Offenburg - Innenstadt: Stadtteil- und Familienzentrum Innenstadt
Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere - Modellvorhaben
| Kontakt | SFZ Innenstadt Fachbereich Bürgerservice und Soziales |
| Projekttyp | Kommunale Konzeption. SFZ Innenstadt: Neubau, Umbau und Sanierung bestehender Gebäude |
| Nutzfläche | ca. 800 m² |
| Träger | Kommune |
| Akteure | Stadt Offenburg, Bürger, Türkischer Elternbeirat, Moschee, Seniorenbeirat |
| Zielgruppen | Quartiersbewohner |
| Angebotsprofil | Kindertagesstätte, offenes Raumangebot für den Stadtteil |
Kontext
Die 2004 von der Stadt Offenburg veröffentlichte Konzeption "Offenburger Stadtteil- und Familienzentren" (SFZ) sieht vor, dass die kommunalen sozialen Dienstleistungen, von der Kindertagesstätte bis zur Erwachsenen- oder Seniorenarbeit, in lokalen Zentren gemeinwesenorientiert unter einem Dach angeboten und weiterentwickelt werden. Auf der Basis dieses Rahmenkonzepts gestalten die einzelnen Einrichtungen aufgrund der lokalen Gegebenheiten im Dialog mit den Bewohnern im Stadtteil ihre individuellen Handlungskonzepte.
Im Rahmen eines stadtweiten Beteiligungsprozesses wurde der Bedarf für ein Stadtteil- und Familienzentrum in der Innenstadt formuliert. Die Bevölkerungsstruktur der Innenstadt Offenburgs ist geprägt von Bevölkerungsverlusten, höheren Anteilen von kleinen und eher kinderlosen Haushalten sowie deutlichen Segregationserscheinungen.
| Einwohner | ca. 3.700 |
| Lage im Stadtgebiet | Innenstadtnahes Quartier mit gemischten Baustrukturen |
| Quartierstyp | Großsiedlung der 1950er Jahre |
| Sozialstruktur | Kinder und Jugendliche 17 % Menschen über 65 Jahre 18 % Einwohner mit Migrationshintergrund 20 % Transfereinkommen ca. 3 % |
| Nutzungen | Wohnen, innerstädtischer Handel |
Konzept
Seit der Eröffnung des ersten SFZ im Jahr 1983 wurden bis heute fünf weitere Stadtteil- und Familienzentren in interschiedlichen Trägerschaften geschaffen. Auch
wenn die Stadtteil- und Familienzentren über eine ähnliche Grundstruktur verfügen, unterscheiden sie sich in der situativen sozialräumlichen Bedarfslage, der mit einer bedarfsgerecht zugeschnittenen Angebotsstruktur Rechnung getragen wird. Struktur und Angebot der Zentren sind eingebettet in das 1989 entstandene und bis heute fortgeführte kommunalpolitische Schwerpunktprogramm "Kinder- und familienfreundliches Offenburg".
Der städtischen Gesamtkonzeption folgend wurden 2007 in der Innenstadt Offenburgs kommunale Einrichtungen zu einem SFZ zusammengeführt. Das "SFZ Innenstadt" in kommunaler Trägerschaft unterstreicht am Standort Bürgerpark in unmittelbarer Nachbarschaft zur Moschee seine Funktion als "neutraler" konfessionsübergreifender Partner in der Zusammenarbeit im Stadtteil. Aufgabe des Zentrums ist es, eine positive Innen- und Außenwirkung des Stadtteils zu schaffen und die Stadtteilidentität zu fördern. Die Quartiersarbeit fokussiert sich auf die soziale Räume und Netzwerke der Menschen. Sie unterstützt die Selbstorganisation der Bewohner.
Mittelpunkt des ca. 800 qm Nutzfläche umfassenden neuen Stadtteil- und Familienzentrums wurde ein multifunktionaler Veranstaltungsraum, der an die Kindertagesstätte angegliedert ist. Das Billet´sche Schlösschen als historische Villa wurde in den Gesamtkomplex einbezogen und vor allem für die Unterbringung der Serviceeinrichtungen sowie eines Bürgersaals genutzt. Als weiterer Bestandteil des SFZ wird das benachbarte, derzeit als Jugendtreff genutzte Gebäude (TIP) zum generationenübergreifenden Selbstlern- und Medienzentrum umgebaut.
Finanzierung
Die Finanzierung der Kosten des Stadtteilund Familienzentrums (3,15 Mio. Euro) erfolgte im Rahmen einer gesamtstädtischen Strategie aus kommunalen Mitteln und wurde in Teilen aus Mitteln der Städtebauförderung gefördert. Die Betriebs-, Personal- und Sachkosten von ca. 500.000 Euro pro Jahr werden aus dem städtischen Haushalt finanziert.
Mit der Einführung der Budgetierung wurde die Stärkung der Eigenverantwortung und Kompetenzen der Einrichtungen im Umgang mit den Ressourcen vorangetrieben. Innerhalb ihres Finanzvolumens können die Stadtteil- und Familienzentren eigenverantwortlich ihre Einnahmen und Ausgaben planen und abwickeln. Eine zweite wesentliche Neuerung der Budgetierung war die Übertragbarkeit der Haushaltsmittel von einem ins folgende Haushaltsjahr und damit die Möglichkeit, die nicht vollständig verbrauchten Gelder ins nächste Geschäftsjahr mitzunehmen. Die damit verbundenen Verhaltensänderungen im Umgang mit den Ressourcen führten zu einem effektiveren und effizienteren Mitteleinsatz.
Aspekte der generationen- und zielgruppenübergreifenden Nutzung
Eine lokale Quartiersstudie zur Lebensqualität in Offenburger Stadtquartieren (Becker 2002) hat gezeigt, dass es gelingen kann, generationsübergreifende Anlässe zum Miteinander zu schaffen, weil und wenn in den Stadtteil- und Familienzentren Angebote und Aktivitäten stattfinden, die mit den jeweiligen heterogenen Bevölkerungsgruppen quasi nebeneinander stattfinden können. Zum Konzept der Stadtteil- und Familienzentren gehört es darüber hinaus, mehr solcher Gelegenheiten zur generationen-/ kultur-/schicht- und geschlechterübergreifenden Begegnungen und Kontakten zu schaffen. Dies wird durch den Einbezug aller Nutzergruppen der Zentren bei den stadtteilbezogenen Aktivitäten wie z.B. Stadtteilfesten und die Beteiligung an den hausinternen Partizipationsformen bewerkstelligt.
Wechselbeziehungen Wohnen: Freiflächen: Gemeinschaftseinrichtungen
Das Stadtteil- und Familienzentrum Innenstadt ist im nördlichen Bereich des Bürgerparks in nächster Nähe zur Altstadt und zu zwei weiteren Wohngebieten mit gemischten Baustrukturen angesiedelt. Der Bürgerpark gilt als Erlebnisraum für die ganze Familie. Mit seiner hohen Aufenthaltsqualität ist er wichtiger Kristallisationspunkt im Stadtteil. Die Lage am Rand des Parks eröffnet für das Stadtteil- und Familienzentrum erweiterte Freiraumnutzungen, umgekehrt fördert die soziale Einrichtung die Attraktivität des Parks. Die Lage im Park und zur angrenzenden Wohnbebauung bietet aber auch Potenziale für Konflikte, z.B. Lärmbelastung.
Fokus Prozess: Ressortübergreifende Zusammenarbeit im Rahmen einer kommunalen Gesamtstrategie
Im Rahmen des Projektmanagements der Stadt Offenburg gehört es zum Standard, zur Verwirklichung von wichtigen kommunalen Projekten fachbereichsübergreifende Lenkungsgruppen einzurichten. Die Lenkungsgruppe zum "SFZ Innenstadt" bestand aus Vertretern der beteiligten Fachabteilungen (Hochbau, Bürgerservice/Soziales) und dem mit der Umsetzung beauftragten Architekturbüro. Der Projektverlauf wurden regelmäßig in den halbjährlich stattfindenden Stadtteilkonferenzen den Vertretern der Institutionen, Vereine und Gruppierungen im Stadtteil Innenstadt vorgestellt und diskutiert. Gleichzeitig wurde auch im Gemeinderat über den Stand der Maßnahme und den Projektfortschritt berichtet.
Die Besetzung der neu geschaffenen Personalstelle der Gesamtleitung des "SFZ Innenstadt" wurde bereits ein Jahr vor Inbetriebnahme der Einrichtung festgelegt und der zukünftige Leiter in die Entwicklung der Einrichtung eingebunden. Zu seinen Aufgaben gehörte es, sich immer wieder "vor Ort" einen Eindruck über den Fortschritt zu verschaffen und die gewonnenen Erkenntnisse und Anregungen in die Lenkungsgruppe einzubringen. Die aktive und wirkungsvolle Steuerung dieses Projektes zeichnete sich damit durch eine ausgeprägte Informations-, Kommunikations- und Koordinationskultur aus, die sich schwerpunktmäßig auf die verwaltungsinternen Abläufe bezogen hat.
Die frühzeitige Einbindung der zukünftigen Nutzer der Einrichtung in den Projektverlauf hat die Identifikation der Mitarbeiter mit der Einrichtung richtungweisend positiv beeinflusst und befördert. Dazu wurden auch Meilensteine in der Entwicklung der Einrichtung als Rituale für das zukünftige Gesamtteam fest verankert. Diese Gelegenheiten wurden dazu genutzt, einerseits die Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt zu forcieren, andererseits die zukünftigen Nutzer mit ihren Anregungen im Entwicklungsprozess zu beteiligen.
Fokus bauliche Aspekte: Drei Standorte, ein Familienzentrum
Das SFZ Innenstadt wurde als Netzverbund von drei in geringer räumlicher Entfernung innerhalb eines öffentlichen Parks gelegenen Gebäuden geplant. Gemeinsam schaffen zwei der Gebäude – Neubau und Billet´sches Schlösschen – eine Art Insel im Bürgerpark, die sich in das vorhandene Wegenetz einfügt. Weiterhin wurde ein benachbartes, derzeit als Jugendtreff genutztes Gebäude (TIP) in die Planungen mit einbezogen und zum generationenübergreifenden Selbstlern- und Medienzentrum umgebaut, so dass es Jugendliche wie auch Erwachsene anspricht.
Das denkmalgetreu renovierte Billet´sche Schlösschen hat im Erdgeschoss einen offenen Bürgerraum, der mit einer Teeküche und einer Terrasse am Mühlbach für seine Nutzung komplettiert wurde. Der von allen Seiten fußläufig zu erreichende Komplex des Neubaus ist als öffentliches Gebäude transparent gestaltet, um die bürgernahe Nutzung nach außen zu betonen. Der Neubau gliedert sich in einen südlichen und östlichen Flügel. Im Osten ist der Kindertagsstättenbereich mit einem separaten Eingang untergebracht. Im Südflügel befinden sich der Mehrzweckraum und die Räume für Schulkinder und Erwachsene. Zwischen den beiden Nutzungseinheiten befindet sich der im Gastronomie-Standard ausgestattete Küchentrakt. Er kann von beiden Einheiten aus genutzt werden. Die großzügige Verglasung verbindet das Gebäude mit dem Außenbereich des Bürgerparks.
Die Gebäudestruktur des Stadtteil- und Familienzentrums mit Verteilung der verschiedenen Angebotsformen auf drei Gebäude ermöglicht es, den Zielgruppen entsprechende Räumlichkeiten und Nutzungsmöglichkeiten zu eröffnen. Es befinden sich in jedem Gebäude Räume zur Nutzung im Rahmen bürgerschaftlichen Engagements. Dieses Raumkonzept erhöht die Möglichkeit, parallele Veranstaltungen unterschiedlicher Nutzergruppen störungsfrei durchzuführen. Die Gebäudestrukturen haben teilweise auch beschränkende Effekte für die Nutzung. Die großzügige Verglasung des Mehrzweckraums im Neubau schließt eine Nutzung für Veranstaltungen mit verdunkelbaren Räumen aus. Die Transparenz des Mehrzweckraums schließt ebenso Gruppenangebote aus, für die ein geschützter Rahmen nötig wäre. Informelle Treffen und Begegnungen verschiedener Nutzergruppen innerhalb des Hauses werden durch die Verteilung auf drei Gebäude eher behindert.
Erfahrungen und Übertragbarkeit
Die Entwicklung von "Stadtteil- und Familienzentren" als kommunale Strategie mit festgeschriebenen Zielen zeigt mehrere erfolgreiche Ansätze auf. Im Planungsprozess haben sich die ressortübergreifende Zusammenarbeit sowie der ständige Kontakt in den Stadtteil mit einer gleichzeitigen Stärkung von Netzwerkstrukturen im Stadtteil als sehr förderlich erwiesen. Die räumliche Dreiteilung des "SFZ Innenstadt" birgt die Vorteile der zielgruppenadäquaten Gestaltung, nachteilig könnten mangelnde Gelegenheiten zum Austausch unter den Generationen sein. Die finanzielle Absicherung in Bau und Betrieb durch kommunale Mittel ist als beispielhaft zu werten, insbesondere, da sie unter dem Aspekt des kostensparenden Betriebs sozialer Infrastruktur vorgenommen wird. Die Kombination aus Vorschul- und Quartierseinrichtung bringt den Vorteil der relativ stabilen finanziellen Absicherung des Personalbestandes der Einrichtung.
Weiterführende Informationen
Die Projektbeschreibung können Sie sich hier auch als barrierefreie PDF herunterladen.
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