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Sonneberg: Multifunktionales Zentrum Wolkenrasen

Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere - Modellvorhaben

Angaben zum Projekt
Kontakt

Stadtverwaltung Sonneberg
Bahnhofsplatz 1
96515 Sonneberg
Tel.: +49 3675 880200

Mail: organisation@erfurt.de
www.sonneberg.de

ProjekttypNeubau
Nutzflächeca. 1.600 m²
TrägerKommune und Kirchgemeinde in Kooperation
AkteureStadt Sonneberg, Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Sonneberg, Förderschule, Regelschule und Gymnasium des Stadtteils, Sportvereine, soziale Träger, Bürgernetzverein, Seniorenbeirat, Vertreter der Wohnungsunternehmen, Bürger
ZielgruppenQuartiersbewohner
AngebotsprofilMultifunktionales Zentrum für alle Aktivitäten von Gemeindearbeit bis Sport

Kontext

Der Sonneberger Stadtteil Wolkenrasen ist als Stadterweiterung in den 1950er bis 1980er Jahren entstanden. Heute lebt etwa ein Viertel der Stadtbevölkerung in der Plattenbausiedlung. Von dem allgemeinen Rückgang der Bevölkerung in Sonneberg ist der Stadtteil Wolkenrasen mit 27% Einwohnerverlust in den letzten 10 Jahren besonders betroffen. Das seit 2000 beschlossene Stadtentwicklungskonzept sieht vor, mehrere hundert Wohnungen zurückzubauen bzw. abzureißen. Gleichzeitig soll der seit Jahren vollzogene Aufwertungsprozess fortgesetzt werden. Durch die intensive Einbeziehung der Bevölkerung sollen die sozialen Strukturen stabilisiert und die Wohn- und Lebensverhältnisse spürbar verbessert werden. Seit 2006 gehört Sonneberg Wolkenrasen zu den Programmgebieten der Sozialen Stadt. Ein wesentlicher Beitrag für die Entwicklung des Stadtteils soll durch den Neubau des "Multifunktionalen Zentrums Wolkenrasen" auf einer zentral im Stadtteil gelgenen Brachfläche geleistet werden.

Angaben zum Quartier
Einwohnerca. 5.200
Lage im Stadtgebietsüdwestlicher Stadtrand
QuartierstypGroßsiedlung der 1950er Jahre, teilweise Plattenbauten der 1980er Jahre
SozialstrukturKinder und Jugendliche 8 %
Menschen über 65 Jahre 33 %
Einwohner mit Migrationshintergrund 2 %
arbeitslos 7 %
NutzungenWohnen, Gemeinbedarf


Konzept

Die Projektentwicklung, Umsetzung sowie die künftige Nutzung und der Betrieb des "Multifunktionalen Zentrums Wolkenrasen" erfolgen in enger Zusammenarbeit zwischen der Stadt Sonneberg und der Ev. Luth. Kirchgemeinde Sonneberg. Die Kirchengemeinde ist seit Jahren im Stadtteil aktiv und engagiert sich vor allem im Bereich der Kinder-, Jugend- und Elternarbeit. Die räumlichen Bedingungen für diese Arbeit waren jedoch nicht mehr ausreichend. Von Seiten der Stadt Sonneberg wurde der Bedarf nach Sport und Freizeitflächen gesehen. Stadtverwaltung und Kirchengemeinde entwickeln daher gemeinsam ein Multifunktionales Zentrum, um damit sowohl räumliche und soziale als auch betriebswirtschaftliche Synergien zu erzeugen.

Die Ziele und Strategieansätze für die Entwicklung des Multifunktionalen Zentrums sind vielfältig: Das neue Zentrum ist nicht nur bedeutsam für den Stadtteil, sondern es soll zu einem gesamtstädtischen Kultur- und Sporttreffpunkt werden. Den unterschiedlichen Anforderungen entsprechend wird der Neubau ein multifunktionales Raumprogramm aufweisen, das sowohl ausreichend Platz für Begegnung, Freizeit, Sport, Kultur sowie kirchliche Nutzungen bietet, als auch den unterschiedlichen Bedürfnissen der künftigen jungen und älteren Nutzern Rechung trägt. Der geplante Neubau wird sich in drei große Nutzungsbereiche gliedern, dazu gehören ein Begegnungszentrum, eine multifunktionale Halle und das kirchliche Gemeindezentrum.

Die intensive Einbeziehung der Stadtteilbevölkerung bei der Umsetzung und Nutzung dieses zentralen Projektes ist erklärtes Ziel. Dabei geht es vor allem darum, die Bewohner zu aktivieren, sich an der Entwicklung ihres Stadtteils zu beteiligen, ihnen aber auch gleichzeitig Hilfe zur Selbsthilfe sowie Unterstützung bei der Bewältigung ihrer Probleme zu bieten.

Finanzierung

Die Gesamtkosten für den Neubau des Multifunktionalen Zentrums betragen rund 4,6 Mio. Euro. Zur Finanzierung werden unterschiedliche Quellen genutzt: ‚Das Vorhaben wird aus den Programmen Soziale Stadt und TLSS (Thüringer Programm Sportstättenbau) gefördert. Die Stadt Sonneberg erbringt Eigenmittel (rund 1 Mio. Euro), die Ev.-Luth.Kirchengemeinde Sonneberg beteiligt sich ebenfalls mit 400.000 Euro. Im Rahmen der Teilnahme am ExWoSt-Forschungsfeld werden einzelne innovative Bausteine vom Bund gefördert.

Die zwischen Kommune und Kirchengemeinde vereinbarte Kooperationsvereinbarung beinhaltet, dass die laufenden Betriebskosten anteilig von den Projektpartnern erbracht werden. Die geplante Gebäudeleittechnik ermöglicht eine solche nutzerbezogene Abrechnung. Die Halle wird vorrangig von Sportvereinen genutzt werden; deren bisherige städtische Zuschüsse sollen nun für die Nutzung des Zentrums aufgewendet werden. Durch die Ansiedlung eines Stadtteilmanagements ist eine Förderung für Personal- und Sachkosten im Rahmen des Programms Soziale Stadt beantragt. Darüber hinaus konnte durch interne Umschichtungen eine Stelle für Sozialarbeit im neuen Zentrum durch die Kommune gesichert werden.

Aspekte der generationen- und zielgruppenübergreifenden Nutzung

Durch den angestrebten Nutzungsmix sollen alle Bevölkerungsgruppen angesprochen werden. Die gemeinsamen Interessen sollen mehr in den Mittelpunkt gerückt werden und auf diese Weise Jung und Alt stärker zusammen gebracht werden. Die Nutzungsvielfalt des Gebäudes soll auch dazu beitragen, möglichst zu verhindern, dass das neue Zentrum von einigen Gruppen dominiert oder im Lauf der Zeit stigmatisiert wird.

Wechselbeziehungen Wohnen: Freiflächen: Gemeinschaftseinrichtungen

Das Multifunktionale Zentrum ist durch seine Lage gut zu erreichen und passt sich gut in das Umfeld ein. Dies gilt auch für dessen Nähe zu den übrigen Infrastruktureinrichtungen als auch für seine Nähe bzw. ausreichende Distanz zur Wohnbebauung. Die Freiflächen des Zentrums, einschließlich der Freiluftbühne, haben öffentlichen Charakter. Eine Bespielung der umgebenden Freiflächen durch das Multifunktionale Zentrum ist geplant.

Fokus bauliche Aspekte: Multifunktionales Raumkonzept ermöglicht breiten Nutzungsmix

Der Neubau wird sich in drei große Nutzungsbereiche gliedern, dazu gehören ein Begegnungszentrum, eine multifunktionale Halle und das kirchliche Gemeindezentrum.

Eine wesentliche Säule des Begegnungszentrums bildet ein großer, teilbarer multifunktionaler Mehrzweckraum mit einer angegliederten kleinen Küche in zentraler Lage. Ein Medienraum wird den künftigen Computertreff beherbergen. Die Räume sind zu- und wegschaltbar, so dass Nutzungsflexibilität gegeben ist. Auch dem Begegnungszentrum zugeordnet ist ein Büro für das geplante Stadtteilmanagement. Die große Halle soll ebenfalls multifunktional nutzbar sein. Sie ist für den Freizeit- und Breitensport, nicht jedoch für Wettkampfsport konzipiert. Neben dem Sport ist die Halle auch für kulturelle Veranstaltungen nutzbar. Deshalb wird sie auch über eine Bühne verfügen. Diese ist unmittelbar mit einer geplanten Outdoorbühne verbunden, die auch vielfältige Veranstaltungen im Freien möglich macht. Die Besonderheit der Halle besteht in ihrer Nutzung auch für kirchliche Zwecke wie z.B. Gottesdienste. Sie wird deshalb mit einer Altarwand ausgestattet die während anderer Nutzungen abgedeckt wird. Aus den beschriebenen vielfältigen Nutzungen ergeben sich besondere Anforderungen an die Ausstattung der Halle, z.B. bezüglich der Akustik. Die Bühne wird technisch und funktionell mit dem Außenbereich verbunden. Im geplanten Neubau wird ein dritter Teilbereich ausschließlich kirchlichen Nutzungen vorbehalten sein. Dazu zählen das Büro der Gemeindeverwaltung einschließlich der Bibliothek sowie ein Andachtsraum und eine Pfarrerwohnung.

Das Multifunktionale Zentrum insgesamt ist barrierefrei und verfügt über einen Aufzug. Besonderer Wert wurde auf die Gestaltung des Eingangbereiches gelegt, der nicht nur großzügig und einladend, sondern auch Verbindungsglied zu den übrigen Bereichen sein soll. Die Vielfalt von Nutzungen und Nutzungszeiten erfordert eine sinnvolle Erschließung. So können Halle und Begegnungszentrum durch entsprechende Zugänge – abends oder an den Wochenenden – auch gesondert genutzt werden, zu Hauptnutzungszeiten erfolgt der Zugang jedoch über den zentralen Eingang.

Die Nutzung neuer Technologien spielt bei der baulichen Realisierung des Multifunktionalen Zentrums ebenfalls eine bedeutende Rolle: Das für das Zentrum entwickelte Energiekonzept setzt auf eine weitgehende Nutzung erneuerbarer und umweltfreundlicher Energie zur Wärmeversorgung. Das Multifunktionale Zentrum wird mit einer modernen Gebäudeleittechnik (GLT) und einem elektronischen Zutrittskontrollsystem ausgestattet werden. Ziel ist es, dadurch die laufenden Kosten für das Gebäude möglichst gering zu halten. Ausgehend vom Multifunktionalen Zentrum soll der Aufbau eines öffentlich zugänglichen Wireless LAN (WLAN) im Stadtteil Wolkenrasen verwirklicht werden. Mit Hilfe des freien funkbasierten Netzwerkes sollen ein äußerst kostengünstiger Zugang zum Internet und ein freier Datenaustausch der Teilnehmer möglich sein.

Fokus Projektsteuerung und Trägermodell: Stadtteilbezogene Kooperation von Kirche und Kommune

Die Projektsteuerung erfolgt durch die Stadt Sonneberg in enger Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde. In regelmäßigen Koordinierungssitzungen wird über den Projektstand beraten. An diesen Beratungen nehmen die Bürgermeisterin, das federführende Bauamt, das Amt für Kultur, Sport und Soziales, die Kirchgemeinde, der Gemeindekirchenrat, z.T. das Kreis- bzw. Landeskirchenamt und die beauftragten Büros teil. Bei Bedarf wird auch die Kämmerei hinzugezogen. Alle grundlegenden Planungsentscheidungen werden in diesem Gremium vorbereitet und beraten. Für alle zentralen Entscheidungen zu Kosten, Finanzierung und Betrieb werden Beschlüsse im Stadtrat und im Gemeindekirchenrat eingeholt. Grundsätzlich hat sich dieses Verfahren bewährt, weil durch die entsprechenden Beschlusslagen eine höchst mögliche Transparenz und Verbindlichkeit hergestellt wird. Hemmend wirkt diese Verfahrensweise, wenn kurzfristig grundsätzliche Anpassungen von Nöten oder innerhalb der Entscheidungsstrukturen der Projektpartner Lösungen strittig sind. Im Laufe der Projektentwicklung sind in der Abstimmung phasenweise Spannungen zwischen der Kirche und der Kommune Aufgetreten, so dass die Zusammenarbeit nicht immer einfach war. Es muss sich im Betriebsalltag zeigen, ob diese Spannungen zu bleibenden Störungen im Verhältnis der Kooperationspartner führen werden.

Träger des Multifunktionalen Zentrums wird die Stadt Sonneberg. Sowohl die Stadt als auch die Kirchengemeinde betreiben ihre Bereiche eigenständig, jedoch in enger Abstimmung. Die zwischen Stadt und Kirchgemeinde abgeschlossene Kooperationsvereinbarung regelt dies im Detail. Danach bilden Stadt und Kirchgemeinde Sondereigentum für ihre Bereiche, darüber hinaus wird Gemeinschaftseigentum gebildet. Die Kirchgemeinde erwirbt ihr Sondereigentum von der Kommune. Für die Finanzierung, den Bau und die spätere Nutzung sind Fragen der Grundstücksteilung zwischen Stadt und Kirchengemeinde zu klären, die in einem Notarvertrag geregelt werden. Zum Gemeinschaftseigentum gehören der Foyerbereich, die Nebenräume sowie die Haustechnik. Die Kirchgemeinde kann in Abstimmung mit der Stadt auch die übrigen Angebote (Mehrzweckräume, Halle, Jugendraum mit Werkstatt) nutzen. Für den künftigen Betrieb werden die Flächennutzungen durch die unterschiedlichen Akteure in der Kooperationsvereinbarung zwischen Kommune und Kirche klar definiert, auch um die später anfallenden laufenden Kosten (Betriebskosten, Instandhaltungen) für die künftigen Nutzer zu ermitteln. Die Kooperationsvereinbarung regelt auch die Verantwortlichkeit für die Vergabe der Nutzungszeiten und die Belegungspläne. Die Hausverwaltung erfolgt über einen zu beauftragenden Dritten.

Fokus Prozess: Aktivierung in der Planungsphase

Ende 2006 wurde der Stadtteil Wolkenrasen in das Programm Soziale Stadt aufgenommen. Die Ansätze und Ziele der projektbezogenen Aktivierungs- und Beteiligungsprozesse stehen deshalb in enger Wechselwirkung mit den im Integrierten Handlungskonzept benannten Handlungsfeldern und Schwerpunkten.

Über die Kooperation zwischen Stadt und Kirchengemeinde hinaus wurden bereits frühzeitig weitere Akteure vor Ort ins Boot geholt. Zu diesen wichtigen Akteuren zählen die Sportvereine, die sozialen Träger mit ihren Einrichtungen und Angeboten, die Schulen und Kindergärten im Stadtteil, die Wohnungsunternehmen sowie die Volkshochschule. Durch die Ansiedlung eines Stadtteilmanagements sowie einer Sozialarbeiterin der Stadt soll diese Zusammenarbeit weiter ausgebaut werden. Auch die Kooperation zum Bürgernetz zur Etablierung eines kabellosen Internet-Zugangs für alle Bewohner wurde ausgebaut.

Die Aktivierung von Bewohnern und Akteuren in der Planungsphase sollte dazu beitragen, bereits frühzeitig die Partner von morgen zu gewinnen, um ein möglichst vielfältiges und tragfähiges Programmspektrum zu entwickeln. Den Schulen im Stadtteil galt in der Planungsphase besonderes Augenmerk. Sowohl die Kinder und Jugendliche als auch deren Eltern zählen zu den wichtigen Zielgruppen von Aktivierungs- und Beteiligungsprozessen. Von Beginn an waren Schulleitungen, Lehrer und Schüler engagiert und voller Projektideen (z.B. Videoprojekt, Internetseiten) dabei. Bei der aktiven Beteiligung von Kindern und Jugendlichen wurde konsequent an deren Interessen angeknüpft und darauf geachtet, gemeinsam mit ihnen zeitnahe Ergebnisse zu produzieren. Bereits im Stadtteil aktive Bürgerinnen und Bürger wurden ebenfalls vermehrt in der Planungs- und Aktivierungsphase angesprochen. Gerade sie zählen zu den wichtigen Schlüsselpersonen und verfügen über funktionierende Netzwerke, die für Beteiligungsprozesse unverzichtbar sind. Ältere Menschen sind häufig sehr an Mitwirkung und Beteiligung interessiert. Nicht selten zählen sie zu der Gruppe, die sich am meisten an Aktionen oder Veranstaltungen zur Stadtteilentwicklung beteiligen.

Erfahrungen und Übertragbarkeit

Der Nutzungsmix zwischen kirchlicher Nutzung, offenen Stadtteilangeboten für unterschiedliche Altersgruppen sowie Sportveranstaltungen bringt hohe Anforderungen an die Multifunktionalität der Gemeinschaftseinrichtung sowie an bautechnische Details mit sich. Dies betrifft unter anderem die räumliche Zuordnung und Verbindung der einzelnen Bereiche sowie deren Ausstattung.

Die Projektentwicklung zwischen Kirche und Kommune in einem schrumpfenden Quartier und einer - entgegen dem Trend - wachsenden und lebendigen Kirchengemeinde ist interessanter Ansatz, um dem Stadtteil einen positiven Entwicklungsimpuls zu geben. Die komplexen Verhandlungen zwischen den Beteiligten zeigen Spielräume, Grenzen und Kreativität eines solchen Modells auf. Die angestrebte Nutzungs- und Nutzervielfalt sowie die nötige Mittelbündelung und differenzierte Eigentumsstruktur der neuen Einrichtung bringt auch eine Reihe von teilweise nicht unkomplizierten rechtlichen Fragen mit sich, die sowohl für den Bau als auch für den späteren Betrieb in einer Kooperationsvereinbarung gelöst wurden.

Die Beteiligungsprozesse zielen auf die Gewinnung und Einbindung verschiedener Akteure im Stadtteil als Partner und Unterstützer der Gemeinschaftseinrichtung vor allen Dingen in Hinblick auf den späteren Betrieb ab. Weiterhin wird die Bevölkerung des Stadtteils zielgruppenbezogen eingebunden.

Weiterführende Informationen

Die Projektbeschreibung können Sie sich hier auch als barrierefreie PDF herunterladen.
Download (pdf/530-KB)



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