sowie alle, die Kontakt und Gesellschaft suchen, an. Es verfolgt in seiner Zielsetzung und seinem multifunktionalem Ausbau damit ganz explizit einen Mehrgenerationenansatz, ohne dabei die Individuellen Entfaltungsbedürfnisse einzelner Zielgruppen zu vernachlässigen.

Wechselbeziehungen Wohnen: Freiflächen: Gemeinschaftseinrichtungen

Das Mehrgenerationenhaus liegt am Westrand des Stadtteils Ingelheim-West in etwa in der Mitte des Quartiers. Wechselbeziehungen zwischen der Gemeinschaftseinrichtung und dem angrenzenden Freiraum entstehen in hohem Maße zur angrenzenden Freifläche, die in der Spielleitplanung der Stadt eine herausgehobene Stellung erhalten hat. Die Freifläche wurde in unmittelbaren Zusammenhang zum Mehrgenerationenhaus gestaltet.

Fokus bauliche Aspekte: offene Bereiche für das Miteinander

Das zukünftige Mehrgenerationenhaus Ingelheim-West soll mit seinen Angeboten und Möglichkeiten Menschen aller Generationen und somit aller Altersstufen im Stadtteil ansprechen. Wesentliche Grundgedanken bei der baulichen Konzeption des Mehrgenerationenhauses waren deshalb:

  • Präsenz des Mehrgenerationenhauses im öffentlichen Raum,
  • großzügige Raumstrukturen für Menschen mit Handicap,
  • eine offene, flexible Baustruktur für unterschiedlichste Nutzungen,
  • kommunikationsfördernde, offene und übersichtliche Haupterschließung,
  • gleichzeitig Möglichkeit zur eigenständigen Erschließung der Einheiten von Außen,
  • differenzierte Außenraumstruktur, die Innenräumen unterschiedliche Außenräume zuordnet.

Als geeignetes Mittel für ein mögliches Miteinander werden zunächst offene Bereiche und Kommunikationszonen ausgebildet, die allen Nutzern zu einem zwanglosen Kontakt zur Verfügung stehen. Daneben wird in unspezifische Bereiche ohne Nutzungsfestlegung und solche, die über bestimmte Nutzungsmöglichkeiten definiert werden, unterschieden. Neben gemeinschaftlich orientierten Bereichen bieten flexibel nutzbare Bereiche von Gruppenräumen bis zu Büros für Vereins- oder Beratungsarbeit Möglichkeiten für das Mit- und Nebeneinander. Eine weitere Differenzierung entsteht dadurch, dass im Erdgeschoss die "öffentlicheren" frei zugänglichen Räume angesiedelt sein werden (z.B. Café) und sich im Obergeschoss die eher ruhigeren Bereiche befinden (z. B. Beratungsräume und zwei Wohnzimmerbereiche: ein Jugendbereich mit "jugendlichen" und ein anderer mit seniorengerechten Möbeln). Inwiefern dieses Vorhaben funktioniert, wird sich in der Praxisphase zeigen.

Beim Bau des Mehrgenerationenhauses wurde sehr viel Wert auf Umweltfreundlichkeit gelegt. Das Haus zeichnet sich durch Solartechnik, Regenwassernutzung, alle Formen der Wärmerückgewinnung einschließlich einer Geothemie-Anlage mit 100 m Erdbohrung aus.

Fokus Zielgruppen: Vom Kindergemeinschaftshaus zur Anlaufstelle für alle Generationen

Mit einer breiten Information und Beteiligung sowohl der Kooperationspartner (Schulen, Kirchen, Beratungsstellen, Vereine, Verbände, Unternehmen etc.) als auch der Bewohner in Ingelheim-West bereits in der Planungsphase wird sichergestellt, dass das Mehrgenerationenhaus gut angenommen und mit Leben gefüllt wird. Die verschiedenen Kooperationspartner und die künftig in das Haus integrierten Organisationen werden aktiv in Workshops und Planungssitzungen an an der konzeptionellen Ausgestaltung beteiligt. Weiterhin finden in regelmäßigen Abständen öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen statt, anlässlich derer gezielt Bedarfe und Anregungen aus der Bevölkerung abgefragt werden. Ebenso werden in der regelmäßig erscheinenden Stadtteilzeitung über den Fortschritt der Planungen informiert.

Die Potentiale der einzelnen Zielgruppen, sich in den Planungsprozess und in die Ausgestaltung der Angebote einzubringen, sind unterschiedlich. Grundsätzlich soll sich jeder nach seinen Kompetenzen und Fähigkeiten bzw. Interessen in die Arbeit des Mehrgenerationenhaus einbringen können. Dabei steht das Motto: "jung hilft alt; alt hilft jung" im Fokus. Als eine wichtige Voraussetzung für die Aktivierung und Beteiligung unterschiedlicher Zielgruppen hat sich ein Pool von Betreuern erwiesen, auf den auch kurzfristig zurückgegriffen werden kann. Ein rein ehrenamtlicher Aufbau wird nicht empfohlen, da gerade zu Beginn eine verlässliche Kontinuität, die Hauptamtliche oder Honorarkräfte leichter bieten können, gefordert ist.

Fokus Betriebskonzept: Haupt- und Ehrenamt Hand in Hand

Das besondere Betriebskonzept in Ingelheim besteht aus dem bewussten Wechselverhältnis zwischen professioneller Arbeit im Mehrgenerationenhaus und der Öffnung der Einrichtung für das freiwillige Engagement, für das es in dem Vorläufer des Projektes dem Kindergemeinschaftshaus schon lokale Erfahrungen gibt. Als ein Erfolgsfaktor für generationenübergreifende Projekte ist die gemeinsame Motivation aller Beteiligten zu nennen. Wenn den Interessen und Zielen aller beteiligten Generationen Rechnung getragen wird, besteht eine gute Chance für gegenseitigen Respekt und Verständnis sowie die Entwicklung einer Partnerschaft.

Als eine ganz wesentliche Voraussetzung für das Gelingen der generationenübergreifenden Arbeit im Mehrgenerationenhaus wird aber auch ein qualifiziertes Mitarbeiterteam im Haus angesehen. Das Team sollte sich auf diese Arbeit gezielt vorbereiten. Denn zur generationenübergreifenden Arbeit gehört u.a. auch die Fähigkeit zum Dialog, zum Austausch und zur konstruktiven Streitkultur. Bestehende Vorurteile und Konflikte zwischen den Generationen gilt es aufzugreifen und zu bearbeiten. Die Kommunikation mit allen Beteiligten (Jung und Alt, Ehrenamtliche und Hauptamtliche) muss auf gleicher Augenhöhe erfolgen.

Auf diesem Weg wurde in Ingelheim ein Leitbild entwickelt, um alle Menschen im Haus einzubeziehen und zusammenzuführen, eine gemeinsame Zielsetzung zu erarbeiten und Wege zu entwickeln, um diese Ziele zu erreichen. Das Leitbild wurde in mehreren Stufen mit unterschiedlichen Akteuren erarbeitet: Zunächst wurden Kooperationspartner des Mehrgenerationenhaus und Vertreter aus Stadt und Politik eingebunden. Daraufhin folgten die Hauptamtlichen des KGH als Wurzel des Hauses und Mehrgenerationenhaus-Mitarbeiterinnen. In der nächsten Stufe gaben Ehrenamtliche und Honorarkräfte Impulse, die anschließend durch Hauptamtliche und Schlüsselpersonen überarbeitet wurden. Auf der Abschlussveranstaltung wurde das Leitbild vorgestellt und in einer und Open-Space-Veranstaltung konkretisiert.

Erfahrungen und Übertragbarkeit

Ankerpunkt der Entwicklung des Mehrgenerationenhaus Ingelheim ist das Kindergemeinschaftshaus, in dem bereits erste Ansätze generationenübergreifender Arbeit und ehrenamtlichen Engagements vorhanden waren. In der baulichen Konzeption wird den Bedarfen der unterschiedlichen Generationen durch unterschiedliche Zonierungen - von öffentlich bis privat, von aneignungsoffen bis zu definierten Räumen für einzelne Zielgruppen - Rechnung getragen. Die gemeinsame Entwicklung eines Leitbildes und die Erstellung von "Regeln" für den zukünftigen Betrieb hat viele Akteure und Bewohner schon frühzeitig in der Entwicklungsphase an das Mehrgenerationenhaus gebunden.

Weiterführende Informationen

Die Projektbeschreibung können Sie sich hier auch als barrierefreie PDF herunterladen.
Download (pdf/553-KB)



Diese Seite:

© Copyright by BBR. Alle Rechte vorbehalten.