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Fürstenfeldbruck: Quartiersplatz Marktplatz Ost

Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere - Modellvorhaben

Angaben zum Projekt
Kontakt

Martin Kornacher, Stadt Fürstenfeldbruck
Hauptstraße 31, 82256 Fürstenfeldbruck,
Tel: +49 8141 2814000,
Martin.Kornacher@fuerstenfeldbruck.de

Martina Schneider rockinger und schneider landschaftsarchitektur gbr, München
lfi@rockingerundschneider.de
Manuela Skorka, Planungsbüro, Neuried
info@planungsbuero-skorka.de

http://www.lebenfindetinnenstadt.de

ProjekttypStraßenraumgestaltung und Vernetzung in urbanen Quartieren
NutzflächePlatz 4.740 m², Bewegungsgarten 220 m², Garten Kinderkrippe 440 m², Mehrgenerationenhaus 650 m²
EigentümerStadt Fürstenfeldbruck
KooperationspartnerEigentümer und lokale Institutionen
AkteureStadt Fürstenfeldbruck, Bauamt; rockinger und schneider landschaftsarchitektur; Planungsbüro Skorka; Seniorenwohnheim Josephsstift; Volkshochschule Fürstenfeldbruck; Seniorenbeirat; Grundschule am Niederbronner Weg; Jugendbeirat; Beirat für Menschen mit Behinderung
PlanungProckinger und schneider landschaftsarchitektur gbr, München; Planungsbüro Skorka, Neuried
Moderationrockinger und schneider landschaftsarchitektur gbr, München; Planungsbüro Skorka, Neuried

Kontext

Die Stadtentwicklung fand in Fürstenfeldbruck in den Nachkriegsjahren vor allem außerhalb des historischen Stadtkerns statt. Über die Festsetzung eines Bebauungsplans gelang es in der westlichen Altstadt die bauliche Entwicklung vor allem für Einzelhandelsflächen voranzutreiben. Im Gegensatz hierzu erwies sich die Aktivierung durch bauliche Nachverdichtung mit den klassischen Städtebauinstrumenten im östlichen Teil der Altstadt als schwierig und führte nicht zur gewünschten baulichen Entwicklung. Noch heute ist der Bereich baulich wenig entwickelt, so dass Brachflächen und vernachlässigte Hinterhofsituationen das Bild mit prägen.

Die künftige Quartiersentwicklung wurde im Rahmen des bayerischen Modellvorhabens "lebenfindetinnenstadt" in den Jahren 2006/07 in einer öffentlich-privaten Kooperation vorbereitet. Wichtiges Ziel war es, die Entwicklung von einer vernachlässigten, kaum wahrgenommenen Rückseite zu einem neuen attraktiven Quartier als Bestandteil der Innenstadt zu ermöglichen. Als Schlüsselmaßnahme wurde der Aufbau eines Netzes von attraktiven, öffentlichen Räumen identifiziert. Der angestoßene Prozess ermöglicht es der Stadt, frei werdende Infrastrukturflächen optimal zu nutzen. Ausgehend von dieser städtischen Initiative zeichnet sich im Quartier derzeit eine starke bauliche Dynamik ab. Auf bisher nicht genutzten Flächen entstehen ca. 60 familiengerechte und 36 altengerechte Wohnungen. Die Pfarrgemeinde St. Magdalena plant ein neues Pfarrheim, damit wird auch der Platz neben der Kirche neu gestaltet. Die Sparkasse hat zugesagt, im Rahmen dieser Veränderungen die Rückseite ihres Gebäudes zu überplanen, um den Gesamteindruck dieses Bereiches zu verbessern. An der Amper entsteht ein zusätzlicher öffentlicher Zugang zum Ufer und ein zugänglicher Steg entlang des Flusses zwischen Quartier und Hauptstraße.

Angaben zum Quartier
EinwohnerStadt: 35.000
Quartier: 425
Lage Innenstadt
Quartierstyp/Baualter19. Jahrhundert und 1970er Jahre
SozialdatenMenschen < 18 Jahre 8 %
Menschen > 65 Jahre 51 %
Zuwanderer 7 %
Transfergeldempfänger 6 %

Konzept

Im Zentrum des in der Entwicklung befindlichen Quartiers liegt der neue Quartiersplatz mit der "Knabenschule". Die Neugestaltung des Platzes ist ein wichtiger Baustein in der gesamten Quartiersentwicklung. Denn mit dem Bau einer neuen Quartiersmitte als Identifikations- und Begegnungsstätte für Jung und Alt wird ein wichtiges Signal für die positive Entwicklung im Quartier gesetzt.

Für den neuen Quartiersplatz wird der freiwerdende Schulhof des jetzigen Gymnasiums mit seinem schönen Baumbestand genutzt. Mit der Umgestaltung wird er zur Adresse für das an den Platz angrenzende neu entstehende Mehrgenerationenhaus und die Altenwohneinrichtungen, die zurzeit ohne räumliche Verbindung zueinander und zur Innenstadt im Quartier liegen. Die "Knabenschule", die bislang Teil eines ehemaligen Schulgebäudes war, soll als Mehrgenerationenhaus und Hauptsitz der Volkshochschule umgenutzt werden. Das Mehrgenerationenhaus wird in Zusammenspiel mit dem Platz saniert, genutzt und betreut werden.

Bausteine des Modellvorhabens sind:

  • Umbau des Platzes zu einem "Platz der Generationen"
  • Erarbeitung der Konzeption eines Mehrgenerationenhauses in der Knabenschule
  • Ausbau eines durchgängigen Wegenetzes
  • inhaltliche Koordination der angrenzenden Planungen im Quartier, Ausrichtung der Nachbarschaften auf die neue Mitte

Finanzierung

Die Grundausstattung des Platzes wird von der Stadt finanziert, das Land fördert die Planung und Herstellung des Platzes im Rahmen der Städtebauförderung. Über die ExWoSt-Zuwendung werden die Projektsteuerung und Moderation sowie besondere Ausstattungsmerkmale finanziert, die die Nutzung und Begegnung der Generationen fördern, wie Bühne, Wasserspiel und das Lichtkonzept. Auch die Finanzierung des Konzeptes für die ehemalige Knabenschule erfolgt als Anstoß über ExWoSt. Die Sanierung und der Umbau geschieht dann mit Mitteln der Stadt und aus der Städtebauförderung. Die laufenden Kosten für das Mehrgenerationenhaus werden im städtischen Haushalt eingestellt.

Private unterstützen die Quartiersentwicklung, beispielsweise indem sie die Gestaltung ihrer Freiräume auf den öffentlichen Raum ausrichten und auf Privatwegen eine öffentliche Nutzung zulassen.

Wechselbeziehungen Wohnen – Freiräume – Gemeinschaftseinrichtungen

Das Quartier ist durch eine Gemengelage mit heterogener, lockerer Bebauung und unterschiedlichen Nutzungen (Einfamilienhäuser, Schulen, Altenheime, Kirche etc.) geprägt. Durch die angestoßene Quartiersentwicklung soll ein attraktiver innerstädtischer Wohnstandort, insbesondere auch für Familien, mit einem hochwertigen Angebot an Gemeinbedarf entstehen. Um die Entwicklung von familienfreudlichen Wohnanlagen zu ermöglichen, erstellt die Stadt zur Zeit einen Rahmenplan. Mit der Definition einer neuen Quartiersmitte und der stärkeren räumlichen Vernetzung ergeben sich positive Effekte für die derzeitigen und neuen Wohnnachbarschaften.

Mit der Umnutzung der ehemaligen Knabenschule haben sich neue Möglichkeiten für symbiotische Nutzungen am Platz ergeben. Im unteren Geschoss wird ein Mehrgenerationenhaus mit Cafeteria integriert. Die bauliche Konzeptionierung unterstützt den Gedanken eines offenen Treffpunktes für Jung und Alt. Der Cafeteriabereich öffnet sich durch eine großflächige Glasfassade zum Platz und zum nördlich liegenden Hof am Altenheim. Vorgelagerte Terrassen, nutzbar für Außenmöblierung, schaffen Übergangsbereiche zwischen offenen und geschlossenen Räumen, geschütztem Ort und Aktivität. Am Abend, nach dem Volkshochschulbetrieb oder für kleinere Veranstaltungen genutzt, soll dieser Bereich durch eine besondere Beleuchtung des Innenraumes auch zum optisch wahrgenommenen Zentrum des Quartiers bei Nacht werden.

Aspekte der generationen- und zielgruppenübergreifenden Nutzung

Aussagen zur generationen- und zielgruppenübergreifenden Nutzung im Freiraum können erst nach der Projektumsetzung gemacht werden. Um die Planung entsprechend zu qualifizieren, wurden im Vorfeld die Wünsche und Anliegen der verschiedenen Bewohnergruppen genau erhoben. In zwei Workshops mit Experten und Vertretern der Nutzergruppen im Quartier wurden die im Gebiet wichtigen Themen wie Barrierefreiheit, Wahrnehmung und Orientierung im Alter, Beleuchtung und Kunst im öffentlichen Raum aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. In Wertschätzung der Bedürfnisse jeder Gruppe wurden die Aussagen im Workshop nebeneinander gestellt, so dass jede Gruppe auch die Wünsche der anderen Gruppen kennen lernen und so die eigenen Interessen besser einordnen konnte. Hieraus wurden konkrete bauliche Lösungen für die künftige generationenübergreifende Nutzung entwickelt.

Fokus Bauliche Lösungen: Räumliche Vernetzung und Aufwertung besonderer Orte im Quartier

Zentraler Ansatzpunkt, um das Quartier erlebbar zu machen, ist der Umgang mit dem öffentlichen Raum. Um das Gebiet als eigenes Quartier und die Freiflächen in Beziehung zur Innenstadt wahrnehmen zu können, wurde die Ergänzung des Wegenetzes, eine Abfolge attraktiver Aufenthaltsbereiche und ein Quartiersplatz als neue Mitte geplant. Fast alle Wege führen zum Platz. Der Platz mit dem Mehrgenerationenhaus wird zum Anziehungspunkt im Quartier. Die Planung des Platzes bildet den Ausgangspunkt für die weiteren baulichen Entwicklungen im Quartier.

Das Beleuchtungskonzept stärkt diese Idee. Wege zum Platz werden gleichmäßig beleuchtet, die Zielpunkte werden durch stärkere Helligkeit oder andersartige Beleuchtung hervorgehoben, Räume werden durch Beleuchtung der Raumbegrenzungen gebildet. Markante Orientierungspunkte wie das historische Ensemble, die Kirche, das Wasserspiel, das Mehrgenerationen etc. werden auch bei Nacht besonders hervorgehoben.

Trittsteine schaffen für eine Vernetzung der Freiräume im Quartier

Der neue Quartiersplatz öffnet sich an den Rändern zu den angrenzenden Nutzungen, er ist nicht durch Fassaden begrenzt. Diese Eigenschaft wurde als Chance begriffen. Um ein großes Nutzungsspektrum auf dem Platz zu ermöglichen und verschiedenartige Bereiche zu schaffen wurden die Übergangsbereiche zu den angrenzenden Nutzungen in den privaten Grundstücken gestaltet. Diese Trittsteine ermöglichen eine langsame Annäherung der Bewohner. So wie die Begegnung über den Zaun zum Nachbarn leichter und konfliktfreier geschieht, können die Bewohner der angrenzenden Flächen sich über ihre Fläche begegnen.

Zu den Trittsteinen gehören u.a. der Bewegungsgarten am Josephsstift, der Sitzbereich am Theresianum, der Pausenhof und die Aula der Schule sowie der Vorbereich der Cafeteria im Mehrgenerationenhaus. Die benachbarten Flächen und Nutzungen richten sich auf den Platz aus, treten über den gemeinsamen Platz in Beziehung, bilden Nachbarschaften.

Durch Freiraumangebote Begegnung ermöglichen

Attraktive Angebote auf dem Platz ermöglichen Begegnung und Aufenthalt für Jung und Alt. Der baumbestandene Kern des Platzes mit wassergebundener Decke wird von zwei langen, teilweise unterbrochenen Bankelementen gefasst. Der Platz wird großteils von festen Nutzungen freigehalten, um hier unterschiedliche Aktivitäten wie Boule¬spiel, Ballspiele, etc. zu ermöglichen. Anziehungspunkt und "Attraktion" des Platzes ist das Wasserspiel. Der durch die Skulptur verlaufende Weg lässt jeden, zumindest indirekt, am Geschehen teilhaben. Die auch als Bühne dienende Plattform lässt unterschiedliche Nutzungen, wie Sonnen, Brettspiele spielen, Treffen Jugendlicher etc., zu, auch kleinere Vorführungen oder Musikdarbietungen sind möglich.

Durch die Entwicklung von Rundwegen mit verschiedenen Stationen und Atmosphären (Sonne/Schatten, Ruhe/Aktivität) entstehen zusätzliche Angebote besonders für ältere Menschen und Familien mit kleinen Kindern.

Fokus Kooperationen: Potenziale der Akteure aufnehmen und stärken

Der Anstoß für die Quartiersentwicklung kam von Stadtplanern. Um sie umzusetzen, steht nun vor allem die Integration der Anwohner im Fokus. Ihre Bereitschaft, hier ein neues Stadtquartier für alle Generationen zu schaffen und ihr Leben wieder stärker in den öffentlichen Raum zu verlagern, ist Voraussetzung für das Gelingen des Modellvorhabens. Deshalb wurden die Eigentümer und Akteure im zukünftigen Quartier und die Politik gezielt auf Potenziale für Veränderungen und mögliche Kooperationen befragt. So entstanden erste Synergien: Im angrenzenden Hof des Seniorenstifts an der Knabenschule wird ein Bewegungsgarten eingerichtet, der öffentlich nutzbar ist. Im Stift selbst entsteht eine Kinderkrippe. Und bei der Planung eines Wohngebäudes direkt am Platz wird die Eignung für Familien besonders berücksichtigt.

Einfache Plansprache zur Ideenvermittlung

Um Ideen für alle Beteiligten und auch für Laien zu vermitteln ist eine einfache, klare Plansprache erforderlich. Dreidimensionale Modelle haben sich als anschauliches Informationsmedium in vielen Projekten bewährt.

Erfahrungen und Übertragbarkeit

Durch einen Perspektivwechsel, intensive Gespräche mit den Eigentümern und durch Zeichensetzung ist es der Kommune gelungen, eine positive Quartiersentwicklung in einer "festgefahrenen" Lage, in der die klassischen städtebaulichen Instrumente nicht weiterführen, in Gang zu setzen.

Das hierbei angewandte Prinzip der selbstbildenden Formen setzt dabei auf einen intensiven Dialog mit Eigentümern, Betroffenen und aktiven Gruppen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass sich Kooperationsstrukturen insbesondere dort herausbilden und verstärken, wo Bereitschaft und Interesse zur Mitwirkung gezeigt werden. Durch den damit entstehenden Rückkoppelungseffekt von sich verstärkenden Aktivitäten kann ein stabiles Netz von Kooperationspartnern zur Projekt- und Quartiersentwicklung erwachsen.

"Nadelstiche" an wichtigen öffentlichen Orten, öffentlich-private Kooperationen in der Freiraumentwicklung und die räumliche Vernetzung, die auf eine generationenübergreifende Nutzung ausgerichtet sind, können wesentlich mit dazu beitragen, dass aus rückwärtigen Lagen mit Hinterhofcharakter gute Wohnadressen und lebendige Quartiere in der Innenstadt werden.

Weiterführende Informationen

Die Projektbeschreibung können Sie sich hier auch als barrierefreie PDF herunterladen.
Download (pdf/891-KB)

Modellgemeinde Fürstenfeldbruck "Leben findet Innenstadt"



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