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Frankfurt - Nordend: Vernetzte Spiel- und Begegnungsräume

Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere - Modellvorhaben

Angaben zum Projekt
Kontakt

Mona Winkelmann, Stadt Frankfurt am Main, Stadtplanungsamt,
Tel: +49 69 21236166
mona.winkelmann@stadt-frankfurt.de

http://www.urbanes.nordend.de

ProjekttypStraßenraumgestaltung und Vernetzung in urbanen Quartieren
NutzflächeEiserne Hand 1.000 m², Begegnungszonen 5.400 - 12.700 m²
EigentümerStadt Frankfurt
KooperationspartnerOrtsbeirat, Initiative Alte für Frankfurt, Kinderbüro
AkteureStadt Frankfurt/M. Verkehrsdezernat, Ref. für Mobilitäts- und Verkehrsplanung; Planersocietät, Dortmund; Ortsbeirat Nordend; Initiative Alte für Frankfurt; Kinderschutzbund Frankfurt/M.; Kinderbüro; IG Untere Bergerstraße
PlanungPlanersocietät, Dortmund
ModerationPlanersocietät, Dortmund

Kontext

Das unmittelbar an die Frankfurter Innenstadt angrenzende Nordend ist ein hoch verdichtetes Gründerzeitquartier mit einem positiven Image als Wohnstandort. Problemfelder zeigen sich weniger im Bezug auf soziale Probleme als im Hinblick auf die Verkehrsbelastung, die hohe Dichte, die fehlenden Baulücken, die nicht öffentlich zugänglichen Blockinnenbereiche und die traditionell hohe Dichte von Schulen ohne Erweiterungsmöglichkeiten.

Die größtenteils hochwertigen Freiflächen, wie urbane Plätze oder für die Erholungsnutzung gestaltete Parks, sind primär an den Rändern des Quartiers angeordnet, wodurch lange Wege zu den Erholungs- und Aufenthaltsbereichen erforderlich sind. Dabei ist die Dominanz der Straßenräume als öffentliche Freiräume erheblich. Dies ergibt einen besonderen Handlungsdruck, mehr Aufenthaltsqualität gerade in diesen Räumen zu schaffen.

Bereits in den 1980er Jahren wurde das Nordend großflächig verkehrsberuhigt. Doch das Ziel, den motorisierten Verkehr einzuschränken, wurde nicht erreicht, da die Maßnahmen gegenüber dem stetig steigenden Parkplatzsuchverkehr im Stadtquartier wirkungslos blieben. Nun setzt man auf einen langsamen Wandel, auf unaufwendige organisatorische Maßnahmen und kleine Eingriffe.

Angaben zum Quartier
EinwohnerStadt: 655.000
Quartier: 54.000
Lage Innenstadtrand
Quartierstyp/BaualterGründerzeit bis 1930
SozialdatenMenschen < 18 Jahre 12 %
Menschen > 65 Jahre 20 %
Zuwanderer 24 %
Transfergeldempfänger 5,6 %

Konzept

Motor des Modellvorhabens ist das Verkehrsdezernat der Stadt Frankfurt, das mit dem Ortsbeirat, dem Kinderschutzbund, dem Kinderbüro und der Initiative "Alte für Frankfurt" kooperiert. Das Projekt zielt darauf ab, die Bewegungs-, Spiel-, Kommunikations- und Aufenthaltsräume generationsübergreifend zu qualifizieren und zu vernetzen. Das innenstadtnahe Gründerzeitquartier soll als attraktiver Wohnstandort und Erlebnisraum gerade für Familien, Kinder und ältere Menschen weiterentwickelt werden. Im Fokus des Projektes stehen dabei besonders die Zwischenzonen, die kleineren – oft nicht wahrgenommenen – Alltags- und Quartiersplätze, die als Trittsteine und Verbindungskorridore zu den größeren Plätzen und Parks miteinander vernetzt werden sollen.

Aufbauend auf dem 2006 durchgeführten Pilotprojekt "Nahmobilität Nordend" wird in dem Projekt ein dialogorientierter Ansatz verfolgt, der aus Ideen von unten gespeist und im Rahmen des Gesamtkonzeptes qualifiziert wird. Neben interessierten Bürgern tragen lokale und stadtteilübergreifende Initiativen und Institutionen wesentlich zum diskursiven Prozess sowie zur Umsetzung des Projektes bei.

Bausteine des Konzeptes sind:

  • Ideensammlung anhand von nutzerspezifischen Planungsspaziergängen, Kinderstreifzüge, Bürgerforen, Straßenfesten, Flyer-Aufruf, Projekthomepage
  • Aufruf zur Beteiligung (Aktionstag: Straßen.Leben.Nordend und über gängige Medien)
  • Konkrete Planung und Umsetzung von Einzelprojekten im Nordend
  • Evaluation und Dokumentation der Projekte

Das Projekt baut auf bestehenden Aktivitäten im Quartier auf und wird als Kooperationsprojekt mit den örtlichen Institutionen (Kindergärten, Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen, Sportvereine, Kirchengemeinden) umgesetzt.

Finanzierung

Die Projektbausteine des Modellvorhabens werden weitgehend über die ExWoSt-Zuwendung finanziert. Die Kosten für die Pflege und Unterhaltung liegen in Trägerschaft der Kommune. Daher wurden die Betriebskosten bei der Auswahl und Bewertung der einzelnen Maßnahmen als wichtiges Kriterium von Anfang an mitgedacht. Eine Übertragbarkeit der baulichen Maßnahmen ist daher auch ohne Sonderzuwendung grundsätzlich möglich. Allerdings wird der Aufwand an Koordination und Interaktion als sehr hoch bewertet. Ohne Erweiterung kommunaler Ressourcen oder eine Zusatzförderung sind diese Leistungen im "Normalprogramm" der kommunalen Verwaltung nicht leistbar.

Für das Teilprojekt Sitzmöglichkeiten in Geschäftsstraßen wird gegenwärtig ein öffentlich-privates Finanzierungsmodell entwickelt. Nach den bisherigen Erfahrungen sind wichtige Eckpunkte für solche PPP-Maßnahmen ein gemeinsamer Grundkonsens zwischen den Beteiligten (setzt eine Koordination der verschiedenen Ämter und Privaten voraus), die Mitwirkungsmöglichkeiten der Bürger und Interessengruppen sowie ein gemeinsam verabredetes Finanzierungsmodell.

Wechselbeziehungen Wohnen – Freiräume – Gemeinschaftseinrichtungen

Das Nordend hat eine große bürgerliche Tradition als renommierter Wohnstandort, Schulstandort und in jüngerer Zeit auch gastronomischer Standort.

Das begrenzte Parkraumangebot der historischen Struktur, die wirksame Verkehrsberuhigung der 1980er Jahre, die stadtteilbezogene Radverkehrsplanung der 1990er Jahre sowie das dichte ÖPNV-Angebot stellen optimale Bedingungen für eine autounabhängige Mobilität dar. Gleichwohl dominiert der ruhende Verkehr den Straßenraum, Freiräume zur Begegnung und zum Aufenthalt im Wohnumfeld fehlen. Da es auch an nutzbaren Vorgärten und Höfen mangelt, profitieren von den Aufwertungsmaßnahmen in den Verkehrsräumen auch die Wohnnachbarschaften im Nordend. Darüber hinaus sollen die vielfältigen Infrastruktureinrichtungen (für Kinder, ältere Menschen etc.) im Quartier als Ausgangs- und Kristallisationspunkte dienen und die z.T. übliche generationsübergreifende Nutzung der sozialen Infrastruktur auf den Freiraum übertragen werden.

Aspekte der generationen- und zielgruppenübergreifenden Nutzung

Die altersmäßig heterogene Bevölkerungsstruktur und auch die Sozialstruktur bieten gute Grundvoraussetzungen, um einen generationenübergreifenden Projektansatz zu verfolgen. Die Sozialkontakte "face-to-face" werden begünstigt durch den hohen Fuß- und Radverkehrsanteil auf den Quartierswegen.

Das Trittsteinkonzept richtet sich insbesondere an Personenkreise, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, also für einen weit gefassten Aktionsraum zu Fuß häufigere Ruhepausen in ihren täglichen Wegen benötigen (ältere Menschen und Kinder). Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass sowohl Ältere wie Kinder grundsätzlich Interesse an gemeinsamen Begegnungsräumen statt eigenen, homogenen Bereichen haben. Dies zieht sich durch alle Maßnahmen und Teilprojekte, z.B. auch mit dem Konzept eines generationenübergreifenden Spielbereichs am Nordendplatz (d.h. mit Seniorenaktivgeräten, mit öffentlichem, hochqualitativem Straßenbereich am Café Größenwahn).

Fokus Bauliche Lösungen: Signifikante Maßnahmen mit einfachen Mitteln umsetzen

Durch die bauliche Aufwertung und Reorganisation von Zwischenräumen, Straßenecken und blockierten Gehwegflächen für den fußläufigen Verkehr soll eine Vernetzung und Aufwertung bestehender Freiräume erreicht werden. Dabei wird in erster Linie auf ein konstruktives Zusammenspiel aller städtischen Verkehrsarten gesetzt. Gleichzeitig sollen die Maßnahmen ohne aufwändige Umbauten auskommen, möglichst mit einfachen Mitteln umsetzbar und trotzdem signifikant sein und ein innovatives Image vermitteln.

Mehrfachnutzung statt Verkehrsverdrängung

In Anlehnung an das Schweizer Konzept der Begegnungszonen werden im Stadtquartier Räume als Vorrangzonen für Passanten ausgewiesen, die bisher primär dem motorisierten Verkehr zugeordnet waren. Die unterschiedlich farbigen Markierungs- und Fahrbahnbelagsideen aus der Schweiz werden dabei in die traditionell monochrome Markierungstradition einer deutschen Stadt übertragen und so Aufmerksamkeit für die Begegnungszonen durch einfache Markierungselemente geschaffen.

Spielräume durch temporäre Angebote

An anderen Stellen im Nordend wird das Konzept Temporäre Spielstraßen erprobt. An einem festen Nachmittag pro Woche hat hier in einem temporär gekennzeichneten Straßenabschnitt die Spielfunktion Vorrang. Das Spielmobil bzw. ein Abenteuerspielplatz als Kooperationspartner bieten zu diesen Zeiten Spielangebote bzw. Spielzeug zum Ausleihen an. Durch medienwirksame Öffentlichkeitsarbeit und Mund-zu-Mund-Propaganda sind diese temporären Angebote bereits quartiers- und stadtweit bekannt gemacht worden. Dennoch konnte in der Anfangsphase festgestellt werden, dass es teilweise Akzeptanzprobleme gibt, Parkplätze auch temporär für andere Nutzungen freizugeben.

Alltagspfade aufwerten

Maßnahmen in dieser Projektfamilie sollen die Straßen, Wege und Plätze im Stadtteil für die alltäglichen Wege nutzbarer und attraktiver gestalten.

An Wegen zu Parks, alltäglichen Besorgungswegen und ÖPNV-Haltestellen werden Bänke und feste Sitzelemente aufgestellt, so dass Sitzrouten entstehen, die Pausen, das Ausruhen oder einfach nur das Sehen und Gesehen werden ermöglichen. Mit dem Projekt "Verrückte Stühle" sollen darüber hinaus Möglichkeiten für das flexible Aufstellen von Sitzmöbeln und damit eine individuelle Raumaneignung ermöglicht werden. Im Probebetrieb wurde jedoch deutlich, dass die farbig auffällig gestalteten und mit dem Projektlogo versehenen Stühle offensichtlich als Sammelobjekt begehrt sind. Daher funktioniert dieser Ansatz nur in Verbindung mit sozialer Kontrolle, denn Dank eines "lokalen Kümmerers" war der Testlauf an einer Stelle bislang erfolgreich.

Umgestaltungsprojekte in Vorbereitung

In planerischer Vorbereitung sind außerdem die beiden komplexeren Umgestaltungspro-jekte im Bereich "Eiserne Hand" mit einer Platzbildung und Blockdurchwegung und die Vernetzung von Nordendplatz und Glauburgplatz. Für den Nordendplatz wird im Auftrag des Grünflächenamts auch die Einrichtung eines Seniorenaktivbereichs zur Ergänzung der Kinderspielmöglichkeiten vorbereitet. Die Umsetzung erfolgt im Jahr 2009.

Fokus: Träger und Kooperationen

Träger für den Betrieb und für die Unterhaltung des urbanen Freiraums ist die öffentliche Hand, v.a. das Amt für Straßenbau und Erschließung (alle Straßenflächen) und das Grünflächenamt (alle Grünflächen). Die Zuordnung ist in Frankfurt flächenmäßig exakt geregelt. Dies führt allerdings dazu, dass die Entwicklung des urbanen Freiraums nur selten integriert und ressortübergreifend betrachtet wird. Innerhalb des Projektes "Nahmobilität" wurde deshalb eine AG Umsetzung und eine fachübergreifende Projektsteuerungsgruppe eingesetzt, die die Maßnahmen im öffentlichen Straßenraum koordiniert.

Private Akteure sind bislang als Träger für den Betrieb und für die Unterhaltung nicht aufgetreten. Privates Engagement für den öffentlichen Raum (z.B. Sitzmöglichkeiten durch eine Interessensgemeinschaft einer Geschäftsstraße) ist grundsätzlich aktiviert. Vor allem die Betreiber der Erdgeschossnutzungen (Gastronomie, Einzelhandel) sind für Kooperationen und als Kümmerer für den öffentlichen Raum vor der Haustür von größerer Bedeutung im Vorhaben.

Fokus Prozess: Projektsteuerung intern und extern ist notwendig

Die Kontinuität der Projektbegleitung ist angesichts des komplexen Sachverhalts und der Vielzahl der Teilprojekte mit ihren Synergien unerlässlich. Die Projektsteuerung im Modellvorhaben erfolgt durch das Verkehrsdezernat und zusätzlich einen externen Fachgutachter. Die kommunale Verwaltung übernimmt die Fachleitung, die Ausschreibung und Vorbereitung von Aufträgen sowie die Koordination mit anderen Verwaltungsämtern und der lokalen Politik. Das Büro unterstützt die Verwaltung inhaltlich für die Entscheidungsvorbereitung. Zusätzlich werden vom Büro die kommunikativen Aufgaben, Moderations- sowie die Evaluationsaufgaben übernommen.

Zur Abstimmung und Prozessbegleitung dienen derzeit drei Abstimmungsgremien:

  • Projektsteuerungsgruppe (etwa halbjährlich) zur Steuerung und Beratung des Gesamtprozesses, besetzt durch Politik/Verwaltung und einzelne Kooperationspartner
  • Projektstammtisch im monatlichen Rhythmus mit einem Kreis von 10-15 dem Projekt sehr offen eingestellten Bürgern. Hier wird in lockerer Atmosphäre der Stand des Projektes diskutiert und der interessierten Öffentlichkeit eine kontinuierliche Möglichkeit zu Information, Mitdiskussion und Übernahme von Verantwortung angeboten. Der unregelmäßig erscheinende Newsletter mit den Einladungen zum Projektstammtisch wird seit Projektbeginn an einen großen Verteiler verschickt
  • AG Umsetzung zur Nahmobilität: Das zur Umsetzung des Nahmobilitätskonzeptes gegründete Gremium (besetzt aus lokaler Politik und den umsetzenden Ämtern) übernimmt jetzt in der Umsetzungsphase auch die Abstimmung von einzelnen Umsetzungsprojekten des Modellvorhabens.

Alle mitnehmen: Maßnahmen bekannt machen, den Dialog führen

Schon jetzt zeigen sich konkrete Maßnahmen, um den Freiraum lebendig zu gestalten. Zum einen wird Aufmerksamkeit und eine größere öffentliche Beachtung durch die kreative Beteiligung der Bewohner an der Umgestaltung ihres Stadtteils geschaffen. Kinder berichten regelmäßig von ihren Eindrücken im Nordend als Kinderreporter im Lokalradio. Seit April 2008 gibt es für alle Bewohner die Möglichkeit, in eine virtuelle Stadtteilkarte im Internet (Wikimap Nordend) Informationen zu einzelnen Orten im Stadtquartier einzutragen. So können Tipps und Meinungen veröffentlicht und ausgetauscht werden. Wenn auch das Interesse an der Wiki-Map nach einer ersten Aktivierungsphase nachgelassen hat und die Betreuung durch die Verwaltung parallel zu den Regelaufgaben schwierig ist, so lässt sich das Medium künftig gezielt planungs- bzw. konzeptionsbegleitend in der Quartiersentwicklung einsetzen.

Erfahrungen und Übertragbarkeit

Die bisherige Projektumsetzung zeigt, dass durch die kreative Gestaltung von Zwischenräumen neue Aufenthaltsqualitäten in den Alltagsräumen und entlang der Wege der Stadtquartiere geschaffen werden können. Dabei wirken einfache und temporäre Aktionen als Türöffner. Vor allem Maßnahmen, die ohne großen Umbau auskommen und dennoch eine hohe qualitative Wirkung erzielen, habe eine große Übertragbarkeit.

Nur durch eine konstruktive Zusammenarbeit der Akteure, gestützt durch eine kontinuierliche Projektsteuerung und fachliche Moderation kann ein solches Projekt gängig gemacht werden, das viele unterschiedliche Zuständigkeiten in der Verwaltung und Akteure in den Quartieren einbindet. Die starke Initiative eines Amtes und die politische Rückendeckung sind hierbei Grundvoraussetzung.

Allerdings muss die Verwaltung personell in der Lage sein, dies über einen längeren Zeitraum mit zu begleiten – oder durch Dritte begleiten zu lassen.

Weiterführende Informationen

Die Projektbeschreibung können Sie sich hier auch als barrierefreie PDF herunterladen.
Download (pdf/297-KB)



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