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Dessau-Roßlau: Interkultureller Generationenpark

Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere - Modellvorhaben

Angaben zum Projekt
Kontakt

Dr. Kirsten Lott, Stadt Dessau-Roßlau,
Amt für Grundstücke, Gebäude und Grünflächen, Wörlitzer Platz 2, 06844 Dessau,
Tel: +49 340 2041167, kirsten.lott@dessau.de

Elisabeth KremerStiftung Bauhaus Dessau
Gropiusallee 38, 06846 Dessau,
Tel: +49 340 6508324, Kremer@bauhaus-dessau.de

http://www.bauhaus-dessau.de

ProjekttypPlätze und Parks in gründerzeitlichen Stadtquartieren
Nutzfläche71.000 m²/ 8.000 m² Vorpark Süd
EigentümerStadt Dessau-Roßlau
KooperationspartnerStiftung Bauhaus Dessau
AkteureStadt Dessau; Stiftung Bauhaus Dessau; Spielplatzinitiative, Multikulturelles Zentrum, Dessau; Avendi Seniorenheim; Jüdische Gemeinde Dessau, Dessauer Wohnungsbaugesellschaft DWG mbH
Planungohrer.hochrein, Magdeburg (Freiraumplanung), realities:united, Berlin (Lichtkonzept)

Kontext

Der Stadtpark in der Dessauer Innenstadt aus den 1960er Jahren ist ein Teil des IBA-Stadtumbauvorhabens. Die Veränderung der Bevölkerungszusammensetzung in den an den Stadtpark angrenzenden Quartieren ist auf viele andere schrumpfende Stadtteile übertragbar: Für die abgewanderte Mittelschicht und jüngere Bevölkerung rücken kaum junge Familien nach. In die leer stehenden Wohnungen ziehen v. a. marginalisierte Gruppen, wie Migranten, ältere Erwerbslose und Alleinerziehende. Diese Gruppen sind auch die Hauptnutzer der Parks, der heute nicht mehr zeitgemäß gestaltet ist. Einen Bedeutungsverlust erlitt der Park auch durch die Verschiebung des Stadtzentrums in der Nachwendezeit: Gemeinbedarfs- und Versorgungseinrichtungen wurden geschlossen und die Bundesstraße mit unzureichenden Querungsmöglichkeiten schneidet den Park von der Dessauer City ab. Durch erhebliche Pflegerückstände wirkte der Park verwahrlost und Kleinkriminalität (Drogenhandel) hat sich etabliert, so dass das Thema Sicherheit bei der Umgestaltung des Parks eine zentrale Rollen spielt.

Angaben zum Quartier
EinwohnerStadt: 80.000
Quartier: 3.500
Lage Innenstadt
Quartierstyp/BaualterGründerzeit sowie 1960er Jahre
SozialdatenMenschen < 18 Jahre 13 %
Menschen > 65 Jahre 34 %
Zuwanderer 3 %
Transfergeldempfänger 25 %

Konzept

Initiator des Modellvorhabens ist die Stiftung Bauhaus Dessau, die das Projekt gemeinsam mit der Stadt als Träger umsetzt. Mit der Umgestaltung des Parks soll auf den demografischen Wandel reagiert und die schrumpfenden Wohnquartiere in der Nachbarschaft stabilisiert werden.

In einem offenen Planungsprozess wurde ein Gesamtkonzept zur Aufwertung und Erneuerung des Stadtparks Dessau entwickelt, das nun schrittweise umgesetzt wird. Dabei entstehen neue Angebote für bisher unterrepräsentierte Nutzergruppen und neue innerstädtische Wohnqualitäten, die sich an die Parknutzer aus allen Generationen und Kulturen richten. Um Verantwortlichkeiten der Nachbarschaften zu binden, soll die Parkbespielung und auch die Pflege soweit wie möglich durch lokale Akteure und Anwohner organisiert bzw. mitgetragen werden.

Bausteine der Parkkonzeption sind:

  • der Parksommer als mehrstufiges Aktivierungs- und Beteiligungsverfahren mit Spiel- und Kulturangeboten im Park
  • die Parkwerkstatt als dialogisches Planungsverfahren mit einem landschaftsarchitektonischen Ideenwettbewerb, der in einen Masterplan für den Park mündet
  • ein Sicherheitskonzept mit ganzheitlichem Ansatz
  • Die Netzwerkbildung zur Aktivierung zivilgesellschaftlicher Institutionen, von Sportvereinen, Freizeitgruppen und sozialkulturellen Zentren für die Gestaltung
  • Die Entwicklung eines Kooperations- und Patenschaftsmodells für die Bespielung und Pflege des Parks und den Betrieb der Einrichtungen im Park

Finanzierung

Das Projekt, das eine umfassende Neugestaltung des Stadtparks in mehreren Bauabschnitten vorsieht, wird aus verschiedenen Töpfen finanziert. Eigenmittel der Stadt werden insbesondere in Form personeller Ressourcen für die intensive Steuerung innerhalb der Verwaltung und der Planungs- und Bauakteure, die Betreuung des Sicherheits¬tisches und die Besetzung des Parkmanagers eingesetzt.

Über die ExWoSt-Zuwendung wird das Planungs- und Moderationsverfahren und der erste Bauabschnitt finanziert. Weitere investive Mittel kommen aus den Programmen Urban II und Stadtumbau Ost.

Die Pflege und Unterhaltung bleibt überwiegend in städtischer Hand, wobei Bewohner, Vereine und Institutionen durch Pflegepatenschaften und die Organisation und Durchführung von Veranstaltungen und Aktionen an der Pflege und am Betrieb mitwirken.

Wechselbeziehungen Wohnen – Freiräume – Gemeinschaftseinrichtungen

Der Park soll wieder zu einem sozialen und kulturellen Treffpunkt für Anwohner aller Alters- und Nutzungsgruppen sowie für regionale Kunden des Rathauscenters werden. Die geplante Umgestaltung wird unterstützt durch Maßnahmen zur Differenzierung der Wohnangebote, um wieder jüngere Familien zu gewinnen. Überlegungen, wie die Bezüge zu den Wohnnachbarschaften gestärkt werden können, sind u.a. die Anlage von Mietergärten am Park, die Einrichtung eines Cafés in einem der Y-Hochhäuser sowie die Förderung von Jungem Wohnen am Park.

Aspekte der generationen- und zielgruppenübergreifenden Nutzung

Durch die Freiraumgestaltung und durch die Fortsetzung des jährlichen Parksommers sollen Aktivitäten und Lebensstile der unterschiedlichen Zielgruppen, wie Senioren, Migranten und Familien sichtbar gemacht werden. Dabei wird an bereits vorhandene Aktivitäten von Initiativen, Vereinen und Institutionen, wie der Spielplatzinitiative oder des Multikulturellen Zentrums, angeknüpft. Erste Erfolge der generationen- und kulturenübergreifenden Benutzung und Bespielung des Parks sind beim Dessauer Parksommer sichtbar geworden. Es wurde ein Rahmen geschaffen und ein Programm zusammengestellt, das verschiedene Gruppen ansprach und ihnen eine Vorstellung zur künftigen Parkatmosphäre und -bespielung gab. Das traditionelle Milieu und ältere Menschen wurden vor allem durch die Ausstellung privater Fotos zum Thema "Stadtpark – erinnern sie sich?" erreicht. Regen Zuspruch v.a. bei den Älteren fanden auch das Nachbarschaftsfest der Wohnungsbaugesellschaft, das Fest der jüdischen Gemeinde und die Wellness-Veranstaltungen wie der Seniorenfitnesstag und Tai Chi. Generationenübergreifend wurden die Veranstaltungen für Kinder besucht. Kulturinteressierte wurden erreicht über Aktionen, wie Zeichenkurse, Boulespielen, Baumführungen, botanische Führungen und Jazzmusik. Schwierig zu erreichen ist die Gruppe der Jugendlichen. Eine hohe Beteiligung mit ca. 100 Besuchern brachte eine vom Comic-Kombinat organisierte Cosplay Convention, ein aus Japan stammendes Jugendevent.

Fokus bauliche und organisatorische Lösungen: Belebung und neue Parkatmosphäre schaffen

Im Rahmen des ExWoSt-Modellvorhabens werden an zentralen Punkten des Parks erste bauliche Maßnahmen als Anstoß für die generationen- und kulturenübergreifende Freiraumgestaltung umgesetzt. Hierzu gehören

  • das Auslichten sichtdichter Gehölze und die Installation einer interaktiven Beleuchtung für mehr Übersicht und Transparenz im Park
  • die Gestaltung von Teilen des citynahen Vorparks um den vorhandenen Brunnen als zentraler Begegnungsort
  • die Anlage eines Bewegungspfades für Senioren
  • Anschlüsse, die es ermöglichen eine mobile Veranstaltungsbühne variabel im Park aufzustellen
  • die funktionale Erweiterung eines Kinderspielbereiches sowie
  • die Einrichtung einer Kulturzelle als Anlaufpunkt für Vereine und Institutionen im Park, die auch Platz bietet um Materialien zu lagern

Gemeinsam für mehr Sicherheit

Auf das Thema Sicherheit im Park wurde anfangs mit Videoüberwachung reagiert. Sicherheit entsteht jedoch in erster Linie dort, wo Menschen Verantwortung für andere übernehmen. Dazu müssen vor allem soziale Barrieren überwunden werden. Aus diesem Grund führte die Stadt unter Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters einen Sicherheitstisch ein, an dem viele beteiligte Gruppen gemeinsam über das Thema diskutieren. Im Rahmen einer Sicherheitspartnerschaft wurden drei Arbeitsgruppen zu den Themen "Netzwerk", "Nachbarn" und "Planung und Umsetzung" eingerichtet, die den weiteren Planungs-, Umsetzungs- und Nutzungsprozess begleiten.

An der Sicherheitspartnerschaft sind u.a. Polizei, Ordnungsamt, Verwaltung, soziale Träger und Initiativen beteiligt. Erstes greifbares Ergebnis ist die Einrichtung der Parkmanagerstelle durch die Stadt.

Bauliche und gestalterische Maßnahmen im Park sollen das Sicherheitskonzept unterstützen: Am Beginn steht das Entfernen und Auslichten von Büschen und das Aufräumen unübersichtlicher Bereiche, um überschaubare Parkräume, aber auch die Wiederherstellung historischer Sichtachsen zu schaffen. Um eine breite Akzeptanz herzustellen und Konflikte zu vermeiden, lassen sich solche Eingriffe am besten vor Ort und öffentlichkeitswirksam aushandeln. Die Maßnahmen wurden hierzu bei Parkbegehungen unter der Beteiligung von Verwaltung, Naturschutzverband, Polizei, Bürger sowie Presse und Fernsehen erläutert.

Ein neuer Weg wird durch die Umsetzung eines interaktiven Lichtkonzeptes auf einer zentralen Parkfläche am Hauptweg erprobt. Unter dem Motto "Belebung wird sichtbar" werden belebte Flächen mithilfe von Bewegungssensoren in der Dunkelheit stärker beleuchtet als weniger frequentierte. Je mehr Menschen sich im Park aufhalten, desto heller wird es.

Fokus Prozess: Parksommer und Parkwerkstätten – alle mitnehmen, alle ansprechen

Nutzerbezogene Angebote und Konzepte zu erarbeiten, die Kommunikation, die Interaktion, vor allem aber auch die Sicherheit aller Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, ist erklärtes Ziel. Daher erfolgt die Umgestaltung des Stadtparks in einem offenen Prozess in engem Dialog mit den Vertretern unterschiedlicher Altersgruppen, Kulturen und lokalen Akteuren. Mit dem Parksommer und den damit verbundenen Parkwerkstätten fand hierzu ein nach Altersgruppen und Kulturen differenziertes Beteiligungsverfahren statt.

In der Parkwerkstatt mit Planungsspaziergängen und Diskussionsrunden im Park konnten alle Nutzergruppen ihre Bedürfnisse einbringen. Schwierig zu erreichende Gruppen, wie z.B. Menschen mit Migrationshintergrund, wurden über ihre Repräsentanten in den Planungsprozess eingebunden. Die von den Bewohner- und Akteursgruppen benannten Bedürfnisse, Wünsche und Ideen für den Park bildeten die Grundlage für ein konkurrierendes Verfahren mit drei Architektengruppen, deren Zwischen- und Endergebnisse jeweils mit allen Beteiligten vor Ort diskutiert wurden.

Aus dem Siegerentwurf entstand dann 2007 ein Masterplan für den Park. Bei der weiteren Umsetzung des Masterplans und dem Parkbetrieb wird mit den Vereinen, Anwohnern, Seniorenbeauftragten und Seniorenbeirat, dem Ausländerbeauftragten, dem multikulturellen Zentrum sowie dem Management des Rathaus-Centers eng zusammengearbeitet.

2008 konnten erste Projektpaten gewonnen werden. Die Jüdische Gemeinde kümmert sich um ein Schachfeld im Park, organisiert einen Frühjahrsputz und führt ein Fest der osteuropäischen Kulturen durch. Das Avendi Seniorenheim betreut einen Wasserspielplatz und einen Bewegungspfad, übernimmt Teile der Kosten und veranstaltet außerdem einen Seniorensporttag und Spiele für Jung und Alt. Das Gymnasium Philanthropinum organisiert Sportunterricht auf dem Allwetter¬spielplatz im Park. Mit der benachbarten Justizvollzugsanstalt konnte eine Vereinbarung über Pflegeeinsätze mit Insassen des offenen Vollzugs getroffen werden.

Verwaltung und bürgerschaftliches Engagement – dazwischen bedarf es Mittler

Zur infrastrukturellen Unterstützung von bürgerschaftlich organisierten Gruppen wird im Park eine Kulturzelle bereitgestellt. Darüber hinaus bedarf es auch, zumindest in der Anfangszeit, eines Kümmerers, der Ansprechpartner für die Nutzer ist und der dass kulturelle Programm im Park koordiniert.

Für zunächst drei Jahre hat die Stadt daher einen Parkmanager eingestellt und einen Finanztopf für Initiativen bereitgestellt.

Das Aufgabenprofil für den Parkmanager ist vielfältig: Er soll ein Vermittler zwischen Akteuren und Verwaltung, Ansporner, Schrittmacher und "Netzwerker" sein und mit Unterstützung der städtischen Verwaltung die Aufgaben eines Kultur-Hausmeisters und eines technischen Hausmeisters übernehmen.

Erfahrungen und Übertragbarkeit

Für die umfassende Umgestaltung und Belebung des monofunktionalen und nicht mehr zeitgemäß gestalteten Stadtparks zu einem Park für alle Generationen und Kulturen bewährt sich ein offenes, dialog¬orientiertes Beteiligungs- und Planungsverfahren, das alle Bürger und Akteure anspricht und in den Umgestaltungsprozess einbindet.

Nutzer und Einrichtungen übernehmen Projektpatenschaften, insbesondere für besondere Ausstattungsmerkmale und die Organisation und Durchführung von Festen und Aktionen im Park. Wenn jedoch bürgerschaftliches Engagement kontinuierlich eingebunden werden soll, bedarf es einer vermittelnden und kümmernden Instanz. Ein Parkmanager als neuer Verantwortlicher und Ansprechpartner kann hier eine Schlüsselfunktion einnehmen. Außerdem entstehen neue Aufgaben für die Verwaltung (Betreuung kleinflächiger Pflegeverträge, Patenschaften einwerben, ausgestalten, pflegen, motivieren). Dies stößt vielfach auf mangelnde personelle Ressourcen und erfordert eine Umorganisation der Arbeitsgebiete in der Verwaltung.

Der in Dessau eingerichtete Sicherheitstisch unter Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters verbessert die Aufmerksamkeit und schafft den notwendigen Hintergrund, um wirksame Veränderungen im Bereich sozialer und baulicher Maßnahmen auf den Weg zu bringen.

Weiterführende Informationen

Die Projektbeschreibung können Sie sich hier auch als barrierefreie PDF herunterladen.
Download (pdf/974-KB)



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